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Veröffentlicht am 20.04.2021

Schweigen

Möwensommer
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Bezaubernd ist der Blumenladen "Blühende Phantasie" auf Norderney, in dem Lina ihre Erfüllung findet. Auch sonst ist sie voll eingebunden ins Leben und Geschehen auf der Insel, schließlich kennt hier jeder ...

Bezaubernd ist der Blumenladen "Blühende Phantasie" auf Norderney, in dem Lina ihre Erfüllung findet. Auch sonst ist sie voll eingebunden ins Leben und Geschehen auf der Insel, schließlich kennt hier jeder jeden. Lustige Mädelstreffen und entspannte Segelausflüge mit ihrem Jugendfreund Mattis erfüllen ihr Privatleben. Nur mit der Liebe hapert es noch – die Auswahl an passenden Kandidaten ist auf der Insel überschaubar – bis der fesche Standesbeamte Bent auf die Insel zieht und Mattis irgendwann noch schweigsamer wird.

Bereits der Beginn im Blumenladen ist wunderschön: die Liebe Linas zu den blühenden Lebewesen, die bildhafte und detailgetreue Beschreibung von Buketts und Sträußen, die Milchkannen neben Lilien und bunten Bändern, einfach herrlich, eine vielversprechende Mischung aus Romantik und Missverständnissen, die sympathische Lina und ein etwas brummiger Mattis begegnen uns auf den ersten Seiten von Möwensommer.

Was so traumhaft beginnt, wandelt sich jedoch bald in eine vorhersehbare Abfolge platter Klischees, wobei Tippfehler und kleine Ungereimtheiten das Ihre beitragen, um das anfängliche Lesevergnügen zu trüben. Diese Makel werden aber zumindest etwas aufgewogen durch die Lebendigkeit der Fauna und Flora Norderneys, dem Duft der Lilien, der salzigen Brise, die man einatmet beim Lesen. Schnell bekommt man Lust auf Urlaub, stille Spaziergänge und die Weite des Meeres. So versöhnt das Buch doch noch mit warmherzigen Szenen, die uns Freundschaft und Zusammenhalt spüren lassen.

Drei Sterne für nette Abwechslung an einem verregneten Wochenende.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2021

Bojen im Nebel

Der Erlkönig
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ISBN 9783548063751
Sprache Deutsch
Ausgabe Taschenbuch, 400 Seiten
ebenfalls erhältlich als ebook
Erscheinungsdatum 29.3.2021
Verlag Ullstein Taschenbuch
Originaltitel Les Refuges
Uebersetzer Alexandra ...

ISBN 9783548063751
Sprache Deutsch
Ausgabe Taschenbuch, 400 Seiten
ebenfalls erhältlich als ebook
Erscheinungsdatum 29.3.2021
Verlag Ullstein Taschenbuch
Originaltitel Les Refuges
Uebersetzer Alexandra Baisch


Bojen im Nebel

2019 – eine Vorlesung im Anatomischen Theater der Universität Tours.
1949 – ein Strand, ein grausiger Fund.
1986 – Journalistin Sandrine recherchiert bei einem Bauern, dessen Kühe mit Hakenkreuzen besprüht wurden und wird unmittelbar darauf vom Notar über den Tod ihrer Großmutter Suzanne informiert, die sie nie kennengelernt hat.

Unterschiedlichste Puzzleteile werden hier von Autor Jérôme Loubry vorgestellt, eingerahmt und verknüpft mit Zeilen aus Goethes Ballade vom Erlkönig. Obwohl man nichts weiß, keinen Zusammenhang herstellen kann, so wird man doch sofort neugierig und immer mehr mitgerissen von einer Handlung, die gespenstisch und nebulos ist. So hantelt man sich von Boje zu Boje, ohne recht zu wissen, welch Rettungsanker dies ist. Nur langsam lichtet sich der Nebel, blitzt da und dort ein kleines Detail aus dem Wald von Erlen, steigt Erkenntnis aus den Tiefen von Wasser. Kaum glaubt man, zu verstehen, so wechselt die Szene, ändert sich das Bild. Virtuos spielt Loubry mit Reaktionen der menschlichen Psyche, zeigt, welche Auswirkungen ein Trauma über Jahre hinweg nach sich ziehen kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Sandrine, die die Verlassenschaft ihrer Großmutter regeln soll und dafür deren Haus auf einer kleinen Insel aufsucht. Wenige Tage später findet man sie besudelt mit fremdem Blut am Strand. Auch Kommissar Damien Bouchard kann sich keinen Reim bilden auf ihre wirren Erzählungen. Erschwerend für ihn kommt hinzu, dass er selbst von bösen Geistern verfolgt zu sein scheint.

