Vom Meer getragen durch die Zeit
Die Ufer der ZeitDie Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. ...
Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. Dabei geht es weniger um das Staunen über das Zeitreisen selbst, sondern um das Leben in fremden Welten. Fischer, Walfänger und Schmuggler werden in ihrem Alltag gezeigt, oft hart und entbehrungsreich, aber glaubwürdig und nah.
Das Meer ist dabei ständig präsent. Es verbindet die verschiedenen Zeiten miteinander und bestimmt den Rhythmus der Handlung. Mal wirkt es bedrohlich, mal ruhig und fast tröstend.
Mit Alva tritt eine Figur in Jans Leben, die vieles offenlässt. Gerade das macht sie interessant. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und ohne große Worte. Es gibt keine schnellen Wendungen und keine übertriebenen Gefühle. Stattdessen entsteht eine Nähe, die sich natürlich anfühlt und den Zeitreisen eine emotionale Tiefe gibt.
Auch Fragen nach Sinn, Glauben und dem eigenen Platz im Leben spielen eine Rolle. Sie drängen sich nicht auf, sondern tauchen leise auf und bleiben im Hintergrund spürbar. Vieles wird nicht erklärt, sondern dem Lesen überlassen. Das passt gut zur ruhigen Art der Geschichte.
Nicht jeder Abschnitt ist gleich stark. Manche Passagen ziehen sich etwas, vor allem wenn der Blick stärker auf den äußeren Umständen liegt. Insgesamt überzeugt der Roman aber durch seine klare Sprache, die stimmige Atmosphäre und das Gefühl, dass sorgfältig recherchiert wurde.
Am Ende bleibt der Eindruck einer besonderen Reise durch verschiedene Zeiten und Lebensformen. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.