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Veröffentlicht am 15.03.2026

Gefühlvolles Debüt

Restsommer
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Wenn ich Restsommer von Kea von Garnier mit nur einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl ein leises, aus tiefstem Inneren kommendes „Hach“.

Im Mittelpunkt des Coming of Age Romans steht der ...

Wenn ich Restsommer von Kea von Garnier mit nur einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl ein leises, aus tiefstem Inneren kommendes „Hach“.

Im Mittelpunkt des Coming of Age Romans steht der 16-jährige Dominik, den wir durch einen Sommer begleiten, der mehr verändert, als er selbst zunächst ahnt. Während das Ende der Schulzeit näher rückt, steht für ihn eigentlich schon fest, wie sein Leben aussehen soll: Er soll später einmal das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen. Doch mit jedem Tag wächst die Frage, ob dieser Weg wirklich seiner ist. Dominik spürt immer deutlicher, dass er, bevor er sich ein Leben lang mit dem Tod anderer beschäftigt, erst einmal selbst richtig leben möchte. Als Biff neu in seine Klasse kommt, nimmt seine Leben plötzlich eine ganz neue Wendung an.

Besonders berührt hat mich, wie feinfühlig Kea von Garnier die Figuren in ihrem Debütroman zeichnet, nahbar und authentisch. Besonders die Unsicherheiten, Zweifel und vorsichtigen Hoffnungen von Dominik beschreibt sie sehr real. Ich konnte mit ihm in seine Gefühlswelt eintauchen und war berührt von der Liebesgeschichte, die sich vollkommen ohne Kitsch zwischen ihm und Biff angebahnt hat. Sie entwickelt sich genau im richtigen Tempo, wodurch sie ihren Zauber und gleichzeitig eine schöne Ernsthaftigkeit behält.

Ein Aspekt, der mich zusätzlich überrascht hat, waren die Einblicke in das Bestattungsinstitut. Dieses Setting ist ungewöhnlich und wird hier mit viel Respekt und Sensibilität behandelt. Der Roman schafft es, den Tod als Teil des Lebens zu zeigen, ohne schwer zu wirken, dafür ruhig, würdevoll und nachdenklich.

So entsteht insgesamt eine zarte, stimmungsvolle Geschichte über einen Sommer voller erster Male, Entscheidungen und leiser Aufbrüche.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Zuhause ist ...

Die Suche nach Zuhause
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... für jeden etwas anderes. Nicht sehr originell, aber im Kern trifft es das, was ich aus Marie Luise Ritters erzählendem Sachbuch "Die Suche nach Zuhause" mitgenommen habe. Dabei fand ich viele ...

... für jeden etwas anderes. Nicht sehr originell, aber im Kern trifft es das, was ich aus Marie Luise Ritters erzählendem Sachbuch "Die Suche nach Zuhause" mitgenommen habe. Dabei fand ich viele Ansätze, die sie in dem Buch beschreibt sehr anregend und spannend. So zum Beispiel, dass sie schreibt: "Ob wir uns auf eine Suche nach einem Zuhause begeben wollen oder immer dort bleiben, wo wir es kennen und lieben, ist wahrlich individuell. Auf so eine Suche gehen zu können oder es nicht zu tun, schlicht die Wahl zu haben, sich den Ort seines Lebens frei aussuchen zu können, ist aber definitiv ein großes Privileg."
Es ist übrigens mein erstes Buch von ihr und der Schreibstil hat mir gut gefallen. Sie verfällt hier und da ins Poetische und das mag ich. Etwas schwer getan habe ich mich mit der starken Präsenz der Stadt Paris, die aber nun mal den Aufhänger für dieses Buch bildet. Da ich keinerlei Bezug oder Sehnsucht nach Paris habe, konnte sie mich leider damit nicht so erreichen, wie es vielleicht eine andere Stadt oder andere Beispiele getan hätten. Nichtsdestotrotz ist mir der Punkt natürlich klar, den sie damit machen will und ich fand es durchaus gewinnbringend, sie auf ihrer Suche nach Zuhause zu begleiten.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Eindrucksvolles Debüt

Im Leben nebenan
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„Im Leben nebenan“ war für mich ein Wechselbad der Gefühle. In Anne Sauers Romandebüt erwacht die kinderlose Toni plötzlich in einem alternativen Leben. Eins, in dem sie sich vor Jahren, als ...

„Im Leben nebenan“ war für mich ein Wechselbad der Gefühle. In Anne Sauers Romandebüt erwacht die kinderlose Toni plötzlich in einem alternativen Leben. Eins, in dem sie sich vor Jahren, als sie noch Antonia war, anders entschieden hat und nun Mutter ist.
In der “Was-wäre-gewesen-wenn“-Geschichte betrachtet Anne Sauer die unterschiedlichen Facetten einer Frau, wenn sie auf einmal nicht mehr die Frau ist, die sie vorher war, sondern als Mutter Verantwortung für ein neues Leben trägt, während sie sich von ihrem alten Leben innerlich sowie äußerlich immer weiter entfernt.
Zunächst spürte ich beim Lesen eine gewisse Distanz, denn Anne Sauer spart nicht mit den Ambivalenzen der Mutterschaft, und manches davon wirkte aufrüttelnd und unbequem. Doch mit jeder Seite wurde klarer: Diese Schonungslosigkeit ist notwendig, um die inneren Spannungen und Zerreißproben ihrer Figuren Toni/Antonia greifbar zu machen. Erreicht hat sie dies mit ihrer starken Ausdrucksweise und den damit erzeugten Bildern.
So bleibt „Im Leben nebenan“ nicht nur ein eindrucksvolles Debüt und Gedankenspiel, sondern stellt auch im eigenen Inneren die leise Frage nach dem „Was-wäre-gewesen-wenn…?“.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Hitzige Mörderjagd mit unerwartetem Ende

Aschesommer
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In Benjamin Cors neuem Thriller Aschesommer ermittelt zum zweiten Mal das Ermittlerteam der Gruppe 4. Nach den grausamen Krähenmorden steht es erneut vor einem rätselhaften Fall: Zwei Leichen ...

In Benjamin Cors neuem Thriller Aschesommer ermittelt zum zweiten Mal das Ermittlerteam der Gruppe 4. Nach den grausamen Krähenmorden steht es erneut vor einem rätselhaften Fall: Zwei Leichen werden umschlungen und tiefgefroren in einem alten Bauernhof entdeckt, begleitet von der unheilvollen, mit Asche geschriebenen Botschaft »Das Sterben hat begonnen«. In der sengenden Sommerhitze beginnt eine gnadenlose Jagd auf einen hochintelligenten Mörder, der der Polizei stets einen Schritt voraus ist und selbst ihre tiefsten Geheimnisse zu kennen scheint. Die Ermittlungen spitzen sich zu, als sich herausstellt, dass der Hauptverdächtige ausgerechnet in einer geschlossenen Psychiatrie einsitzt. Allein das gibt den Ermittler:innen und Leser:innen schon Rätsel auf, sorgt allerdings auch für die nötige Spannung. Das Team um Mila Weiss und Jakob Krogh mag ich und ich fand es hochspannend, sie bei der Lösung des Falls zu begleiten. Mit der Geschichte ist dem Autor ein echter Pageturner gelungen, der am Ende noch mit einem unvorhergesehenen Twist überrascht. Dieser Fall gefiel mir deutlich besser als sein Vorgänger Krähenmorde, deshalb bin ich gespannt auf den nächsten Einsatz für das Ermittlerteam der Gruppe 4.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Packender Thriller vor traumhafter Kulisse

The Island - Auf der Flucht
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The Island von Nicola Martin habe ich verschlungen, denn es ist nicht nur ein äußerst spannender Thriller, sondern auch noch einer, der in einem traumhaften Umfeld spielt, den britischen Jungferninseln. ...

The Island von Nicola Martin habe ich verschlungen, denn es ist nicht nur ein äußerst spannender Thriller, sondern auch noch einer, der in einem traumhaften Umfeld spielt, den britischen Jungferninseln. Dort stellt er das Leben in einem Luxusresort nach. Ein Ort, der eine gute Zeit versprechen kann, zumindest so lang, bis der erste Mord geschieht. Kaum hat die Hauptfigur Lola ihren neuen Job als stellvertretende Managerin begonnen, nachdem sie aus zunächst unbekannten Gründen aus Hongkong flüchten musste, steckt sie schon im nächsten Drama. Ihr Freund und Chef Mike Moxham wurde tot aufgefunden. Danach überschlagen sich die Ereignisse auf Keeper Island und es stellt sich immer wieder die Frage: Wer ist Freund und wer Feind?. Das Buch war nicht nur spannend, was die Handlung betrifft, sondern auch, was die Einblicke in das Leben und Arbeiten in einem Luxusresort angeht, insbesondere die Vorlieben der exklusiven Gäste. All das macht The Island zu einem perfekten Urlaubsbegleiter, wenn die Urlaubslektüre mal wieder vor Spannung knistern soll.

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