Cover-Bild Moosland
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 10.03.2026
  • ISBN: 9783755811831
Katrin Zipse

Moosland

Roman | Über die Kraft von Sprache, Natur und Gemeinschaft
Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Fremdes Island

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Das schlicht gezeichnet Cover widerspiegelt die Landschaft Islands.

1949, kurz nach dem 2. Weltkrieg kommt die junge Elsa als Hilfskraft an einen Bauernhof, der am Meer gelegen ist, nach Island. Damals ...

Das schlicht gezeichnet Cover widerspiegelt die Landschaft Islands.

1949, kurz nach dem 2. Weltkrieg kommt die junge Elsa als Hilfskraft an einen Bauernhof, der am Meer gelegen ist, nach Island. Damals wurden händeringend nach jungen Damen als Personen für die Arbeit, aber auch für spätere Ehen gesucht. Auf Grund von Auswanderung waren sie zu der Zeit in der Minderheit.

Elsa tut sich anfangs extrem schwer, sie trauert noch um ihre in Deutschland verstorbene Freundin und hier auf dem einfachen Bauernhof versteht sie überhaupt nichts von der schweren Arbeit in der Landwirtschaft, hat auch keine Erfahrungen in Haushaltstätigkeiten und die Sprache ist ihr ebenso fremd. So haben die Bauersleute nicht viel Freude mit dem ungeschickten Mädchen, aber sie gehen recht geduldig mit ihr um. Mühsam erlernt sie sich zu verständigen, ebenso erfährt sie Kenntnisse in Kochen, Wäsche machen, Melken, Heuen, Schafe scheren, Spinnen und Reiten. Sie weiß jedoch um die Erwartungen, die alle von ihr haben. Die beiden Söhne des Hofes, im ungefähr gleichen Alter wie sie, bemühen sich beide um Elsa.
Katrin Zipse schreibt über Islands raue, schroffe Landschaft, über die schwere Arbeit der Bauern zu dieser Zeit, über die Hoffnungen und Pläne und über schweigsame Menschen und ihre Eigenheiten.
Man spürt die Traumatisierung, die dieser Krieg hinterlassen hat und wie schwer es für Menschen ist, sich in einem Land zurechtzufinden, deren Sprache und deren Rhythmen sie nicht verstehen, sich aber integrieren sollen und ganz von vorn beginnen müssen.
Ein einfühlsames Buch, das den Versuch nach Eingliederung recht gut beschreibt.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Feinfühlig

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Katrin Zipse schreibt in einer sehr einfühligen Art und Weise über ein mir bisher nicht bekanntes Kapitel der deutschen Geschichte.

Nach dem Krieg emigrierten rund 300-400 deutsche junge Frauen von Höfen ...

Katrin Zipse schreibt in einer sehr einfühligen Art und Weise über ein mir bisher nicht bekanntes Kapitel der deutschen Geschichte.

Nach dem Krieg emigrierten rund 300-400 deutsche junge Frauen von Höfen aus Deutschland nach Island. So sollten sie den katastrophalen Nachkriegsumständen in Deutschland entkommen und die Chance auf eine Familiengründung in Island bekommen. Wie man sich vorstellen kann, Diese Zeit des Umbruchs muss unglaublich schwierig für die jungen Frauen gewesen sein. Den Krieg noch in den Knochen, die ungeheuren Traumata in der Seele mussten sie sich auf einen kompletten Neustart zwischen Menschen, deren Sprache sie nicht verstanden, wagen. Was retrospektiv zuerst wie eine große Chance aussieht, war bestimmt mit extremen psychischen Herausforderungen verbunden.

Dieser Roman überzeugt mit seiner Leichtigkeit, obwohl die schweren Themen behandelt werden. Die Autorin lässt mich als Leserin unglaublich mit dem Schicksal der Hauptfigur mitfühlen. Die Alltagsbeschreibungen sind so anschaulich, das innere Leben der jungen Deutschen so feinfühlig beschrieben. Ganz großer Roman über ein Stück vergessene Geschichte!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Außergewöhnlich und sehr lesenswert

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Viele junge Frauen aus Deutschland machten sich kurz nach dem Krieg auf den Weg nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. Auch Elsa gehört zu ihnen. Sie kommt im Sommer 1949 an, mit wenig Gepäck ...

Viele junge Frauen aus Deutschland machten sich kurz nach dem Krieg auf den Weg nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. Auch Elsa gehört zu ihnen. Sie kommt im Sommer 1949 an, mit wenig Gepäck und mit einer Trauer, über die sie nicht spricht. Auf dem abgelegenen Hof trifft sie auf Menschen, deren Sprache sie nicht versteht, und auf eine Landschaft aus Wind, Licht und weiten Wiesen, die zunächst fremd wirkt.
Der Alltag auf dem Hof ist von Arbeit geprägt. Vieles läuft still und ohne viele Worte ab. Elsa versteht die Sprache der Menschen zunächst nicht, doch nach und nach entsteht ein vorsichtiges Miteinander. Mit der Zeit bekommt man beim Lesen ein klares Bild vom Leben auf diesem Hof und von dem einfachen Alltag dort. Auch die Landschaft spielt dabei eine große Rolle. Das weite Land, der Wind und das wechselnde Licht geben der Geschichte eine besondere Stimmung. Besonders im Mittelteil wird deutlich, wie der Alltag auf dem Hof aussieht und wie die Menschen miteinander umgehen.
Mit der Zeit wird spürbar, dass auf dem Hof nicht alles so ruhig ist, wie es zunächst scheint. Elsas Anwesenheit verändert das Zusammenleben, besonders im Umgang mit den beiden Bauernsöhnen. Erwartungen stehen im Raum, manche offen, andere unausgesprochen. Gleichzeitig liegt über der Familie ein Thema, über das niemand spricht. Die verschwundene Tochter des Hauses wird für Elsa immer mehr zu einer stillen Frage, die sich durch die Geschichte zieht.
Der Schreibstil wirkt am Anfang etwas ungewohnt. Die Sätze sind ruhig und oft knapp gehalten. Dadurch braucht die Geschichte etwas Zeit, bis man richtig hineinfindet. Nach und nach stellt sich jedoch ein ruhiger Lesefluss ein, der gut zu dieser Geschichte passt. Die Handlung entwickelt sich langsam und lässt Raum für die Gedanken und Gefühle der Figuren.
Die Geschichte lebt von leisen Momenten und von Menschen, die nach und nach greifbar werden. Zwischen Arbeit, Schweigen und vorsichtigen Annäherungen entsteht ein stilles Bild vom Leben auf dem Hof. Gleichzeitig bleibt die Frage nach der verschwundenen Tochter lange im Hintergrund spürbar. Am Ende bleibt eine ruhige und sehr stimmige Geschichte, die noch eine Weile nachklingt.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Esja-Frauen

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Ein Aufruf der isländischen Bauernpartei im Jahre 1949 bewegt etwa 300 Frauen aus Deutschland, ihre Heimat hinter sich zu lassen und als Landarbeiter auf die Insel zu kommen. Der Lohn ist hoch und im Verliererland ...

Ein Aufruf der isländischen Bauernpartei im Jahre 1949 bewegt etwa 300 Frauen aus Deutschland, ihre Heimat hinter sich zu lassen und als Landarbeiter auf die Insel zu kommen. Der Lohn ist hoch und im Verliererland scheint ohnehin keine Zukunft zu liegen. So brechen auch Elsa und ihre Freundin Gerda auf in eine fremde Welt, besteigen voller Aufregung den Passagierdampfer Esja (daher die Bezeichnung Esja-Frauen).

Auf großartige Weise fängt Katrin Zirpse die Situation von Elsa ein, beginnt mit der Ankunft am Hof, dem die junge Frau zugeteilt ist. Das Land ist völlig anders, die Menschen arm, die Sprache unvertraut. So schweigt Elsa, verliert sich ihrer Trauer um Familie und Freunde. Auf ihre eigene Art findet sie sich schließlich in den Alltag der Eheleute und der beiden Söhne ein, passt sich zwangsläufig an, weil ihr gar nichts anderes übrigbleibt. Der leicht melancholisch nüchterne Schreibstil der Autorin spiegelt die Atmosphäre auf Island und Elsas Gedanken perfekt wider, es handelt sich um eine bewegende Erzählung, welche ohne wortreiche Dialoge auskommt und dennoch ein klares Bild auf die Geschehnisse wirft. Der wechselseitige Einfluss der Personen wird bald deutlich, die kleine Gruppe an Figuren ist schnell kennengelernt, so unterschiedlich sie auch mit der Fremden am Hof umgehen. Trotz der vielen alltäglichen Situationen bleibt der Spannungsbogen durchgehend hoch, einige unklare Tatsachen suchen sich nur allmählich ihren Weg ans Licht. Das Ende bleibt in gewisser Weise offen und beschreibt dennoch recht deutlich, wie es Elsa, stellvertretend für die realen Esja-Frauen, ergangen ist, als sie ihre Wurzeln und ihre Identität in der Heimat zurückgelassen haben.

Ein wunderbares, wenngleich mitunter trauriges Abbild der historischen Gegebenheiten. Den Neubeginn in Island stellt Katrin Zipse ausgezeichnet dar mit einem gelungenen Mix aus detaillierter Recherchearbeit und entsprechenden fiktiven Elementen. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Eine überzeugend aufgebaute Atmosphäre

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Mir hat das Buch „Moosland“ von Katrin Zipse unfassbar gut gefallen, denn die Autorin erzählt anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte von den knapp dreihundert jungen Frauen aus Deutschland, die ...

Mir hat das Buch „Moosland“ von Katrin Zipse unfassbar gut gefallen, denn die Autorin erzählt anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte von den knapp dreihundert jungen Frauen aus Deutschland, die dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt sind, um dort für ein Jahr auf den Höfen zu arbeiten. Die Bauern hofften nicht nur auf Arbeitskräfte sondern auch auf Heiratskandidatinnen, denn viele Isländerinnen sind in die Städte abgewandert oder nach dem Krieg, den abzieheneden Gls in die USA gefolgt.

Eine von den 300 jungen Frauen ist Elsa, sie hat keine Angehörigen mehr und um der Not im Nachkriegsdeutschland zu entkommen, folgt sie dem Aufruf. Traumatisiert und ohne Sprachkenntnisse kommt sie auf einen Bauernhof. Eine Verständigung mit der Familie und ihren beiden Söhnen, ist nicht möglich aber die Bauersfrau weiß sich zu helfen und zeigt Elsa, ihre Aufgaben, die sie langsam selbständig übernehmen kann. Die Arbeit auf dem abgelegenen Hof ist sehr anstrengend und hart aber dafür kann Elsa sich endlich satt essen. Nicht nur bei der Bäuerin findet sie langsam Anerkennung für ihre Leistung sondern auch bei den Männern, die sie bei anfallenden Arbeiten außerhalb des Hofes unterstützt.

Immer wieder verfolgen Elsa Erinnerungen an ihre Heimat und ihre Trauer um ihre Freundin Sola. Wird sie je ihren Schmerz überwinden …

Mit der Zeit findet der Knecht des Hofes Zugang zu Elsa und versucht ihr langsam aber sicher die Sprache des Landes beizubringen. Elsa ist und bleibt aber trotzdem verschlossen und schweigt weiterhin, dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben. Ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Jeder der beiden Söhne wirbt auf seine Art um Elsa, doch ob sie die ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen erfüllen kann, bleibt abzuwarten.
Elsa kommt nach und nach hinter ein Geheimnis, das als dunkler Schatten über der Familie hängt.

Zum Ende gelingt der Autorin eine elegante und überraschende Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hätte, mich aber voll überzeugen konnte.

Fazit:
Gefallen haben mir die bildhaften Beschreibungen der Weite und Kargheit Islands und das Leben auf einem abgelegenen Bauernhof. Mit ihrer hervorragenden Recherche, gelingt es der Autorin, eine glaubhafte historische Atmosphäre zu schaffen und Elsas Fremdheitsgefühle überzeugend darzustellen. Ein detailliertes Nachwort rundet die historischen Fakten perfekt ab.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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