Cover-Bild Moosland
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 10.03.2026
  • ISBN: 9783755800712
Katrin Zipse

Moosland

Roman | Über die Kraft von Sprache, Natur und Gemeinschaft
Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.
Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …
Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2026

Ein wunderschöner Roman

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Dreihundert junge Frauen verlassen kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs Deutschland und reisen für mindestens ein Jahr nach Island. Dort sollen sie aushelfen als Haushaltshilfen und Landarbeiterinnen ...

Dreihundert junge Frauen verlassen kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs Deutschland und reisen für mindestens ein Jahr nach Island. Dort sollen sie aushelfen als Haushaltshilfen und Landarbeiterinnen auf den zahlreichen Höfen mit ihren Schafen und Pferden, und im Idealfall auch längerfristig dem deutlichen Männerüberschuss der Insel ein wenig Abhilfe verschaffen. Eine der Frauen ist Elsa, die nicht spricht und sich nur schwer an das karge Leben auf Island gewöhnen kann.

Ich sage es, wie es ist: Ich habs geliebt, von der ersten Seite bis zur letzten. "Moosland" ist ein wunderbar ruhiger, leiser Roman, der vollkommen ohne Action, ohne "den großen Knall" auskommt. Obwohl die Protagonistin nicht spricht, ist es gerade die Sprache, die diesen Roman für mich so besonders macht: Mit wenigen Worten wird hier so akkurat die Atmosphäre in der kleinen, ärmlichen Bauershütte vermittelt, werden die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern greifbar, die sanften, grasbewachsenen Hügel, der scharfe Wind, die kratzige Schafswolle eingefangen. Ich war direkt mittendrin und habe mich sofort wohlgefühlt.
Natürlich könnte man bemängeln, dass hier "zu wenig passiert", dass am Ende Vieles offenbleibt, dass der Roman sich in Andeutungen verliert. Mich hat das aber nicht gestört, im Gegenteil. Über Elsas Vergangenheit erfährt man wenig und das auch nur nach und nach; das finde ich tatsächlich aber sehr gut gemacht, denn Elsa würde am liebsten alles hinter sich lassen, möchte nicht, dass ihre Vergangenheit in der Gegenwart eine derart große Rolle einnimmt. Die Strukturen des Romans spiegeln das wieder und erlauben ihr, nach und nach einen Weg zu finden, eine neue Sprache.
Für mich war "Moosland" all das, was ich mir von einem Roman wünsche.

Veröffentlicht am 21.02.2026

Mutige Frauen in der Nachkriegszeit

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Von der Autorin Katrin Zipse habe ich bislang noch nichts gelesen. Ihr klarer, flüssiger und ruhiger Schreibstil gefällt mir sehr gut. Ihr Erzählstil ist feinfühlig, bildlich und angenehm zu lesen. Das ...

Von der Autorin Katrin Zipse habe ich bislang noch nichts gelesen. Ihr klarer, flüssiger und ruhiger Schreibstil gefällt mir sehr gut. Ihr Erzählstil ist feinfühlig, bildlich und angenehm zu lesen. Das schlichte Cover passt gut zu dem Roman.

Elsa und knapp 300 andere deutsche Frauen folgen dem Aufruf der isländischen Partei, die gezielt deutsche Frauen als Arbeitskräfte und mögliche Heiratskandidatinnen angeworben haben. Elsa kommt im Jahr 1949 in Island auf einem einsamen Bauernhof an. Elsa spricht nicht wegen ihrer tiefen Trauer um ihre Freundin Sola. Die Bauern und deren Söhnen versteht sie nicht, da sie kein isländisch spricht. Nach langem bemüht sie sich doch mit Hilfe des Knechts, deren Sprache zu verstehen.

Über die jungen deutschen Frauen, die in Island gearbeitet haben, hatte ich bisher noch nichts gelesen. Die Geschichte mit historischem Hintergrund hat mich überzeugt.
Lese- und Kaufempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Eine Frau, ohne Worte, das Nachwirken des Krieges und ein leiser Neuanfang

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Wirklich wahr, dass Island 1949 auf der Suche nach Arbeitskräften für ihrer Landwirtschaft, in Deutschland junge Frauen aufrief, sich für ein Jahr zu verpflichten. 300 folgten diesem Aufruf, sich in der ...

Wirklich wahr, dass Island 1949 auf der Suche nach Arbeitskräften für ihrer Landwirtschaft, in Deutschland junge Frauen aufrief, sich für ein Jahr zu verpflichten. 300 folgten diesem Aufruf, sich in der rauen Naturlandschaft der Insel nützlich zu machen. Und dann beginnt diese fiktive Geschichte. Elsa, eine von den Erlebnissen des vergangenen Krieges immer noch zutiefst verletzte Seele, geht diesen Schritt. Sie kommt auf einem einsam gelegenen Hof unter. Die Sprache und die von der weiten Landschaft geprägten Menschen sind ihr fremd. Und diese Fremdheit, sie ist so greifbar, unheimlich, kalt, auf beiden Seiten. Die junge Frau spricht nicht, schweigt, ob der grauenhaften Erinnerungen, mit seinen bitteren Verlusten, die der zurückliegende Krieg ihr beschert hat. Und die Bauernfamilie, auch hier hält ein Geheimnis sie geradezu gefangen. Doch die gemeinsame harte Arbeit, die Zeit an sich und auch die eine Person, die mit ihrem doch zugewandtes Wesen Elsa einlädt, das gleiche zu tun, langsam vollzieht sich ein Wandel. Und es wird tatsächlich der Neuanfang, den sich die junge Frau, bewusst oder unbewusst, ersehnt.
Diese leise zarte Geschichte, von der Naturlandschaft Islands umhüllt, fast schon getragen, sie bewegt die Leser auf sehr berührende Weise. Und vieles von den wunderbaren Naturbeschreibungen spiegeln so ergreifend das eigene Erleben der Protagonistin wieder, man 'fühlt' ganz tief in sie hinein. Denn nach außen hin bleibt vieles unausgesprochen. Und trotzdem ist man ganz nahe dran, wenn die anfängliche Sprachlosigkeit, wenn in mehr wie einer Weise einfach die Worte fehlen, sich langsam wandelt und diese Wandlung auch möglich macht, in einem gewissen Umfang selbst zu heilen.
Ein wunderschönes kleines Buch, mit viel Seele.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Atmosphärisch und besonders

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Es ist das Jahr 1949, der Zweite Weltkrieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei und Elsa ist schwer traumatisiert. Zu viel Not und Elend hat sie erlebt, zu viele Tote gesehen. Innerlich mehr tot als lebendig ...

Es ist das Jahr 1949, der Zweite Weltkrieg ist erst seit wenigen Jahren vorbei und Elsa ist schwer traumatisiert. Zu viel Not und Elend hat sie erlebt, zu viele Tote gesehen. Innerlich mehr tot als lebendig folgt sie doch dem Ruf des Isländischen Bauernverbandes an junge deutsche Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung, gegen gute Bezahlung ein Jahr lang auf isländischen Bauernhöfen auszuhelfen. Island erhofft sich davon nicht nur Unterstützung in der Landwirtschaft, sondern auch Heiratskandidatinnen für die vielen isländischen Single-Männer: zu viele isländische Frauen wurden von den im Krieg auf der Insel stationierten amerikanischen GIs abgeworben, sodass es nun einen deutlichen Männerüberschuss im Land gibt.

So kommt Elsa bei einer Bauernfamilie unter. In einem abgeschiedenen Bauernhaus wohnen und arbeiten fünf Personen: Bauer und Bäuerin, deren zwei erwachsene Söhne und der Knecht. Eine verlorene Tochter gibt es auch noch, wie Elsa irgendwann erfährt. Es ist ein hartes Leben im ständigen Kampf gegen die Elemente, das die Menschen in der Landwirtschaft dort führen, doch grundsätzlich tritt die Familie Elsa offen entgegen und auch, als auffliegt, dass sie offensichtlich über keinerlei landwirtschaftliche Vorkenntnisse verfügt, nicht reiten kann und sich vor Hühnern fürchtet, wird sie dennoch nicht zurückgeschickt, sondern die Familie versucht, sie schrittweise an diese Arbeit heranzuführen. Schwierig ist dabei die Kommunikation, denn die traumatisierte Elsa möchte nicht sprechen, antwortet lange nicht einmal auf die deutschen Briefe ihrer Freundin Gerda, die auf einem anderen isländischen Bauernhof untergekommen ist, gibt vor, kein Englisch zu verstehen und lernt lange auch kein Isländisch.

Dadurch sind es nicht Worte und Dialoge, die dieses Buch tragen, denn von diesen gibt es nur sehr wenige. Gerade das macht aber die besondere Atmosphäre der Erzählweise aus: hier wird psychologisch feinsinnig und detailliert vom langsamen Ankommen und Vertraut-Werden miteinander und in einer fremden Umgebung erzählt, vom Heilen oder zumindest Vernarben tiefer körperlicher und seelischer Wunden, von feinen Beziehungsbanden zwischen sich fremden Menschen, die zu festigen beginnen und dabei ohne viele Worte auskommen, "Sie wirft den Mantel über den Haken an der Tür und springt ins Bett, verbirgt sich unter der Decke und schließt die Augen, als schliefe sie. Die Schritte verharren auf der Schwelle. Erst nach einer Weile tritt die Frau leise ins Zimmer und hantiert an der Kommode. Vorsichtig blinzelt sie unter der Decke hervor." (S. 22).

Einen ganz besonderen Stellenwert haben auch die vielen Landschaftsbeschreibungen, so atmosphärisch und bewegend, dass man das Gefühl hat, in dieser ländlichen Gegend Islands live mit dabei zu sein:

"Dass die Berge nie enden, sagt sie sich vor und glaubt es in diesem Augenblick. Keine Ebenen mit Häusern und Ställen, die hinter der nächsten Bergkette liegen, keine Steilhänge, die ins Meer fallen. Nur Berge, die sich an Berge reihen. Himmel und Wolken. Die Vogelfreien leben so." (S. 159)

"Im letzten Tageslicht erreicht sie die Talsohle und folgt dem Bach. Die Wolkendecke ist aufgerissen, hinter dem bleiernen Grau zeigt sich ein nachtdunkles Blau, über das die Abendsonne noch letzte rote Strahlen schickt. Stunden dauern die Sonnenuntergänge, aber dann fällt die Nacht, fällt wie ein Beil, und mit ihr kommt die bittere Kälte, die durch ihre nassen Kleider zieht." (S. 176)

Es ist ein stilles Buch, ein poetisches Buch, ein besonderes Buch. Ein Buch, das Ruhe, Stille und Tiefe braucht, um sich darauf einzulassen. Werden alle offenen Fragen am Ende beantwortet sein? Nein. Darum geht es hier nicht. Das meiste von dem, was Elsa in Deutschland erlebt hat und was sie so traumatisiert hat, schimmert nur hin und wieder und am Rande ein bisschen durch. Information und Aufarbeitung der Vergangenheit mit Worten stehen nicht im Zentrum dieses Buches. Stattdessen geht es um ein langsames Ankommen, im fremden Land, in einer ganz neuen Lebenssituation und wieder bei sich selbst.

Dieses Buch bekommt von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung für ein besonderes Werk, das nicht nur berührend und auf eine ganz einzigartige Art und Weise geschrieben ist, sondern für das die Autorin auch sorgfältig recherchiert hat: die Einladung an die jungen deutschen Frauen zu dieser Zeit gab es wirklich und auch die Lebensbedingungen auf einer Landwirtschaft in Island wirken sehr authentisch dargestellt.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Elsas Neuanfang

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Der Roman "Moosland" handelt von 1949 und jungen deutschen Frauen, die auf isländischen Höfen den Arbeitskräftemangel beheben sollen, sowie die Bevölkerungsdichte durch Nachwuchs auf dem Land erhöhen. ...

Der Roman "Moosland" handelt von 1949 und jungen deutschen Frauen, die auf isländischen Höfen den Arbeitskräftemangel beheben sollen, sowie die Bevölkerungsdichte durch Nachwuchs auf dem Land erhöhen. Konkret geht es um Elsa und ihren Weg des in diesen Zeiten. Dieser Neustart ist für Elsa auch Flucht, den sie verlor alles und trauert in Schweigsamkeit.

Ein langsam erzählter und atmosphärischer Roman, der mit seiner Melancholie einen stimmigen Raum um Elsa bildet, die langsam heilt, irgendwann wieder spricht und Hoffnung schöpft. Nüchtern erzählt entsteht eine Distanz, die hilft, sich seine ganz eigenen Gedanken dazu zu machen. Denn nicht nur Elsa trägt Schmerz in sich.

"Moosland" ist ein Buch, dass ich auch langsam gelesen habe, was Emotionen erleben und mitfühlen lässt. Es ist nicht dramatisch oder schwer, sondern still und kraftvoll. Das beschriebenen Hofleben ließ mich ganz abtauchen und dieses Ankommen und Bleiben ein Stück miterleben. Ein sehr schöner Roman.

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