Atmosphärisch perfekt eingebettet in das düstere Umfeld des Jünglings, den der Erlkönig zu sich lockt, präsentiert sich dieser Thriller mit vielen Facetten der Psychologie, verwebt geschickt unterschiedliche Handlungsstränge zu einem perfekten Ganzen, dessen Ausmaß immer unglaublicher wird. Trauer und Hoffnung bekommen eine ganz neue Note, die sich widerspiegelt in der Natur, deren leuchtende Farben zu einem eintönigen Grau changieren und dann doch wieder von Neuem in satten Tönen erstrahlen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – oder stirbt sie nie?

„Er kommt des Nachts - und nimmt dich mit“ – ebenso wie dieses Buch: virtuos in Worte gefasste Schicksale reißen den Leser mit und schaffen einen unfassbar packenden Thriller, den man einem Rutsch verschlingt. Ein Meisterwerk!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2021

Blaue Maus

Die vierte Schwester
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In einer heißen Sommernacht verschwindet die kleine Olivia, die jüngste von vier Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als dreißig Jahre später Olivias Stoffspielzeug Blaue Maus gefunden ...

In einer heißen Sommernacht verschwindet die kleine Olivia, die jüngste von vier Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als dreißig Jahre später Olivias Stoffspielzeug Blaue Maus gefunden wird, soll Privatdetektiv Jackson Nachforschungen anstellen. Allerdings ist dieses Unterfangen nicht ganz einfach und für alle Beteiligten von verlorenen Chancen, Träumen und Sehnsüchten geprägt.

Mit einer Rahmenhandlung von verschiedenen Vorgeschichten, die das Buch zu Beginn und am Ende umfassen, entwickelt sich im Hauptteil die Suche nach Vermissten. Nicht nur Olivias Drama, sondern auch andere Fälle werden zumindest gedanklich aufgerollt, verglichen und analysiert. Die Idee ist gut, allein die Umsetzung nicht recht geglückt.

So erfährt der Leser nicht nur von den Schwestern Land – Olivia, Sylvia, Amelia und Julia - sondern in den folgenden Kapiteln auch ganz andere Geschichten, die auf den ersten Blick keinen Zusammenhang erkennen lassen. Verbindungslos reiht sich eine Szene an die andere, eine Fülle von Namen prasselt auf den Leser ein, die Figuren dahinter bleiben oft vage und konturlos. Die Erzählungen schweifen immer weiter ab in Belanglosigkeiten, zu Randfiguren, die weder davor noch danach eine Rolle spielen.

Da jedes Kapitel den Schwerpunkt auf eine bestimmte Familie oder Person richtet, ist es schwierig, den Überblick zu behalten und in einem kontinuierlichen Lesefluss zu bleiben. Immer wieder fragt man sich: „Wer war das denn nun?“ Was ein gutes Stilmittel sein könnte, verhindert hier das Aufkommen jeglicher Spannung. Die Abschnitte sind langatmig, abrupte Szenenwechsel und Gedankensprünge führen nicht, wie man meinen könnte, zu einer erhöhten Dramatik, sondern nehmen jegliche Steigerung im Spannungsbogen schon wieder hinweg. Eine Trägheit wie die anfänglich beschriebene Hitzewelle legt sich bleischwer über das gesamte Buch und lässt schwerlich Euphorie zum Weiterlesen aufkommen. Nichtsdestotrotz war ich natürlich neugierig auf die Auflösung, die leider dann aber auch nur das bestätigte, was ich von Anfang an vermutet hatte.

Wer typisch britischen Humor mag, wird wohl von Atkinson begeistert sein, mich konnte dieses Buch leider gar nicht überzeugen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 12.04.2021

Nachbarn

Vanitas - Schwarz wie Erde
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Am Wiener Zentralfriedhof arbeitet Carolin als Blumenhändlerin. Aber sie ist nicht die Frau, die sie zu sein scheint. Eigentlich steckt hinter Carolin ein ehemaliger Polizeispitzel, einst eingeschleust ...

Am Wiener Zentralfriedhof arbeitet Carolin als Blumenhändlerin. Aber sie ist nicht die Frau, die sie zu sein scheint. Eigentlich steckt hinter Carolin ein ehemaliger Polizeispitzel, einst eingeschleust in eine brutale Bande des organisierten Verbrechens und offiziell inzwischen tot. Als sie sich langsam an ihr neues Leben in Wien gewöhnt und nach wie vor stets wachsam ist, wird sie für einen weiteren Auftrag nach München geholt. Obwohl ihr von Anfang an nicht wohl ist bei der Sache, unternimmt sie bald mehr Nachforschungen als aufgetragen.

Poznanskis prägnanter Schreibstil nimmt den Leser schnell gefangen, insbesondere, da weder Carolins Vorgeschichte noch ihre künftige Aufgabe klar sind. Nur sehr langsam ergeben sich bruchstückhafte Informationen und so entsteht ein Sog, immer weiter lesen zu wollen, um Details zu erfahren und der Geschichte auf den Grund zu gehen. Einziger Fixpunkt in München ist die Nachbarin Tamara, der Carolin bestimmte Auskünfte entlocken soll. Der Spannungsbogen steigt nur allmählich, aber stetig voran. Etliche Figuren betreten die Bühne und scheinen schwer zu durchschauen, bis sich eine unfassbare Erkenntnis ergibt und zu einem fulminanten Ende führt. Die Autorin kommt ohne scheußliche Blutgemetzel aus und komponiert auf ganz andere, sehr subtile Art und Weise eine mitreißende Atmosphäre, die diesen Thriller schlussendlich zu etwas ganz Ungewöhnlichem werden lässt. Bis zuletzt bleibt vieles im Ungewissen und darüber hinaus weisen uns Blumen den Weg zu Band 2: „Grau wie Asche“. Es bleibt also spannend …

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Fortsetzung folgt

Die Perlenprinzessin. Rivalen
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Durch eine infame Verleumdung gewinnt Jörgen Mensing die Hand der jungen Reederstochter Mina Thadde, während Simon Simonsen vorerst geächtet wird und der Stein für einen generationenübergreifenden Familienzwist ...

Durch eine infame Verleumdung gewinnt Jörgen Mensing die Hand der jungen Reederstochter Mina Thadde, während Simon Simonsen vorerst geächtet wird und der Stein für einen generationenübergreifenden Familienzwist zwischen den beiden Hamburger Handelsfamilien gelegt wird. Der Auftakt zu Iny Lorentz‘ „Perlenprinzessin-Saga“.

Der Hamburger Hafen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, reiche Kaufleute, einfache Steuermänner, Matrosen, die Kisten verladen. Mitten in der alltäglichen Geschäftigkeit lernen wir Erna Lüders kennen, ebenso wie Simon Simonsen und die hübsche Mina Thadde. Rasch ist der Leser im Bilde über Liebschaften und notwendige „Ränge“, um als Heiratskandidat überhaupt in Frage zu kommen, schnell sind Sympathien und Abneigungen vergeben.

Iny Lorentz versteht es wie immer, eine vergangene Zeit voller Bilder und Düfte wieder aufleben zu lassen und einen von Anfang an zu fesseln. Mit kurzen Kapiteln wechseln stets die Szenen, wir begleiten die Protagonisten in der belebten Hafenstadt und auf stürmischer See, besuchen die ferne Karibik und das herrschaftliche London. Schnell fliegen die Jahre dahin, schon begegnen wir Kindern und Enkeln. Ebenso wie die Seemänner selbst verpassen wir einige Jahre Kindheit und müssen uns erst wieder ins Familiengefüge einfinden. Kaum blüht der Handel auf höchstem Niveau, besetzen Franzosen unter Napoleon Hamburg und wir sehen uns Elend und Not gegenüber.

Natürlich gibt es Verstrickungen und mehr als zufällige Glücksfälle, dennoch ist ob der passenden Sprache (Seemannsausdrücke, historische Begriffe – Glossar!) und vieler historischer Details die Spannung hoch und der Leser kann in etlichen Szenen mitfiebern mit seinen Lieblingsfiguren. Da dieser erste Band der Reihe „Perlenprinzessin“ nicht wirklich abgeschlossen ist, darf man schon neugierig sein, wer in „Die Kannibalen“ überleben wird.

Für Iny Lorentz-Freunde ein empfehlenswerter Serienauftakt!

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere