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Veröffentlicht am 08.05.2026

Kurzgeschichtensammlung

Das Land der süßen Ewigkeit
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Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin Nora Schulte ist fantastisch. Sie intoniert einfach perfekt, so daß allein das Hören ihrer Stimme schon ein Genuss ist.

„Das Land der süßen Ewigkeit: ...

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin Nora Schulte ist fantastisch. Sie intoniert einfach perfekt, so daß allein das Hören ihrer Stimme schon ein Genuss ist.

„Das Land der süßen Ewigkeit: Stories und Essays“ enthält bisher unveröffentlichte Texte der amerikanischen Erzählerin Harper Lee (1926-2016), die in ihrem Nachlass gefunden wurden.

Es handelt sich um eine Sammlung aus 8 unveröffentlichten Erzählungen und 8 veröffentlichten Essays. Daß sie aus den frühen Jahren ihrer Schreibkarriere stammen, merkt man daran, dass alle in Alabama und New York in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen. Manchmal endet eine Geschichte ganz abrupt. Handelt es sich um ein Stilmittel oder war die Geschichte deshalb unveröffentlicht? Wie autobiographisch sind die Geschichten? Einige meiner Fragen werden am Ende geklärt. Dadurch habe ich die Sammlung auch viel besser verstanden. Ich rate dringend dazu, unbedingt das Nachwort zu hören und nicht zu früh abzuschalten.

Die Kurzgeschichten sind alle ganz unterschiedlich, skurril, überraschend, traurig, beängstigend, klug, schön, zeitlos, aber fast immer gesellschaftskritisch. Das hat mich am meisten fasziniert. Hier findet sich beißende Gesellschaftskritik in zarter, leiser, harmlos wirkender Verpackung.
Der Sprachstil ist sehr einnehmend. Ich bin sofort in dieser atmosphärischen Erzählweise versunken.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Weißt du eigentlich, dass du ein Sternbild auf dem Rücken hast?

Restsommer
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Ein 16-jähriger Junge, der glaubt, im öden mitteldeutschen Kaff zu versauern, der mit sich hadert, den väterlichen Beerdigungsbetrieb zu übernehmen, der noch nie eine Freundin hatte, der plötzlich einen ...

Ein 16-jähriger Junge, der glaubt, im öden mitteldeutschen Kaff zu versauern, der mit sich hadert, den väterlichen Beerdigungsbetrieb zu übernehmen, der noch nie eine Freundin hatte, der plötzlich einen neuen Mitschüler aus der Großstadt bekommt. Und auf einmal steht die Welt Kopf, denn der rebellische, unangepasste und provokante Biff hat bereits Erfahrungen mit Jungs, etwas, das Dominik noch nicht mal in den Sinn gekommen ist.



„Vor 16 Jahren bin ich dort drüben, kurz hinter der Grenze, zur Welt gekommen. Und Papa hat vermutlich schon damals genau vor sich gesehen, was mal aus mir werden sollte. Glaube nicht, dass Schwulsein darin vorkam.



In lockerer Jugendsprache und dennoch sehr feinsinnig erzählt @keavongarnier die Geschichte dieses Sommers, in dem Domi sich mit Biff anfreundet und schließlich die Liebe entdeckt.

„Seit er hier ist, ist Schönacker für mich fast erträglich geworden. Als hätte sich ein Filter über alles gelegt – die Höfe, die Wiesen, die Alleen –, und dieselben Straßen, die mir vor Kurzem noch beklemmend eng vorkamen, sind plötzlich weit genug.“



Besonders gut hat mir der Schreibstil gefallen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Dominik erzählt. Die Autorin schafft den Spagat zwischen lockerer Jugendsprache und feindetaillierter Beschreibung von Alltagssituationen, Umgebung und Umwelt, die wundersam immer perfekt zur emotionalen Situation der Protagonisten passt, zur jugendhaften Zerrissenheit, sich nicht genug zu fühlen, mit allem zu hadern.



Einerseits ist Dominik ein verspielter und unerfahrener Jugendlicher, der teils schlechte Entscheidungen trifft, andererseits hilft er routiniert im Bestattungsinstitut des Vaters mit und ist zu sehr klugen und reflektierenden Gedanken fähig.



„Ich bin täglich von Tod und Trauer umgeben, aber das Leben in all seinen Facetten zu ertragen, scheint mir viel schwieriger.“



Biffs Leben vor dem Umzug der Familie aufs Dorf bleibt zunächst im Dunkeln. Nach und nach schält sich Schicht für Schicht ab und enthüllt viele nachvollziehbare Ursachen für sein Verhalten.



„Vielleicht habe ich ihn nie ganz begriffen, weil mir immer genau dieser Teil von ihm fehlte, der Teil, den er nicht mitnehmen konnte nach Schönacker.“



Dieser coming of age-Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Er hat mich eingesaugt. Ich konnte ihn nicht weglegen. Domi und Biff sind mir so ans Herz gewachsen. Ich habe mitgefiebert, alles mit ihnen hautnah miterlebt, geweint und gelacht. Das Ende beschäftigt mich nach Abschluss der Lektüre noch weiter. Wahnsinn, wie plastisch sich alle Figuren immer noch anfühlen.



„Dominik und Biff Ich hatte nie das Gefühl, euch erfunden zu haben.“ Das schreibt die Autorin in der Danksagung und spricht mir damit voll und ganz aus dem Herzen. Deswegen ist es für mich ein Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Kurzgeschichtensammlung

Das Land der süßen Ewigkeit
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Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin Nora Schulte ist fantastisch. Sie intoniert einfach perfekt, so daß allein das Hören ihrer Stimme schon ein Genuss ist.



„Das Land der süßen Ewigkeit: ...

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Die Sprecherin Nora Schulte ist fantastisch. Sie intoniert einfach perfekt, so daß allein das Hören ihrer Stimme schon ein Genuss ist.



„Das Land der süßen Ewigkeit: Stories und Essays“ enthält bisher unveröffentlichte Texte der amerikanischen Erzählerin Harper Lee (1926-2016), die in ihrem Nachlass gefunden wurden.



Es handelt sich um eine Sammlung aus 8 unveröffentlichten Erzählungen und 8 veröffentlichten Essays. Daß sie aus den frühen Jahren ihrer Schreibkarriere stammen, merkt man daran, dass alle in Alabama und New York in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen. Manchmal endet eine Geschichte ganz abrupt. Handelt es sich um ein Stilmittel oder war die Geschichte deshalb unveröffentlicht? Wie autobiographisch sind die Geschichten? Einige meiner Fragen werden am Ende geklärt. Dadurch habe ich die Sammlung auch viel besser verstanden. Ich rate dringend dazu, unbedingt das Nachwort zu hören und nicht zu früh abzuschalten.



Die Kurzgeschichten sind alle ganz unterschiedlich, skurril, überraschend, traurig, beängstigend, klug, schön, zeitlos, aber fast immer gesellschaftskritisch. Das hat mich am meisten fasziniert. Hier findet sich beißende Gesellschaftskritik in zarter, leiser, harmlos wirkender Verpackung.

Der Sprachstil ist sehr einnehmend. Ich bin sofort in dieser atmosphärischen Erzählweise versunken.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

The Great Gavini, Hoffnungsträger der amerikanischen Demokratie

Mein Leben für die Demokratie
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Die Biographie des demokratischen Gouverneurs von Kalifornien hat mich deshalb interessiert, weil ich hören wollte, was ein bekennender Gegner des aktuellen Präsidenten zu sagen hat.

Allerdings beziehen ...

Die Biographie des demokratischen Gouverneurs von Kalifornien hat mich deshalb interessiert, weil ich hören wollte, was ein bekennender Gegner des aktuellen Präsidenten zu sagen hat.

Allerdings beziehen sich etwa 80% des Buches auf seine persönliche Biographie. Erst gegen Ende nach der Wahl zum Gouverneur plaudert er aus dem präsidialen Nähkästchen, was mir angesichts der Märchen, die ihm aufgetischt wurden, einige Fremdschäm-Momente beschert hat. Also alles wie erwartet…



Der Großteil des Buches handelt von Gavin Newsoms Familie und Freunden. Er beleuchtet die Lebensgeschichten von 5 Generationen zurück bis zu seinen irischen Wurzeln. Wichtige Weggefährten wie die Gettys (amerikanische Ölmogule) nehmen dabei besonders viel Raum ein. Das ist sicher wichtiges Wissen, um den Menschen Gavin Newsom zu verstehen, war mir aber zeitweise zu langatmig. Da ich die Biographie jedoch als Hörbuch gehört habe, war es ok.



Der Politiker berichtet schonungslos von seinen Schwächen, der Legasthenie, der Alkoholsucht, an der viele seiner Verwandten litten, seiner durch eher arme Verhältnisse geprägten Kindheit, der innigen Beziehung zu seiner Schwester und letztendlich auch seiner Ehefrau und den 4 gemeinsamen Kindern.



Eine besondere Liebe verbindet ihn mit dem Staat Kalifornien. Aufgewachsen in San Francisco baute er zunächst sein eigenes Business auf, scheiterte, begann von vorne. In die Kommunalpolitik kam er eher zufällig. Er entdeckte sein Talent und die Möglichkeit, etwas zu bewegen. So war er Wegbereiter für die gleichgeschlechtliche Ehe und setzt sich bis heute für Umweltschutz, eine faire Einwanderungspolitik, strengere Waffengesetze und einen Ausbau des Sozialstaates ein. Mit seiner liberalen Haltung macht er sich unter der aktuellen Regierung immer wieder angreifbar.



Ich bin froh, daß ich jetzt einen guten Einblick in das Leben dieses interessanten Politikers habe und werde sein Leben auf jeden Fall weiterverfolgen.



Ich hätte mir etwas mehr Politik und etwas weniger Familiengeschichte gewünscht, aber ich bin froh über den Einblick in sein Leben.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

„Ihr wollt das nicht sehen? Ich zeige es euch trotzdem.“

Kanakenkind
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Möchte man Luigi Toscanos Leben kurz und prägnant in seinen Worten zusammenfassen, dann so:

Aus dem Kanakenkind aus der Karnickelfamilie/Asi-Familie, Drogenzombie, Suchti wird der Artist for Peace für ...

Möchte man Luigi Toscanos Leben kurz und prägnant in seinen Worten zusammenfassen, dann so:

Aus dem Kanakenkind aus der Karnickelfamilie/Asi-Familie, Drogenzombie, Suchti wird der Artist for Peace für die UNESCO, Historiker, Dokumentarfilmer und Kämpfer gegen Rechts.

„Mein Deutsch, das ist auch nicht besonders, aber wer die Sprache des Herzens versteht, der oder die versteht mich, egal, aus welcher gesellschaftlichen Schicht.“

Der Autor hat sich aus schwierigen Familienverhältnissen und dem nachfolgenden Drogensumpf herausgekämpft in ein befriedigendes, aber rastloses Leben als Ehemann und Familienvater, Fotograf von Holocaust-Überlebenden auf der ganzen Welt und Kämpfer gegen Rechts.
Sein Buch hat mich mehrfach zu Tränen gerührt.

Zunächst ist da sein Leben bis ins junge Erwachsenenalter, gezeichnet durch Mißbrauch und Mißhandlung.

„Schlägt dich der Vater nicht, schlägt dich das Leben.“ „Gewalt war Alltag.“

In kurzen, prägnanten, nicht selten derben Sätzen rennt er in einem irren Tempo durch seine Lebensgeschichte.

Dann folgt ein Abschnitt über sein fotografisches Werk. Schon früh kommt ihm die Idee, Holocaust-Überlebende aufzuspüren und um Erlaubnis zu bitten, deren Portraits im öffentlichen Raum ausstellen zu dürfen, „gegen das Vergessen“. Die Resonanz ist unglaublich groß, so daß es zu mehreren weltweiten Ausstellungen und immer weiteren Portraits kommt.

Womit er nicht gerechnet hat und was mich beim Lesen auch sehr überrascht hat, war, daß so viele Überlebende ihm ihre bewegende Geschichte erzählen wollten. Das hat mich zum einen sehr stark berührt, aber auch nachts wachgehalten. Es ist eine Sache zu wissen, daß es diese Verbrechen gegeben hat, aber eine andere, über grausame Details zu lesen.

Ich war schon zwei Mal in Auschwitz, aber das hier ist nochmal eine andere Dimension, noch lebendiger, noch erschütternder, noch stärker nachwirkend. Ich kann es einfach nicht fassen, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind.

Eine Überlebende beeindruckt den Autor so sehr, daß er ihre bis dato unbekannte Geschichte akribisch recherchiert und in einem Dokumentationsfilm verarbeitet. Dieser wird im Beisein von ihr in Mannheim uraufgeführt.

„Mit der Kamera durch Dunkelheit, Licht und Hoffnung- Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden“ hat mich tief berührt. Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen. Einmal angefangen, kann man es nicht mehr weglegen.

Hut ab Luigi, ich bin stolz drauf, den selben Fotografie-Kurs wie Du belegt zu haben!

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