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Maria_12

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Veröffentlicht am 27.06.2026

Blick hinter den Zirkusalltag

Wir waren Artisten
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Inspiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte, besonders die der Frauen, beginnt die schwedische Autorin Evelyn Scala Schreiber mit ihrem Debüt und Auftaktband einer Trilogie, ihre persönliche Geschichte ...

Inspiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte, besonders die der Frauen, beginnt die schwedische Autorin Evelyn Scala Schreiber mit ihrem Debüt und Auftaktband einer Trilogie, ihre persönliche Geschichte „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ zu erzählen.

Ende des 19. Jahrhunderts soll Bertha Lindberg, eine junge Frau der feinen Stockholmer Gesellschaft, endlich standesgemäß heiraten. Doch während ihr Vater nach einem geeigneten Ehemann sucht, träumt Bertha von einer großen Bühnenkarriere.

Als Schauspielerin probt Bertha im Wandertheater für eine Hauptrolle und dann gelingt es ihr, mit auf die Tournee zu gehen. Dann an einem Dezemberabend begegnet sie Baptiste, einem gefeierten Artisten aus Österreich, sie verliebt sich nicht nur in ihn, sondern auch in die schillernde Welt des Zirkus. Obwohl Bertha sich für eine moderne Frau hält, lernt sie hier eine Freiheit kennen, die ihre Vorstellung bei Weitem übersteigt. Nach nur drei Tagen muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändert ...

Bertha entscheidet sich für Baptiste und lässt ihre Familie und ihr gewohntes Leben hinter sich. Schnell wird der harte Zirkusalltag zur Realität und zerrt an Berthas Kräften. Besonders hart trifft es sie, als ihr deutlich wird, was es heißt aus der Welt der Privaten zu kommen. Baptiste kann sie nur bedingt schützen und trösten bis er den Entschluß fasst, den Zirkus seines Vaters mit ihr, zu verlassen.

Was dann folgt, sind schon dramatische Ereignisse, die den Weg vom Aufstieg und Fall des gefeierten Artisten Baptiste, zeigen.

Nach einem traumatischen Schicksalsschlag erwarten Bertha harte Zeiten, denn sie muss nicht nur für sich sondern auch für ihre Kinder um Anerkennung und deren Ausbildung als Artisten, kämpfen.

Fazit:
Besonders gelungen finde ich die Atmosphäre, die gerade durch die ausführliche Recherche zur Darstellung des harten Zirkusalltags, entstanden ist. Bertha fand ich zum großen Teil doch recht naiv und konnte oft ihren Entscheidungen nicht folgen, erst als sie ums Überleben und die Ausbildung ihrer Kinder kämpfen muss, zeigt sie Stärke. Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen aber im Ganzen, fehlten mir schlichtweg, Tiefe und Emotionen.
Wer einen Blick hinter die Kulissen eines Zirkusalltags werfen möchte, dem empfehle ich gerne diesen historischen Roman.

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Ein Buch das nachdenklich stimmt

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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In ihrem Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" spannt Lilli Tollkien den Bogen ihrer Protagonistin Lale von deren Geburt, Kindheit- und Jugend im Ausnahmezustand der Verwahrlosung, bis hin ...

In ihrem Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" spannt Lilli Tollkien den Bogen ihrer Protagonistin Lale von deren Geburt, Kindheit- und Jugend im Ausnahmezustand der Verwahrlosung, bis hin zur Entbindung ihrer eigenen Tochter.

In den 80ern: Lales leibliche Mutter Anne ist drogenabhängig und pendelt zwischen Gefängnis und Notunterkünften hin und her und ihr leiblicher Vater ist nach einem Banküberfall im Gefängnis. Lale kommt ins Kinderheim und Karlheinz, ein Freund ihres Vaters, übernimmt die Pflegschaft und holt sie in die Männer-WG am Kotti. Ein anarchisch-linkes Hausprojekt, in dem offiziell viel Wert auf antiautoritäre Erziehung gelegt wird. Inoffiziell heißt das aber: Alkohol rund um die Uhr, Dope-Kunden im Wohnzimmer und ständig wechselnde Freundinnen der Männer auf dem Sofa.
Nach seinem Gefängnisaufenthalt, zieht ihr Vater in die WG aber für Lale ändert sich - abgesehen von einem kurzen Intermezzo in Nicaragua - wenig. Auf Schutz von ihrem Vater, hofft Lale vergebens, denn er übersieht alle Anzeichen des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Männer-WG, denen sie ausgeliefert ist.

Lale sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.

Fazit:
Interessant finde ich, dass die Autorin zu diesem Debüt stark inspiriert wurde durch eigene Erfahrungen, und solche, die rein fiktional sind. Der leise Schreibstil ist flüssig zu lesen und hat mir sehr gut gefallen. Beim Lesen der Geschichte und dem vielen Elend, fühlte ich aber oft eine schreckliche Beklemmung in mir und hoffte nach jedem Kapitel, endlich auf eine positive Entwicklung für Lale.
Wer gerne emotionale Gegenwartsromane mit tiefgründiger Thematik liest, dem empfehle ich gerne diesen Debütroman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“.

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Das Debüt der Trude Teige

Der Gesang der See
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„Der Gesang der See“ ist der erste Roman, der Trude Teige als Autorin bekannt machte aber erst jetzt auf Deutsch veröffentlicht wurde.
Die Geschichte handelt von einer jungen Schifferin zwischen Familie, ...

„Der Gesang der See“ ist der erste Roman, der Trude Teige als Autorin bekannt machte aber erst jetzt auf Deutsch veröffentlicht wurde.
Die Geschichte handelt von einer jungen Schifferin zwischen Familie, Emanzipation und Leidenschaft: Sorgfältig recherchiert und inspiriert von ihrer eigenen Familienhistorie, erzählt die Autorin von einer starken Frau in der rauen Männergesellschaft der nordischen Gestade.

Das Leben ist hart auf der kleinen Fischer-Insel an der norwegischen Westküste, auf der die schwangere Kristiane mit ihrer Familie lebt. Als Kristianes Mann Anders bei einem Sturm ums Leben kommt, steht sie alleine da mit Mutter und Schwester und dann will man ihnen auch noch das Lotsenmandat entziehen. Kristiane will das unter allen Umständen verhindern, denn sie hatte einst ihrem Vater versprochen, den seit Generationen besetzten Lotsenposten in der Familie zu halten. Als Frau darf sie die Schiffe in den Schären aber nicht selbst geleiten.

Als Kristiane im Hause ihres Onkels auf Fredrik trifft, scheint es auf beiden Seiten, Liebe auf den ersten Blick zu sein. Kristiane schwankt zwischen Pflicht und Leidenschaft. Auf der einen Seite ist da ihr Jugendfreund Lars, der sich gut für den Lotsenposten eignet und ihren Sohn fast wie ein Vater liebt und auf der anderen Seite, die Unsicherheit, ob Fredrik dem gerecht werden könnte.

Kristianes Entscheidung ist nicht einfach aber darf sie ihr Versprechen ihrem verstorbenen Vater gegenüber brechen? Sie heiratet Lars, ihn kennt sie von Kindheit an und er gibt ihr Sicherheit, während sie mit Fredrik keine Zukunft sieht.

Kristiane kann Fredrik aber nicht vergessen - und er sie auch nicht ...

Fazit:
Die Autorin hat in ihrem Erstling „Der Gesang der See“, inspiriert von ihrer eigenen Familienhistorie, eine solide Geschichte geschrieben. Die Stärken dieses Romans liegen klar in der Atmosphäre und der Charaktere von Kristiane, Lars und Fredrik. Gerne hätte ich mir aber bei ihren Gedanken und Gefühlen etwas mehr Tiefe gewünscht, denn so manche Entscheidung, konnte ich nicht vollständig nachvollziehen. Ein interessanter Roman, den ich aber allen Fans der Autorin, gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 09.06.2026

Fortsetzung des historischen Romans Heumahd

Johannifeuer
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Mit dem 2.Band „Johannifeuer“ von Susanne Betz geht die historische Geschichte um das bäuerliche Leben Ende des 19. Jahrhunderts der eigensinnigen Bergbäuerin Vroni, die ein karges und beschauliches Leben ...

Mit dem 2.Band „Johannifeuer“ von Susanne Betz geht die historische Geschichte um das bäuerliche Leben Ende des 19. Jahrhunderts der eigensinnigen Bergbäuerin Vroni, die ein karges und beschauliches Leben führt, weiter.

Die Bergbäuerin Vroni Grasegger, wird den Namen ihres ersten Ehemanns einfach nicht los, selbst nach der zweiten Heirat mit Anton Huber, der zum Glück, die Einheimischen einfach reden lässt. Die Jahre mit ihrem ersten Mann haben sie hart gemacht. Dass ihr zweiter Mann Anton Käfer beobachtet, tut sie als Zeitverschwendung ab. Sie selbst schuftet bis zum Umfallen, versorgt ihren kleinen Sohn genannt Burschi, die Stieftochter Rosl mit dem Downsyndrom und den dahinsiechenden Onkel.

Das Leben auf dem einsamen Hof zehrt an Vroni, der Berg ist ihr stummer Zeuge. Als ihre exzentrische Schwiegermutter mit dem großen Kropf und dem vielen Geld, das sie geschickt in Aktien und Geschäfte investiert, sie zur ersten Zugfahrt ihres Lebens einlädt, kommt es in der teils lärmigen, teils mondänen Residenzstadt München zu einer folgenschweren Begegnung und Vroni kehrt als eine andere zurück. Und als in der Johanninacht die Feuer brennen, erfährt Vroni ein Wunder – doch dafür zahlt sie einen hohen Preis.

Der Autorin gelingt es durchaus, mit ihrem ungewöhnlichen Erzählstil, die Geschichte ihrer fiktiven Protagonisten geschickt mit der historischen Atmosphäre Ende des 19. Jahrhundert zu verknüpfen. Besonders gut gefallen haben mir die bildhaften Beschreibungen über die in einer damals noch weitestgehend unberührten Naturlandschaft im Werdenfelser Land und der Lebensumstände auf einem Bergbauernhof.

Die Begegnungen der historischen Personen, dem Maler Wilhelm Leibl und dem Mediziner Reginald Langdon-Down mit der Bergbäuerin Vroni Grasegger, sind rein fiktiv.

Fazit:
Die Geschichte liest sich ruhig und vermittelt eine stimmige Handlung obwohl nicht wirklich viel passiert ist. Bei den Protagonisten hätte ich mir aber ein bisschen mehr Tiefe gewünscht. Wer Romane in den Bergen und starke Frauenfiguren mag, wird hier seine helle Freude haben.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Wenn emotionale Kälte das Leben bestimmen

Hungergesang
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In ihrem Debütroman „Hungergesang“ erzählt die Autorin Nicola Quaß, eine poetische und atmosphärische Geschichte über Isolation, Zusammenhalt und die Suche nach dem eigenen Ich in einer Welt voller unausgesprochener ...

In ihrem Debütroman „Hungergesang“ erzählt die Autorin Nicola Quaß, eine poetische und atmosphärische Geschichte über Isolation, Zusammenhalt und die Suche nach dem eigenen Ich in einer Welt voller unausgesprochener Wahrheiten.

Im Mittelpunkt stehen die dreizehnjährigen Drillinge Mara, Lara und Sara, die auf sich allein gestellt sind, nachdem ihre Eltern einfach spurlos verschwunden sind. Was anfangs wie grenzenlose Freiheit scheint, wird schnell zu einem Abenteuer voller magischer Entdeckungen und düsterer Enthüllungen. Bald schon werden sie mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Mara, die entschlossene Anführerin, Lara, die verträumte Seherin, und Sara, die besonnene Beobachterin – jede trägt ein einzigartiges Geheimnis in sich.

Die Familienstrukturen sind hier sehr gut beschrieben. Ich konnte die Ängste und Zwänge der Drillinge gut nachvollziehen und spüren. Von der Mutter kennen die Drillinge nur Strenge, Kälte und eine unglaubliche emotionale Vernachlässigung während der Vater der Schweigende, in sich gekehrt sein eigenes Leben lebt.

Alleine gelassen geraten die Drillinge immer mehr in Isolation, emotionaler Vernachlässigung und existenzieller Not. Hunger, Kälte und Krankheit machen sich breit, denn es fehlt überall an Geld um den Hunger zu stillen. Ihr Zusammenhalt wird auf eine harte Probe gestellt und so erschaffen sie sich ihre eigene Welt um zu überleben.

Besonders gelungen finde ich die Entwicklung der Drillinge, wie sie ihren Hunger, mit Nähe, Zusammenhalt und Erinnerungen zwischen Realität und Fantasie, miteinander verschmelzen lassen.

Das Ende ist überraschend aber tröstlich und für mich absolut nachvollziehbar.

Fazit:
„Hungergesang“ war für mich eine dieser Geschichten, die sich leise ins Herz schleichen. Ein lesenswertes Debüt voller Andeutungen, Wendungen, Aufbegehren, innerer Zerrissenheit und Geheimnissen, die auf jeden Fall viel Interpretationsspielraum zulassen.
In ihrer klaren, poetischen Sprache geprägt mit einer dichten Atmosphäre, ist der Autorin ein lesenswertes Debüt gelungen, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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