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Veröffentlicht am 10.07.2019

Symathisch, witzig, spannend und menschlich!

Comisario Benitez und der Mord am Strand
2


Ausgerechnet Comisario Pablo Benitez, ein modebewusster, etwas eitler, aber sehr liebenswürdiger Beamter der Mordkommission von Marbella, wird mit einem Mordfall konfrontiert, in den sein Neffe verwickelt ...


Ausgerechnet Comisario Pablo Benitez, ein modebewusster, etwas eitler, aber sehr liebenswürdiger Beamter der Mordkommission von Marbella, wird mit einem Mordfall konfrontiert, in den sein Neffe verwickelt zu sein scheint. Dadurch hat er ständig seine weitläufige und zuweilen herrlich nervige Familie im Nacken. Darüberhinaus muss er sich auch noch an eine neue Kollegin gewöhnen, die bisher in Sevilla gewirkt hat und wenig weiblich, zuweilen altmodisch gekleidet ist und sich spröde gibt, aber clever agiert und eine gewisse Coolness zur Schau trägt.
Die offensichtlich ortskundige Autorin nimmt den Leser mit auf eine angenehme Reise durch südspanische Dörfer und Großstädte. Dabei lässt sie die Probleme der Einheimischen wie Wasserknappheit und Umweltzerstörung durch Bauwut nicht außer Acht und schneidet damit ein hochaktuelles Thema an. Daß nicht Spanisch ihre Muttersprache ist, sondern Deutsch, merkt man an Sätzen wie: „Ich bin noch am Rechnen.“ oder „Im Auto essen ist meine Sache nicht.“ Das hätte ein Übersetzer so nicht geschrieben, macht das Buch aber umso sympathischer.
Die Geschichte ist witzig erzählt. Sie lässt keine Spannung vermissen, zuweilen hört man einen Hauch Wehmut heraus. Die Höhepunkte des Buches sind zeitlich ideal gesetzt, die Wenden unvorhergesehen, so daß keine Langeweile aufkommt. Das Ende ist nicht vorhersehbar. Sätze wie „Ihre Stimme klingt nach Vitaminen und frisch gepresstem Orangensaft.“ oder „Der Sand dringt in meine Slipper, macht sie enger und enger, bis ich meine Zehen krümmen muss.“ zaubern dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht. Es ist amüsant zu beobachten, wie die beiden grundverschiedenen Ermittler sich aneinander reiben, ohne übertrieben oder unnatürlich zu wirken.
Danke für diesen sympathischen Krimi und seinen gut ausbalanciertes Mix aus Witz, Spannung und Menschlichkeit!

Veröffentlicht am 06.07.2019

Seichter Cozy Crime

Cherringham - Folge 34
1

Es handelt sich um Folge 34 der Cherringham-Serie aus dem Cozy Crime-Genre. Die Teile sind unabhängig von einander zu lesen. Es war mein erster Charringham-Teil, und ich habe an keiner Stelle das Gefühl ...

Es handelt sich um Folge 34 der Cherringham-Serie aus dem Cozy Crime-Genre. Die Teile sind unabhängig von einander zu lesen. Es war mein erster Charringham-Teil, und ich habe an keiner Stelle das Gefühl gehabt, Informationen aus älteren Teilen zu benötigen. Die Charaktere sind über das ganze Buch hinweg tiefgründig beschrieben.
Der ehemalige New Yorker Polizist Jack Brannon und die einheimische Hobbydetektivin und allein erziehende Mutter Sarah Edwards sollen für den Träger des Anwesens, den Conservation Trust, einen Brand in einem skurrilen Herrenhaus untersuchen. Das verwinkelte alte Haus Brimley Manor entpuppt sich aufgrund seiner verschrobenen Ausstattung und verwirrenden Zimmereinteilung als Herausforderung. Die beiden müssen zunächst in die Vergangenheit des Anwesens eintauchen, um wichtige Hintergründe zu verstehen und Verdächtige ein-und auszuschließen. Doch sie erfahren nur Feindseligkeit von den Mitarbeitern, welche zunächst alle verdächtig erscheinen. Schnell bekommen sie ein Gespür für die Geheimnisse des Anwesens und der Beteiligten. Dabei arbeiten Jack und Sarah Hand und Hand zusammen. Des einen Schwäche ist des anderen Stärke. Und so kommen die beiden dem Ziel nach und nach näher.
Ist der Wachmann Charly Barrow, der ein offensichtliches Alkoholproblem hat, der Täter? Oder hat Ben, der Hilfsgärtner, den Brand gelegt? Oder vielleicht der einzige Erbe Peregrine Brimley, der genauso verschroben erscheint wie das Anwesen, in dem er mit seinem Großvater aufgewachsen ist? Oder hat der Mitarbeiter des Conservation Trust Anton Jassip ein Interesse an der Zerstörung des Anwesens? Oder vielleicht der schmierige Gutachter Guy Gibbons, der den Trust vertritt oder seine junge Angestellte, die Kunsthistorikerin Sophie Scott? Könnte es gar der langjährige Gärtner Clifford sein?
Handelt es sich vielleicht um einen elektrischen Kurzschluß der maroden Leitungen und doch nicht um Brandstiftung?
Alle Charaktere sind alle samt fein ausgearbeitet. Sowohl diese als auch die Geschichte erscheinen realistisch. Das Buch hat zuweilen unnötige Längen, welche das Buch manchmal etwas langatmig machen. Hier hätten die Autoren noch die ein oder andere Spannung einbauen können.
Das Buch macht dem Genre Cozy Crime alle Ehre. Es ist eine leicht verständliche Geschichte um einen Brand in einem skurrilen englischen Herrenhaus. Die Geschichte ist seicht, ohne Schockmomente, aber dennoch gut geschrieben und wegen der Charaktere schön schräg. Der Leser kommt glücklicherweise nicht zu früh dahinter, wer der Täter ist und ob es überhaupt einen gibt. Er wird aufgrund logischer Schlussfolgerungen und guter Recherche der beiden Detektive zum Ziel geführt. Das Cover mit dem altehrwürdigen Haus mit umgebendem Garten und Puttenbrunnen wurde perfekt zur Beschreibung im Buch ausgesucht.
Die Stimme der Sprecherin Sabina Godec begleitet den Hörer angenehm bis zum letzten Kapitel. Sie versteht es, die weiblichen und männlichen Personen mit feinem Unterschied zu interpretieren ohne dabei übertrieben zu wirken.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Erfrischend kurzweilig

Sommerzauber auf der kleinen Insel
1

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog eine Generation zuvor.
Danach lernt man die Protagonistin Britta Hoffmann aus Frankfurt kennen. Sie arbeitet in einer Touristik-Agentur und hat, da sie sehr ehrgeizig ...

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog eine Generation zuvor.
Danach lernt man die Protagonistin Britta Hoffmann aus Frankfurt kennen. Sie arbeitet in einer Touristik-Agentur und hat, da sie sehr ehrgeizig ist, wenig Freizeit. Britta ist ein sehr sympathischer Typ, mit dem man sich als Leser schnell identifizieren kann. Sie ist fleißig, geduldig, schlagfertig und diplomatisch. Sie hat Organisationstalent und kann auch mal anpacken, wenn es notwendig ist. Sie vertritt ihren Standpunkt mit guten Argumenten, lässt sich nicht so schnell unterkriegen und auch nichts vormachen. Aber sie kann auch mal weinen oder jemand anschreien.
Britta bekommt aufgrund mehrerer erfolgreich abgeschlossener Projekte ein traumhaftes Angebot: sie soll die Projektleitung für einen Freizeitpark auf einer kleinen Insel in Dänemark übernehmen. Zusammen mit ihrem unerfahrenen, aber umso großspuriger daherkommenden jungen Kollegen Daniel fährt sie für eine Woche nach Dänemark. Dort passieren zunächst merkwürdige Dinge, die sie sich anfangs nicht zusammenreinem kann. Hier baut sich nun eine Spannung auf, die in einer Art Familienzusammenführung mündet. Es folgen schön rührige Abschnitte über Brittas dänische Verwandte.
Hier habe ich zum ersten Mal gedacht, daß manche Szenen länger sein könnten. Zum Beispiel hätte man die peinlichen Szenen, in denen sich Daniel so unmöglich benimmt, noch etwas ausschlachten können, und auch die kleinen Triumphe von Britta. Ich hätte mich gerne noch etwas länger darin gesuhlt.
Im Laufe der Arbeit auf der Insel lernt Britta dann den ansässigen Schreiner Jan Ole kennen. Die Szenen, wie die beiden zueinander finden, sind schön geschrieben und romantisch. Gut hat mir auch das Bild mit dem Mond gefallen: der gleiche Mond, der im Sommer schon geleuchtet hat, aber eine andere Geschichte.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist erfrischend kurzweilig, es liest sich flüssig, die Geschichte ist stimmig, die zeitliche Abfolge passt. Die positiven Charaktere sind rührig und herzlich, die negativen sind ebenso gut gezeichnet. Wer hat schon eine Oma, die Passwörter knacken kann? Ich hatte immerwieder ein Grinsen im Gesicht, z.B. bei Worterfindungen wie „Brauseprickeln“, Ausdrucken wie „Mischung aus Ferkelgrunzen und Hustenreiz“ und Wortspielen wie Inselbegabung. Ich habe über den Seitenhieb auf ein bekanntes amerikanisches Diätprogramm mit 2 Buchstaben gekichert und mich über „Sommersonne und Inselwind“ und „Meerweh“ gefreut.
Es gibt auch traurige Abschnitte, wenn auch nur kurze, die einen über sein eigenes Leben nachdenken lassen.

Ich frage mich, warum muß in Büchern überhaupt Mord und Todschlag vorkommen? Geschichten wie diese von Barbara Erlenkamp sind doch sooo schön. Wer braucht Serienmörder und Leichensäle? Und weil das Buch so schön war, hätte es noch ein paar mehr Seiten haben können. Ich habe große Lust, weitere Bücher des Autorenduos zu lesen