Profilbild von pfalzir

pfalzir

Lesejury Star
offline

pfalzir ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit pfalzir über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2026

beeindruckend

The Artist
0

Der junge englische Journalist Joseph Adelaide reist in die Provence zu dem zurückgezogen lebenden Maler Edouard Tartuffe. Dieser ist für die Kunstwelt vollkommen unnahbar und Joseph ist sehr aufgeregt ...

Der junge englische Journalist Joseph Adelaide reist in die Provence zu dem zurückgezogen lebenden Maler Edouard Tartuffe. Dieser ist für die Kunstwelt vollkommen unnahbar und Joseph ist sehr aufgeregt dass er nach vielen Anfragen nun eine Einladung von ihm bekommen hat. Der Maler selbst will mit Joseph nichts zu tun haben und schickt ihn weg. Joseph erkennt dass seine Einladung von der Nichte des Malers stammt, Ettie. Geschickt bietet Ettie ihrem Onkel, Tata, den jungen Mann als Modell für ein geplantes Gemälde an und der Maler nimmt die Gelegenheit wahr. So verbringt Joseph viele Wochen über den Sommer im alten Bauernhaus und lernt die Arbeit und die Eigenheiten des Malers kennen.

Langsam erfahren wir auch die Hintergründe dafür dass Ettie nach dem Weggang ihrer Mutter vollkommen ohne eigenes Leben in der ländlichen Einsamkeit bleibt. Sie war sieben Jahre alt als ihre Mutter fort ging und die Kleine bei ihrem Bruder zurück ließ. Dieser hatte keinerlei Verständnis für die Bedürfnisse und Trauer des Mädchens die darauf hoffte dass die Mutter zurück kommt. Im Gegenteil, er nötigte sie dazu kochen zu lernen und sich um alles im Haushalt zu kümmern.
Besonders ungerecht war Tata zu ihr als er ihr das malen verbat und ihre Pinsel zerbrochen und Stifte weggenommen hat. Es ist schwer auszuhalten dass Ettie so gebunden an dieses Anwesen ist und ihr Leben damit verbringt, alles rund um den Maler zu organisieren, richten und erledigen.

Ich kenne sowohl die Provence als auch die Kunst die dort entstand wie Van Goghs "Brücke von Arles". Diese Kunstszene zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in dieses Buch sehr gut eingeflossen. Die trockene Landschaft mit den gelben Feldern, der weite Himmel, die Einflüsse der Düfte und des Lichts sind sehr treffend und bildgewaltig beschrieben. Die Entstehung der Gemälde und Josephs Beobachtungen erzeugten eine Sogwirkung ebenso wie das Miteinander, die Spannungen und die Geheimnisse zwischen den drei Hauptfiguren.

Nicht gefallen hat mir eine Szene in der "Kunstinteressierte" auf dem Hof eingefallen sind und sich benommen haben wie eine offene Hose. Vollkommen überspannt und es hat meiner Meinung nach dem Erzählfluss nicht gutgetan. In der Summe hat mich diese fiktive Geschichte aber beeindruckt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

originelle Grundidee

Noch fünf Tage
0

Lis Castrop ist Weltklasseköchin und hat eine wichtige Stellung in einem Londoner Edelrestaurant. Da Lis aber eine Tochter hat nutzt sie die Chance zu einer Festanstellung bei einer sehr reichen Familie. ...

Lis Castrop ist Weltklasseköchin und hat eine wichtige Stellung in einem Londoner Edelrestaurant. Da Lis aber eine Tochter hat nutzt sie die Chance zu einer Festanstellung bei einer sehr reichen Familie. Beide können bei der Familie Harman wohnen und Cosima wird dadurch eine Top Schulbildung geboten.

An Silvester bereitet Lis in dem Feriendomizil in Davos ein aufwendiges Menü zu. Dabei erliegt die gesamte 4-köpfige Familie Harman einer Vergiftung. Das verwendete Gift ist so hochwirksam dass schnell klar ist dass auch Lis, obwohl sie überlebt hat, daran versterben wird. Es kommt hinzu dass Lis als Köchin selbst im Verdacht steht das Gift angewendet zu haben. Der Leser erlebt mit Lis diese 5 Tagen in einer Luxusklinik in Davos.

Lis nutzt die restlichen Zeit um dem Hintergrund dieser Tat auf die Spur zu kommen. Unterstützt wird sie dabei von der Pflegerin Esme. Mit ihren Gedanken und Recherchen im Internet lernen wir Lis' Welt in den letzten Jahren kennen. Was sich im Restaurant und später innerhalb der Familie abgespielt hat. Auch Konflikte zwischen Personen, die vielleicht ein Tatmotiv zum Mordanschlag liefern könnten. Bei den Ereignissen in der Vergangenheit hatte ich den Eindruck, dass Lis immer wieder ausgenutzt wurde. Sowohl von den Mitgliedern der Familie Harman als auch ihrem Chef im Edel-Restaurant.

Die Grundidee dass Lis genau weiß dass auch sie an der Vergiftung sterben wird und aus dieser Situation heraus nach dem Täter sucht, fand ich schon sehr originell. Allerdings fand ich die Geschichte trotz der ablaufenden Zeit recht zähfließend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2026

amüsant

Einatmen. Ausatmen.
0

Einatmen. -
Die Figur der Marlene Buchholz ist schon richtig originell angelegt. Ihr Unverständnis anderen Menschen gegenüber, ihre Konzentration ausschließlich auf die Arbeit und die Tatsache dass sie ...

Einatmen. -
Die Figur der Marlene Buchholz ist schon richtig originell angelegt. Ihr Unverständnis anderen Menschen gegenüber, ihre Konzentration ausschließlich auf die Arbeit und die Tatsache dass sie keinerlei soziale Kontakte sucht. Dies ist nicht ideal für die Führung eines erfolgreichen Konzernes. Und deshalb wird sie auf ein Achtsamkeits-Seminar geschickt. Ich habe interessiert und mit einem Schmunzeln Marlene dabei beobachtet wie sie sich in diesem Seminar zurechtfindet.

Vor Ort hat sie viele skurrile Begegnungen mit Alex Grow, dem Seminarleiter und weiteren Personen rund um die Academy. Ein bisschen versteckt findet sich aber auch Tiefe in dem Miteinander der verschiedenen Figuren.

Mich hat diese humorvolle Geschichte amüsiert. Dabei sollte man Marlenes Entwicklung nicht bierernst nehmen.
- Ausatmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

kein angenehmes Lesen

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
0

Die körperliche Nähe war schon lange aus der Ehe von Erika und Jan verschwunden. Trotzdem kam es für sie sehr überraschend als Jan ihr an einem letzten Urlaubstag offenbarte dass er seit ca. anderthalb ...

Die körperliche Nähe war schon lange aus der Ehe von Erika und Jan verschwunden. Trotzdem kam es für sie sehr überraschend als Jan ihr an einem letzten Urlaubstag offenbarte dass er seit ca. anderthalb Jahren eine Beziehung mit der jüngeren Marie hat.

Mich haben zwei Dinge gestört: Zum einen der Schreibstil mit vielen verschachtelten, langen Sätzen. Ich wollte ein Beispiel zitieren habe dann aber aufgrund der Überlänge nur die Anzahl der Worte gezählt: 94 Worte! (Seite 92/93) Was soll man mit solch einem Satz anfangen?
Und die Hauptperson Erika deren Gedanken die ganze Geschichte tragen blieb mir unsympathisch. Wir lesen die ganze Zeit larmoyante und aggressive Betrachtungen ihrer jetzigen Situation. Besonders ihre Gedanken Marie gegenüber waren derbe und beleidigend.
Es war für mich kein angenehmes Lesen so dass ich froh war dass das Buch weniger als 200 Seiten hatte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2026

Erwartungen

Restsommer
0

Die Geschichte wird von dem 16-jährigen Dominik in der Ich-Perspektive erzählt und ich fand seine Gedankenwelt sehr stimmig dargestellt. In diesem Sommer wird ihm bewusst dass die Schule bald endet und ...

Die Geschichte wird von dem 16-jährigen Dominik in der Ich-Perspektive erzählt und ich fand seine Gedankenwelt sehr stimmig dargestellt. In diesem Sommer wird ihm bewusst dass die Schule bald endet und er langsam ins Erwachsenenleben startet. Ihn beschäftigen Erwartungen und Zweifel an Zukunft, Freundschaften und erste Liebe wie sicher die meisten in dieser Lebensphase.
Bei ihm kommt erschwerend hinzu dass quasi schon festgelegt ist dass er den Bestatterberuf ergreift um das Bestattungsinstitut seines Vaters fortzuführen. Dies macht ihm richtig Angst denn für ihn würde es wohl bedeuten, dass er nie aus seinem ländlich, dörflichen Umfeld herauskommen würde.

Dies hat mich angesprochen, weil ich vor ca. 30 einen jungen Mann kannte, der genau vor dieser Herausforderung wie Dominik stand. Und ich weiß, dass er inzwischen der Chef des elterlichen Bestattungsinstuts ist.
Hier in der Geschichte hat sich Dominik in diesem schwierigen und ereignisreichen Sommer deutlich weiterentwickelt und ich traue ihm zu dass er seinen Weg finden wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere