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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2017

Erschütternd

Im Traum kannst du nicht lügen
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Das Buch startet direkt in einem Klassenraum in einer schwedischen Schule, wo gerade ein Massaker stattgefunden hat. Die Ich-Erzählerin Maja sieht sich um und beschreibt von allen Anwesenden, an welchen ...

Das Buch startet direkt in einem Klassenraum in einer schwedischen Schule, wo gerade ein Massaker stattgefunden hat. Die Ich-Erzählerin Maja sieht sich um und beschreibt von allen Anwesenden, an welchen Positionen diese erschossen im Raum liegen. Sie scheint die einzige Überlebende zu sein. Es handelt sich um die Schulklasse, mit der Maja und ihr Freund Sebastian kürzlich die Abiturarbeiten hinter sich gebracht haben.

Wir erfahren nach und nach, dass Maja der Mittäterschaft bzw. Anstiftung zum Mord beschuldigt wird und sie seit ca. einem Jahr ihr Dasein in einem Frauengefängnis fristet. In ganz Schweden hatten sich die Medien seit dem Massaker mit Maja beschäftigt und mit Vorverurteilungen überhäuft. Es ist ja eher eine Ausnahme, dass bei einem Massaker der bzw. die Täter überleben und sich vor einem Gericht verantworten müssen. Maja fühlt sich in ihrer Isolation eher geschützt und ist froh, sich nicht mit ihrer Familie oder einem normalen Leben auseinandersetzen zu müssen. Sie ist mittlerweile 18 Jahre alt und der Prozess steht unmittelbar an.

Alles wird in Ich-Form von Maja erzählt. Dabei wirkt sie sehr abgebrüht und sarkastisch. Beispielsweise wie sie bei der Gerichtsverhandlung die Staatsanwältin oder auch ihren Verteidiger, ein in Schweden berühmter Anwalt, beschreibt. Mit dem Einstieg in die Gerichtsverhandlung scheint die Tatsache festzustehen, dass Maja ihre beste Freundin Amanda und ihren Freund Sebastian erschossen hat. Von Maja selbst lesen wir keine gegenteiligen Behauptungen. Im weiteren Verlauf erfahren wir Stück für Stück die Vorgeschichte zu dieser Tragödie.

Der Spannungsbogen ist gut gelungen und steigt an bis schlussendlich Majas Verteidiger sein Plädoyer hält. Kann es sein, dass Maja die Waffen zusammen mit Sebastian in die Schule trägt, dort zwei Leute erschießt, aber doch nicht wirklich Täterin ist? Durch die Gedankenwelt von Maja meint man die Wahrheit zu kennen und wird doch immer wieder von Wendungen überrascht.

Der letzte Stern fehlt bei mir, weil diese Trostlosigkeit der erzählten Geschichte das Lesen richtig schwer gemacht hat. Es bleibt, dass mir alle Beteiligten sehr leid tun, sowohl die Opfer des Massakers als auch alle anderen Beteiligten. Auch ich fand diesen Thriller sehr beeindruckend und finde ihn zu Recht preisgekrönt.

Veröffentlicht am 19.01.2017

Viel los in dieser Winternacht

Sweetgirl
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Die Geschichte steigt sofort in die Handlung ein: schon auf Seite 21 hat Percy das vollkommen vernachlässigte Baby an sich genommen. Die 16-jährige Percy war auf der Suche nach ihrer Mutter Carletta. Sie ...

Die Geschichte steigt sofort in die Handlung ein: schon auf Seite 21 hat Percy das vollkommen vernachlässigte Baby an sich genommen. Die 16-jährige Percy war auf der Suche nach ihrer Mutter Carletta. Sie hatte einen Hinweis bekommen, dass diese bei Shelton Potter, einem Drogendealer, gesehen wurde. Ihre Mutter trifft sie nicht an, aber im Haus findet Percy ein schreiendes Baby, Jenna. Sie liegt in ihrem Bettchen vor dem offenem Fenster und ist naß von dem Schneesturm draußen, hat sich schon erbrochen und die Windeln sind übervoll. Schnell entschließt sich Percy, das Baby mit den paar Babysachen in einem Rucksack mitzunehmen und sie irgendwie ins Krankenhaus zu bringen. Die junge Mutter des Babys und Shelton Potter hat Percy unten im Wohnzimmer gesehen, vollkommen zugedröhnt und nicht in der Lage, die kleine Jenna ordentlich zu versorgen. Da ihr Truck im Schnee feststeckt, macht sich Percy zu Fuß auf den Weg. Glücklichweise lebt Portis Dale in einer Hütte in unmittelbarer Nähe, so dass sie erstmal dort auf Hilfe hofft.

Portis Dale war vor einigen Jahren mal der Lebensgefährte von Carletta, Percys Mutter. Irgendwann aber ist diese Beziehung wegen dem extremen Drogenkonsum von Carletta gescheitert. Für die beiden Töchter war diese Zeit mit Portis als Vaterersatz eine gute Zeit. Mittlerweile ist Carletta wieder stark drogenabhängig und Percy hat in den letzten Jahre einige Not mit den Eskapaden ihrer Mutter. Die ältere Schwester Starr ist mittlerweile mit ihrem Ehemann weggezogen.

Auch Portis sieht die Notwendigkeit, dass die kleine Jenna dringend medizinische Hilfe braucht und macht sich mit den beiden auf den Weg. Leider auch zu Fuß durch den Schnee, weil sein Truck in einiger Entfernung geparkt ist. Beiden ist klar, dass Shelton beim Bemerken des Verschwindens alles daran setzen wird, die Kleine wiederzufinden. Tatsächlich mobilisiert Shelton mit Versprechungen einer Belohnung einige Kumpels und so machen sich vier Kleinganoven, die sich gegenseitig an Doofheit und Gefährlichkeit überbieten, auf die Jagd.

Mir hat es viel Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen. Besonders die gemeinsame Flucht von Percy und Portis mit den gelungenen Dialogen. Oft schroff und raubeinig im Umgangston merkt man doch, dass beide sich wertschätzen. Travis Mulhauser hat ein wirklich gelungenes Debüt mit einer mutigen Hauptperson geschaffen. Optisch ist das Buch sehr ansprechend und in der Buchhandlung bringt dieses Cover sicher viele zum näheren Hinsehen und Zugreifen.

Veröffentlicht am 20.09.2016

Rasant

Der Killer
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Beim Einstieg ins Buch lernen wir Will Robie kennen. Er ist ein Auftragskiller und den ersten Mord erleben wir mit ihm in Schottland. Auffällig fand ich, dass Robie bei jedem Auftrag die Möglichkeit im ...

Beim Einstieg ins Buch lernen wir Will Robie kennen. Er ist ein Auftragskiller und den ersten Mord erleben wir mit ihm in Schottland. Auffällig fand ich, dass Robie bei jedem Auftrag die Möglichkeit im Auge hat, dass er dabei selbst ums Leben kommen kann. Nach Auftragserfüllung in Schottland geht es für Robie an den nächsten Job in Marokko.

Doch bald nimmt die Handlung eine interessante Wendung: Robie bricht einen weiteren Auftrag direkt vor Ort ab und weiß, dass nun nichts mehr ist, wie es war. Auf seiner Flucht begegnet ihm die 14 jährige Julie. Robie realisiert, dass auch sie in Lebensgefahr ist. Julie hat zuhause die Ermordung ihrer Eltern mit anhören müssen und flüchtet ebenfalls. Im gemeinsam genutzten Reisebus wird Julie angegriffen, Robie kommt zu Hilfe und sie verlassen den Bus. Nach der überraschenden Explosion des Busses setzen Will und Julie ihren Weg erst mal gemeinsam fort.

Ab jetzt versucht Robie auf eigene Faust und auch in Zusammenarbeit mit dem FBI aufzuklären, wer hinter den sonderbaren Ereignissen steckt und wer ihn persönlich im Visier hat. Dabei vermischen sich die Ereignisse miteinander. Es kommen noch weitere wichtige Personen hinzu, bei denen immer der Zweifel besteht, ob sie tatsächlich auf Wills Seite sind oder eben der Gegenseite wichtige Informationen liefern. Will und Julie verfolgen mittlerweile das gleiche Ziel und die Ereignisse bewegen sich rasend auf ein komplexes Finale zu.

Ich hatte bereits einen Agententhriller von David Baldacci gelesen, der mich leider nur wenig ansprach. Mit diesem Buch erging es mir vollkommen anders: Der spannende Schreibstil mit den kurzen Kapiteln hatte mich sehr schnell gepackt. Die Charaktere waren sympathisch, die Geschichte rasant und mit ständigen Wendungen. Dialoge mit Humor und eine spannende, komplexe Geschichte haben immer wieder Lust gemacht, weiterzulesen. Da es mit Will Robie schon zwei Folgebände gibt, möchte ich diese unbedingt lesen.

Veröffentlicht am 07.01.2019

Immense Recherche-Leistung

Stieg Larssons Erbe
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Durch Zufall entdeckt der Journalist Jan Stocklassa das persönliche Archiv von Stieg Larsson. Dieser hatte viele Jahre seines Lebens intensive Recherchen zur Ermordung des schwedischen Premierministers ...

