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Veröffentlicht am 02.05.2021

Ein Leben für den Glauben

Die Götter der Dona Gracia
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Gracia Nasi wurde 1510 in Lissabon geboren.
Aus Angst vor der Inquisition wurde Gracia christlich getauft obgleich sie eigentlich Jüdin ist.
Ihren wahren Glauben bewahrt Gracia wie schon ihre Vorfahren ...

Gracia Nasi wurde 1510 in Lissabon geboren.
Aus Angst vor der Inquisition wurde Gracia christlich getauft obgleich sie eigentlich Jüdin ist.
Ihren wahren Glauben bewahrt Gracia wie schon ihre Vorfahren und lebt ihre Religion im Verborgenen aus Angst vor der Gewaltherrschaft der Inquisition.
Als sie mit dem Kaufmann Francisco Mendes verheiratet wird und erfährt, dass er mit der Not ihrer Mitgläubigen horrende Summen verdient ahnt Gracia nicht, dass dieser Mann ihre große Liebe wird.
Als Gracia die Beweggründe für Franciscos Handeln erkennt beginnt sie an seiner Seite einen Kampf der ihr Leben und das ihrer Mitgläubigen verändern soll.
„Die Götter der Dona Gracia“ von Peter prange ist schon 2009 unter dem Titel „Gottessucherin“ bei Droemer erschienen.
Jetzt wurde es unter neuem Titel und mit neuem Kleid beim Fischer Verlag neu aufgelegt.
Die Heldin in Peter Pranges Historischem Werk ist Gracia Mendes und sie ist eine echte Heldin.
Bisher war diese faszinierende und mutige Frau mir völlig unbekannt.
Gracia Mendes hat sich ganz ihrem Glauben verschrieben. Juden wurden während der Inquisition in Portugal, wie auch in Spanien verfolgt, bestraft und vertrieben.
Gracia ermöglichte zusammen mit ihrem Mann Francisco Mendes vielen die Flucht und rettete somit wahrscheinlich viele, viele Leben.
Gracia wird in diesem Buch als Frau beschrieben, die mit allen ihr zu Verfügung stehenden Mittel für ihren Glauben und ihre Glaubensbrüder kämpft.
Ihr größter Widersacher ist der Dominikaner Cornelius Scheppering.
Er hat sich die Vernichtung der Juden zur Lebensaufgabe gemacht.
Auch Cornelius Scheppering kämpft mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mittel.
Sein großes Ziel ist Gracia Mendes unschädlich zu machen.
Die Charaktere in diesem Buch sind nicht einfach. Es braucht etwas Zeit, bis man sich mit ihnen auseinandergesetzt hat und ihre Ziele versteht. Die Thematik scheint so alt zu sein wie die Welt selbst und ist bis heute leider nicht vollständig ausgemerzt.
Wenn man sich mit den Protagonisten und der Thematik vertraut gemacht hat, kann man das Buch allerdings kaum noch aus der Hand legen und taucht ganz tief in die Geschichte ein.
Wie gewohnt bei Peter Prange, liegt dem Buch eine sehr akribische Recherchearbeit zu Grunde.
In seinem gut verständlichen und flüssigen Schreibstil vermittelt der Autor seinen Lesern jede Menge historische Hintergründe in einer angenehmen, leichten und unterhaltsamen Weise.
Bei uns fast vergessen wird Gracia Mendes im Judentum bis heute verehrt.
Jetzt hat Peter Prange mit seinem Buch „Die Götter der Dona Gracia“ Gracia Mendes ein Denkmal gesetzt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2021

Spannender Krimi aus der Provence

Verhängnisvolles Lavandou
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Nach langer Regenzeit hat endlich der Sommer in Le Lavandou Einzug gehalten.
Doch die Idylle wird gestört als die Leiche eines Jungen an den Strand gespült wird.
Verpack in einer Mülltüte, zu einem Paket ...

Nach langer Regenzeit hat endlich der Sommer in Le Lavandou Einzug gehalten.
Doch die Idylle wird gestört als die Leiche eines Jungen an den Strand gespült wird.
Verpack in einer Mülltüte, zu einem Paket verschnürt und einfach weggeworfen.
Der Junge ist nur mit einem Kleidchen bekleidet, im Gesicht sind Reste von Make up zu finden.
Die Ermittlungen gehen nur zäh voran und es bleibt auch nicht bei er einen Leiche.
Schließlich führt eine Spur den Rechtsmediziner Dr. Ritter und Captaine Isabelle Morell zu einem katholischen Internat.

„Verhängnisvolles Lavandou“ ist mittlerweile der 7. Fall meiner liebsten französischen Krimireihe aus der Feder von Remy Eyssen.
Mit dem Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter hat er einen sympathischen wie auch interessanten Charakter erschaffen.
Leon Ritter ist ein ruhiger und stiller Typ, der am liebsten in seinem Keller alleine oder mit seinem Assistenten vor sich hinarbeitet. Ich bewundere immer wieder wie gut Leon Ritter uns sein Assistent Rybaud stillschweigend zusammenarbeiten.
Gerne sitzt Leon auch bei einem Kaffee Cremé in seinem Lieblings-Café oder lässt sich zu einer Runde Boule überreden.
Auch die Charaktere die sich Rund um das Café aufhalten sind mittlerweile alte Vertraute geworden und ich freue mich immer wieder sie zu treffen.
Seine Lebenspartnerin, die stellvertretende Polizeichefin Isabell Morell ist mir vom 1. Band an sympathisch.
Sie hat es nicht immer einfach sich bei ihrem Vorgesetzten Zerna durchzusetzen.
Ihre Kollegen hat sie aber meist gut im Griff und ihre Ermittlungserfolge sprechen für sich.

Der Schreibstil von Remy Eyssen gefällt mir gut. Er beschreibt die Landschaft sehr visuell, sodass man sich alles gut vorstellen kann ohne zu viel Worte Drumherum zu machen.
Auch das französische Lebensgefühl kann der Autor sehr gut vermitteln.
Das Privatleben von Isabell Morell und Dr. Ritter entwickelt sich von Band zu Band weiter, ist wie ein roter Faden der die Bände verbindet.
Mittlerweile ist Lilou, die Tochter von Isabell fast erwachsen und möchte ihr Leben selbst bestimmen.
Der Autor findet hier genau die richtige Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben.
Die Kapitel sind recht kurz, sodass sich das Buch in Windeseile liest.
Der Spannungsbogen zieht sich dann auch über das gesamte Buch und legt am Ende noch einmal einen Zahn zu.
„Verhängnisvolles Lavandou“ bekommt von mir 5 Sterne es ist ein spannender Krimi der einen nach Südfrankreich entführt und eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2021

Viel Spannung in einem interessanten historischen Rahmen

Die Legion des Raben
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Baetius Quigo, in hochrangiger Beamter wird auf dem Heimweg von einem Festmahl beim Stadthalter zu Trier ermordet.
Als Schuldiger wird sein Sklave Hyacinthus festgenommen, der seinen Herrn auf den Heimweg ...

Baetius Quigo, in hochrangiger Beamter wird auf dem Heimweg von einem Festmahl beim Stadthalter zu Trier ermordet.
Als Schuldiger wird sein Sklave Hyacinthus festgenommen, der seinen Herrn auf den Heimweg begleitet hat und dem nichts geschehen ist.
Mit Hyacinthus sollen alle Sklaven aus dem Hause des Baetius Quigo hingerichtet werden.
Diese Ungerechtigkeit kann Invita, die Sklavin des römischen Statthalters zu Trier nicht tatenlos hinnehmen und stellt Nachforschungen an.
Schnell stößt Invita auf einen großen Komplott und bringt sich in große Gefahr.
„Die Legion des Raben“ ist der 2. Band der Invita-Reihe von Maria W. Peter.
Die Autorin hat mich mit ihrer Geschichte in das Jahr 260 n. Christus, also in die Römerzeit versetzt.
Der Handlungsort ist die Stadt Treveris, das heutige Trier.
Die Zeit und die Stadt werden sehr anschaulich beschrieben. Einige Orte wie die Porta Nigra und die Barbaratherme habe ich auch schon besucht.
Also schon einmal ein sehr spannender Hintergrund.
Die Sklavin Invita ist mir vom ersten Augenblick sympathisch gewesen.
Sie ist für eine Sklavin sehr intelligent, kann lesen und schreiben und versteht verschiedene Sprachen.
Zudem besitzt sie eine schnelle Auffassungsgabe und eine große Neugierde.
Die wird ihr in diesem Buch zum Verhängnis.
Als sie vom Mord an Baetius Quigo erfährt und das die gesamten Sklaven hingerichtet werden sollen kann Invita das nicht einfach so hinnehmen.
Ermutigt von ihrer Herrin Marcella, der Tochter des Stadthalters stellt sie Nachforschungen an und gerät in Gefangenschaft.
Ab hier kennt die Autorin keine Gnade mit der sympathischen Sklavin. Es ist kaum vorstellbar was Invita alles erleidet. Welche Schmerzen die arme Frau über sich ergehen lassen muss. Und kaum ist eine Gefahr gebannt lauert schon die Nächste.
Diese Abschnitte sind nicht immer einfach zu lesen und mit Sicherheit noch schwerer zu schreiben gewesen.
Die Intrigen die Invita aufdeckt haben ungeahnte Ausmaße und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, wenn sie die Sklaven noch retten möchte.
Mit „Die Legion des Raben“ ist es Maria W. Peter hervorragend gelungen die Brücke zwischen Historischem Roman und Kriminalroman zu schlagen.
Die Geschichte ist spannend erzählt und hat einen interessanten historischen Rahmen.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht verständlich und sie lässt viele Informationen ganz leicht in ihre Geschichte einfließen.
Im Anschluss an die Geschichte gibt es noch ein interessantes Nachwort mit vielen Informationen, ein Glossar und Reise- und Stöbertipps. Hier habe ich einige Orte gefunden die der Geschichte als Vorlage gedient haben und die ich gerne besuchen möchte.
Meine Reise auf den Spuren Invitas ist schon fest eingeplant.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2021

Interessanter Auftakt einer Familiensaga mit kleinen Schwächen

Die Senfblütensaga - Zeit für Träume
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Metz 1908, die junge Emma Bergmann möchte ihren Traum leben und studieren.
Bei ihren Eltern stößt sie damit auf Ablehnung.
Emma soll heiraten und das möglichst lukrativ.
Die Eltern wollen Emma mit Carl ...

Metz 1908, die junge Emma Bergmann möchte ihren Traum leben und studieren.
Bei ihren Eltern stößt sie damit auf Ablehnung.
Emma soll heiraten und das möglichst lukrativ.
Die Eltern wollen Emma mit Carl Seidel, den Sohn eines Fuhrunternehmers verkuppeln.
Emma und Carl sind sich auch gleich sympathisch.
Auch Carl möchte seinen Traum leben und eine Senffabrik gründen.
Die Herstellung von Senf, die Aromen und die Konsistenz, dass ist seine Berufung.
Emma bestärkt Carl darin seinen Traum zu leben und treib damit einen Keil zwischen Carl und seine Familie.

„Zeit für Träume“ ist der 1. Band der großen Senfblütensaga von Clara Langenbach.
Der Leser begleitet die Protagonisten im 1. Band durch die Jahre 1908-1910.
Der Handlungsort ist die Stadt Metz, die wie ganz Elsass-Lothringen unter deutscher Verwaltung steht.
Emma Bergmann ist eine junge Frau mit Träumen. Sie möchte gerne studieren.
Doch ist das für Frauen noch nicht überall möglich.
Ihre Eltern, zu denen Emma ei schwieriges Verhältnis hat wollen davon nicht wissen und versuchen Emma möglichst lukrativ zu verheiraten.
Auch Carl Seidel hat Träume. Er möchte eine Senffabrik gründen. Er ist den Aromen und der Herstellung von Senf verfallen.
Seine Eltern, zu denen er eigentlich ein gutes Verhältnis hat möchten, dass er das elterliche Fuhrunternehmen weiterführt.
Dann gibt es noch Antoine, ein junger Franzose.
Seine Eltern besitzen ein Weingut. Doch das Verhältnis zu seinem herrischen Vater ist schlecht. So hält sich Antoine meist in Straßburg auf wo er vorgibt zu studieren.
Diese 3 Charaktere finden zusammen und führen den Leser durch die Geschichte.
Es ist schön zu lesen wie Emma und Carl sich anfreunden, wie sie sich gegenseitig bestärken ihren Traum zu leben.
Auch was man über die Senfherstellung lesen kann war recht interessant.
Antoine dem ich wenig Sympathie entgegen bringe ist irgendwie immer der Störenfried.
Obwohl sich Emma zu Carl hingezogen fühlt flirtet sie mit Antoine. Wahrscheinlich merkt sie das in ihrer Naivität gar nicht.
Es führt aber dazu, dass es ein ständiges Hin und Her gibt. Mal denkt man Emma und Carl, dann wieder Emma und Antoine.
Das alles zieht sich sehr lange hin und beim Lesen verliert man langsam die Geduld. Sogar Emma die mir eigentlich sehr sympathisch war hat dadurch an Sympathiepunkten verloren.
Hier wäre weniger mehr gewesen.
Nach einer dramatischen Situation hat mir das Ende dann aber gut gefallen und ich freue mich auf den 2. Band der Saga in der Hoffnung, dass es nicht wieder so ellenlange Verwirrungen gibt.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2021

Erzähl mir deine Geschichte und ich weiß wer du bist

Jaffa Road
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Moritz ist tot. Seine Enkelin Nina reist aus Deutschland zur Testamentseröffnung nach Palermo.
Im Haus trifft sie auf ihre jüdische Tante Joëlle aus Paris und auf einen fremden Mann.
Bei dem Mann handelt ...

Moritz ist tot. Seine Enkelin Nina reist aus Deutschland zur Testamentseröffnung nach Palermo.
Im Haus trifft sie auf ihre jüdische Tante Joëlle aus Paris und auf einen fremden Mann.
Bei dem Mann handelt es sich um den Palästinenser Elias aus Jaffa.
Auch er ist ein Enkel von Moritz oder Maurice wie der Verstorbene sich auch genannt hatte.
Wie es scheint hatte Moritz oder Maurice verschiedene Identitäten, verschiedene Familien die sich nicht kannten.
Die drei fangen an von ihren Müttern zu erzählen.
In Rückblenden erlebt der Leser die Geschichte der drei Familien und wie deren Schicksale zusammenhängen.
„Jaffa Road“ ist der neue große und facettenreiche Roman von Daniel Speck.
Es ist ein Roman über drei Familien, drei Schicksale, drei Religionen.
Die Verbindung dazu ist Moritz oder Maurice wie er sich auch genannt hat.
Ich glaube Moritz war ein Mensch der mit seiner eigenen Identität kämpfte. Der sich nie selbst gefunden hat.
Mir kommt er vor wie ein ewiger Wanderer der immer wieder Rast machte indem er eine Familie gründete und verweilte.
In der Geschichte reist der Leser an verschiedene Orte. Lernt Israel und Palästina und somit auch den Konflikt zwischen den Ländern und deren Religion von beiden Seiten kennen.
Immer von der anderen Seite hinter die Mauer geschaut.
Viele kleine Anekdoten verflochten zu einer großen Geschichte.
Viele fremde Orte und Gerüche.
Die Protagonisten werden sehr gut in Szene gesetzt. Als Leser kommt es einen vor als schlüpfe man selbst in die einzelnen Charaktere. Als könnte man sie wechseln wie die Kleidung.
Man empfindet die Ereignisse hautnah mit.
Zu Hause vor dem Fernseher zuckt man vielleicht mit der Schulter, wenn man vom Nah-Ost Konflikt in den Nachrichten hört.
Hier beim Lesen der Geschichte fühlt man sich mittendrin und man versteht plötzlich vieles besser, sieht es mit anderen Augen.
„Jaffa Road“ ist mit seinen 665 Seiten ein umfangreiches Buch.
Daniel Speck ist ein Meister im Geschichten erzählen.
Er schreibt leicht verständlich und unkompliziert.
Man möchte das Buch nicht aus der Hand legen und so habe ich das Buch in wenigen Tagen gelesen.
Den Grundstock für diese Geschichte hat der Autor schon mit seinem Buch „Piccola Sicilia“ gelegt.
Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Ich habe „Piccola Sicilia“ noch nicht gelesen, es liegt aber schon auf meinem Stapel.
Ich kann „Jaffa Road“ nur jedem empfehlen der gerne gut konzipierte Geschichten liest und hoffe selbst auf noch viele Geschichten aus der Feder von Daniel Speck.

  • Cover
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