Profilbild von Karolina_Hruskova

Karolina_Hruskova

Lesejury Profi
online

Karolina_Hruskova ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karolina_Hruskova über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Leider nicht mein Fall

Paradise Beach
0

Ich habe den Roman nach ca. 80 % abgebrochen. Erwartet habe ich eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte, bekommen habe ich nicht viel.

Der Coming-of-Age-Aspekt war zumindest in Ansätzen vorhanden. In ...

Ich habe den Roman nach ca. 80 % abgebrochen. Erwartet habe ich eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte, bekommen habe ich nicht viel.

Der Coming-of-Age-Aspekt war zumindest in Ansätzen vorhanden. In Erinnerungen verfolgen wir Ada, die als Teenagerin die Ferien mit ihrer Cousine Lill an der Ostseeküste verbringt, den neusten Trends aus Zeitschriften nacheifert und den Fokus rein auf ihre Außenwirkung legt. Irgendwie fehl am Platz und erzwungen fand ich diese versteckte Schwärmerei für Elja. Parallel dazu lernt man eine erwachsene Ada kennen, die sich einer Endometriose-OP unterzogen hat, schlaflos ist und sich vor allem nachts an die Anfangszeit ihrer Krankheit erinnert.

Eigentlich hatte ich keine Erwartungen und wollte mich voll und ganz in die Geschichte stürzen und mich auf sie einlassen. Die Geschichte hatte jedoch keinen nennenswerten Konflikt, keine Spannung, keine Dynamik und dümpelte nur so vor sich her. Ich möchte nicht das Wort "langweilig" verwenden, aber irgendwann habe ich abgeschaltet und festgestellt, dass ich kein Interesse mehr habe. Der (weitere) Verlauf und das Ende haben mich einfach nicht mehr neugierig gemacht.

Dass dem Thema Endometriose Raum gegeben wird und eine Betroffene geschickt ihre Gedanken, den Leidensweg und teilweise auch medical gaslighting teilt, bekommt meinen vollen Zuspruch. Aber auch durch Dara Brexendorfs Sprache war mir alles zu verwaschen, mit unüberwindbarer Distanz. Ich habe die Bilder nicht vor Augen gesehen, alles - selbst die Atmosphäre - war grau und leblos für mich.

Leider war »Paradise Beach« nicht mein Fall. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass Lesende, die eine unaufgeregte, leise Geschichte mit dazu passender Sprache mögen, trotzdem Gefallen daran finden können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2026

Keine Antworten, nur Fragen

Einatmen. Ausatmen.
0

»Einatmen. Ausatmen.« lädt auf vielen Ebenen zum Innehalten ein. Im Roman wurden viele Aspekte zur Achtsamkeit, zur inneren Mitte, zur Selbstreflektion und -erkenntnis angesprochen, aber gleichzeitig war ...

»Einatmen. Ausatmen.« lädt auf vielen Ebenen zum Innehalten ein. Im Roman wurden viele Aspekte zur Achtsamkeit, zur inneren Mitte, zur Selbstreflektion und -erkenntnis angesprochen, aber gleichzeitig war es nicht der Anspruch des Romans, auch Antworten zu geben. Vielmehr hat es sich so angefühlt, als würden besonders durch Alex und Marlene die richtigen Fragen als Impulse gestellt werden, über die der/die Leser/in selbst nachdenken kann.

Abgesehen davon war es eine Verwebung recht komischer Geschichten. Marlenes Over-Achivement, Alex' Sinnkrise, das Seminar an sich, plötzlich noch dazu die Rodung eines nahegelegenen Waldes, Wildtiere... All diese Themen haben ein übertriebenes Ende ergeben, das nicht zum Rest des Romans passen wollte. Und dennoch hat mir das Ende gefallen, weil es kein klassisches Happy End war, sondern ein realitätsnahes. Vieles hat sich im Laufe der Geschichte so angefühlt, als würde es sich fügen, als hätte alles einen Sinn und die vielen Probleme der einzelnen Figuren würden eine einfache Lösung finden, aber dem war einfach nicht so. Für mich hat sich das nach einem aufrichtigen und ehrlichen Abschluss angefühlt.

An sich hat sich der Roman durchgehend flüssig und schnell lesen lassen, hier und da mit Humor gespickt, der aber nur nebensächlich war. Mir wurden ein paar interessante Anhaltspunkte zum Reflektieren mitgegeben, verpackt in einen komischen, skurrilen, aber trotzdem irgendwie auch ehrlichen Rahmen. Eine wirklich spannende Mischung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2026

Hailie und Adrien: ich will mehr davon!

The Monet Family – Rise Up, Little Diamond
0

Ok wow I like it! Lange haben wir Hailie und ihre Brüder begleitet. Dabei war ich konstant genervt von allem, Hailies Naivität, ihrem kindischem Verhalten, ihrer ewigen Heulerei. Die Brüder waren nicht ...

Ok wow I like it! Lange haben wir Hailie und ihre Brüder begleitet. Dabei war ich konstant genervt von allem, Hailies Naivität, ihrem kindischem Verhalten, ihrer ewigen Heulerei. Die Brüder waren nicht viel besser, oft übergriffig und herablassend. Aber diesmal? Band 5 mochte ich schon, aber Band 6 toppt ihn eindeutig!

Vier Jahre sind vergangen und Hailie wird erwachsen. Sie studiert mittlerweile in Barcelona und hat sich in der Welt ihrer Brüder eingefunden. Ihre Brüder haben sich glücklicherweise zumindest ein bisschen verändert, sind reifer, ruhiger, teilweise auch schon mit eigener Familie. Ich mochte Hailies neues Selbstbewusstsein, ihre forsche Art. Natürlich gibt es auch diesmal wieder verschiedene Dramen um sie herum, die teilweise ziemlich konstruiert und gewollt wirken, aber von irgendwas muss der Roman ja leben.

Auf Adrien oder der aufkeimenden Beziehung lag nämlich nicht wirklich der Hauptfokus, obwohl wir zusätzlich einige Momente aus seiner Sicht kennenlernen. Er wirkte sehr angenehm, wenn auch seine Hingabe überhaupt nicht nachvollziehbar war. Plötzlich will er Hailie. Ist halt so. Auch emotional hat mich nicht viel angesprochen, weil Adrien zu beherrscht und zurückhaltend aufgetreten ist. Das Feuer beginnt wohl erst zu lodern.

Und trotzdem: Ich brauche Nachschub und zwar dringend!! Ich bin durch die Seiten gerauscht, mochte Hailie x Adrien (besonders ihn!), mochte die Stimmung des Romans. Eine geheime, verbotene Beziehung, beschützende Brüder, die es einfach niemals lassen können, Mafia-Vibes - ich wollte nicht, dass die Geschichte endet und bin so gespannt wie auf kein anderes Finale.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2026

Intensität trotz Sprachlosigkeit

Moosland
0

»Moosland« wirkte auf mich zuerst unscheinbar. Das Cover strahlt Ruhe und Frieden aus, aber unter der Oberfläche steckte so viel mehr.

Katrin Zipse rahmt ihre Handlung in einen historischen Kontext und ...

»Moosland« wirkte auf mich zuerst unscheinbar. Das Cover strahlt Ruhe und Frieden aus, aber unter der Oberfläche steckte so viel mehr.

Katrin Zipse rahmt ihre Handlung in einen historischen Kontext und setzt dabei die Sprachlosigkeit als zentrales Element ein. Elsa, die von Deutschland nach Island reist, kommt dort ohne Sprachkenntnisse an. Sie versteht die Familie nicht, in der sie unterkommt, gleichzeitig hat sie aber auch gar keine Worte mehr übrig nach dem Krieg. Diese Sprachlosigkeit in ihrer ganzen Wirkung zieht sich durch den gesamten Roman; erst zum Schluss hin wird zu beidem wieder gefunden.

Um die Leere an Worten auszugleichen, wird das Leben auf dem Bauernhof und die Natur detailliert betrachtet. Elsa lernt ihr neues Leben kennen, die Fremde um sich, kann die Distanz dazu erst nicht überwinden. Zaghaft, Schritt für Schritt, findet sie sich dann doch, lernt, beobachtet, und nimmt ihren Platz ein. Ich habe diesen Weg, die Entwicklungen, die feinen Beobachtungen und Erzählungen so sehr genossen. Ich wurde von der rauen Landschaft verzaubert, völlig vereinnahmt, und habe eine extrem ruhige, aber auch tiefe Auszeit bekommen. Gedanklich konnte ich voll und ganz eintauchen, habe die Geschichte mich einhüllen lassen. Katrin Zipse erschafft in »Moosland« mit leisen Worten eine intensive, dichte Atmosphäre, die mich verschlungen und nicht wieder ausgespuckt hat.

Am liebsten möchte ich stundenlang darüber reden, wie begeistert ich schon nach den ersten Seiten war und bis zum Ende geblieben bin. Das Setting, die Zeit, die Sprache, die Handlung, das Tempo, die Figuren - alles war so gut und trotz (oder auch wegen) der Sprachlosigkeit mit so viel Intensität. Selbst meine Rezension scheint dem Roman nicht gerecht zu werden, daher zum Schluss ein einfaches: Bravo!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2026

Zerrüttelte Freundinnenschaft

Spielverderberin
0

Wir begleiten die Freundinnen Sophie, Lotte und Romy auf zwei Zeitebenen: In Rückblicken erlebt man ihre Zeit unmittelbar vor dem Abitur, die Zeit der großen Entscheidungen, der Veränderungen. Vier Jahre ...

Wir begleiten die Freundinnen Sophie, Lotte und Romy auf zwei Zeitebenen: In Rückblicken erlebt man ihre Zeit unmittelbar vor dem Abitur, die Zeit der großen Entscheidungen, der Veränderungen. Vier Jahre später stehen wir an einem Punkt, an dem ihre Freundinnenschaft nach einer Entfremdung wieder in den Mittelpunkt rückt.

Marie Menkes Debütroman war durchzogen von einer spürbaren Schwere, denn nach und nach näherte man sich einem Ereignis, das die Freundinnenschaft damals verändert hat. Doch war das nur der Auslöser - viele kleine Ursachen haben vorher bereits dazu geführt, dass sich die Freundinnen fremd geworden sind. Anfangs gab es nur Sophie und Lotte, bis Romy zugezogen ist und die bisherige Dynamik stark verändert hat. Die Freundinnenschaft war sehr komplex, subtil im Wandel, äußerst fragil. Marie Menke hat es trotzdem geschafft, dass mir in diesem Konstrukt die Orientierung leicht fiel und ich den Linien klar folgen konnte.

Der Roman lebt von Unausgesprochenem, einer melancholischen Atmosphäre, von Geheimnissen, Ghosting, Obsession, der Frage nach Identität und Herkunft, der damit verbundenen Zerrissenheit. Ereignisse aus der Vergangenheit belasten Sophie, sie findet keinen Abschluss. Die Freundinnenschaft, die diese Belastung verursacht hat, aber auch gleichzeitig Sophies Sicherheitsnetz war, existiert nicht mehr. Nach dem Abitur zerbrach sie recht schnell, als Romy sich entzogen hat und einfach verschwand.

Als Leserin habe ich aus Sophies Sicht auf deren Erwachsenwerden im Kontext ihrer Freundinnenschaft blicken können. Mir hat es dabei gefallen, Sophies Gedanken zu teilen und tiefer in das Konstrukt einzutauchen. Allerdings gab es keinen Aufhänger, durch den mir der Roman länger im Gedächtnis bleiben wird. War es die Nüchternheit, der Nebel, der geheimnisvoll und schwer über allem lag - letztendlich konnte ich »Spielverderberin« nie vollumfänglich greifen. Dennoch möchte ich zukünftig mehr von Marie Menke lesen, denn vor allem atmosphärisch hat mich ihr Debüt auf jeden Fall überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere