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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2026

Pageturner

Safe Space
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Die forensische Psychologin Anna Salomon wähnt sich ihrem Ziel näher, als sie Stelle in der JVA Weyer antritt, einem Hochsicherheitsgefängnis, bei dem sie sich nicht grundlos um einen Job bemüht hat.
Denn ...

Die forensische Psychologin Anna Salomon wähnt sich ihrem Ziel näher, als sie Stelle in der JVA Weyer antritt, einem Hochsicherheitsgefängnis, bei dem sie sich nicht grundlos um einen Job bemüht hat.
Denn über ihre Arbeit mit den Intensivsstraftätern erhofft sie sich Hinweise auf den vermeintlichen Mörder ihrer kleinen Schwester Sina zu bekommen, die vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist.
Doch so leicht wie sie sich das vorgestellt hat, wird es nicht. Statt neue Anhaltspunkte und Antworten zu erhalten, kommt es zu merkwürdigen Ereignissen und Anna erkennt zu spät, dass sie selbst längst zu einer heimlichen Schachbrettfigur geworden ist.

Sarah Bestgen nimmt uns in ihrem neuen Thriller gleich mal mit hinter die düsteren Gefängnismauern, die mir bisher nicht nur fremd, sondern tatsächlich auch etwas unheimlich sind. Man startet also direkt mit einem beklemmenden Gefühl und einer leichten Anspannung in das Buch, in dem parallel zu Annas Erzählperspektive eine weitere hinzukommt. Ein anderer Charakter lässt uns an seiner Gedankenwelt teilhaben. Es handelt sich um Leon, der eine gewaltdominierte, traumatische Kindheit erfahren musste. Auch Sinas alte Tagebucheinträge begleiten den Verlauf der Story und geben Aufschluss über eine toxische Beziehung, in der sie sich befunden hat.

Die wechselnden Handlungsstränge und kurzgehaltenen Kapitel waren ganz nach meinem Geschmack, da sie mich geradezu verleitet haben, immer wieder weiter zu lesen. Die eingestreuten Plot Twists fand ich auch gut platziert und so hat es richtig Spaß gemacht, mitzurätseln - denn irgendwie müssen die einzelnen Puzzleteile am Ende ein vollständiges Bild ergeben. Und das tut es letztlich auch!
Bis auf den Mittelteil, der sich leider etwas gezogen hat und die Tatsache, dass ich mit Protagonistin Anna einfach nicht warm geworden bin, war dies insgesamt ein ziemlich solider Thriller, der mich recht gut unterhalten hat.
Und obwohl es für echte Gänsehautmomente diesmal nicht ganz gereicht hat, sollte man sich diese Autorin definitiv merken!

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Vorhersehbare Story

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1)
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Lower Whilby Band 1
In dem Auftakt der neuen RomCom-Reihe von Autorin Kyra Groh, geht es um Musik-Podcasterin Jude, die anlässlich der bevorstehenden Hochzeit ihrer kleinen Schwester Olive, für ein paar ...

Lower Whilby Band 1
In dem Auftakt der neuen RomCom-Reihe von Autorin Kyra Groh, geht es um Musik-Podcasterin Jude, die anlässlich der bevorstehenden Hochzeit ihrer kleinen Schwester Olive, für ein paar Tage zurück ins englische Lower Whilby kehrt. Eigentlich möchte sie ihren alten Heimatort und die damit verbundenen Erinnerungen so schnell wie möglich wieder verlassen, doch kann sie Olive in ihrer momentanen Situation unmöglich im Stich lassen und außerdem lockt die unwiderstehliche Aussicht, über den grumpy Cafébesitzer James, an ein Interview mit seinen Eltern zu kommen, einem legendären Musiker-Ehepaar. 
Anfänglich ist James alles andere als begeistert von seiner neuen Angestellten, die nicht nur seinen Laden aufmischt, sondern ganz nebenbei auch seine Gefühlswelt auf den Kopf stellt. 

Die Entwicklung der Story ist natürlich im Großen und Ganzen vorhersehbar, allerdings verlässt sich Kyra Groh nicht auf oberflächlichem Liebesgeplänkel, sondern lässt uns stattdessen genauer hinter die Fassaden der bindungsscheuen Hauptprotagonisten blicken und strickt ganz nebenbei an einigen interessanten Nebenschauplätzen und -Charakteren für die noch folgenden Bände weiter.

Da mich die Printvariante nicht sofort fesseln konnte, bin ich zur Hörbuchversion gewechselt, die mich erst so richtig in die Geschichte hat eintauchen lassen. Die Charaktere waren mit einer eigenen Stimme und der sich abwechselnden Erzählperspektive um einiges greifbarer und konnten mich so auch auf der emotionalen Ebene deutlich mehr überzeugen. Einzig die spicy Szenen hätten gerne noch ein bisschen entschärft werden können - das waren mir zu viele Details.

Dennoch kann ich euch das Hörbuch sehr empfehlen und werde beim zweiten Band wohl direkt die Hörversion zurückgreifen!

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Eindrückliches Leseerlebnis!

Die Ausweichschule
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Dieser Titel stand in diesem Jahr auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis - zu Recht?

Zwanzig Jahre nachdem Robert Steinhäuser an seiner ehemaligen Schule, dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium bei ...

Dieser Titel stand in diesem Jahr auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis - zu Recht?

Zwanzig Jahre nachdem Robert Steinhäuser an seiner ehemaligen Schule, dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium bei einen Amoklauf 16 Menschen und anschließend sich selbst erschoss, werden auch bei Kaleb Erdmann Erinnerungen an diese Zeit wachgerüttelt.

Erdmann selbst war damals elf Jahre alt und ebenfalls Schüler an der Schule. Und obwohl er nicht unmittelbar Zeuge der Gewalttaten wurde, wird in dem Buch deutlich, wie prägend ein solches Ereignis auch für diejenigen war, die „nur“ am Rand standen.
Bereits zwei Wochen nach dem Amoklauf erfolgt die langsame Rückkehr in den Unterrichtsalltag an einer provisorischen „Ausweichschule“, während das Gutenberg-Gymnasium nach der Tat beinahe kernsaniert wird.

In diesem autofiktionalen Roman lässt uns der Autor aus Sicht eines Erzählers auf den Schreibprozess, eigenen Zweifeln und der Auseinandersetzung mit den Ereignissen rund um die schreckliche Tat teilhaben, die auch letztlich dazu führen, dass seine eigene Erinnerung ihm einen Streich spielt.
Er selbst hat im Rahmen der psychologischen Aufarbeitung des Traumas mehrere Therapien durchlaufen und stellt sich nun trotz allem selbst die Frage, ob er als Randfigur überhaupt das Recht hat, den Amoklauf in literarischer Form zu verarbeiten und damit möglicherweise erneut alte Wunden bei den Betroffenen aufzureißen.
Tatsächlich beleuchtet Erdmann in diesem Buch auf reflektierte Art ein unfassbares Attentat, die Ereignisse die dazu führten, aber auch darauf folgten und bewahrt gleichzeitig eine sensibles Andenken an die Opfer.

Für mich durch und durch interessant und absolut lesenswert.

Einziger Kritikpunkt ist für mich eine Passage, in der der Erzähler über die ideale Getränkeflasche zum Hineinurinieren sinniert. Das empfand ich in diesem Buch als unangenehm, deplatziert und auch überflüssig.
Trotzdem finde ich das Buch sehr wichtig, vielleicht auch als Schullektüre, die Nominierung für die Shortlist des deutschen Buchpreises ist meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

176 Seiten Ehrlichkeit, Humor und stilles Kopfnicken!

8000 Arten, als Mutter zu versagen
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Das perfekte Buch, wenn man zwischen Kinderwunsch, schlaflosen Nächten mit Babygeschrei und Versagensängsten einfach mal ein bisschen ehrlichen Zuspruch braucht!

Carolin Kebekus erzählt hier auf gewohnt ...

Das perfekte Buch, wenn man zwischen Kinderwunsch, schlaflosen Nächten mit Babygeschrei und Versagensängsten einfach mal ein bisschen ehrlichen Zuspruch braucht!

Carolin Kebekus erzählt hier auf gewohnt witzige, selbstironische Weise, realitätsnah und vor allem ungeschönt von ihren eigenen Erfahrungen rund um Schwangerschaft, Geburt und dem Muttersein - mit all den unangenehmen Schattenseiten, die von den Supermamas mit ihrem perfekt inszenierten Instagram-Content immer brav weggefiltert werden.

Ob Feministinnen, Mütter und allgemein so ziemlich jede Frau wird sich in diesem Buch an vielen Stellen wiederfinden und bestätigt fühlen.
Kebekus hinterfragt vollkommen zu Recht die gesellschaftliche Erwartungen an die Rolle der Frau, die fehlende Anerkennung für die Leistung von Müttern und den absurden Umstand, dass Väter für Kleinigkeiten gefeiert werden, die man wiederum vom weiblichen Geschlecht stillschweigend voraussetzt.

Auch die Hebammen bekommen in ihrem Buch die verdiente Wertschätzung für einen Beruf, der mittlerweile irgendwo „zwischen Ehrenamt und Selbstausbeutung“ angesiedelt ist – Eine bittere Erkenntnis, der leider sehr treffend ist, wie so ziemlich alles, was hier zur Sprache kommt!

Obwohl ich beim Lesen die meiste Zeit entweder kopfnickend oder lachend auf dem Boden verbracht habe, konnte ich das Buch bis zum Schluss nicht einen Moment mehr aus der Hand legen, denn der Unterhaltungsfaktor kommt problemlos ihren Comedyshows gleich!
Wer also Carolin Kebekus’ Humor mag, wird jede der insgesamt 176 Seiten absolut feiern! Mütter sowieso und alle anderen ganz sicher auch! Gerade all jene, die Mutterschaft noch für einen gemütlichen Spaziergang mit dem Kinderwagen halten, brauchen dieses Buch ganz besonders dringend!

Für mehr Spaß an der Realität möchte ich es allerdings wirklich allen von Herzen empfehlen!

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Eiskalte Enttäuschung

The Icebound Kingdom
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Das Dorf Calispino leidet unter einem ewigen Winter, den der Elementargeist des Eises heraufbeschworen hat. Hilfe kommt ausgerechnet von dessen Halbbruder Yolando, dem Elementargeist des Sturms, der die ...

Das Dorf Calispino leidet unter einem ewigen Winter, den der Elementargeist des Eises heraufbeschworen hat. Hilfe kommt ausgerechnet von dessen Halbbruder Yolando, dem Elementargeist des Sturms, der die Seilergesellin Izra überredet, ihn zur Festung seines Bruders begleiten. Dort soll sie den Tyrannen täuschen und töten, um das Dorf zu befreien. Izra selbst hat nach ihrem missglückten Verlobungsversuch und ihrem ruinierten Ruf nichts mehr zu verlieren und willigt in den Plan ein.
In einem löchrigen Netz aus frostiger Kälte, heimlichen Intrigen, erotischer Verführung und magischer Herrschaft, versucht die jungfräuliche Protagonistin, die einen ausgeprägten Bondage-Kink hat, den eiskalten, autoritären „Dunklen Fürsten“ zu verführen und muss sich schließlich entscheiden, auf welche Seite sie sich stellt.

Was zunächst nach einem spannenden, nahezu epischen Romantasy-Abenteuer klingt, weicht leider ziemlich schnell kalter Ernüchterung.

Von Anfang an stolpert man immer wieder über den holprigen Schreibstil und sinnlose Satzkonstrukte, die wohl einer KI-generierten Übersetzung geschuldet sind. (Dachte ich zumindest! Inzwischen weiß ich, hinter dem Pseudonym Juno Reeves steckt ein deutschen Autorenpaar).

Ähnlich wenig Sorgfalt wurde auch auf das Worldbuilding gelegt, denn das kommt hier definitiv zu kurz und wirkt insgesamt sehr eindimensional und wenig durchdacht. Zudem fallen einige Logiklöcher auf und es häufen sich bis zum Schluss zahlreiche offene Fragen, die nicht beantwortet werden. Auch erzählerische Tiefe sucht man hier vergeblich, dafür bleibt die Story eher oberflächlich und verliert sich in unwichtigen Wiederholungen, die die Handlung jedoch nicht voran bringen.
Das unlogische Ende setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf.
Für mich zum Jahresende leider ein frostiges Lowlight, das mich wirklich enttäuscht zurück lässt!

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