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Veröffentlicht am 05.02.2020

Eine schwere Aufgabe

Meine Mutter, das Alter und ich
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Frau Jungwirth erzählt in vielen Episoden von ihren Bemühungen, sich um ihre 85-jährige Mutter zu kümmern, die an einer Autoimmunerkrankung leidet und nach und nach ihre Unabhängigkeit verliert.

Aber ...

Frau Jungwirth erzählt in vielen Episoden von ihren Bemühungen, sich um ihre 85-jährige Mutter zu kümmern, die an einer Autoimmunerkrankung leidet und nach und nach ihre Unabhängigkeit verliert.

Aber die Mutter macht es ihr mit ihren hohen Ansprüchen und ihrer Egozentrik wirklich schwer. Sie ist jammernd und manipulierend und nimmt keinerlei Rücksicht darauf, was sie alles von ihrer Tochter fordert. Auch der Sohn und die Enkelkinder übernehmen (kleinere) Anteile der Betreuung. Diese nimmt die Mutter an, doch später beschwert sie sich bitterlich bei der Tochter, wie wenig Aufmerksamkeit ihr zugute kommt. So kann selbst der Leser nicht wirklich Verständnis oder Sympathie für die Mutter aufbringen.

Ich ertappte mich dabei, dass ich der Autorin beim Lesen gerne Vorschläge machen wollte, wie sie reagieren oder dass sie mehr ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigen sollte. Aber eben diese Ratschläge nützen in dieser Situation überhaupt nichts, es gibt wohl keinerlei Tipps oder Anleitungen, wie man es leichter bewältigen könnte. Die meisten der Leser werden zu dieser Lektüre gegriffen haben, weil sie eine solche Situation kennen oder sich gerade darin befinden. Es wird klar, dass es viele solcher Fälle gibt und doch ist jeder einzelne anders.

Durch die kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr flüssig. Es wird gut vermittelt, wie sehr die Tochter mit dieser Aufgabe hadert. Die eigene Überforderung, neben der Familie und einem kranken Hund auch die Verantwortung für die Mutter zu haben und zum anderen die Traurigkeit beim Anblick der Mutter, die man viel lieber eigenständig und unabhängig erleben würde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2020

laughing out loud

Im Netz des Lemming
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Als erstes hat mich bei diesem Buch der Humor gepackt. Gleich die erste Szene als der "Lemming", Leopold Wallisch seiner Frau Klara verkündet, der neue Freund seines Sohnes Ben heißt Loll. Er weiß das ...

Als erstes hat mich bei diesem Buch der Humor gepackt. Gleich die erste Szene als der "Lemming", Leopold Wallisch seiner Frau Klara verkündet, der neue Freund seines Sohnes Ben heißt Loll. Er weiß das daher, da beide Jungs zu seiner Frage nach dem Freund einige Kurzsätze von sich gegeben hatten, die alle auf lol endeten. Klara hat herzlich darüber gelacht und so ging es mir auch: lol - laughing out loud.

Gleich nach dem humorigen Einstieg geht es allerdings sehr traurig und depressiv weiter. Dieser Freund, Mario macht sich auf den Heimweg und der Lemming sitzt mit ihm in der gleichen Straßenbahn. Nach einigen verstörenden Nachrichten auf Marios Handy flüchtet dieser aus der Bahn und stürzt sich von einer Brücke in den Tod. Lemmings Versuch, den Jungen noch davon abzuhalten macht ihn nach Augenzeugenaussagen selbst zum möglichen Täter und ganz schnell Opfer medialer Hassnachrichten, sowohl online als auch bei den Printmedien.

Bei der Polizei hat der Lemming einen langjährigen Freund, Polivka. Diesem wird schnell vorgeworfen, seinen Freund zu schützen und die Polizeiarbeit zu behindern. Er wirft den Job hin und macht sich zusammen mit dem Lemming auf eigene Faust ans Ermitteln. Wir verfolgen diese Altherrenfreundschaft (obwohl, so alt sind die beiden wohl noch gar nicht) quer durch Wien, immer einer heißen Spur dieses Cyber Mobbings auf der Spur.

Ich hatte bisher weder von der Lemming-Reihe noch vom Autor Stefan Slupetzky gehört. Dieser Leopold Wallisch war mir von Anfang an sehr sympathisch. An vielen Stellen habe ich mich sehr über den Sprachwitz amüsiert. Es gab so viele feine Anspielungen, subtile Sticheleien, dass ich keines einzeln benennen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.01.2020

hat mich tief berührt

Laufen
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Ich war von Anfang an gefesselt von diesem Schreibstil: ein atemloser Monolog einer Frau, die uns auf die ersten Schritte ihres Laufes mitnimmt. Wir merken schnell, dass es ihr richtig schlecht geht.

Sie ...

Ich war von Anfang an gefesselt von diesem Schreibstil: ein atemloser Monolog einer Frau, die uns auf die ersten Schritte ihres Laufes mitnimmt. Wir merken schnell, dass es ihr richtig schlecht geht.

Sie befindet sich in einem Zustand von Trauer, Wut, Verzweiflung und Schuldzuweisungen nachdem sich ihr Lebensgefährte das Leben genommen hat. Getaktet durch den Rhythmus des Laufens erzählt sie uns immer weitere Episoden aus dem Zusammenleben mit ihrem Freund, wie die Depression die Leichtigkeit und die Schönheit ihrer Beziehung weggenommen hat. Schlimm war es mit anzuhören, wie feindseelig und und unfreundlich sich dessen Eltern ihr gegenüber verhalten haben. Wie sie alle seine Habseligkeiten aus der gemeinsamen Wohnung geschleppt haben und ihre Rolle als „Witwe“ gar nicht erkannt haben; „Ihr wart ja nicht verheiratet“.

Beim Lesen war ich echt froh, dass ich nicht selbst in solchen Gefühlen und schlimmen Erlebnissen stecke. Vielleicht ist es möglich, dass dieses Buch einem guttut, wenn es einem genau so schlecht geht. Aber es kann sicher auch sein, dass man es dann nicht aushält. Tröstlich war, dass sich diese Geschichte ganz leise und langsam doch zum Positiven entwickelt.

Ein wirklich schwieriges Thema, das mir trotzdem gut gefallen hat. Ich habe großen Respekt, wie Isabel Bogdan diese Gefühle, diese Hilflosigkeit in Worte gefasst hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2019

bin begeistert

Abenteuer Geschmack!
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Mit dem Titel "Abenteuer Geschmack!" erwartet man den Schwerpunkt dieses Buches eindeutig auf dem Geschmack. Aber sobald man das Buch in Händen hält, ist man überwältigt von der Optik! Das Buch macht echt ...

Mit dem Titel "Abenteuer Geschmack!" erwartet man den Schwerpunkt dieses Buches eindeutig auf dem Geschmack. Aber sobald man das Buch in Händen hält, ist man überwältigt von der Optik! Das Buch macht echt was her: wie es sich anfühlt, das Cover, die tollen Fotos! Ein Augenschmaus.

Es ist mehr als ein Kochbuch mit Rezepten. Hier wird sehr viel Wissen vermittelt. Anhand vieler Beispiele wird Schmecken beschrieben. Da wir alle beispielsweise den Geschmack von Kartoffeln kennen ist es gut nachvollziehbar, wie dieser vertraute Geschmack variiert werden kann. Es werden hier viele Gemüse präsentiert und Variationen durchgespielt. Da ich alle Gemüse mag, ist dies ganz nach meinem Geschmack.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2019

auf Krawall gebürstet

Die Weihnachtsgeschwister
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Am Tag vor Heiligabend kommen die drei erwachsenen Geschwister Tamara, Elisabeth und Ingmar jeweils mit Partner und Kindern im Elternhaus an um gemeinsam Weihnachten zu feiern. So machen sie es zu jedem ...

Am Tag vor Heiligabend kommen die drei erwachsenen Geschwister Tamara, Elisabeth und Ingmar jeweils mit Partner und Kindern im Elternhaus an um gemeinsam Weihnachten zu feiern. So machen sie es zu jedem Weihnachtsfest und in den Rückgedanken erfahren wir schnell, dass dies immer ziemlich stressig und aufreibend abläuft.

Die drei Geschwister haben eigentlich kein einziges freundliches Wort den anderen gegenüber. Jede Begegnung oder Unterhaltung ist geprägt von Neid, Mißgunst bis hin zu Unverschämtheiten. Besonders auffällig ist das verletzende und hämische Auftreten der ältesten Tochter Tamara, sogar gegenüber ihrem eigenen Ehemann und den beiden Söhnen. Richtig unsympathisch, sehr überspitzt gezeichnet und irgendwie wie die Axt im Walde. Diese Beschreibung ist der Autorin richtig gut gelungen.

Die entscheidende Wendung gibts am Heiligabend, als die drei Geschwister zum Elternhaus kommen und die Eltern nicht auffindbar sind. Dieser Anteil der Geschichte ist recht kurz gehalten und irgendwie hat man als Leser eine dramatischere oder ausschmückendere Schilderung erwartet. Für mich war es dennoch ein runder Abschluss. Ich würde das Buch nicht als „wunderbare weihnachtliche Geschichte“ bezeichnen, denn die Unhöflichkeiten und Angriffe hatten wenig mit Weihnachten zu tun. Dennoch hat mir diese Lektüre so wenige Tage vor Weihnachten gut gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere