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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2026

Vom Meer getragen durch die Zeit

Die Ufer der Zeit
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Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. ...

Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. Dabei geht es weniger um das Staunen über das Zeitreisen selbst, sondern um das Leben in fremden Welten. Fischer, Walfänger und Schmuggler werden in ihrem Alltag gezeigt, oft hart und entbehrungsreich, aber glaubwürdig und nah.
Das Meer ist dabei ständig präsent. Es verbindet die verschiedenen Zeiten miteinander und bestimmt den Rhythmus der Handlung. Mal wirkt es bedrohlich, mal ruhig und fast tröstend.
Mit Alva tritt eine Figur in Jans Leben, die vieles offenlässt. Gerade das macht sie interessant. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und ohne große Worte. Es gibt keine schnellen Wendungen und keine übertriebenen Gefühle. Stattdessen entsteht eine Nähe, die sich natürlich anfühlt und den Zeitreisen eine emotionale Tiefe gibt.
Auch Fragen nach Sinn, Glauben und dem eigenen Platz im Leben spielen eine Rolle. Sie drängen sich nicht auf, sondern tauchen leise auf und bleiben im Hintergrund spürbar. Vieles wird nicht erklärt, sondern dem Lesen überlassen. Das passt gut zur ruhigen Art der Geschichte.
Nicht jeder Abschnitt ist gleich stark. Manche Passagen ziehen sich etwas, vor allem wenn der Blick stärker auf den äußeren Umständen liegt. Insgesamt überzeugt der Roman aber durch seine klare Sprache, die stimmige Atmosphäre und das Gefühl, dass sorgfältig recherchiert wurde.
Am Ende bleibt der Eindruck einer besonderen Reise durch verschiedene Zeiten und Lebensformen. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Eine Geschichte, die berührt

Die Papierschöpferin
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Der Roman führt in das 15. Jahrhundert nach Norditalien, in eine Zeit, in der das Leben noch stark von harter Arbeit und eigenen Entscheidungen bestimmt wird. Eine junge Frau steht plötzlich allein da ...

Der Roman führt in das 15. Jahrhundert nach Norditalien, in eine Zeit, in der das Leben noch stark von harter Arbeit und eigenen Entscheidungen bestimmt wird. Eine junge Frau steht plötzlich allein da und muss Entscheidungen treffen, für die andere ein ganzes Leben Zeit haben. Von diesem Moment an entwickelt sich eine ruhige, klare Geschichte. Sie kommt ohne große Dramatik aus und zeigt, was es heißt, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen nicht aus dem Weg zu gehen.
Der Alltag in der Papiermühle am Gardasee wird nachvollziehbar und unaufgeregt geschildert. Die Arbeit, das Wasser, das Holz und das Papier gehören ganz selbstverständlich zur Geschichte. Das Wissen über die Papierherstellung fließt ruhig in die Handlung mit ein. Alles fühlt sich stimmig an und gibt der Handlung Tiefe.
Sofia wird als starke, aber zurückhaltende Figur gezeigt. Ihre Kraft liegt im Durchhalten und im Weitermachen, auch wenn die Widerstände wachsen. Die Konflikte entstehen aus Neid, Macht und alten Abhängigkeiten.
Auch die Liebesgeschichte bleibt im Hintergrund. Sie entwickelt sich langsam und vorsichtig und passt gut in die Zeit und die Situation der Figuren. Die Wege nach Augsburg und Venedig erweitern die Geschichte. Der aufkommende Buchdruck wird spürbar als Veränderung, die vieles in Bewegung bringt.
Der Roman lebt von seiner ruhigen Art. Stattdessen entsteht ein gleichmäßiger und angenehmer Lesefluss.
Am Ende bleibt der Eindruck eines sorgfältig erzählten historischen Romans, der Wissen, Gefühl und Handlung gut miteinander verbindet. Eine eindrucksvolle Geschichte.
Ein Buch für alle, die gern in eine andere Zeit eintauchen und dabei eine ruhige, glaubwürdige Geschichte erleben möchten. 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Wenn Wegsehen normal wird

Hazel sagt Nein
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Was zunächst wie eine ruhige Familiengeschichte beginnt, kippt schneller als erwartet. Hinter der Fassade einer kleinen Stadt liegen feste Machtverhältnisse und ein Schweigen, das seit Jahren besteht. ...

Was zunächst wie eine ruhige Familiengeschichte beginnt, kippt schneller als erwartet. Hinter der Fassade einer kleinen Stadt liegen feste Machtverhältnisse und ein Schweigen, das seit Jahren besteht. Hazel gerät in ein System, das Zustimmung voraussetzt und Ablehnung nicht duldet. Ihr Nein setzt eine Entwicklung in Gang, die niemand mehr kontrollieren kann.
Riverburg erscheint geordnet und vertraut. Schule, Nachbarschaft und Alltag folgen festen Abläufen. Doch bald wird deutlich, dass diese Ordnung auf Verdrängen beruht. Besonders schwer wiegt, wie selbstverständlich das Wegsehen geworden ist. Vieles ist bekannt, doch kaum jemand handelt. Dieses Schweigen zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman.
Hazel wird nicht idealisiert. Ihre Reaktion ist spontan und von Unsicherheit begleitet. Angst, Überforderung und Wut stehen nebeneinander. Das Nein ist kein Zeichen von Stärke im klassischen Sinn, sondern eine klare Grenze. Die Folgen treffen nicht nur sie, sondern auch ihre Familie, die zwischen Schutz, Zweifel und Anpassung steht.
Auch die Erwachsenen bleiben widersprüchlich. Eltern, Lehrkräfte und Verantwortliche wirken zögerlich oder ausweichend. Gespräche verlaufen vorsichtig, Verantwortung wird weitergereicht. Der Roman zeigt, wie leicht Unrecht bestehen bleibt, wenn niemand bereit ist, offen hinzusehen.
Der Stil ist ruhig und zurückhaltend. Auf Zuspitzung wird verzichtet. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte über Beobachtungen und Gespräche. An einigen Stellen hätte das Tempo straffer sein dürfen, was den Lesefluss kurz bremst. Die Wirkung des Themas bleibt jedoch erhalten und klingt nach.
Das Buch bleibt ernst und fordert Aufmerksamkeit. Nicht alles ist gleich stark erzählt, manches wirkt bewusst ausgedehnt. Trotzdem hinterlässt die Geschichte einen bleibenden Eindruck, weil sie nah an den Figuren bleibt und schwierige Themen ohne Sensationslust behandelt. 4 Sterne für einen Roman, der unbequem ist und gerade dadurch Wirkung entfaltet.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Neuanfang und alte Spuren

Gut Bradow – Jahreszeiten der Sehnsucht
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Die Geschichte beginnt mit Jonna, die nach einer schweren Zeit ihr altes Leben hinter sich lässt. Sie fährt ziellos an die mecklenburgische Seenplatte und stößt dort auf ein altes Gut, das sie aus ihr ...

Die Geschichte beginnt mit Jonna, die nach einer schweren Zeit ihr altes Leben hinter sich lässt. Sie fährt ziellos an die mecklenburgische Seenplatte und stößt dort auf ein altes Gut, das sie aus ihr noch unerklärlichen Gründen nicht mehr loslässt. Schon früh wird klar, dass dieser Ort für sie sehr bedeutungsvoll werden wird.
Gut Bradow wird Teil ihres Alltags. Jonna ersteigert den Gutshof und beginnt mit den Arbeiten. Dabei findet sie alte Briefe und Unterlagen, die auf eine Zeit nach dem Krieg hinweisen. Sie zeigen eine Verbindung zu ihrer Familie und ein verschwundenes Kind. Die Hinweise bleiben zurückhaltend, lassen aber erkennen, dass die Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist.
Auch das Dorf spielt eine Rolle. Es gibt freundliche Menschen, aber auch Zurückhaltung und Widerstand. Einige Bewohner möchten nicht, dass alte Dinge wieder aufgedeckt werden, und versuchen, Jonna zu vertreiben. Diese Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung.
Unterstützung bekommt Jonna von David, einem Anwalt aus Lübeck, mit dem sie bereits zuvor unliebsame Bekanntschaft gemacht hat. Zwischen beiden entwickelt sich Nähe, zugleich sind Zweifel und Misstrauen spürbar.
Die Geschichte ist ruhig erzählt und konzentriert sich auf Atmosphäre und Stimmung. Die Landschaft, das alte Gut und die Spuren der Vergangenheit sind deutlich spürbar. Es entsteht ein Gefühl für die Zeit und die Menschen, die hier gelebt haben.
Am Ende bleibt das Gefühl, eine Geschichte erlebt zu haben, die kurzweilig und nachvollziehbar ist. Gegenwart und Vergangenheit sind miteinander verbunden, die Figuren und ihre Gefühle werden nahbar beschrieben, ohne dass es übertrieben oder künstlich wirkt.
Mir hat dieses Buch kurzweilige und interessante Lesestunden bereitet. Gerne empfehle ich es weiter.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Sechs Tage, die ein Leben prägen

Tage des Lichts
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Im Mittelpunkt steht das Leben einer Frau, das sich langsam und oft unauffällig verändert.
Erzählt wird es entlang von sechs Tagen, die über acht Jahrzehnte verteilt liegen und die Richtung ihres Lebens ...

Im Mittelpunkt steht das Leben einer Frau, das sich langsam und oft unauffällig verändert.
Erzählt wird es entlang von sechs Tagen, die über acht Jahrzehnte verteilt liegen und die Richtung ihres Lebens immer wieder neu bestimmen.
Die Geschichte beginnt in England kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Eine junge Frau steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden, umgeben von einer außergewöhnlichen, kreativen Familie und vielen Möglichkeiten. Ein tragisches Ereignis an einem einzigen Nachmittag verändert jedoch den Lauf ihres Lebens grundlegend. Aus Freiheit wird Anpassung, aus Sehnsucht wird Alltag. Ehe, Kinder und ein äußerlich geordnetes Leben prägen die folgenden Jahre, während innerlich eine Leere zurückbleibt.
Erst lange später rückt eine Begegnung wieder ins Bewusstsein, die einst von großer Bedeutung war. Eine Frau, die für einen anderen Lebensentwurf steht und für das, was hätte sein können. Zwischen beiden entwickelt sich eine heimliche, intensive Liebe. Sie bleibt begrenzt durch Zeit, Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen.
Der Roman erzählt von Schuld, Sehnsucht und von Entscheidungen, die ein ganzes Leben prägen können. Dabei wird nichts überzeichnet. Die leisen Momente, das Verschweigen und das Aushalten stehen im Vordergrund, nicht das große Drama. Besonders eindrücklich ist der Blick auf das Älterwerden und auf die Frage, wie viel Einfluss früh getroffene Entscheidungen noch im späteren Leben haben.
Der Schreibstil bleibt zurückhaltend und kontrolliert. Die Sprache ist klar, stellenweise fast nüchtern. Hier hätte etwas mehr Lebendigkeit gutgetan, vor allem in emotionalen Passagen. Dennoch trägt diese Zurückhaltung auch zur besonderen Stimmung des Romans bei und lässt Raum für eigene Gedanken.
4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leserinnen und Leser, die ruhige, nachdenkliche Romane schätzen und sich gern auf leise Lebensgeschichten einlassen.

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