Profilbild von clematis

clematis

Lesejury Star
offline

clematis ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit clematis über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2026

Ein Herz

Last Kiss of Summer
0

Ein Herz verbindet Sera Watkins und Luke Tisdale auf ganz besondere Weise, wurden die beiden doch in frühen Lebensjahren einer sogenannten Dominooperation unterzogen, bei der Sera ein neues Herz und Luke ...

Ein Herz verbindet Sera Watkins und Luke Tisdale auf ganz besondere Weise, wurden die beiden doch in frühen Lebensjahren einer sogenannten Dominooperation unterzogen, bei der Sera ein neues Herz und Luke Seras Herzklappen eingesetzt worden sind. Als beste Freunde verbringen die beiden viele Wochenenden und beinahe jeden Sommer auf Cape Cod, bis einschneidende Geschehnisse diese Routine wieder zerstören.

Mit vielen Missverständnissen, unausgesprochenen Worten und Kränkungen beginnt dieses Buch, in dessen Grundstimmung immer wieder etwas Melancholisches mitschwingt, aber auch für Hoffnung bleibt genug Platz. Erzählt wird aus den Blickwinkeln von Sera und Luke, sodass man insbesondere bei Sera gut in deren Gefühlswelt eintauchen kann. Dennoch kann ich über große Strecken keine Nähe zu den Figuren aufbauen, was möglicherweise daran liegt, dass ich doch schon um einiges älter bin als das Zielpublikum. Verschiedenste Themenbereiche und Problemfelder werden angesprochen, wodurch eine gewisse Tiefe erzeugt und die Leserschaft ermutigt wird, sich mit Krankheit und Tod zu beschäftigen. „Nichts zwingt einen so sehr zu schwierigen Entscheidungen wie die Aussicht auf eine kurze Lebenserwartung.“ [kindle, 4058] Ein wenig abrupt spielen Erinnerungen immer wieder ins aktuelle Geschehen hinein und unterbrechen den Lesefluss, das Ende passt zwar gut zur Geschichte, fühlt sich aber irgendwie nicht ganz glaubwürdig an.

Junge Menschen ab 14 Jahren sind das Zielpublikum dieses Romans. Dieser Gruppe möchte ich das Buch auch gerne weiterempfehlen als Anregung, sich nicht nur mit oberflächlichen, schnelllebigen Dingen zu beschäftigen, sondern ab und zu auch einen Blick auf den Sinn unseres Seins zu werfen.


Veröffentlicht am 08.06.2026

Der böse Geist

Schatten Eis
0

Ein lang gehütetes Geheimnis schlummert über Grönland, Anngiaq, der böse Geist, verfolgt auch heute noch Menschen, die damit zu tun haben. Einer davon ist Marit, Super-Recognizerin für Kopenhagens Polizei. ...

Ein lang gehütetes Geheimnis schlummert über Grönland, Anngiaq, der böse Geist, verfolgt auch heute noch Menschen, die damit zu tun haben. Einer davon ist Marit, Super-Recognizerin für Kopenhagens Polizei. Nach dem Beginn einer Mordserie gerät sie selbst in größte Gefahr.

Eiskalte Spannung zieht sich auch durch diesen Band der packenden Reihe rund um „Gesichtserkennerin“ Marit Rauch Iversen und die beiden Ermittler Kirsten Vinther und Jesper Jørn Bæk. Eine grausame Mordserie erschüttert Kopenhagen, jede einzelne Tat wird durch einen Tupilak, ein Symbol für Unglück, angekündigt. Marit, die als Kind adoptiert und von Grönland nach Dänemark gebracht worden ist, erfasst ein Sog von Beklemmung und Irritation, als sie aufgrund der Ereignisse ihrer eigenen Familiengeschichte nachspürt, denn auch sie ist schon als Kind dem Anngiaq begegnet.

Eloquent und bildhaft beschreibt Anne Nørdby das Geschehen, lässt durch authentische Dialoge das Ganze noch lebendiger werden. Interessante Details zur grönländischen Sagenwelt verwebt die Autorin geschickt mit historischen Begebenheiten im Rahmen der Kolonialisierung durch Dänemark, welche durchaus dunkle Seiten nach sich gezogen hat. Und schließlich wird der Leser gefesselt von einer brutalen Mordserie, zu der es unterschiedliche Theorien bezüglich Täter und Motiven gibt; ja sogar innerhalb der Ermittlergruppe herrschen Zwistigkeiten. Und auch das Privatleben der nicht immer ganz unkomplizierten, aber durchwegs sympathischen Protagonisten hält alle auf Trab. Schlüssig fließen am Ende alle Fäden zusammen und wecken Neugierde, wie es mit Marit, Kirsten und Jesper weitergeht.

Ein durchgängig hoher Spannungsbogen, fundierte Recherche und eine gekonnte Verquickung von geschichtlichen Fakten und fiktionalem Krimi lassen die 500 Seiten wie im Nu verfliegen, das Lesen ist – wie immer bei Anne Nørdby – ein wahres Vergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2026

Zitronenbauminsel

Blaue Zitronen – Der Sommer, als alles anders wurde
0

Die Eltern haben sich gerade arg zerstritten, da kommt der Urlaub mit Lieblingstante Claire gerade recht. Antonia verbringt glückliche Sommertage auf der kleinen italienischen Zitronenbauminsel, lernt ...

