Ein literarischer Höhenflug mit Federn und Philosophie
Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen mit einem schrägen Grinsen zurücklässt und gleichzeitig den Kopf in philosophische Schleifen zwingt. „Psychopompos“ von Amélie Nothomb ist so ein Ding. Da ...
Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen mit einem schrägen Grinsen zurücklässt und gleichzeitig den Kopf in philosophische Schleifen zwingt. „Psychopompos“ von Amélie Nothomb ist so ein Ding. Da wird nicht einfach über Vögel geplappert – nein, hier flattern Kraniche, stürzen sich Adler in den Text und Spatzen picken an den Synapsen. Nothomb erzählt von Federn, als wären es magische Schreibfedern, die direkt ins Leben und ins Jenseits kritzeln.
Der Blick einer Diplomatentochter auf Japan, China, Bangladesch und Bhutan wirkt wie ein Weltreise-Flugticket für den Kopf, inklusive Kunstflug-Einlage. Jeder Vogel wird zur Metapher, jede Anekdote zum akrobatischen Looping zwischen Leben, Tod und der absurden Kunst, das alles in Worte zu fassen. Wer hier einen schnöden Ornithologie-Kurs erwartet, landet krachend daneben – das ist Poesie auf Speed, philosophisch und federleicht zugleich.
Zwischen den Zeilen springt einem Nothombs unverwechselbare Mischung aus Ironie und zarter Melancholie ins Gesicht, so liebevoll, dass man gar nicht anders kann, als sich selbst als flatterhaftes Wesen zu begreifen. Brigitte Grosses Übersetzung trifft diesen Ton perfekt, als hätte sie selbst ein paar Federn gelassen, um diese Sprachschönheit zu weben.
Es ist eines dieser Bücher, das sich anfühlt, als würde einem ein Vogel mit einem frechen Zwinkern etwas Entscheidendes zuflüstern – über das Leben, das Sterben und warum Schreiben der schönste aller Flugversuche ist. Selten so elegant in die Absurdität gestürzt worden!
Fazit: Wer „Psychopompos“ liest, wird nicht nur Fan von Nothomb, sondern bekommt auch Federn fürs eigene Gedankenfliegen. Ein schräges, kluges Vergnügen mit Langzeitwirkung.