Durch Zufall entdeckt der Journalist Jan Stocklassa das persönliche Archiv von Stieg Larsson. Dieser hatte viele Jahre seines Lebens intensive Recherchen zur Ermordung des schwedischen Premierministers Olof Palme betrieben. Beeindruckt von Larssons Material lässt der ungeklärte Mordfall nun auch Stocklassa nicht mehr ruhen und er tätigt selbst einen riesen Aufwand an Recherchen. Er reist nach Südafrika, Zypern, Prag und Israel immer auf der Kontaktsuche zu Verdächtigen. Ihm gelingen zusätzliche Interviews und Beschattungen verdächtiger Personen, wie es die Polizei selbst nie geschafft hat. Ich war ziemlich überrascht, wie wenig Fortschritte die schwedische Polizei mit dem Fall gemacht hat. Es kam mir so vor, als ob viele andere, besonders Journalisten, deutlich mehr Ehrgeiz aufgebracht haben, als es die eigentlichen Ermittler getan hatten.

Stocklassa drückt schon im Vorwort aus, dass er möglicherweise durch seine Recherchen und sein Buch dazu beiträgt, dass der Olof Palme Mord nach über 30 Jahren doch noch aufgeklärt wird. Leider kann ich nach der Lektüre des Buches seine Zuversicht nicht teilen. Denn obwohl er der Polizei so viele Fakten liefert, sind dies Theorien und Spuren, die der Polizei im Laufe der Jahre schon begegnet waren und auch solche, die diese gerne als nicht relevant eingestuft hatte. Ich denke nicht, dass damit der Fall wirklich aufgeklärt wird oder sogar jemand ein Geständnis ablegt.

Auch ich habe die Millenium Trilogie von Stieg Larsson verschlungen und dies bleibt die beeindruckendste Geschichte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es gibt die Kritik, dass Stocklassa seinen Buchtitel so wählt, um mit dem berühmten Autorennamen einen Marketingeffekt zu erhaschen. Das sehe ich eben nicht so. Ich finde den Titel genau passend gewählt, mir hat dieses Buch mehr über Stieg Larsson erzählt als über den ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten. Es war sicher ein Glücksfall, dass Larssons Archiv aufgefunden wurde und zu einem solchen Werk geführt hat. Für mich ist dieses Buch wirklich ein Abbild des Lebenswerkes von Stieg Larsson.

Es war nicht einfach, dieses Sachbuch zu lesen. Die extreme Vielzahl an Fakten und Personen, die Larsson und Stocklassa präsentiert haben, ist erdrückend. Außerdem sind wohl die meisten deutschen Leser nicht wirklich mit diesem Thema betraut. Trotzdem war es nicht langweilig und trocken und es hat es ein bißchen leichter gemacht, dass die meisten Kapitel kurz waren und man den gebotenen Inhalt somit gut aufnehmen konnte.

Veröffentlicht am 19.12.2018

typisch Sebastian Bergman

Die Opfer, die man bringt (3 MP3-CDs)
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Bei einer Vergewaltigungsserie in Uppsala wird der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman um Mithilfe gebeten. Der einzige entscheidende Grund für Sebastian auf die Anfrage einzugehen, ist die Information, ...

Bei einer Vergewaltigungsserie in Uppsala wird der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman um Mithilfe gebeten. Der einzige entscheidende Grund für Sebastian auf die Anfrage einzugehen, ist die Information, dass Vanja an dem Fall arbeitet. Der Fall weitet sich aus, so dass die Reichsmordkommission um Torkel Höglund hinzugezogen wird. Ungewollt findet sich das bekannte Team wieder zusammen. Es läuft immer auf das gleiche hinaus: niemand möchte Sebastian Bergman im Team haben, aber der psychologische Aspekt des aktuellen Falles zwingt den Leiter dazu, ihn zur Reichsmordkommission zu holen. Da ich von den bisherigen 5 Bänden immerhin die ersten drei kenne, sind mir die Protagonisten schon sehr vertraut und ich habe das Zusammenspiel bzw. die Zwistigkeiten im Team genießen können.

Zum Ende hin bleiben sich die beiden Autoren treu: dem Leser wird noch ein Cliffhanger präsentiert, bei dem klar wird, dass über kurz oder lang wieder ein brisanter Fall auf das Team zukommt. Und auch den werde ich gerne lesen.

Als Hörbuch war dieser Fall sehr gut zu genießen. Der Sprecher Douglas Welbart hat eine eigenwillige Stimme, die mir für einen skandinavischen Krimi sehr ideal erscheint.

Nicht ganz zufrieden bin ich mit dem Fall selbst. Ich finde die Auflösung nicht ganz stimmig, will das aber nicht genau aufdrösseln, um nicht zu spoilern.