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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Suche nach der Vergangenheit

Elbland
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„Elbland“ mit dem wunderschönen Cover ist das erste Buch von Claudia Rikl, dass ich gelesen habe. Mir gefällt sehr gut, dass die Autorin hier ihre eigene Geschichte ihrer sudetendeutschen Familie und deren ...

„Elbland“ mit dem wunderschönen Cover ist das erste Buch von Claudia Rikl, dass ich gelesen habe. Mir gefällt sehr gut, dass die Autorin hier ihre eigene Geschichte ihrer sudetendeutschen Familie und deren Vertreibung, verarbeitet.

Auf drei wechselnden Zeitebenen erzählt die Autorin ihre Geschichte. In der Vergangenheit ab 1944 von Irma - ihrer Kindheit und Flucht aus Böhmen -, dem letzten gemeinsamen Familienurlaub im Jahr 1987 von Irma, ihrem Mann und den beiden Töchtern Nina und Katja und der Aufarbeitung der Vergangenheit durch Nina in der Gegenwart.

Als ihre Mutter Irma stirbt, verliert Nina den Boden unter den Füßen. Nach Jahren des Ausharrens an der Seite dieser gebrochenen Frau ist sie plötzlich frei und fühlt sich verlorener denn je. Um wieder festen Grund zu finden, reist sie ins tschechische Riesengebirge, wo die Familie ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Nina will ergründen, was die Familie damals auseinandertrieb – und was das Land für sie bereithält, das ihre Mutter einst Heimat nannte: Böhmen.

Jetzt war ich richtig neugierig auf diese Familiengeschichte und deren Schicksal aber vieles wird nur angedeutet. Katja ist wohl 1987 in den Westen geflüchtet und der Vater hat sich von Irma getrennt aber wann genau, bleibt offen. Zurück bleibt nur Nina, die sich all die Jahre um die schwermütige und gebrochene Mutter Irma kümmert. Erst nach Irmas Tod gibt es erste Kontakte zu ihrem Vater und dann zu Katja. Sie tasten sich an vergangenes heran aber keiner kann sich erklären, warum Irma so festgefahren in ihrem Leben war und sie nie über ihre Vergangenheit geredet hat. Was ist damals passiert?

Nina ist klar, auch sie kann keine Nähe zulassen und macht sich auf die Suche, um ihren inneren Frieden zu finden. Sie reist nach Böhmen und hofft in der Vergangenheit ihrer Mutter Spuren zu finden.

Bruchstückhaft kommt schon einiges ans Licht aber auch vieles nicht deutlich genug um sie richtig einordnen und verstehen zu können. Bei den Zeitlichen und Inhaltlichen Themen hätte mir eine fließende Verknüpfung besser gefallen. Das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen.

Fazit:
Das Thema um die Aufarbeitung von Flucht, Vertreibung und um eine zerrissene Familie, ist schon sehr Interessant aber mir persönlich fehlte einfach die Tiefe in der Geschichte.
Von mir 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein spannender Roman mit Sogwirkung

Der Fährmann
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In ihrem neuen Roman „Der Fährmann“ erzählt Regina Denk eine Geschichte über ein düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, ...

In ihrem neuen Roman „Der Fährmann“ erzählt Regina Denk eine Geschichte über ein düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Neid, Liebe und Schuld, während der aufkeimende Nationalismus die Gemeinschaft spaltet. Der Fährmann Hannes Winkler und seine Jugendliebe Elisabeth stehen im Zentrum eines tragischen Konflikts, der durch den Krieg und persönlicher Intrigen verschärft wird.

Die zwei Dörfer, das deutsche Hohenwart und das österreichische Siegering sind getrennt durch die Salzach, die nur mit einer Fähre überquert werden kann und dazu bedarf es eines Fährmanns. Die Dörfler bestimmen über den jungen Hannes Kopf hinweg, dass er der neue Fährmann wird. Die Aufgaben eines Fährmanns bedeuten immer zur Stelle zu sein, wenn einer übergesetzt werden möchte. Seine sorglose Kindheit mit seinen besten Freundinnen Annemarie und Elisabeth ist von einem Tag auf den anderen vorbei. Hannes ist verzweifelt, liebt er doch Elisabeth aber als Fährmann darf er ja nicht heiraten und dann wird seine große Liebe auch noch dem reichen Hoferben, Josef Steiner versprochen und selbst Annemaries Hoffnung, zerschellt.
Elisabeth muss sich fügen auch wenn ihr Herz für Hannes schlägt, denn die Eltern haben die Ehe so verhandelt und besiegelt. Selbst zu ihrer Hochzeit darf sie nicht mal ihre Freundin Annemarie die Wirtstochter einladen, weil sie unter ihrem Stand steht. Elisabeths Ehe verläuft nicht glücklich und bald erfährt sie Gewalt und Missbrauch, doch wie sollte sie sich wehren. Selbst von ihrer Mutter wird sie mit ihren Sorgen abgewiesen und zurück zu ihrem Mann geschickt.

Während sich die zwischenmenschlichen Beziehungen atmosphärisch und tiefgründig zuspitzen, droht im Hintergrund der Erste Weltkrieg, der die Welt verändert. Die Männer müssen fort. Jetzt sind es die Frauen, die sich neu organisieren müssen und das Heft in der Hand halten, doch nicht jedem der zurückkehrenden Männer gefällt das. War es schon vor dem Krieg kaum auszuhalten, so wird es jetzt erst richtig tragisch.

Die kurzen Kapitel mit Zeitangabe wechseln zwischen Elisabeth zu Hannes und zu Annemarie, während auch Josefs Perspektive erläutert wird. Hannes, der vom Kriegsdienst als Fährmann freigestellt wird, fängt die beiden jungen Frauen immer wieder auf.

Fazit:
Der Autorin gelingt es, mit ihrem bildhaften und eindrucksvollen Schreibstil das düstere Familiendrama und die Stimmung der damaligen Zeit in einer bewegenden Atmosphäre, einzufangen. Die Spannung wird sehr gut, von Kapitel zu Kapitel, aufgebaut Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und trotz ihrer grausamen Schicksale oder gerade deswegen, konnten sie mich tief berühren. Eine historische Geschichte, die mich sehr fesseln konnte und die ich sehr gerne gelesen habe.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Eine großartig erzählte Geschichte

Ein weites Leben
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„Ein weites Leben“ von M. L. Stedman ist ein großartiger Roman voller Tragik und Lebenskraft, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man die Geschichte gelesen hat.

Inhalt:
Seit Generationen lebt ...

„Ein weites Leben“ von M. L. Stedman ist ein großartiger Roman voller Tragik und Lebenskraft, deren Schönheit man erst dann versteht, wenn man die Geschichte gelesen hat.

Inhalt:
Seit Generationen lebt die Familie der MacBrides auf der entlegenen Schaffarm Meredith Downs in Westaustralien. Bis eines Tages ein Unfall alles ändert. Während der Vater und der älteste Sohn ihr Leben verlieren, übersteht der 17-jährige Matthew das Unglück mit schweren Beeinträchtigungen. Und doch findet er zielstrebig zurück nach Meredith Downs, zurück zu Mutter und Schwester, als das Schicksal ein zweites Mal zuschlägt. Aber diesmal steht nicht nur Matts Leben auf dem Spiel, sondern seine Seele – und zwar auf eine Weise, die kaum jemand vorhersehen, geschweige denn hätte überleben können.

Westaustralien 1958 - Ein Lastwagen, drei Männer, ein Moment der Unachtsamkeit – von einer Sekunde auf die andere ist das Leben der MacBrides ein anderes und hier beginnt die Geschichte …

In unterschiedlichen Handlungssträngen und aus unterschiedlichen Perspektiven werden die einzelnen Charaktere, Stück für Stück, zum Leben erweckt. Besonders gelungen finde ich die Schilderungen über das Leben selbst auf der entlegenen Schaffarm und der wundervollen Landschaftsbeschreibungen. Erst dadurch wird klar, wie einsam und abgeschieden das Leben auf Meredith Downs ist.

Was folgt, ist kein lautes Drama, sondern eine sensible, tiefgehende Erzählung über Trauer, Schuld, Verantwortung und darüber, was Menschen trägt, wenn alles ins Wanken gerät.

Die tragische Lebensgeschichte von Matthew hat mich von Anfang bis zum Ende tief berührt.

Ein trauriges aber versöhnliches Ende.

Fazit:
Die Autorin schafft eine ruhige Atmosphäre, aber oft mit vielen Zeitsprüngen, mitten in einer aktuellen Handlung und schafft damit Längen, die nicht unbedingt sein müssten. Die Entwicklung der Charaktere hat mir sehr gut gefallen, denn sie fühlen sich dadurch greifbar und authentisch an. Geschickt konnte mich die Autorin mit einigen Wendungen und Entwicklungen überraschen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung für alle, die Familiengeschichten lieben

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Interessante Darstellung „Was wäre gewesen, wenn ...“

Die Iden von Rom
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Mit seiner neuen Reihe (Game of History) wagt der Autor Michael Peinkofer, ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn eine einzelne Entscheidung in der Geschichte der Menschheit anders getroffen worden wäre?

Mit ...

Mit seiner neuen Reihe (Game of History) wagt der Autor Michael Peinkofer, ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn eine einzelne Entscheidung in der Geschichte der Menschheit anders getroffen worden wäre?

Mit „Die Iden von Rom“ der über die Verschwörung gegen Julius Caesar erzählt, startet der Autor seine alternativ-historische Romanreihe.

Rom, im Jahr 44 v. Chr.: Der Bürgerkrieg ist zu Ende, Gaius Iulius Caesar hat auf ganzer Linie gesiegt und befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Nicht wenige fürchten, dass er die Römische Republik beenden und sich zum König krönen könnte. Doch wie lässt sich ein Caesar aufhalten? Widerstand formiert sich, unter den Senatoren finden sich Verschwörer zusammen, um Caesar zu ermorden, unter ihnen Marcus Iunius Brutus. Doch an den Iden des März, als Caesar sterben soll, trifft Brutus eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben verändert, sondern auch den Lauf der Geschichte, wie wir sie kennen ...

Nach Brutus Entscheidung überschlagen sich die Ereignisse in Rom und die Verfolgung der Verschwörrer, nimmt seinen Lauf.

Die politischen Intrigen der überlebenden Senatoren und die weiteren Machtkämpfe sind fiktiv sorgsam und glaubwürdig dargestellt. Während ich, die große Rolle, die die Frauen in Rom aktiv in Politik und Gesellschaft einnahmen, sehr interessant fand. Selbst Caesar akzeptiert die Frauen als Gegenüber auf Augenhöhe.

Das Ende der Geschichte konnte mich durchaus total überraschen.

Besonders lesenswert finde ich das Nachwort des Autors, worin er ausführlich erklärt – Warum alternative Geschichte -.

Fazit:
Das alternativ-historisch geschriebene Buch entfaltet rasch mit seinem flüssigen Schreibstil eine enorme Sogwirkung. Vorkenntnisse zur römischen Geschichte rund um Caesar wären schon von Vorteil, um diese Alternative interessant zu finden. Der Roman „Die Iden von Rom“ ist eine erfrischende Zeitreise in das alte Rom für alle Interessierten an Geschichte und der Antike.
Von mir 4 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Die Geister der Vergangenheit

Letzter Akt
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In seinem neuen Roman zeigt der in Berlin lebende Autor Andreas Schäfer, einfühlsam das Zusammenspiel von Leben und Kunst und erzählt feinfühlig von einer Befreiung, die alles verändert.

„Letzter Akt“ ...

In seinem neuen Roman zeigt der in Berlin lebende Autor Andreas Schäfer, einfühlsam das Zusammenspiel von Leben und Kunst und erzählt feinfühlig von einer Befreiung, die alles verändert.

„Letzter Akt“ ist eine stille, intensive Geschichte, die sich langsam aber stetig in drei Handlungssträngen entfaltet.

Der erste Handlungsstrang erzählt die berührende Geschichte des Kennenlernens der beiden Protagonisten.
London, 2005:
Nach vielen Jahren beim Film steht die Schauspielerin Dora wieder auf einer Theaterbühne – mit Anfang vierzig kann sie auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Als sie nach der Premiere in einer Bar auf den Maler Victor trifft, ist sie fasziniert: Wer ist dieser Mann, der noch nie von ihr gehört hat? Dora sieht in diesem Kennenlernen eine Chance, sich zu verstecken: vor ihrer Mutter, die ständig aus Frankfurt anruft, vor ihrer Agentin, die sie überzeugen will, auch mal andere Rollen zu spielen, vielleicht auch vor ihrem unsympathischen Kollegen, der immer wieder ihre Grenzen testet.
Nach einigen gemeinsamen Wochen beschließt Dora, dass Victor sie malen soll – doch als sie das Gemälde sieht, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg und lang vergessene Erinnerungen kehren zurück. Das Bild offenbart etwas über Dora, das Victor nicht wissen konnte.

Im zweiten Handlungsstrang kehren Doras Erinnerungen in die Jahre 1982 ihrer Jugend zurück. In Frankfurt am Main ist sie in einfachen Verhältnissen aufgewachsen aber sie sehnt sich nach Freiheit und auf der Bühne zu stehen. Versprechungen die sie gemacht hat, ignoriert sie. Nach ihrem Abitur kehrt sie ihrer Heimatstadt den Rücken und London wird für sie zu einer Zuflucht, zu einem Ort, an dem sie ihre Herkunft als Dorothea hinter sich lassen und sich als Dora neu erfinden kann. Sie schafft es, eine berühmte Schauspielerin, zu werden.

Im dritten Handlungsstrang im Jahr 2010 findet sie endlich den Mut sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Fazit:
Der Autor erzählt die Liebesbeziehung zwischen Dora und Victor von Anfang an mit Distanz, trotz seines flüssigen und feinfühligen Schreibstils. Mir hat die Geschichte vielleicht gerade deshalb so gut gefallen. Sicher wird „Letzter Akt“ nicht mein erstes und letztes Buch von Andreas Schäfer, bleiben.

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