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Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine literarische Reise nach Island

Moosland
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1949 folgen knapp 300 deutsche Frauen dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, um sich auf einem der dortigen Höfe als Arbeitskraft zu verdingen. Eine von ihnen ist Elsa, die nach dem Verlust ihrer ...

1949 folgen knapp 300 deutsche Frauen dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, um sich auf einem der dortigen Höfe als Arbeitskraft zu verdingen. Eine von ihnen ist Elsa, die nach dem Verlust ihrer Familie und Freundin vollkommen in sich gekehrt und schweigsam geworden ist. 
Es dauert, bis sie sich in dem rauen Klima, dem fremden Land und auch den Menschen und Tieren auf dem Bauernhof einlebt. Sie hat mit Ängsten und Albträumen zu kämpfen und erfährt, dass auch die Bauernfamilie einen schweren Verlust erlitten hat, auch wenn keiner von ihnen darüber spricht.
Die beiden Söhne des Bauern, Ólafur und Skúli, zeigen von Anfang an, unterschwellig Interesse an ihr, wobei vor allem Skúli einige Versuche unternimmt, sie aus der Reserve zu locken. Nur Knecht Halldór beäugt sie kritisch, ist schließlich aber derjenige, der Elsa Isländisch beibringt und ihr damit hilft, in der neuen Umgebung schlussendlich anzukommen.

Durch den Klappentext, der sich auf dem Vorsatzpapier befindet, wusste ich gleich, dass ich dieses Buch so schnell wohl nicht mehr aus der Hand legen werde. 
Es ist eine wahre Kunst, schon mit den einleitenden Sätzen so viel Atmosphäre zu schaffen, mit der man gleich zu Beginn, in eine vollkommen andere Welt katapuliert wird. Aber genau das, ist der Autorin hier perfekt gelungen. Gemeinsam mit Elsa setzt man nach Island über und begleitet sie durch das ungewisse Abenteuer, das hier auf sie wartet. Dabei ist es nicht nur die bildgewaltige Darstellung der isländischen Natura, sondern auch der tiefe Einblick in die Persönlichkeit und Gedankenwelt der Hauptfigur. Auf mich wirkt sie innerlich zerissen und auf der Suche nach einem festen Platz im Leben, auf dessen Weg wir sie ein Stück begleiten dürfen.

Was ich neben der Geschichte besonders spannend fand, war jedoch, endlich mehr über die historischen Begebenheiten auf Island und damit auch mehr zu den Hintergründen der „Esja-„ Frauen zu erfahren. Das wird in dem Roman hochinteressant und ausführlich thematisiert. Allein dafür hat sich die Lektüre schon gelohnt.

Ein wundervolles Buch mit authentisch-isländischem Setting, das mich so begeistert hat, dass ich es euch nur wärmstes empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Weniger Nervenkitzel als erhofft

Bachelorette Party
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Es klingt zu schön um wahr zu sein - ein intimer Jugensellinnabschied im kleinen Kreis auf einer abgelegenen Schäreninsel.
Die Freundinnen dürfen als erste Gäste in dem neueröffneten Yoga-Reatreat einchecken. ...

Es klingt zu schön um wahr zu sein - ein intimer Jugensellinnabschied im kleinen Kreis auf einer abgelegenen Schäreninsel.
Die Freundinnen dürfen als erste Gäste in dem neueröffneten Yoga-Reatreat einchecken.
Es gibt nur einen Haken - auf der Insel gibt es kein WLAN und die Handys werden bei Ankunft konfisziert.
Und was außer True-Crime-Podcasterin Tessa niemand von den anderen weiß: Isle Blind steht in Verbindung mit einem ungelösten Fall.
Denn zehn Jahre zuvor verschwanden auf dieser Privatinsel vier Frauen spurlos.

Die Atmosphäre knistert von Anfang an unheimlich. Als das einzige Boot plötzlich mitten auf dem Wasser treibt, ist die verbleibende Fluchtmöglichkeit dahin und als eine von ihnen ermordet aufgefunden wird, ist allen klar, sie sind in eine tödliche Falle geraten.

Als Thriller-Fan und begeisterte Leserin der Polarkreis-Reihe von Viveca Sten, war ich mehr als gespannt, ob ihre Tochter Camilla hier mithalten kann.
Anfangs hat mich der Plot entfernt an „One of the Girls“ von Lucy Clarke erinnert, ist aber damit letztlich nicht vergleichbar.
Für die zahlreichen Figuren, die hier in den unterschiedlichen Zeitschienen auftauchen, macht man sich am besten von Anfang an Notizen, sonst besteht die Gefahr, dass man im weiteren Handlungsverlauf durcheinanderkommt. Der Schreibstil ist ansonsten gut, auch wenn es ein gewisse Zeit dauert, bis man sich einen genaueren Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und die Rolle der einzelnen Personen verschafft hat. Ein paar zwielichtig gezeichneten Charakteren, kann man dabei schon mal mehr in den Fokus nehmen. Abgesehen von der düsteren Atmosphäre des gelungen dargestellten Settings, dauert es allerdings recht lange, bis wirklich Spannung aufkommt. Erst im letzten Drittel
werden hier und da gute Plotttwists eingestreut, doch der Überraschungsmoment bleibt aus. Auch das Rache-Motiv hat mich weniger überzeugt.


Als Unterhaltung für zwischendurch war es insgesamt durchaus okay, aber leider nicht das nervenaufreibende Thrillerhighlight, das ich insgeheim erhofft habe.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Herrlich skurril!

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz ist das, was man zweifellos als Workaholic beschreiben würde. Ihr einziger Lebensinhalt ist ihre Arbeit, Erholung und Selbstfürsorge hingegen ein Fremdwort. Trotz ihrer fachlichen Kompetenz ...

Marlene Buchholz ist das, was man zweifellos als Workaholic beschreiben würde. Ihr einziger Lebensinhalt ist ihre Arbeit, Erholung und Selbstfürsorge hingegen ein Fremdwort. Trotz ihrer fachlichen Kompetenz wird ihr Mangel an Empathie zum Problem. Die Beschwerden über sie häufen sich, auch, weil sie die Belästigungsvorwürfe einer Mitarbeiterin nicht ernst nimmt. Um jedoch den angestrebten Posten als Vorstandsvorsitzende übernehmen zu können, soll sie an einem Achtsamkeitsseminar teilnehmen.

Da ihr keine Wahl bleibt, checkt Marlene also in der Achtsamkeitsanstalt von Alex ein, für den, wie sich später rausstellt, der Erfolg ihrer Teilnahme, mindestens genauso wichtig ist, wie für sie selbst.
Zugegeben, ich hätte auf dieses Seminar genauso viel Lust gehabt, wie die Protagonistin selbst, aber zu dem Zeitpunkt standen wir noch am Anfang der Geschichte. Und die entwickelt sich tatsächlich äußerst interessant.

Marlene lernt in den kommenden Tagen viel über sich selbst und mehr als erwartet, allerdings nicht sitzend auf einer Yogamatte, sondern in Gesellschaft des Hausmeisters.
Währenddessen ist Alex mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt und gewährt nebenbei einer rebellischen Jugendliche auf seinem Anwesen Unterschlupf, die von der Polizei gesucht wird.
Als hätte er nicht schon genug Probleme - aber naja, vielleicht hilft bei der Lösung ausgerechnet die ganz unbefangene Sichtweise eines Pubertiers.

Es kommt im Verlauf der Geschichte zu zahlreichen skurrilen Situationen, überwiegend liebenswert und witzig, so dass es einiges zu Lachen gab. Vor allem die Charaktere sind mir hier sehr ans Herz gewachsen und waren jeder für sich toll dargestellt, sympathisch und zugänglich. Mit einer Ausnahme - aber auch diese Randfigur hat durchaus ihre Berechtigung in dem Buch.

Für mich war diese Lektüre eine willkommene, entschleunigende und dennoch amüsante Erholung vom Alltag, die mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, dafür jedoch bestens unterhalten hat.
Eine große Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Kindheitstraumata, die Generationen später noch spürbar sind

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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1947: Ein kleiner Junge landet nach Ende des zweiten Weltkriegsauf einem Kindertransport und wird schließlich in einem katholischen Kinderheim untergebracht. Für ihn und die anderen Kinder entpuppt sich ...

1947: Ein kleiner Junge landet nach Ende des zweiten Weltkriegsauf einem Kindertransport und wird schließlich in einem katholischen Kinderheim untergebracht. Für ihn und die anderen Kinder entpuppt sich dieser Ort zu einer Hölle auf Erden, denn die Nonnen in dem Heim führen ein grausames Regiment. Harte körperliche Arbeit, Misshandlungen und Erniedrigungen gehören zur Tagesordnung. Da er nicht spricht und sehr unbeholfen wirkt, wird er direkt als dumm und schwachsinnig abgestempelt und bekommt als Rufnamen die Nr. 104 verpasst. Hier lernt er auch Margret kennen, die auch noch Jahrzehnte später, für ihn die Führung übernehmen wird.

Denn selbst als Erwachsener kann Hardy in den entscheidenden Momenten seine lähmende Sprachlosigkeit nicht überwinden, obwohl seine geliebte Enkelin nun kurz davor steht, in einem Kinderheim zu landen.

Die Entwicklungen in der Gegenwart lösen bereits ein Beklemmungsgefühl aus und bekommen nochmal durch die Ereignisse von damals, die in einzelnen Rückblenden erzählt werden, eine ganz besondere Dynamik. Es kaum auszuhalten, was in dieser Geschichte passiert und man kann sehr gut nachempfinden, wie tief sich diese traumatischen Erlebnisse in der Psyche der Figuren eingebrannt haben. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, steht sie stellvertretend für zahlreiche Berichte von Betroffenen, die diese Gräultaten tatsächlich am eigenen Leib erlebt haben.

Als ich mit dem Buch begonnen habe, war ich darauf gefasst, dass es kein leichter Stoff wird. Doch keinesfalls hätte ich mir ausmalen können, welche bewegenden Themen die Autorin hier unterbringt. Jedes für sich wiegt schwer und bleibt lange im Gedächtnis.

Diese Romanerzählung ist schonungslos und bedarf definitiv eine große Packung Taschentücher, aber es lohnt sich so sehr, diese Geschichte zu hören!

Ganz große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 09.04.2026

Überzeugend!

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Eine Thronerbin, die sich gegen eine drohende Zwangsheirat auflehnt und dafür in brutalen Duellen bestehen muss und ein ehemaliger König, der als Deathwalker auf Seelenfang ist.

Dagen will um jeden Preis ...

Eine Thronerbin, die sich gegen eine drohende Zwangsheirat auflehnt und dafür in brutalen Duellen bestehen muss und ein ehemaliger König, der als Deathwalker auf Seelenfang ist.

Dagen will um jeden Preis seine Freiheit zurückerlangen, um sein Volk von der Tyrannei des Königs von Zarr zu befreien. Dafür muss er Nizzaras Seele erobern und dem Gott des Todes liefern.
Dieses Unterfangen stellt sich jedoch schwerer dar als gedacht, spätestens als dem ursprünglichen Vorhaben plötzlich ernsthafte Gefühle im Weg stehen und ihm gleichzeitig seine Zeit abzulaufen droht.

Da sich der POV in der Geschichte zwischen Nizzara und Dagen abwechselt, lernt man nicht nur die Protagonisten richtig gut kennen, sondern sitzt auch bei den romantischen Entwicklungen und ihren eigenen Gedankengängen quasi in der ersten Reihe.
Auch das Worldbuilding finde ich absolut überzeugend. Obwohl das Magiesystem anfangs ziemlich komplex wirkt, erschließt sich dann doch mit der Zeit, warum Nizzara die Wirkung der Vessel und Geisterverbindungen so sehr fürchtet, obwohl sie gleichzeitig ihre Rettung wären.

Eine richtig schöne Slow-Burn-Romantasy mit einer absolut verträglichen Menge Spice, bei der man ganz arg mitleidet und mitfiebert! Die Fortsetzung von diesem spannenden Reihenauftakt werde ich mir definitiv nicht entgehen lassen!

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