Menschlich und berührend
Was das Schicksal uns schenktManche Geschichten leben nicht von großen Ereignissen, sondern von Menschen, die sich unerwartet begegnen. Genau das macht diesen Roman aus. Die Handlung entwickelt sich in ruhigem Tempo und zeigt, wie ...
Manche Geschichten leben nicht von großen Ereignissen, sondern von Menschen, die sich unerwartet begegnen. Genau das macht diesen Roman aus. Die Handlung entwickelt sich in ruhigem Tempo und zeigt, wie aus einer spontanen Entscheidung nach und nach etwas entsteht, das zwei Leben verändert.
Addie arbeitet nach vielen Jahren bei Armee und Polizei als Sicherheitskraft in einem Mietlager. Dort trifft sie auf den obdachlosen Jugendlichen Jonathan und bietet ihm einen Platz in ihrem Gartenschuppen an. Aus dieser ungewöhnlichen Situation entwickelt sich eine Verbindung, die beiden neuen Halt gibt. Dabei geht es um Vertrauen, um alte Belastungen und darum, wieder offen für das Leben zu werden.
Die Figuren wirken über weite Strecken glaubwürdig. Addie trägt vieles mit sich herum und hält andere Menschen lieber auf Abstand. Jonathan bringt nach und nach Veränderungen in ihr Leben, ohne dass dies übertrieben oder konstruiert wirkt. Gerade diese ruhige Entwicklung macht einen großen Teil des Reizes der Geschichte aus.
Vieles spielt sich in den kleinen Szenen des Alltags ab. Während Jonathan sich um den verwilderten Garten kümmert, verändert sich auch das Miteinander der beiden. Die Autorin beschreibt solche Momente einfach und unaufgeregt. Dadurch entstehen viele Situationen, die nachvollziehbar wirken und der Geschichte eine angenehme Nähe verleihen.
Das Buch spricht Themen an, die viele Menschen kennen. Einsamkeit, Verlust, Hoffnung und die Frage, ob ein Neuanfang noch möglich ist, ziehen sich durch die Handlung. Dabei wird nichts unnötig dramatisiert. Gerade diese zurückhaltende Art hat das Lesen angenehm gemacht.
Nicht alles konnte mich gleichermaßen fesseln. Einige Entwicklungen sind recht früh absehbar, und manche Abschnitte hätten etwas kürzer ausfallen dürfen. Dadurch verliert die Geschichte stellenweise etwas an Schwung. Für Leserinnen und Leser, die ruhige Romane mit Schwerpunkt auf zwischenmenschlichen Beziehungen mögen, dürfte das jedoch kaum ins Gewicht fallen.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer warmen und menschlichen Geschichte. Sie zeigt, dass manchmal schon eine einzige Begegnung genügt, um eine neue Richtung einzuschlagen. Auch wenn nicht jede Szene gleich stark ist, bietet der Roman viele schöne Momente und eine Botschaft, die lange nachwirkt.
Ein lesenswertes Buch über Vertrauen, Mitgefühl und die Chance, noch einmal neu anzufangen. Sehr gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung.