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Veröffentlicht am 24.05.2026

Das Drei-Generationen-Porträt

Die Riesinnen
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Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft ...

Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Fazit:
Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Atmosphärisch wunderbar erzählt

The Artist
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Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

Atmosphärisch und in einer wunderschönen ...

Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

Atmosphärisch und in einer wunderschönen Sprache, erzählt Lucy Steeds die mitreißende Geschichte einer begabten jungen Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft. Eine Geschichte wie ein mehrschichtiges Gemälde: sinnlich erfahrbar, voller Düfte, Farben, Tiefe, Licht und Schatten.

Im Mittelpunkt steht ein altes abgelegenes Landhaus in der französischen Provinz und seiner Bewohner, der weltberühmte Maler Édouard Tartuffe und seine Nichte Ettie bis der noch völlig unbekannte Journalist Joseph Adelaide, eines Tages mit einer Einladung für ein Interview vor der Tür steht. Nur Édouard Tartuffe, der sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzieht, weiß nichts von einer Einladung. Ettie rettet die Situation: „Das hier ist dein Junge mit Orange“ und Tartuffe bietet Joseph einen Handel an, wenn er ihm Modell sitzt, darf er bis zur Fertigstellung des Gemäldes im Landhaus wohnen, seine Arbeit beobachten und darüber schreiben.

Joseph lässt sich auf diesen Handel ein doch schnell merkt er, dass er keine Ahnung vom Landleben hat, denn alles ist fremd und ungewohnt für ihn. Die Launen von Tartuffe, sind schwer zu ertragen aber Joseph erkennt bald, dass das größte Rätsel jedoch nicht der »Meister des Lichts« ist, sondern Tartuffes Nichte. Ettie kocht, putzt, wäscht Pinsel und erträgt Tartuffes Launen mit unergründlicher Hingabe. Doch etwas brodelt in ihr. Joseph fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen, doch er versteht ihre Worte nicht: Sieh mich – so wie ich bin.

Und langsam aus wechselnder und fesselnder Perspektive zwischen Ettie und Joseph, kommt Schicht für Schicht wie in einem Gemälde, ihr Geheimnis ans Licht ...

Der Prolog beginnt mit dem Jahr 1957 in London, die Geschichte selbst handelt aus dem Jahr 1920 in Saint-Auguste-de-Provence und endet zum Schluss wieder im Jahr 1957 in London.

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, eine atmosphärisch dichte und fesselnde Geschichte über eine begabte junge Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft, zu erzählen. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind ausgesprochen gelungen und spannend, ausgearbeitet. Der flüssige Schreibstil unterstreicht die emotionalen Momente und lässt auch die traurigen Ereignisse deutlich fühlbar werden. Jede Zeile war für mich spannend und lesenswert.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine ungelebte Liebe

Fast ein Leben
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„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne ...

„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung. Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben.

Im Jahr 1978 lernen sich Erica und Laure in Paris kennen und eine Sommerliebe zwischen den beiden beginnt, die Spuren hinterlässt. Erica geht wieder zurück nach England und heiratet. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit Ant eine glückliche Ehe führt aber Erica kann ihre Liebe in Paris einfach nicht vergessen. Es gibt zwar immer wieder prickelnde Begegnungen zwischen Erica und Laure aber letztendlich bleibt sie doch bei ihrem Ehemann. Obwohl Erica mittlerweile zwei Töchter hat, bleibt sie trotzdem zwiegespalten, denn die Liebe zu Laure kann sie nie ganz loslassen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich über vier Jahrzehnte hinweg zieht, aus Sicht der beiden Frauen und aus deren Perspektive. Das Ende dieser Liebesgeschichte fand ich jedoch schon ziemlich ernüchternd und traurig zugleich.

Die Handlung ist nicht nur von Liebeskummer, Eifersucht unter Lesben und Verlustängsten sondern auch von Alkoholmissbrauch, homosexuellen Männern und das Thema ADS, geprägt.

Fazit:
Den Schreibstil fand ich fließend und passend zu den Charakteren, doch wer hier einen klassischen Liebesroman sucht, ist hier fehl am Platz. Aufgrund des Covers hatte ich einen eher leichten und heiteren Roman erwartet doch wer sich gerne mit dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch sehr gerne empfehlen!

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Sichtbarkeit zurückgewinnen

Mit anderen Augen
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen Haus mit Hund und Katze und hat die beiden besten Freundinnen der Welt, die ihr immer zur Seite stehen. Als sie eines morgens bemerkt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist, glaubt sie erst an eine Sinnestäuschung, denn sie kann ihn fühlen, aber nicht mehr sehen. Kurze Zeit später ist ein Ohr nicht mehr zu sehen, danach ihre Nase. Sie geht zu ihrer Ärztin und bekommt die Diagnose Unsichtbarkeit, eine unheilbare Krankheit, die bei Frauen jenseits der 50 weit verbreitet ist und sogar bis zum völligen Verschwinden führen kann. Tilda fühlt sich verloren!

Auf drängen ihrer Ärztin, geht Tilda zu einer Selbsthilfegruppe, die ihr aber nicht wirklich hilft, außer dass sie zwei neue Freundinnen findet. Erst bei der Therapeutin Selma findet sie Hilfe, die ihr wertvolle Ratschläge erteilt wie: in sich hineinhören, sich selbst wahrnehmen und Zeit mit meditieren zu verbringen.

Während ihr Umfeld zunächst ratlos reagiert, beginnt sie selbst, ihr Leben, ihren Körper und ihre Rolle in der Gesellschaft zu hinterfragen. Sie entscheidet sich jedoch dagegen, sich dieser Entwicklung einfach zu ergeben, und versucht, ihre „Sichtbarkeit“ zurückzugewinnen und begibt sich auf eine Reise zu sich selbst.

Ein Ende welches ein bisschen vorhersehbar war, denn Tilda wird zur Heldin, die im Gegensatz zu den anderen Frauen und Therapeuthinnen, den „Schlüssel zur Erkenntnis“ findet.

Fazit:
Die Autorin erzählt Tildas Geschichte flüssig und mit leisem Humor aber mit wenig Tiefe während die therapeutischen Züge sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung, ziehen. „Mit anderen Augen“ ist trotz einiger Schwächen durchaus unterhaltsam zu lesen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Stück Zeitgeschichte zwischen Münster und Istanbul

Ein Ort, der bleibt
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer, denn im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat.
Das die Türkei für viele Menschen damals zum Exil wurde, war mir bisher total unbekannt, doch der Autorin ist die Schilderung der Auswanderung und der einhergehenden Probleme, wie Heimatverlust und das Zurechtfinden in einem fremden Land, authentisch und nachvollziehbar, gelungen.

Die talentierte Botanikerin Mehpare wird Alfreds engste Assistentin und kümmert sich um Beete und Gewächshäuser. Für Gefühle bleibt ihr keine Zeit bis sich der neue Garteninspektor Mete in ihr Leben drängt. Doch lange währt ihr Glück nicht, denn bald verliert sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen.

Jahrzehnte später verschlägt es die fiktive junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Imkes Handlungsstrang entspringt reiner Fiktion, die diese Handlung nicht unbedingt gebraucht hätte.

Beinahe chronistisch und detailiiert erzählt die Autorin nach sorgfältiger Recherche über die historischen Personen: Alfred, Magda, Mehpare und Mete, während Imkes Geschichte nur eine reine Fiktion ist.

Fazit:
Mit ihren Protagonisten und aus deren Persepktiven, schildert die Autorin eine atmosphärisch dichte Zeitreise zwischen Istanbul 1926 – Münster 1978, die ich sehr gerne gelesen habe.
Der Anhang mit dem persönlichen Nachwort der Autorin und der ausführlichen Beschreibung der historischen Personen, runden diesen Generationenroman, für mich hervorragend ab.

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