Die Eltern haben sich gerade arg zerstritten, da kommt der Urlaub mit Lieblingstante Claire gerade recht. Antonia verbringt glückliche Sommertage auf der kleinen italienischen Zitronenbauminsel, lernt Letizia und Gio kennen – und ein unfassbares Familiengeheimnis.

Knappe Kapitel, abwechslungsreiche Geschehnisse, Urlaubsflair, das mit ernsthaften Themen abwechselt, so ist der Grundtenor dieses liebevoll erzählten Jugendromanes. Bunte Bilder und herzhaftes Lachen gehören ebenso dazu wie schwarz-weiß gehaltene Gedanken, solange man die Beweggründe anderer Menschen nicht bedenkt oder gar versteht. Wir erleben den Sommer in Italien aus Antonias Sicht, wodurch deren Gefühle sehr gut spürbar werden. Ihr innerer Konflikt wird aber immer wieder aufgelockert durch humorvolle Szenen, beispielsweise auf der Ziegenweide. Der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Tiefgründigem gelingt spielend, die kurzweilige Lektüre mit den liebevollen Illustrationen am Beginn jedes neuen Kapitels weckt Vorfreude auf den nächsten Urlaub.

Ein schöner Sommerroman für junge Leute, das Buch hält, was Titelbild und Klappentext versprechen.


Veröffentlicht am 04.06.2026

Bernstein

Strandopfer
0

Ein Klumpen Bernstein ist das auffällige Merkmal des Toten am Strand bei Swinemünde. Dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk wird die deutsche Ermittlerin Lena Schuldt zur Seite gestellt, obwohl noch nicht ...

Ein Klumpen Bernstein ist das auffällige Merkmal des Toten am Strand bei Swinemünde. Dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk wird die deutsche Ermittlerin Lena Schuldt zur Seite gestellt, obwohl noch nicht einmal klar ist, ob es sich nicht einfach um einen Badeunfall handelt.

Der gelungene Auftakt zu Goldammers Ostsee-Reihe punktet durch seine düstere, drückende Atmosphäre ebenso wie durch zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse zwischen Ost und West. Der Kriminalfall steht nicht ständig im Mittelpunkt, auch persönliche Probleme und Altlasten spielen eine Rolle, sodass man das polizeiliche Team gut kennenlernen kann. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die lebendigen Beschreibungen lassen das Geschehen bildhaft vor dem geistigen Auge des Lesers vorüberziehen. Auch wenn die Turbulenzen zwischen den deutschen Urlaubern bisweilen ein wenig undurchschaubar erscheinen, so löst sich das Rätsel zum Ende hin auf ohne wesentliche Fragen offen zu lassen.

Die erste Begegnung mit Adam und Lena hat mir recht gut gefallen, die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit im deutsch-polnischen Grenzgebiet treten deutlich zutage und verleihen dem Ganzen die richtige Würze. Bis bald an der Ostsee!

Veröffentlicht am 02.06.2026

Veränderungen

Zwischen Abschied und Neubeginn
0

Als unabhängige freiberufliche Hebamme hat sich Esther einen Namen gemacht und schon vielen Erdenbürgern ans Licht der Welt geholfen. Einige Zeit ist seit dem legendären Schneesturm im Winter 1978/79 vergangen, ...

Als unabhängige freiberufliche Hebamme hat sich Esther einen Namen gemacht und schon vielen Erdenbürgern ans Licht der Welt geholfen. Einige Zeit ist seit dem legendären Schneesturm im Winter 1978/79 vergangen, nun tauchen wir ein in das typische Flair der beginnenden 1980er-Jahre.

Bevor man zu diesem charmanten Roman greift, empfiehlt es sich, den Vorgängerband zu lesen, dann erschließen sich die laufenden Zusammenhänge bestimmt noch ein wenig besser, obwohl Regine Kölpin auch hier wesentliche Eckpunkte zum bisherigen Geschehen darlegt. Beschwingt und lebendig fließen die Worte dahin, zeichnen ein abwechslungsreiches Bild vom Alltag einer Hebamme und flechten wie nebenbei wesentliche Ereignisse aus der Zeitgeschichte in die Handlung mit ein. So erfahren wir von Friedensbewegungen, Hausbesetzern, welche durchaus zu radikalen Mittel greifen und aktionistischen Demonstrationen. Mit ebensolcher Begeisterung entwirft die Autorin die persönlichen Schicksale ihrer Figuren, lässt sie wachsen an unüberwindbar erscheinenden Herausforderungen und zeigt ihnen unterschiedliche Blickwinkel auf, wodurch sie schließlich selber in der Lage sind, ihre Probleme zu lösen und Veränderungen positiv gegenüberzustehen. Geschwätzige Nachbarn, neidische Kollegen und ein gestrenges Sittenbild prägen das gesellschaftliche Treiben, vertraute Freunde und Halt in der Familie werden da umso wichtiger.

Durch eigene Erfahrung und genaueste Recherche gelingt es Regine Kölpin, eine sehr realitätsgetreue Geschichte zu erzählen, in jedem Leid auch die Chance auf Entwicklung zu sehen, sodass ihre Figuren gestärkt aus einer schwierigen Lebensphase herauskommen können. Die liebevolle und empathische Schreibweise überzeugt auch diesmal, sodass ich überaus berührende Lesestunden genießen durfte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere