Cover-Bild Psychopompos
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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 25.06.2025
  • ISBN: 9783257615579
Amélie Nothomb

Psychopompos

Brigitte Große (Übersetzer)

Schon als Kind ist Amélie fasziniert von dem Märchen des Kranichs, der aus seinen eigenen Federn ein Gewebe macht, so schön, wie es noch nie jemand gesehen hat. Sie fühlt sich ihm verwandt und studiert fortan die Vögel all jener Weltteile, in die sie als Diplomatentochter kommt: Japan, China, USA, Bangladesch, Bhutan. Sie lernt von ihnen den Aufschwung, den Sturzflug, das Leben. Aber auch den Übergang ins Reich der Toten – und die Kunstflüge des Schreibens.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Kind der Vögel

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Amélie Nothomb arbeitet in "Psychopompos" ihre eigene Geschichte auf: das Heranwachsen als Botschaftertochter in verschiedenen Ländern, ein traumatisches Erlebnis, das sie fortan nicht nur prägte, sondern ...

Amélie Nothomb arbeitet in "Psychopompos" ihre eigene Geschichte auf: das Heranwachsen als Botschaftertochter in verschiedenen Ländern, ein traumatisches Erlebnis, das sie fortan nicht nur prägte, sondern fast umbrachte, die Suche nach sich selbst, die Verbindung zu Vögel, der stets anwesende Tod und schließlich ihr Schreiben.

Die Autorin war mir bislang unbekannt, nach diesem ergreifenden Selbstportrait, das durch eine philosophische und teils poetische Sprache beeindruckt, möchte ich das rasch ändern. Von der ersten Seite weg zog mich ihre feinfühlige Sprache in den Bann, ihre innige Verbindung zu Vögel, der Genuss diese Tiere zu beobachten, die Versuche Verbindungen mit ihnen aufzubauen, Ähnlichkeiten mit sich selbst zu finden, der große Wunsch und die kindliche Überzeugung eines Tages fliegen zu können - als das kann ich zutiefst nachempfinden. Nebenher ist das Trauma so verheerend, dass sie es nicht beschreiben kann, doch löst sie es anhand ihrer metapherhaften und intensiven Sprache auf und hinterlässt die Lesenden schockiert. Danach sind auch die Vögel nicht mehr von großer Bedeutet, schlichtes Überleben zählt. Nicht all ihre Gedanken sind nachvollziehbar, aber grundsätzlich weiß man, worauf Nothomb hinaus will - sie schenkt den Leser*innen Vertrauen, indem sie ihre Gedankenwelt offenlegt.

Die Autorin scheint sich gut auf die unterschiedlichen Kulturen, die sie im Laufe ihrer Kindheit kennenlernte, einlassen zu können, ja auch lieben zu lernen. Im Fokus steht, neben den Vögeln, immer ihr Vater, zu dem sie eine besondere Zuneigung hegt und dem sie am Ende seines Lebens etwas gibt, was sie auch noch nach seinem Tod verbindet. Die Verbindung zum Vater bleibt tief, auch nachdem ihr als Zwölfjährige dieses furchtbare Etwas passiert, das ihr die Liebe zum Meer, den Vögeln und auch zu sich selbst nimmt. Fortan ist sie unsicher, ob sie noch leben möchte, oder doch eher sterben, lange Zeit schwankt sie in einem Stadium zwischendrin. Irgendwann ist sie auf die antike Legende des Psychopompos gestoßen, ein Seelengeleiter, der die Seelen Verstorbener ins Jenseits begleitet und sie fragt sich, ob das ihre Rolle im Leben und im Sterben sein soll. Doch irgendwann weiß sie: ihre Bestimmung ist das Schreiben.

Mein Fazit: Psychopompos ist ein ergreifendes Selbstportrait, das nicht nur Vögel, sondern auch die Vater-Tochter-Beziehung und die Beziehung zu sich selbst in den Mittelpunkt setzt. Es ist ein Versuch, sich selbst zu verstehen, das Hin- und Hergerissenwerden zwischen Lebensfreude und Todessehnsucht und ein Trauma durch das eigene Schreiben zu überwinden. Es ist eine Empfehlung an alle, die bereit sind, sich auf philosophische (Selbst-)Erkenntnisse einzulassen und die es nicht stört, dass man vielleicht nicht alles zu hundert Prozent nachvollziehen kann. Die Zerrissenheit und die siegende Liebe zum Leben fühlt mal allemal.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Seelenvögel und Vaterfigur

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Als Diplomatentochter wächst Amélie Nothomb fernab der belgischen Heimat, vornehmlich im asiatischen Raum auf. Gerade die ersten Jahre ihres Lebens, die sie mit ihrer Familie in Japan verbringt, wirken ...

Als Diplomatentochter wächst Amélie Nothomb fernab der belgischen Heimat, vornehmlich im asiatischen Raum auf. Gerade die ersten Jahre ihres Lebens, die sie mit ihrer Familie in Japan verbringt, wirken sich prägend auf ihre Faszination für die Vogelwelt aus. Diese wird Amélie auf den weiteren Stationen in ihrem Leben fortan begleiten und letztlich eine elementare Rolle in diesem Roman spielen.

Auf die zentrale Frage, was sich hinter dem Buchtitel verbirgt, geht die Autorin allerdings mit einer solch philosophisch anmutenden Intensität ein, dass ich mich vorübergehend dabei verloren habe. Der Vogel als mythologische Figur des Seelenbegleiters für Verstorbene, ist vielleicht nicht unbedingt mein Interessensschwerpunkt in diesem Buch, dafür haben mich die intimen, persönlichen Einblicke, die Nothomb in diesem Roman wieder einmal gewährt, um so mehr vereinnahmt. Neben den ungewöhnlichen Episoden aus ihrer Kindheit, sind das ein traumatisches Erlebnis in der frühen Jugend und die Anorexie, in die sie sich für Jahre flüchtet. Aber auch ihr Werdegang als Schriftstellerin und die Beziehung zu ihrem Vater, die erst mit seinem Tod an Tiefe gewonnen hat, sind wichtige Themen, denen sich die Autorin hier schonungslos offen widmet.

Es ist lesenswerter literarischer Drahtseilakt zwischen nüchterner Distanz und emotionalen Tönen, gespickt mit viel Persönlichkeit, einem Hauch Selbstironie und einer Spur Provokation.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein leises, aber starkes Buch

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"Psychopompos" ist ein stilles, intensives Buch, das sich eher wie ein innerer Monolog als wie ein klassischer Roman liest. In kurzen, oft sehr knappen Sätzen erinnert sich Amélie Nothomb an ihre Kindheit ...

"Psychopompos" ist ein stilles, intensives Buch, das sich eher wie ein innerer Monolog als wie ein klassischer Roman liest. In kurzen, oft sehr knappen Sätzen erinnert sich Amélie Nothomb an ihre Kindheit und Jugend, die sie als Tochter eines belgischen Diplomaten unter anderem in Japan, China und Bangladesch verbringt - in ständiger Bewegung, begleitet von Fremdheit, Anpassung und innerer Vereinsamung.

Stilistisch ist der Text stark reduziert. Nothomb schreibt lakonisch, in knapper, präziser Sprache. Vieles bleibt unausgesprochen, wirkt aber lange nach. Nothomb gelingt es, mit wenigen Worten sehr viel zu sagen. Gerade durch diese Zurückhaltung entfaltet das Buch seine Kraft. Themen wie Entwurzelung, Sprachlosigkeit, ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit werden nie breit ausformuliert, sondern sehr nüchtern erzählt – und wirken gerade dadurch umso nachdrücklicher.

Der Text liest sich wie ein innerer Monolog, durchzogen von existenziellen Fragen und philosophischen Bildern. Die Figur des Vogels zieht sich als zentrales Motiv durch das ganze Buch - begleitet vom Fliegen. Fliegen als Metapher für Schreiben, Fliegen als Flucht.

"Psychopompos" ist kein Roman, den man einfach wegliest. Ein leises, aber starkes Buch über Identität, Schmerz und die rettende Kraft der Sprache und des Schreibens.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Interessanter Lebensweg

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Psychopompos, ist wieder ein Roman, von Amelie Nothomb, der auf eigene Erlebnisse zurückgeht.
Sie erzählt besonders eindrucksvoll, von den vielen Umzüge der Familie. Der Vater ist Konsul, die ersten ...



Psychopompos, ist wieder ein Roman, von Amelie Nothomb, der auf eigene Erlebnisse zurückgeht.
Sie erzählt besonders eindrucksvoll, von den vielen Umzüge der Familie. Der Vater ist Konsul, die ersten Lebensjahre der Autorin sind in Tokio. Der Umzug nach China, war schon ein Kulturschock. Dann geht es weiter in mehrere Gebiete.
Sie und ihre Schwester erleben diese Wechsel, das eine Zerrissenheit entsteht.
Die Autorin schreibt das wunderschön. Nur die mythologischen Szenen lagen mir nicht so.

Alles in Allem ist es wieder ein interessanter Familienroman.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Sprachlich brillant, inhaltlich nicht meins

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,Ein Psychopomp begleitet die Seelen der Toten auf ihrer Reise ins Jenseits.‘ (Seite 48)

Schon sehr früh interessiert sich die Ich-Erzählerin, deren Erlebnisse sicher zum Teil autobiografisch sind, für ...

,Ein Psychopomp begleitet die Seelen der Toten auf ihrer Reise ins Jenseits.‘ (Seite 48)

Schon sehr früh interessiert sich die Ich-Erzählerin, deren Erlebnisse sicher zum Teil autobiografisch sind, für Vögel. Sie fühlt sich verwandt mit ihnen und studiert in den unterschiedlichen Ländern, in denen sie als Diplomatentochter wohnt, die Vogelwelt. Bis zu ihrem elften Lebensjahr hält sie sich für die Größte, doch dann widerfährt ihr etwas Schreckliches und sie hört auf zu essen.
Es braucht sehr lange bis sie der Abwärtsspirale entkommt. In dieser Zeit übersetzt sie Ilias von Homer und beschäftigt sich sehr mit der griechischen Mythologie. Zunehmend interessiert sie sich für die transzendentale Ebene, die sie am Ende mit ihrem toten Vater kommunizieren läßt.

Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen und habe etwas gebraucht um reinzukommen. Als ich endlich verstanden habe, dass sie ihr Schreiben damit vergleicht wie Vögel das Fliegen erlernen, ist das Buch in eine andere, metaphysische Ebene abgedriftet, mit der ich leider nichts anfangen kann.

Schade, sprachlich war das Buch brillant, nur inhaltliche konnte es mich nicht überzeugen. Ich freue mich schon auf ihr nächstes Buch.

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