Weißt du eigentlich, dass du ein Sternbild auf dem Rücken hast?
Ein 16-jähriger Junge, der glaubt, im öden mitteldeutschen Kaff zu versauern, der mit sich hadert, den väterlichen Beerdigungsbetrieb zu übernehmen, der noch nie eine Freundin hatte, der plötzlich einen ...
Ein 16-jähriger Junge, der glaubt, im öden mitteldeutschen Kaff zu versauern, der mit sich hadert, den väterlichen Beerdigungsbetrieb zu übernehmen, der noch nie eine Freundin hatte, der plötzlich einen neuen Mitschüler aus der Großstadt bekommt. Und auf einmal steht die Welt Kopf, denn der rebellische, unangepasste und provokante Biff hat bereits Erfahrungen mit Jungs, etwas, das Dominik noch nicht mal in den Sinn gekommen ist.
„Vor 16 Jahren bin ich dort drüben, kurz hinter der Grenze, zur Welt gekommen. Und Papa hat vermutlich schon damals genau vor sich gesehen, was mal aus mir werden sollte. Glaube nicht, dass Schwulsein darin vorkam.
In lockerer Jugendsprache und dennoch sehr feinsinnig erzählt @keavongarnier die Geschichte dieses Sommers, in dem Domi sich mit Biff anfreundet und schließlich die Liebe entdeckt.
„Seit er hier ist, ist Schönacker für mich fast erträglich geworden. Als hätte sich ein Filter über alles gelegt – die Höfe, die Wiesen, die Alleen –, und dieselben Straßen, die mir vor Kurzem noch beklemmend eng vorkamen, sind plötzlich weit genug.“
Besonders gut hat mir der Schreibstil gefallen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Dominik erzählt. Die Autorin schafft den Spagat zwischen lockerer Jugendsprache und feindetaillierter Beschreibung von Alltagssituationen, Umgebung und Umwelt, die wundersam immer perfekt zur emotionalen Situation der Protagonisten passt, zur jugendhaften Zerrissenheit, sich nicht genug zu fühlen, mit allem zu hadern.
Einerseits ist Dominik ein verspielter und unerfahrener Jugendlicher, der teils schlechte Entscheidungen trifft, andererseits hilft er routiniert im Bestattungsinstitut des Vaters mit und ist zu sehr klugen und reflektierenden Gedanken fähig.
„Ich bin täglich von Tod und Trauer umgeben, aber das Leben in all seinen Facetten zu ertragen, scheint mir viel schwieriger.“
Biffs Leben vor dem Umzug der Familie aufs Dorf bleibt zunächst im Dunkeln. Nach und nach schält sich Schicht für Schicht ab und enthüllt viele nachvollziehbare Ursachen für sein Verhalten.
„Vielleicht habe ich ihn nie ganz begriffen, weil mir immer genau dieser Teil von ihm fehlte, der Teil, den er nicht mitnehmen konnte nach Schönacker.“
Dieser coming of age-Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Er hat mich eingesaugt. Ich konnte ihn nicht weglegen. Domi und Biff sind mir so ans Herz gewachsen. Ich habe mitgefiebert, alles mit ihnen hautnah miterlebt, geweint und gelacht. Das Ende beschäftigt mich nach Abschluss der Lektüre noch weiter. Wahnsinn, wie plastisch sich alle Figuren immer noch anfühlen.
„Dominik und Biff Ich hatte nie das Gefühl, euch erfunden zu haben.“ Das schreibt die Autorin in der Danksagung und spricht mir damit voll und ganz aus dem Herzen. Deswegen ist es für mich ein Jahreshighlight.