Profilbild von Bavaria123

Bavaria123

Lesejury Profi
offline

Bavaria123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bavaria123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2026

Auf der Insel

Fünf Tage im Licht
0

Sommer, Sonne, Pool und Zitronenwasser. Das waren meine ersten Gedanken beim Anblick des Covers.
Dazu der Titel "Fünf Tage im Licht". Das lässt vermuten, einen leichten und lauschigen Sommerroman in Händen ...

Sommer, Sonne, Pool und Zitronenwasser. Das waren meine ersten Gedanken beim Anblick des Covers.
Dazu der Titel "Fünf Tage im Licht". Das lässt vermuten, einen leichten und lauschigen Sommerroman in Händen zu halten.
Ob es wirklich so ist?

Die junge Malerin Sophie Evans reist mit ihren Freundinnen Iris, Helena und Alessia auf eine griechische Insel. Da eine von ihnen bald Hochzeit feiern wird, wollen sie fünf Tage ohne ihre Partner verbringen. Diese planen, nach den fünf Tagen nachzureisen.
Die Ich-Erzählerin Sophie genießt den Urlaub und die Auszeit von ihrem Freund Greg, der sie mit seinem Kinderwunsch immer mehr drängt. Und sie lernt den Tavernenbesitzer Ky kennen und stürzt sich in eine Affäre.
Der Wunsch Alessias, von Sophie als Akt gezeichnet zu werden, entspannt die Situation nicht gerade.

Vor jedem Kapitel hat die Autorin Aktbildbeschreibungen von verschiedenen Künstlerinnen platziert, z.B. von Paula Modersohn-Becker oder Frida Kahlo. Das ist in meinen Augen eine gute Idee und ich habe dann immer nach dem jeweiligen Bild Ausschau gehalten.

Der Schreibstil von Rhiannon Lucy Cosslett ist eher ruhig, feinsinnig und nachvollziehbar. Die Figuren, besonders Sophie, wirken authentisch und überzeugend.
Im Verlauf der Geschichte habe ich mich gefragt, ob es zwischen den Frauen wirklich Freundschaft ist oder eher ein Gemisch aus Nähe und Missgunst mit einigen Verletzungen aus früheren Zeiten.

Thematisiert wird unter anderem die Rolle der Frau, der Druck der Gesellschaft in ein bestimmtes Bild passen zu müssen. Leider wird dabei auch einiges an Alkohol geschluckt.

Es ist ein intensives Buch mit einem leichten Hänger in der Mitte. Und es ist nicht die leichte Geschichte, die ich am Anfang erwartet habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2026

Butterfly, my Butterfly...

Das Jahr der Schmetterlinge
0

So ein wunderbares Buch!

Als ich das Cover von diesem Buch gesehen habe, war mir klar, dass ich da auf jeden Fall mal hineinblättern muss. Und als ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, war es nur zu logisch, ...

So ein wunderbares Buch!

Als ich das Cover von diesem Buch gesehen habe, war mir klar, dass ich da auf jeden Fall mal hineinblättern muss. Und als ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, war es nur zu logisch, dass ich das Buch auch lesen muss.

Lea Korsgaard beschließt am 1. Januar, als vor ihrem Haus noch eine Schneedecke liegt, dass sie in diesem Jahr alle 64 in Dänemark heimischen Schmetterlinge sehen möchte, obwohl oder gerade weil sie wenig über sie weiß.
Und während sie sich auf die Suche macht, ihre Erlebnisse schildert und dabei nicht nur die Insekten sondern auch neue Landschaften kennen lernt nimmt sie ihre Leserschaft ganz feinfühlig mit.

Die Autorin schreibt faszinierend und unaufdringlich, leise und inspirierend. Mich hat sie dabei ausgebremst und emotional beeindruckend angesprochen.

Das Buch ist weder "nur" ein Sachbauch noch "nur" ein Roman. Es ist sehr vieles. Geschichte, Biologie, Philosophie und Geologie werden mühelos verwoben. Und das ist so spannend wie unterhaltsam.

Ohne erhobenen Zeigefinger weist Lea Korsgaard darauf hin, dass wir Menschen den Auftrag haben, die Natur zu schützen. Konsequent und mit allen Möglichkeiten.

Viele von der Autorin gezeichnete Schmetterlinge und ein interessanter Quellenanhang runden dieses wunderbare Buch ab, das mir ans Herz gewachsen ist.

Ich empfehle es unbedingt mit mindestens 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Eine Tasse Tee oder mehr

Eine Maus namens Merlin
0

Es gibt sie, die Bücher, die mich zum Lachen und Weinen bringen, weil sie so gefühlvoll geschrieben sind. "Eine Maus namens Merlin" ist genau so ein Buch. Ich habe es sehr gern gelesen und es wird noch ...

Es gibt sie, die Bücher, die mich zum Lachen und Weinen bringen, weil sie so gefühlvoll geschrieben sind. "Eine Maus namens Merlin" ist genau so ein Buch. Ich habe es sehr gern gelesen und es wird noch lange in meinem Kopf und in meinem Herz bleiben.

Doch alles der Reihe nach.
Hier war es zuerst der Titel, der mich aufmerksam gemacht hat. Merlin, der legendäre Zauberer, der beim jungen Prinzen Arthur am königlichen Hof von Camelot lebte. Merlin, mein wunderbarer und viel zu früh verstorbener Sheltie.
Und nun eine Maus, die gern in Pantoffeln schläft.

Das Buch handelt von der 83jährigen Helen Cartwright, die nach 60 Jahren in Australien wieder in die Nähe von Oxford wohnt, dem Ort, in dem sie geboren worden ist.
Hier verläuft jeder Tag sehr ähnlich. Sie wartet zurückgezogen auf den Tod, auch um dann wieder mit ihrem Mann Len und ihrem Sohn David zusammen zu sein.

Doch dann tritt zufällig eine Maus in ihr Leben. Die Versuche, diese wieder los zu werden, scheitern und so bekommt Merlin einen Namen und Helens Tage werden lebhafter.

Der Schreibstil von Simon Van Booy ist ruhig und gefühlvoll. Manche Sätze sind so schön, dass ich sie einige Male gelesen habe.
Die Figuren auch neben Helen und Merlin sind charmant und sympathisch. Selbst Cecil Park, der Eisenwarenhändler, der anfangs Klebefallen gegen die Maus empfiehlt, wird schon bald sehr freundlich und empathisch.

Zu gern würde ich einmal vor der senfgelben Tür von Helens Haus stehen und die beiden auf eine Tasse Tee oder mehr besuchen.

Ich gebe diesem wunderbaren, warmherzigen Buch gerne mindestens 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Touch & Feel

Restsommer
0

Als erstes fällt bei dem Buch natürlich das Cover auf. Sommerlich, warm, gefühlvoll. Und damit passt es zum Titel und zur Geschichte.

Es ist Sommer 2003. Wir befinden uns in dem kleinen Ort Schönacker ...

Als erstes fällt bei dem Buch natürlich das Cover auf. Sommerlich, warm, gefühlvoll. Und damit passt es zum Titel und zur Geschichte.

Es ist Sommer 2003. Wir befinden uns in dem kleinen Ort Schönacker in Niedersachsen und lernen den 16 jährigen Dominik (Nick / Domi) kennen. Er lebt, nachdem seine Eltern sich getrennt haben und die Mutter zu ihrem neuen Freund Stefan gezogen ist, mit seinem Vater zusammen. Dieser betreibt ein Bestattungsinstitut und hofft, sein Sohn übernimmt es eines Tages.
Noch aber wird Dominiks Alltag von Schule, Bandproben und Freibädern geprägt. Und dann tritt Benjamin Nowak, alias Biff, in sein Leben.

Kea von Garnier schreibt in einem flüssigen und stimmungsvollen Stil, der mir gut gefällt. Dadurch wird die Geschichte real, emotional und stellenweise auch humorvoll. Und sie hat Tiefgang.
Die Charaktere sind ausgesprochen einfühlsam und taktvoll beschrieben, das lässt sie sehr greifbar und echt erscheinen.

Thematisiert werden das Erwachsenwerden, die Suche nach der eigenen Identität, die Auseinandersetzung mit der Schule, die Erwartungshaltung der Familie und auch die ersten großen und besonderen Gefühle.

Als Nebenschauplatz spielt auch das Bestattungsinstitut eine Rolle und dabei habe ich einiges lernen können. Zuerst mutet das möglicherweise schwermütig oder falsch am Platz an, ist es aber ganz und gar nicht.

Mich hat "Restsommer" beeindruckt und es wird auch noch einige Zeit im Kopf bleiben. Dafür vergebe ich überaus gern die volle Sternenzahl.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2026

Wilde, Fauler Sack und Goliath auf dem Dach

Der letzte Sommer der Tauben
0

Die Geschichte nimmt uns mit in den Irak, zu einer Zeit, als die totalitäre Regierung mit Vorschriften und Strafen immer mehr den Alltag bestimmt.
Auch in dem Stadtteil, in dem der 14jährige Noah mit seinen ...

Die Geschichte nimmt uns mit in den Irak, zu einer Zeit, als die totalitäre Regierung mit Vorschriften und Strafen immer mehr den Alltag bestimmt.
Auch in dem Stadtteil, in dem der 14jährige Noah mit seinen Eltern, der schwangeren Schwester Suad und dem Onkel Ali wohnt, wird immer stärker kontrolliert und reguliert.
Frauen dürfen nicht unverhüllt und ohne männliche Begleitung das Haus verlassen und schon gar nicht arbeiten.
In dem Bekleidungsgeschäft von Noahs Vater muss alles, was nicht den strengen Regeln entspricht, geschwärzt oder vernichtet werden.
Noahs liebster Zeitvertreib sind die Tauben auf dem Dach. "Schneeweiß" und "Himmelblau" oder "Regenbogen" und "Tänzer" verschaffen ihm ein Gefühl von Freiheit. Doch dann wird auch die Taubenhaltung auf dem Dach verboten.

Man merkt, dass für den Autor Diktatur, Gewalt und Gefängnis nicht nur Worte sind. Er war selbst zwei Jahre in irakischer Gefangenschaft. Abbas Khider bedient sich zwar der Prosaform, aber die Szenarien erscheinen absolut realistisch.
Teilweise sind sie brutal ehrlich und für mich als Lesende schwer zu ertragen.

In dieser zum Nachdenken anregenden Parabel sind die Tauben auch Sinnbild für Frieden und Hoffnung. Ihre Namen sind gut gewählt, ich habe sie direkt vor mir gesehen.

Geschrieben ist das Buch in kurzen Kapiteln und in einem klugen, zurückhaltenden und teilweise sogar leicht humorvollen Ton.

Der letzte Sommer der Tauben wird mir noch lange in Erinnerung bleiben - als empathisches und doch grauenvolles, leise und doch starkes, ironisches und doch trauriges bittersüßes Werk.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere