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Veröffentlicht am 03.08.2021

Juden im römischen Reich

Der Schatz Salomos
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Marcella, Tochter des Statthalters von Treveris (Trier), begleitet ihren Vater ins römische Metz (Divodurum) und nimmt dabei ihre persönliche Sklavin Invita mit. Während Invita in ihrer Heimatstadt lediglich ...

Marcella, Tochter des Statthalters von Treveris (Trier), begleitet ihren Vater ins römische Metz (Divodurum) und nimmt dabei ihre persönliche Sklavin Invita mit. Während Invita in ihrer Heimatstadt lediglich ein wenig mehr über ihre unbekannte Herkunft erfahren möchte, will es der Zufall, dass sie ein totes Mädchen im Straßengraben findet. Nach einem weiteren Mord wird der mit Invita befreundete jüdische Schmuckhändler Salomo verdächtigt. Zudem habe der sich am berühmten Tempelschatz vergriffen, woher käme denn sonst sein plötzlicher Reichtum?

Nahtlos knüpft dieser dritte Band an seinen Vorgänger an. Wer Invita und Flavus bereits kennt, wird hier seine Freude haben, jeder andere bestimmt auch. Der Schatz Salomos ist nämlich eine eigenständige Geschichte und kann somit unabhängig von anderen Invita-Büchern gelesen werden.

Mit fesselnden Bildern und ausgezeichneter Recherche entführt uns Maria W. Peter diesmal nicht nach Treveris sondern ins aus allen Nähten platzende Divodurum. Flüchtlingen und Juden wird es zur Last gelegt, dass der Platz knapp wird, die Stadt stinkt, die Preise steigen und Verbrechen zunehmends den Alltag bestimmen. Mit der entsprechenden Sprachmelodie, die auf so vielen Details und Zwischentönen beruht, schafft die Autorin auch diesmal wieder eine ganz spezielle Atmosphäre, die durch die Ich-Perspektive Invitas nur noch deutlicher wird. Unmittelbar vermag man als Leser ihre Gedanken und Überlegungen, ihre Ängste und gleichzeitig ihre Impulsivität zu verspüren, ihren eisernen Willen, für ihre Freunde einzutreten und sie nicht tatenlos ihrem Schicksal zu überlassen. Wie nebenbei fließt historisch Überliefertes in die abenteuerliche Handlung mit ein, erfährt der Leser Wissenswertes über den verlorenen Tempelschatz, die Religionen der Christen und Juden und Mystisches rund um Fluchtäfelchen; ja, sogar die Schönheit hat ihren Platz in dieser wunderbaren Geschichte.

Insbesondere Invitas Wunsch, mehr über ihre früheste Kindheit und ihre Mutter zu erfahren, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Teile dieser Serie und lässt so manche ihrer Entscheidungen in einem anderen, begreifbaren, Licht erscheinen.

Damit sind wohl sämtliche Grundsteine für einen phantastischen Roman gelegt, der all jene Leser begeistern wird, die eine geschnickte Verknüpfung von exzellent recherchierten geschichtlichen Daten und einer überzeugenden fiktiven Handlung zu schätzen wissen.





Titel Der Schatz Salomos

Autor Maria W. Peter

ISBN 978-3-492-50054-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 400 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Reihe Sklavin Invita, Teil 3

Erscheinungsdatum 2. November 2017

Verlag Piper

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2021

Intrigen und Recht im römischen Reich

Die Legion des Raben
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Invita, Sklavin im Hause des Statthalters von Treveris, sorgt erneut für Aufregung. Nach dem hinterhältigen Mord an einem angesehenen römischen Beamten wird dessen Sklave Hyacinthus als schuldig befunden. ...

Invita, Sklavin im Hause des Statthalters von Treveris, sorgt erneut für Aufregung. Nach dem hinterhältigen Mord an einem angesehenen römischen Beamten wird dessen Sklave Hyacinthus als schuldig befunden. Wie es das römische Recht damals ermöglichte, sollen mit ihm alle Leibeigenen des Haushaltes hingerichtet werden. Da sich unter ihnen jedoch Verwandte von Invitas Mitsklaven Flavus befinden, setzt sie natürlich alles daran, Hyacinthus‘ Unschuld zu beweisen.

Auch im zweiten Teil der Serie „Sklavin Invita“ erzählt die aufgeweckte Hauptfigur aus ihrer Sicht in der Ich-Form und nimmt den Leser damit sofort wieder gefangen. Das Rechtswesen ist grausam und ermöglich so etwas wie Sippenhaftung, ein Sklave ist nicht mehr als ein sprechendes Werkzeug, ein Nutzobjekt für seinen Besitzer. Doch das will Invita nicht wahr haben. So stellt sie mithilfe ihrer Domina Marcella Nachforschungen an und gerät prompt in einen Hinterhalt.

Mit aufwendig recherchierten Details besticht Autorin Maria W. Peter wie aus dem Vorgängerband „Fortunas Rache“ gewohnt, indem sie von Sklavenhändlern, harter Arbeit, Gehorsam und Strafe ebenso berichtet wie von baulichen Kunstwerken, typischen Mosaikböden und farbenprächtigen Wandmalereien, von weitläufigen Thermenanlagen und ausgeklügelten Abwasserkanälen. Vor dieser historisch belegbaren Kulisse im römischen Trier spielen sich nun dramatische Szenen einer fiktiven Handlung ab, die geschickt und klug aufgebaut ist und die Zeit um 1012 ab urbe condita (260 n. Chr.) lebendig werden lässt.

Einige aus dem ersten Teil bekannte Figuren begegnen dem Leser hier wieder, sodass man deren Entwicklung gut verfolgen und nachvollziehen kann. Vertrauen und Skepsis müssen gewissenhaft gegeneinander abgewogen werden, will man der Wahrheit auf die Spur kommen und dem Recht Genüge tun. Verschiedenste Mörder kommen infrage, wessen Motiv ist das wahrscheinlichste? Kein Wunder, dass hier Spannung vom Anfang bis zum Ende herrscht, die den Leser immer wieder mitfiebern lässt bei der Suche nach dem tatsächlichen Täter und dessen Beweggründen.

Wer historische Grundlagen schon während der Geschichte parat haben möchte, kann das Nachwort durchaus vorab lesen, Glossar, Reise- und Stöbertipps runden den Roman dann noch zusätzlich ab und verleihen dem Buch ein gewisses Extra.

„Die Legion des Raben“ vermittelt eine in sich abgeschlossene Handlung, dennoch ist das Lesen von „Fortunas Rache“ davor jedenfalls empfehlenswert.

Wer einen ausgesuchten Mix aus Krimi, ein wenig Romantik und interessanten historischen Aspekten sucht, der wird hier bestimmt fündig.



Titel Die Legion des Raben

Autor Maria W. Peter

ISBN 978-3-492-50055-5

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 416 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Reihe Sklavin Invita, Teil 2

Erscheinungsdatum 2. Juni 2017

Verlag Piper

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2021

Schicksal im römischen Reich

Fortunas Rache
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Als Baby im römischen Divodurum (heute Metz) ausgesetzt, von einem Sklavenhändler an den einflussreichen Ratsherren Cornelius Felix verkauft und von diesem im Alter von siebzehn Jahren an den Statthalter ...

Als Baby im römischen Divodurum (heute Metz) ausgesetzt, von einem Sklavenhändler an den einflussreichen Ratsherren Cornelius Felix verkauft und von diesem im Alter von siebzehn Jahren an den Statthalter von Treveris (Trier), Legatus Augusti pro Praetore verschenkt, fristet Invita ein karges und streng geregeltes Leben als Sklavin, die Latrinen putzt und niedere Küchendienste versieht, bevor sie aufgrund ihrer bei Felix erworbenen Kenntnisse in Lesen und Schreiben der Tochter des Hauses, Marcella, zugewiesen wird. Als der sonst unauffällige Sklave Modestus plötzlich spurlos verschwindet, gerät Invita unter Verdacht, etwas mir der Sache zu tun zu haben, weil sie ja auch bisher immer wieder in Schwierigkeiten verwickelt war. Ihr bleibt wohl nichts anderes übrig, als Nachforschungen anzustellen, um ihre Unschuld zu beweisen.

Außergewöhnlich wortgewaltig und mit etlichen typischen Ausdrücken aus der damaligen Zeit beginnt Autorin Maria W. Peter mit diesem ersten Band ihre Invita-Reihe. Sehr bildhaft beschreibt sie die römischen Errungenschaften wie fließwasserbetriebene Latrinen oder die bekannten Thermen und verblüfft den Leser mit interessanten Details zur damaligen Lebensweise. Sofort fesselt der Schreibstil mit Spannung und einer sorgfältig durchdachten Handlung von der ersten bis zur letzten Seite.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Invita ihr Schicksal, wodurch sehr persönliche Einblicke in ihre Lebens- und Gedankenwelt entstehen. Mitgefühl und Bewunderung für ihren Mut verspürt man beim Begleiten dieser sympathischen und durchsetzungsfähigen Hauptfigur. Aber nicht nur die Sklavin selber ist hervorragend entworfen, auch alle anderen Personen spielen lebendige und überaus authentische Rollen.

Geschickt wird Historisches mit Fiktivem verknüpft, sodass mit Fortunas Rache ein wunderbarer Roman vorliegt, der zusätzlich mit Kartenmaterial und einem informativen Nachwort einen gelungenen Auftakt für diese Serie bildet.



Titel Fortunas Rache

Autor Maria W. Peter

ISBN 978-3-492-50056-2

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 320 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Reihe Sklavin Invita, Teil 1

Erscheinungsdatum 2. Mai 2017

Verlag Piper

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2021

Das echte Leben

Wir für uns
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Josie hat eine Dienstags-Beziehung mit einem verheirateten Mann und ist schwanger. Abtreibung scheint die logische Konsequenz zu sein, schließlich will Bengt kein Kind mehr und Josie ist schon einundvierzig.

Als ...

Josie hat eine Dienstags-Beziehung mit einem verheirateten Mann und ist schwanger. Abtreibung scheint die logische Konsequenz zu sein, schließlich will Bengt kein Kind mehr und Josie ist schon einundvierzig.

Als Witwe kommt Kathi ins Grübeln über so vieles, das ihr nicht richtig vorkommt und woran die anderen schuld sind. Plötzlich schneit Josie in ihr Leben und neue Möglichkeiten könnten sich auftun.

Wie das echte Leben, so präsentiert sich dieser ruhige und ernsthafte Roman, der dann doch immer wieder Szenen zum Schmunzeln bereit hält und zeigt, dass es das Schicksal nicht immer nur böse mit uns meint. Mit Josie und Kathi hat Barbara Kunrath zwei recht unterschiedliche Frauen erschaffen, die einander nach anfänglichen Schwierigkeiten ins Herz schließen und sich gegenseitig Halt bieten. Die Vergangenheit ruhen lassen und mutig nach vorne blicken – dieses Motto steht ihnen gut, beschwört aber auch so manche Schwierigkeit herauf, die gemeistert werden will. Etliche Themenbereiche finden Eingang in diesen kurzweiligen Roman, der voller Liebe und Empathie geschrieben ist. Allein das etwas voraussehbare Ende naht schließlich etwas glatt mit (zu) flotten Schritten.

Kurz gefasst, bietet dieser Roman Unterhaltung mit Tiefgang und überzeugendem Schreibstil, der eher sachlich und daher nie kitschig wirkt, dennoch aber mit Witz und Esprit aufwarten kann. Eine ansprechende Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.



Titel Wir für uns

Autor Barbara Kunrath

ISBN 978-3-8105-0054-0

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 400 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 28. Juli 2021

Verlag FISCHER Krüger

Veröffentlicht am 27.07.2021

Bester Freund

Seeing what you see, feeling what you feel
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Lydia ist eine Einzelgängerin, die Familie ist nach einem Unglücksfall zerbrochen, die beste Freundin seither die schlimmste Mobberin. So steckt die ehrgeizige und hochintelligente Schülerin ihre gesamte ...

Lydia ist eine Einzelgängerin, die Familie ist nach einem Unglücksfall zerbrochen, die beste Freundin seither die schlimmste Mobberin. So steckt die ehrgeizige und hochintelligente Schülerin ihre gesamte Energie in die Erschaffung einer künstlichen Intelligenz. Das neue Wesen lernt schnell und überflügelt bald seine Programmiererin und wird zudem deren bester Freund. Beste Freunde tun alles füreinander, oder nicht?

Ein wenig dauert es, bis Lydias Beweggründe klar werden, die ihr Interesse für Computer und das Erschaffen einer ganz besonderen KI erklären. Dies lässt Naomi Gibson mit wenigen Sätzen gekonnt in die einzelnen Kapitel einfließen. Auch drumherum ist der Schreibstil der Autorin „jugendlich“ und sehr passend zum Geschehen rund um Schüler, Partys, Mobbing, Selfies und Liebe. Die Sehnsucht nach Anerkennung und die Bewältigung schwerwiegender Krisen sind ebenfalls zentrale Themen, eingebettet in viel detaillierte, aber nicht unverständliche Beschreibungen von Computerhacks, Chips und wirren Kabeln.

Auch wenn natürlich etliche Szenen nicht ganz glaubwürdig erscheinen, so stellt man sich als Leser doch immer wieder die Frage, was in Wirklichkeit bereits alles möglich ist oder bald möglich sein wird. Sehr gut ins Geschehen integriert ist die immer menschlicher werdende KI namens Henry, die ebenso verblüffende wie erschütternde Reaktionen zeigt und diesem Jugendroman interessante Wendungen verleiht. Durchgehend spannend, kann sich diese im dritten und letzten Teil noch steigern und in einem phantastischen Ende gipfeln, das mir ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht zaubert.

Fazit: Interessante Gedanken verarbeitet die Autorin in eine durchaus fesselnde Geschichte, die den Leser sehr gut unterhält und mit ernsthaften Themen auch zum Nachdenken bewegt.



Titel Seeing what you see, feeling what you feel

Autor Naomi Gibson

ISBN 978-3-522-50705-9

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 336 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 27. Juli 2021

Verlag Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH

Originaltitel Every Line of You

Übersetzer Ulrike Köbele