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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2026

Rache

Sunshine Man
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Nach 18 Jahren wird Jimmy Maguire aus dem Gefängnis entlassen. Auf diesen Moment hat Birdie Keller die ganze Zeit gewartet, denn endlich kann sie ihre Pläne nach Rache umsetzen, den Mord an ihrer Schwester ...

Nach 18 Jahren wird Jimmy Maguire aus dem Gefängnis entlassen. Auf diesen Moment hat Birdie Keller die ganze Zeit gewartet, denn endlich kann sie ihre Pläne nach Rache umsetzen, den Mord an ihrer Schwester sühnen.

Birdie erzählt aus ihrer Sicht in der Ich-Form, auch Jimmys Blickwinkel wird in etlichen Kapiteln eingenommen. Da der Lebensweg mancher Figuren recht ähnlich verläuft und zudem immer wieder in die Vergangenheit geschwenkt wird, wirkt der Handlungsverlauf zuweilen etwas verwirrend, nicht immer ist zu Beginn einer Szene klar, um wen es gerade geht. Den durchaus interessanten Einblicken in die Persönlichkeitsentwicklung stehen düstere Schauplätze im Gefängnis entgegen, ebenso wie verstörende Ereignisse im Laufe so mancher skizzierter Kindheit. Hat nicht jedes Kind ein Recht auf Liebe, steckt nicht in jedem Verbrecher ein guter Kern? Wodurch wird ein Mensch zum Mörder? Warum wachsen auch Kinder ohne leibliche Eltern meist zu friedvollen Erwachsenen heran? Viele Fragen werden aufgeworfen, einige davon auch beantwortet, das unerwartete Ende wirkt dann durchaus stimmig.

Eine durchwegs düstere Atmosphäre beherrscht diesen Roman, im Vergleich zu Stonex‘ „Die Leuchtturmwärter“ fehlt mir hier eine gewisse Lebendigkeit. Trotz allem ist die Themenwahl ausgesprochen interessant, ist die Bedeutung familiärer und freundschaftlicher Beziehungen sehr gut dargestellt.

Veröffentlicht am 21.06.2026

Unter Verdacht

Weil sie lügt
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Juliane, meist nur Juli genannt, ist verschwunden, bald gehen Familie und Polizei von einem Verbrechen aus, unter Verdacht gerät ausgerechnet der eigene Vater. Während dieser also im Gefängnis auf die ...

Juliane, meist nur Juli genannt, ist verschwunden, bald gehen Familie und Polizei von einem Verbrechen aus, unter Verdacht gerät ausgerechnet der eigene Vater. Während dieser also im Gefängnis auf die Anklage wartet und die Mutter in einer schweren Depression versinkt, bleibt es an Julis jüngerer Schwester Anna hängen, sich um den kleinen Bruder Leon zu kümmern. Gleichzeitig begibt sie sich alleine auf die Suche nach der Wahrheit.

Kurze Kapitel und wechselnde Blickwinkel prägen die Geschichte rund um die verschollenen Juli, erzählt wird jeweils aus der Ich-Perspektive, wodurch man stets sehr subjektive Einschätzungen der jeweiligen Situationen bekommt. Die oft mit ungeklärten Fragen endenden Szenen steigern die Spannung, auch wenn diese keine Gänsehautmomente hervorruft, die Neugierde ist dennoch geweckt und ich möchte als Leserin unbedingt erfahren, was sich zuvor wirklich ereignet hat. Fährten gibt es viele, Motive ebenfalls, und dennoch kommen bis zum Schluss neue denkbare Varianten hinzu.

Sowohl Annas als auch Katharinas Handeln kann man aufgrund der detaillierten Beschreibungen gut nachvollziehen, manche Einzelheiten wiederum bleiben ein wenig im Nebel zurück und man kann sich nur selber zusammenreimen, was an dieser oder jener Stelle genau passiert sein mag. Nichtsdestotrotz wartet das Ende für mich mit einer gelungenen Lösung auf, der Epilog fasst wesentliche Entwicklungen gut zusammen.

Weil sie lügt bietet einen guten, wenn auch nicht extrem hohen, Spannungsbogen und steigert sich im letzten Drittel noch einmal deutlich, sodass ich gerne vier Sterne vergebe.


Veröffentlicht am 20.06.2026

Silberne Konfirmation

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
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Zur Silbernen Konfirmationsfeier wird in Estherwieck geladen, kurz darauf ist der Pastor tot. Er galt als sehr zurückgezogen seit dem Tod seiner Frau, ist gerne allein im Watt spazieren gegangen. Ist er ...

Zur Silbernen Konfirmationsfeier wird in Estherwieck geladen, kurz darauf ist der Pastor tot. Er galt als sehr zurückgezogen seit dem Tod seiner Frau, ist gerne allein im Watt spazieren gegangen. Ist er vielleicht aus Unachtsamkeit frühmorgens vom Weg abgekommen? Hat ihn ein Priel überrascht? Oder war es am Ende gar kein Unfall sondern Mord?

Viele Fragen stellt man sich seitens der Polizei, noch mehr Rätsel werden aufgeworfen, als eine der ehemaligen Konfirmandinnen im Sand vergraben aufgefunden wird. Der Journalist Niklas John gerät ins Visier der Ermittler und sucht Hilfe bei Anwältin Fentje Jacobsen, obwohl diese im Moment gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Ein verstörender Fall, bei dem erst recht spät die zu erwartende Spannung aufkommt, auch die Hintergründe zur Tat scheinen ziemlich an den Haaren herbeigezogen zu sein. Dennoch ist es natürlich für Kenner der Serie schön, alte Bekannte wiederzutreffen und dem „ewigen Geplänkel“ zwischen Fentje und Niklas zuzusehen. Auch Katze Blofeld wird ihr angestammter Platz eingeräumt, sodass der neue Tierarzt Otto von Venen ins Spiel kommen kann, während man Großmutter und ihre Süßspeisen diesmal nicht so sehr in den Vordergrund rückt.

Es sind also die realistisch gezeichneten Figuren rund um Fentje und Niklas, welche die Handlung tragen, auch der angenehm dahinfließende Schreibstil Almstädts und die Atmosphäre an der Nordsee gefallen mir immer wieder. Trotz einiger Kritikpunkte bin ich natürlich neugierig, welche Fälle hier künftig aufzuklären sind.

Veröffentlicht am 18.06.2026

Der weite Weg zu Gold und Glück

Tanz der Ahornblätter
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Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, ...

Die adelige Vivian lässt sich von der Abenteuerlust des Stallmeisters Ross anstecken und bucht mit dem weit unter ihrem Stand stehenden jungen Mann kurzerhand eine Schiffspassage von England nach Kanada, um ihr Glück auf den verheißungsvollen Goldfeldern zu suchen. Dass der Weg weiter und sehr viel beschwerlicher ist als gedacht, stellt sich natürlich erst auf der Reise heraus.

In zwei großen Handlungssträngen, welche im Laufe der Kapitel zusammengeführt werden, erzählt Sarah Lark auf beeindruckende Weise, wie es den Auswanderern und Abenteurern um 1860 wohl ergangen sein mag. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass einigen Figuren im Buch historisch belegte Personen als Vorbild gedient haben und viele wahre Begebenheiten in die fiktive Handlung miteingeflossen sind. Zudem sind es die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und die vielen kleinen Details zum Land und zur indigenen Bevölkerung, welche dem Roman seine Lebendigkeit und Authentizität verleihen. Einer – für mich – unvorstellbaren Reise folgt eine aufregende Zeit des Goldschürfens, welche jedoch ernüchternd ist aufgrund des geringen Ertrages und der schwierigen Lebensumstände weitab der gewohnten Zivilisation. Weitere interessante Themen bereichern die Geschichte, seien es Tanz und Theater, Pferde und Wettrennen und natürlich die Beweggründe, welche überhaupt erst den Goldrausch ausgelöst haben.

Epische 600 Seiten, welche die Zeit im Nu verstreichen lassen, begeistern durch bildhafte Beschreibungen, bestens charakterisierte Personen und eingehende Recherche, sodass das Lesen dieses Romans zum wahren Vergnügen wird. Wann folgt Band 2 der Kanada-Dilogie?

Veröffentlicht am 14.06.2026

Schatten der Vergangenheit

Das Haus der Erinnerung
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Vor siebzig Jahren ist Evie nach Chicago ausgewandert, nun, mit 93 Jahren, will sie noch einmal in ihre alte Heimat Irland zurückkehren. Welche Geheimnisse, welche Schatten der Vergangenheit werden Evie ...

Vor siebzig Jahren ist Evie nach Chicago ausgewandert, nun, mit 93 Jahren, will sie noch einmal in ihre alte Heimat Irland zurückkehren. Welche Geheimnisse, welche Schatten der Vergangenheit werden Evie und ihre Enkelin Rainey hier erwarten?

Auf spannenden zwei Zeitebenen wird diese durchaus bewegende Geschichte erzählt, wobei der Klappentext freundlicherweise sehr wenig preisgibt und somit die Richtung der Handlung lange offen bleibt. Für mich hat es ein wenig gedauert, bis ich einen Zugang zu Evie und ihrer ziemlich unnahbaren Freundin Harding gefunden habe, erst in der zweiten Hälfte des Romans sind spürbare Emotionen übergesprungen. Die Verquickung der unterschiedlichen Zeiten (1945-1952 und heute) gelingt mühelos, der Wechsel bietet kurzweilige Unterhaltung.

Ellingsen zeichnet gut vorstellbare Charaktere und schildert das Geschehen bildhaft, auch das langsame Annähern an längst zurückliegende Ereignisse passt gut in den Aufbau der Handlung, welche auch einige Details der irischen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg bereithält. Logisch werden alle losen Fäden am Ende miteinander verknüpft und bieten einen realistischen Abschluss.

Höhen und Tiefen eines langen Lebens begegnen uns in diesem Roman, der vermutlich eher jenen Lesern gefallen wird, die auch mit schwermütigen Szenen umgehen können. Von mir gibt es 4 Sterne.