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Veröffentlicht am 16.02.2020

Rache und Vergeltung vs. Skrupellosigkeit und Brutalität

Tödliche Heimkehr
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Rechtsanwalt Dirk Lieven verliert einen Prozess, der zum Himmel stinkt. Als seine Mandantin kurz darauf zu Tode kommt, verliert der integre Jurist beinahe den Glauben an das Rechtssystem. Als dann noch ...

Rechtsanwalt Dirk Lieven verliert einen Prozess, der zum Himmel stinkt. Als seine Mandantin kurz darauf zu Tode kommt, verliert der integre Jurist beinahe den Glauben an das Rechtssystem. Als dann noch Shadi Seeger, eine Freundin der Toten, auftaucht, gerät seine Welt vollends ins Wanken. Schnell wird klar, daß die aktuellen Vorkommnisse mit Shadis Vergangenheit, einem ungesühnten Verbrechen vor 15 Jahren zu tun haben müssen, an dem 5 Söhne der einflussreichsten Hachenburger Familien beteiligt sind. Shadi plant ihren eigenen Rachefeldzug. Nach und nach kommen ihre einstigen Peiniger zu Tode, doch sie lehnt die Verantwortung für die Morde ab. Nur Lieven glaubt ihr. Es beginnt eine rasante und äußerst spannende Jagd nach der Wahrheit, bei der es nicht nur einmal um Leben und Tod geht.
Freunde von gut ausgeklügelten stimmigen Krimis mit guten Dialogen werden sich hier sehr wohlfühlen. Die Geschichte ist gut aufgebaut und fundiert recherchiert. Sie ist verzwickt und ungemein spannend, zuweilen auch sehr aufregend. Manchmal ließ sie mich ohnmächtig ob der Skrupellosigkeit zurück, um mich dann wieder langsam aufzubauen und Hoffnung zu geben, daß doch alles gut wird und die Gerechtigkeit siegen wird. Es sind tolle Wendungen eingebaut, das Ende ist nicht vorhersehbar und gut gemacht. Im Showdown entlädt sich die ganze Anspannung und lässt mich befriedigt zurück.
Die Personen sind vielschichtig und realitätsnah gezeichnet. Bei den Bösen überzog mich regelmäßig eine Gänsehaut. Die Guten öffneten mein Herz, und meine Sympathien flogen ihnen zu. Die Hauptpersonen haben eine unglaubliche Tiefe, die erst nach und nach herausgearbeitet wird, was mir sehr gut gefallen hat. Lieven und Seeger sind so unterschiedliche Charaktere, die beide das gleiche Ziel mit unterschiedlichen Mitteln verfolgen. Ein Konflikt, der dem Buch eine wunderbare Tiefe und Menschlichkeit verleiht.
Sehr gut gefallen hat mir auch der atmosphärische Schreibstil des Autors. Fast mystisch brutal beschreibt er die Landschaft des Westerwalds. „Froststarre Buchen und Kastanien tauchten aus dem Dunst auf und streckten ihre Äste nach dem Pick-up aus wie verlorene Seelen.“ oder „Aus den grauschwarzen Bäuchen der tief am Himmel dahinjagenden Regenwolken fielen Hagelkörner wie kleine Bomben auf die Erde und gruben ihre eisigen Zähne in alles, dessen sie habhaft werden konnten.“ Wow! Da wurde es mir beim Lesen eiskalt, und ich war froh, daheim unter meiner wärmenden Decke in Sicherheit zu sein. Was ihm beim Beschreiben der Landschaft so gut gelingt, setzt der Autor bei der Beschreibung seiner Protagonisten fort: „...einer einzelnen Schneeflocke, die sich unter den Nieselregen mischte. Sie erschien ihm wie ein Sinnbild seiner selbst.“ über Lieven und „Mit ihrer Sprunghaftigkeit und Spontaneität war sie so ganz anders als die Frauen, die er sonst kannte. Sie war direkt und ehrlich und tat, was ihr gefiel, ohne sich um Konventionen zu scheren. Und damit passte sie in das spießige Hachenburg wie ein zerzauster Puma auf eine Rassekatzenschau.“ über Seeger. Dazu streut er Nachnamen wie Morloch und Lazarus ein. Herrlich!
Was ich an Krimis, in denen Rechtsanwälte plötzlich fachfremd Ermittler spielen, nicht mag, ist der fehlende Realitätsbezug. Rechtsanwälte ermitteln nicht in Mordfällen! Hier war der Rechtsanwalt aber unfreiwillig an einem Scheitelpunkt angekommen, er stand kurz vor den Scherben seiner Existenz und hatte nur die Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu wählen. Ihm blieb nichts anderes übrig, den Sumpf aus Verbrechen und Korruption trockenzulegen oder selbst kriminell zu werden. Das fand ich sehr gut gelöst, und es imponierte mir ungemein.
„Bestrafung/Tödliche Heimkehr“ ist eine gelungene Mischung aus Krimi und Wirtschaftsthriller, gespickt mit einem Hauch von zarter Liebesgeschichte.
Ich vergebe die volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2020

Tanz Dich frei

Beat of Love
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Kathi trainiert neben ihrem Studium eine erfolgreiche Hip Hop-Jugendmannschaft. Die Konkurrenz ist allerdings groß und schreckt nicht vor unlauteren Methoden zurück, sie zu schwächen. In der Krise lernt ...

Kathi trainiert neben ihrem Studium eine erfolgreiche Hip Hop-Jugendmannschaft. Die Konkurrenz ist allerdings groß und schreckt nicht vor unlauteren Methoden zurück, sie zu schwächen. In der Krise lernt sie den traumatisierten Kriegsheimkehrer Finn, den älteren Bruder eines ihrer Tänzer, kennen. Es beginnt eine zarte Liebesbeziehung mit Höhen und Tiefen.
„Beat of love“ ist ein wunderschöner Young Adult Liebesroman, der mir viel Spaß gemacht hat und den ich sehr schnell gelesen hatte.
Die Protagonisten haben mir sehr gut gefallen, weil sie sehr realistisch gezeichnet sind. Sie sind nicht glatt, sondern haben Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Sie dürfen Gefühle zeigen und auch mal an Situationen verzweifeln. Sie dürfen sich freuen, aber auch weinen und schreien.
Die Entwicklung der Beziehung hat mir ebenfalls gut gefallen. Die zarte Annäherung der beiden ist zu goldig! Die Zurückhaltung und Unerfahrenheit in Sachen Beziehung wird sehr gut verarbeitet und glaubhaft transportiert. Die beiden ergänzen sich sehr gut, dürfen sich aneinander berauschen und sich gegenseitig Mut, Halt und Zuversicht geben.
Überhaupt gefallen mir der Aufbau und die Themen des Buches sehr gut. Es ist sehr feinfühlig geschrieben. Auch Finns Trauma wird realistisch und gefühlvoll beschrieben. Es nimmt weder zu viel noch zu wenig Raum ein. Ich finde, man kann auch ein ernstes Thema in einem Liebesroman verarbeiten, so lange die Liebesbeziehung im Vordergrund steht, und das tut sie hier.
Auch der Sport wird leidenschaftlich thematisiert. Ich konnte die Spannung bei den Wettbewerben gut nachfühlen und habe einiges über Hip Hop gelernt.
„Beat of love“ ist ein feinfühliger intelligenter Young Adult Roman, der auch ältere Erwachsene gut unterhalten kann. Finn und Kathi sind ein tolles junges Paar, und man wünscht ihnen automatisch nur das beste. Sie sind so plastisch gelungen, daß man vergisst, daß es Romanfiguren sind.
Deshalb vergebe ich die volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2020

Zieh die Vorhänge zurück und lass mich Dich beobachten...

Dirty Neighbor
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Jamie startet in New York aus privaten und beruflichen Gründen neu. Gleich in den ersten Tagen nach ihrem Einzug fällt ihr der heiße Kerl auf, der in der Wohnung gegenüber wohnt und keine Gardinen hat. ...

Jamie startet in New York aus privaten und beruflichen Gründen neu. Gleich in den ersten Tagen nach ihrem Einzug fällt ihr der heiße Kerl auf, der in der Wohnung gegenüber wohnt und keine Gardinen hat. Und so kommt es schließlich nach ein bißchen Hin und Her-Beobachten zu ein paar nicht jugendfreien Szenen mit ihm. Meine Güte, die sind echt heiß!
Das ganze Buch ist heiß, erotisch, leidenschaftlich, außergewöhnlich, dabei aber stimmig und rund. Das bisher beste Buch von Sarah Saxx, nachdem ich die Extended-Reihe gelesen habe und die schon ziemlich gut fand. Die Anziehungskraft zwischen den Protagonisten ist so plastisch geschrieben, so greifbar. Ich bin dermaßen in den Sog des Buches geraten, daß ich es in 2 Tagen gelesen hatte.
Die leidenschaftlichen Szenen sind zwar vorherrschend, aber nicht die einzig guten Elemente der Geschichte. Es geht um Vertrauen, Familie, Freundschaft, Verlust und Zukunft.
Die beiden besten Freunde Kelly und Callum haben mir ebenfalls so gut gefallen, daß ich mir einen Folgeband mit ihnen vorstellen könnte, obwohl sie sich bisher nicht begegnet sind. Sie sind richtig tolle beste Freunde, die jeder gerne haben möchte.
Ich fiebere dem nächsten Buch von Sarah Saxx entgegen und vergebe volle Punktzahl für diesen herrlich dreckigen Nachbarn.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2020

Märchenhaftes Jahr für Jamie-eine Liebesgeschichte in sanften Tönen, dafür mit Charakter-Katze mit einer Mission

Eine Samtpfote zum Verlieben
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Jamie hat von ihrer Mutter Geld geerbt, so daß sie sich ein Jahr freinehmen kann, um herauszufinden, womit sie in Zukunft Geld verdienen möchte. Denn die Arbeit als Lehrerin hat sie nicht genügend ausgefüllt. ...

Jamie hat von ihrer Mutter Geld geerbt, so daß sie sich ein Jahr freinehmen kann, um herauszufinden, womit sie in Zukunft Geld verdienen möchte. Denn die Arbeit als Lehrerin hat sie nicht genügend ausgefüllt. Deshalb hat sie ein Haus im Märchenbuchviertel von L.A. gemietet und will nur noch Dinge tun, die ihr Spaß machen. Dabei probiert sie allerhand neues aus.
Ihr Kater MacGuyver war bisher eine Hauskatze, doch er findet im neuen Zuhause ein Schlupfloch nach draußen und damit bald seine Bestimmung. Er spürt, welche Menschen zusammengehören. Also versucht er sie zusammenzubringen. Nur verstehen die Menschen zu seinem Leidwesen seine Zeichen nicht immer. Er spürt zum Beispiel, daß Jamie sehr einsam ist. Ein paar Häuser weiter wohnt ein Mann mit einem Hund, der ebenso einsam riecht wie sein Frauchen. Was liegt da näher, als die beiden zusammenzubringen?
Die Geschichte von MacGuyver ist wirklich herzallerliebst. Der Kater ist so wunderbar beschrieben, daß jeder Katzenbesitzer Eigenschaften seiner Katze in ihm wiederfinden wird. Er ist zuweilen so lustig, daß ich mehrfach kräftig lachen musste. Er ist der unbestrittene Star der Geschichte! Sein Gegenpart ist ein Hund, dessen Beschreibung überzogen lustig ist. Jeder Katzenliebhaber wird sich köstlich darüber amüsieren! Hundeliebhaber müssen hier ein Auge zudrücken.
Die Liebesgeschichte um Jamie ist eher eine Geschichte der leisen Töne. Sie wird sehr zart und sanft erzählt. Letztendlich passt sie sehr gut zu Jamies Charakter. Wohingegen MacGuyver eher der Draufgänger ist, dem es nicht schnell genug gehen kann. Dieser Gegensatz ist Teil der Handlung. Dadurch daß die Liebesgeschichte eher langsam fortschreitet wirkt sie sehr realistisch. Mir als Leserin ging es zuweilen aber nicht schnell genug, ich bin da eher wie MacGuyver. Vor allem am Anfang gab es Szenen, die zwar zur Entwicklung von Jamie gepasst haben, mir aber zu langatmig waren.
Dennoch ist dieses schöne Buch eine Leseempfehlung wert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 07.02.2020

Warum es in Neuseeland keinen Burnout gibt

Doc Why Not
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Mark Weinert ist einer von vielen gebeutelten deutschen Ärzten in den Mühlen unseres Gesundheitssystems, das seine Mitarbeiter mehr und mehr auslaugt. Er ist Anästhesist und nimmt eine Stelle in Neuseelands ...

Mark Weinert ist einer von vielen gebeutelten deutschen Ärzten in den Mühlen unseres Gesundheitssystems, das seine Mitarbeiter mehr und mehr auslaugt. Er ist Anästhesist und nimmt eine Stelle in Neuseelands Hauptstadt Wellington an. Er nimmt uns mit auf seine über zweijährige Reise in dieses wunderbare Land und erklärt uns im Plauderton nicht nur die kulturellen Unterschiede, sondern auch die gravierenden Unterschiede im Gesundheitssystem. Immer mit einem Augenzwinkern plaudert er über Hunde am Strand, isolierte Häuser, Simulationstraining statt „see one, do one, teach one“, Sonnencreme in öffentlichen Spendern und was die Neuseeländer unter einer leichten Brise verstehen.
Er erklärt uns, was es mit dem Movember auf sich hat, warum man Kinder besser nicht unbeaufsichtigt lässt und daß ein Jahr Vorlaufzeit, um nach Neuseeland umzusiedeln, nicht zu lang bemessen ist, im Gegenteil sogar sehr knapp werden kann.
Ich habe dieses Buch auf jeder einzelnen Seite genossen und desöfteren ein Grinsen im Gesicht gehabt. Dem locker leichten Schreibstil von Mark Weinert konnte ich sehr gut folgen. Ich hatte das Gefühl, er sitzt mir beim Kaffeeklatsch gegenüber und plaudert aus dem Nähkästchen.
Medizinische Fachausdrücke oder englische Vokabeln kann man, wo sie nicht explizit erklärt werden, aus dem Kontext verstehen.
Ein wunderbar humorvolles, aber dennoch lehrreiches Buch, auch für Nicht-Mediziner. So schade, daß ich es so schnell durchgelesen habe, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Ich hätte so weiterlesen können....daher gibt es eine klare Leseempfehlung von mir mit der stillen Hoffnung auf mehr vom Autor.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere