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Veröffentlicht am 15.08.2026

Dampfnudeln und Heiratskandidaten

Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt
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Amrei wächst am idyllischen Chiemsee auf, schon früh hilft sie ihrer Großmutter Resi in der Küche des familieneigenen Gasthofes, welcher bekannt ist für seine köstlichen Dampfnudeln. Wie es im Jahre 1896 ...

Amrei wächst am idyllischen Chiemsee auf, schon früh hilft sie ihrer Großmutter Resi in der Küche des familieneigenen Gasthofes, welcher bekannt ist für seine köstlichen Dampfnudeln. Wie es im Jahre 1896 so üblich ist, hält der Vater bereits Ausschau nach einem passenden Ehemann für Amrei, ein gesellschaftlicher Aufstieg wäre durch eine gute Partie am See natürlich wünschenswert. Aber es soll anders kommen als geplant …

Die wunderbare Kulisse rund um den Chiemsee, die lebendigen Figuren und die fesselnde Handlung ziehen den Leser sogleich in ihren Bann, der aufregende Roman bietet von der ersten bis zur letzten Seite beste Unterhaltung. Im Mittelpunkt steht Amrei, aber auch die Gedanken- und Gefühlswelt aller anderen Personen ist in jeder Zeile spürbar und versetzt mich schnell in die Welt des ausklingenden 19. Jahrhunderts, als die Frauen noch von Vätern und Ehemännern abhängig waren, sich möglichst still in ihr Schicksal fügen sollten, um eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Auch Amrei soll einen jungen Mann heiraten, der ihr tiefst zuwider ist, aber sie versucht zumindest den Kampf. Ob dieser wie ein winterlicher Schneesturm zu bewältigen ist? Linda Winterberg erzählt alles mit beeindruckender Lebendigkeit und weckt schon jetzt Vorfreude auf die Fortsetzung.

Am Seegasthof ist es nicht immer einfach, besonders mit der mürrisch blickenden Großmutter Resi oder dem Vater, der in einem reichen Halodri einen optimalen Heiratskandidaten sieht, aber fort von hier möchte man dann halt auch wieder nicht. Als Leserin fühle ich mich rundum wohl bei den Bachingers und würde am liebsten sofort eine von Oma Resis kaiserlich-königlichen Dampfnudeln kosten. Empfehlung!

Veröffentlicht am 09.08.2026

Krimifestival im Zwiebelland

Bretonischer Glanz
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In Roscoff, in der nördlichen Bretagne, findet das alljährliche Krimifestival statt. Als eine Leiche gefunden wird, ruft man aus mehreren Gründen Kommissar George Dupin zu den Ermittlungen in das Küstenstädtchen. ...

In Roscoff, in der nördlichen Bretagne, findet das alljährliche Krimifestival statt. Als eine Leiche gefunden wird, ruft man aus mehreren Gründen Kommissar George Dupin zu den Ermittlungen in das Küstenstädtchen. Es bleibt nicht nur bei der einen Toten, die Aufklärung wird zu einem sehr persönlichen Unterfangen.

Voller Atmosphäre durch den rustikalen Charme des Ortes Roscoff nimmt einen die Krimihandlung schnell gefangen. Detaillierte geografische und kulinarische Einzelheiten bringen dem Leser die Besonderheiten dieser Gegend nahe, die typischen milden Zwiebeln mit ihrer rosa Farbe wecken Lust auf die schmackhaften Gerichte, welche daraus zubereitet werden. Leichen und Motive gibt es bald mehrere, ein Schriftsteller und politische Kontroversen sorgen für Abwechslung und lebendige Szenen, ein wenig aus Dupins Privatleben lockert das Ganze noch zusätzlich auf. Durchaus interessante Informationen zu diesem „britischsten aller bretonischen Häfen“ erhält man beim Lesen, die Denkansätze im Rahmen der Polizeiarbeit sind plausibel. Am Ende jedoch scheint das tatsächliche Tatmotiv nicht wirklich überzeugend, wodurch die Geschichte insgesamt ein wenig leidet.

Das typische Flair und viel Lokalkolorit verleihen auch diesem fünfzehnten Band der Dupin-Reihe seine besondere Stellung, unterhaltsame Lesestunden sind garantiert, weshalb ich bestimmt auch beim nächsten Fall dabei sein möchte.

Veröffentlicht am 06.08.2026

Zwischen den Rollen

Eine echte Komtess
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Die verarmte adelige Hanna möchte nicht bei ihrer Tante unterkommen, so nimmt sie bei Gräfin Valeria eine Stelle als Gouvernante für deren quirlige Enkelin Antonia an. In Heiligendamm läuft jedoch einiges ...

Die verarmte adelige Hanna möchte nicht bei ihrer Tante unterkommen, so nimmt sie bei Gräfin Valeria eine Stelle als Gouvernante für deren quirlige Enkelin Antonia an. In Heiligendamm läuft jedoch einiges nicht nach Wunsch, Zwistigkeiten sind vorprogrammiert und Hanna hat es nicht leicht, die Balance zwischen ihren Rollen als Gouvernante und als echte Komtess zu finden.

Lebendige Szenen führen von Heiligendamm ins ungarische Harkàny und beleuchten stimmig, wie es einst zugegangen ist. Hanna und Antonia als Hauptfiguren zeigen, dass man nicht alles hinnehmen muss, sondern auch eigenständig denken oder gar eine konträre Haltung einnehmen darf. Wie bereits im Vorgängerband, stehen auch diesmal Pferde im Mittelpunkt und neidische Verwandte, denen Hanna aber mit Klugheit und Witz Paroli bietet. Mit Humor und realitätsgetreuen Details zeichnet Ada Caine wieder einmal ein interessantes Bild der Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts und genau deshalb bahnt sich die Romanze zwischen Freiherrn von Striegenberg und Hanna nur langsam an.

Ein ruhiger, aber durchwegs glaubwürdig erzählter Roman, der nahtlos an „Der Wille der Gräfin“ anschließt und eine gelungene Fortsetzung darstellt.

Veröffentlicht am 02.08.2026

KKW Wyhl

Sonnenberg
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Am Kaiserstuhl soll in den 1970er-Jahren ein Kernkraftwerk errichtet werden. Nicht nur die ansässigen Bauern fürchten um ihre Reben, auch Studenten und andere überzeugte Umweltschützer gehen in den Widerstand. ...

Am Kaiserstuhl soll in den 1970er-Jahren ein Kernkraftwerk errichtet werden. Nicht nur die ansässigen Bauern fürchten um ihre Reben, auch Studenten und andere überzeugte Umweltschützer gehen in den Widerstand. Darunter Johanna und Luzie, zwei Freundinnen, die sich aber voneinander entfernt haben, als Johanna Mutter geworden ist, während Luzie eine zusammen geplante Marokkoreise angetreten hat. Wird man durch die gemeinsame Sache wieder zueinander finden oder steht man am Ende gar nicht auf derselben Seite?

Frauenrechte, Kernkraft und Politik der 1970er-Jahre stehen im Mittelpunkt dieses gewissenhaft recherchierten Romans, in der Kreditabteilung der örtlichen Bank spricht man überhaupt nur von „halben Personen“, wenn es um Frauen als Arbeitskräfte geht. Diese Stimmung fängt Brigitte Glaser sehr gut ein, die damalige Atmosphäre – auch durch die genannten Musiktitel – schleicht sich schnell in meine Erinnerung. Andererseits fehlen mir tiefergehende Gefühle der beiden Hauptfiguren Johanna und Luzie, aus deren Blickwinkeln die ganze Geschichte erzählt wird. Die Geheimnisse, welche Luzie aus Marokko mitbringt, werden mehrfach wiederholt, die Einflechtung vergangener Ereignisse ins gegenwartliche Geschehen erfolgt fließend, irritieren mitunter den Fluss des Lesens. Auch sonst bleiben mir die einzelnen Personen eher fremd, mitfühlen, mitbangen kann ich kaum mit ihnen, obwohl durchaus spannende und emotionale Szenen geschildert werden. Der Fokus dieser auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte liegt auf der Zeit von Jänner bis April 1975, vom Gefühl her begleitet man Johanna und Luzie aber deutlich länger. Am Schluss gibt es zwar keine großen Überraschungen, die letzten Zeilen stimmen jedoch durchaus zufrieden.

Wenig Emotion, aber gut an die Realität angelehnt, wer Näheres zum Widerstand rund um das Kraftwerk Wyhl erfahren möchte, sollte hier reinlesen.

Veröffentlicht am 26.07.2026

Alles nur scheinbar

Einkehr
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Kommissar Friedemann Behütuns hat ein komisches Gefühl, eine sonderbare Dame berichtet, dass einige abgehandelte Todesfälle keine Unfälle gewesen sind, sondern Mord. Ohne Auftrag beginnt Friedo zu ermitteln ...

Kommissar Friedemann Behütuns hat ein komisches Gefühl, eine sonderbare Dame berichtet, dass einige abgehandelte Todesfälle keine Unfälle gewesen sind, sondern Mord. Ohne Auftrag beginnt Friedo zu ermitteln und stößt auf unverständliche Nachrichten aus früheren Zeiten.

Schwer legt sich die brütende Hitze über das Land, träge gehen die Nachforschungen voran. Behütuns mit seiner ruhigen, überlegten und gleichzeitig zielstrebigen Art lässt nicht locker, auch wenn manche Vorfälle schon aufgeklärt scheinen und endlich bei der Bevölkerung langsam in Vergessenheit geraten. Die großartig eingefangene Atmosphäre trägt auch diesen Kriminalroman von Tommie Goerz, Gegenwart und Vergangenheit laufen sachte ineinander. Zäh, gleich einem Zeitdehner, kriechen die Gedanken dahin, die Zusammenhänge und Verbindungen erschließen sich dem großartigen Peterleteam (denn alle sind mit dem Vornamen Peter gesegnet) und dem Leser nur langsam. Hervorragend gestaltet der Schriftsteller den Handlungsverlauf, bringt interessante Figuren ins Spiel und entwirft mit Leichtigkeit einen tiefgründigen Krimi, die Überraschung am Ende ist perfekt.

Wer das Außergewöhnliche sucht, greift bei Goerz zu, sowohl bei seinen Krimis als auch bei seinen literarischen Romanen kann man sich völlig im Geschehen verlieren und dabei noch einen grandiosen Schreibstil genießen.