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Veröffentlicht am 17.04.2026

Wundervoll persönlich ...

Ghost Stories
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GHOST STORIES
Siri Hustvedt
ET: 13.03.26

„Wenn wir noch hundert Jahre länger zusammenlebten, würden wir zu ein und derselben Person werden.“ (Tolino S. 253)

Der Autor Paul Auster, der Mann von Siri Hustvedt, ...

GHOST STORIES
Siri Hustvedt
ET: 13.03.26

„Wenn wir noch hundert Jahre länger zusammenlebten, würden wir zu ein und derselben Person werden.“ (Tolino S. 253)

Der Autor Paul Auster, der Mann von Siri Hustvedt, starb am 30. April 2024 um 18:58 Uhr. Sie waren 43 Jahre lang unzertrennlich.

In diesem Buch gibt uns die Autorin Siri Hustvedt einen Einblick durch das Schlüsselloch. Wir sehen das Ehepaar, wie es auf seinen grünen Stühlen sitzt, seine Manuskripte gegenseitig lektoriert und diskutiert. Wir gucken verschämt schnell weg, wenn die beiden sich ins Schlafzimmer begeben. Doch auch hier plaudert Siri weiter aus dem Nähkästchen. Wir erfahren, wie sie sich kennengelernt haben, wie Siri Paul einen Heiratsantrag machte, und werfen sogar einen genaueren Blick darauf, welche Unterhosenfarbe Auster trägt.

Familiengeheimnisse werden uns anvertraut. Und unser Blick durch das Schlüsselloch verschwimmt, als wir von dem Tod der Enkelin und von Austers Sohn aus erster Ehe erfahren.

Ab und zu wende ich den Blick ab. Geschichten über Basketball interessieren mich nicht. Aber als Siri die Krankengeschichte ihres Mannes in beinahe gnadenloser Ausführlichkeit schildert, tut mir das Herz weh. Was für eine Odyssee, die der Autor erleiden musste.

Ich könnte euch noch mehr erzählen. Von Siris Blick auf Nazi-Deutschland oder Donald Trump und von den wundervollen sieben Briefen an Enkelsohn Miles, der keine Erinnerungen an seinen Großvater haben wird. Doch bitte lest dieses schöne Buch einfach selbst – ihr seid bei diesem erstaunlichen Paar, das in Büchern lebte, eingeladen.

Fazit:
Ein Ausflug nach Brooklyn, mitten ins Herz von Siri Hustvedt. Ganz wunderschön in ihrer typischen Schreibweise.
4½/5

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

Sehr atmosphärisch!

Der Sommer, der uns blieb
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DER SOMMER, DER UNS BLIEB
Greta Herrlicher
ET: 14.04.26

Einst waren sie beste Freunde: Britta, Pia und Martin – ein Dreiergespann, das unzertrennlich wirkte. Britta und Martin stammen aus sogenannten ...

DER SOMMER, DER UNS BLIEB
Greta Herrlicher
ET: 14.04.26

Einst waren sie beste Freunde: Britta, Pia und Martin – ein Dreiergespann, das unzertrennlich wirkte. Britta und Martin stammen aus sogenannten gutbürgerlichen Familien und waren seit jeher Nachbarskinder. Pia hingegen zog erst später in die Kleinstadt. Ihre familiären Verhältnisse waren unruhiger: Die Partner ihrer Mutter wechselten, ihre Stiefgeschwister hatten unterschiedliche Väter. Pia brachte frischen Wind mit, war weniger angepasst, freiheitsliebend und für jeden Unsinn zu haben. Es war eine unbeschwerte Kindheit – bis sich mit dem Erwachsenwerden etwas in ihrer Konstellation verschob und schließlich zum Bruch der Freundschaft führte.

Viele Jahre später treffen die drei wieder aufeinander: Britta erhält einen Anruf, dass ihr Vater verwirrt und desorientiert wirkt. Sofort reist sie in ihre Heimatstadt, wo sie auf Martin trifft, der noch immer im Haus seiner Mutter lebt und inzwischen die Firma seines verstorbenen Vaters leitet. Doch die Vergangenheit steht zwischen ihnen, und besonders Britta ist nicht bereit, sich noch einmal auf Martin einzulassen. Erst als die todkranke Pia wieder in ihr Leben tritt, sind die ehemaligen Freunde gezwungen, sich mit den Ereignissen des letzten gemeinsamen Sommers auseinanderzusetzen, der alles veränderte.

Besonders intensiv wirkt der Roman, weil die Autorin ihre Protagonisten abwechselnd zu Wort kommen lässt. Der Schreibstil ist angenehm leicht und zugänglich, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Die Rückblicke in die Jugend der drei haben mir besonders gut gefallen und bei mir einige Erinnerungen wachgerufen.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass die Handlung an manchen Stellen etwas vorhersehbar und konstruiert wirkte.

Fazit:
Nicht nur die Gestaltung des Buches ist wunderschön, sondern auch die Geschichte. Ein sommerlicher Roman, der zum Nachdenken anregt und aus dem man einiges mitnehmen kann. Ich empfehle ihn sehr gern weiter.
4½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2026

Erschütternd!

Unter Wasser
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UNTER WASSER
Tara Menon
ET: 14.04.26

Diese Geschichte hat mich erschüttert. So viele schlimme Schicksale – und auch wenn die Protagonistin hier fiktiv ist, könnte genau so ein Schicksal ausgesehen haben:

Marissa ...

UNTER WASSER
Tara Menon
ET: 14.04.26

Diese Geschichte hat mich erschüttert. So viele schlimme Schicksale – und auch wenn die Protagonistin hier fiktiv ist, könnte genau so ein Schicksal ausgesehen haben:

Marissa und Arielle lernen sich als Kinder kennen. Arielles Eltern besitzen ein Hotel auf Phuket. Da die beiden unzertrennlich sind, leben sie unter der Woche dort und gehen zur Schule, während sie die Wochenenden bei Marissas verwitwetem Vater verbringen, einem Meeresbiologen, auf einer vorgelagerten Insel vor Phuket. Dort tauchen sie mit Mantas, schwimmen durch Mangroven und lernen alles über den Schutz der Meere. Doch während sie erwachsen werden, ahnen sie nicht, dass eine gewaltige Welle ihre Freundschaft für immer beenden wird.

In diesem Erzählstrang gelingt es der Autorin auf eindrucksvolle Weise, Thailand in all seinen Facetten zu zeigen – mit seiner Schönheit, aber auch mit unbequemen Wahrheiten.

Ein zweiter Handlungsstrang führt uns in das Jahr 2012 nach New York, in die Geburtsstadt von Marissas Eltern, wo sie seit dem Tsunami lebt. Gerade steuert ein Hurrikan auf die Stadt zu. Doch Marissa scheint die Bedrohung gar nicht wahrzunehmen. Seit Arielles Tod ist sie innerlich verloren, kämpft mit Schuldgefühlen und einer tiefen Depression.

„Seit Arielle mich verlassen hat, habe ich das Gefühl, unter Wasser gefangen zu sein. Ich finde den Weg an die Oberfläche nicht mehr.“ (S. 68)

Was für ein unglaublich intensives, schmerzhaft schönes Buch. Tara Menon verwebt große Themen wie Umweltzerstörung, Gewalt gegen Frauen – und macht daraus keine Anklage, sondern eine Geschichte, die unter die Haut geht. Leise, aber unaufhaltsam.

Fazit:
Ein zutiefst berührendes, atmosphärisches Buch, das lange nachhallt. Für mich schmerzhaft, traurig und gleichzeitig wunderschön. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern fühlt.
5/5

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Wir sind Otto-Fans!

OTTO fährt los – Eine Reise nach England
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Kennt ihr Otto? Ich meine den liebenswerten Campingbus? Ja, ihr erinnert euch – letztes Mal sind wir gemeinsam mit einer lieben Ferienfamilie nach Finnland zu einem Weihnachtsabenteuer aufgebrochen.
Dieses ...

Kennt ihr Otto? Ich meine den liebenswerten Campingbus? Ja, ihr erinnert euch – letztes Mal sind wir gemeinsam mit einer lieben Ferienfamilie nach Finnland zu einem Weihnachtsabenteuer aufgebrochen.
Dieses Mal geht es aber in ein anderes Land: nach England. Es liegt in Europa und ist eine große Insel.
Wer begleitet Otto dieses Mal auf der Reise?
Es sind Freda, Arthur und ihr Papa Martin.

OTTO FÄHRT LOS – Eine Reise nach England
Madlen Ottenschläger
ET: 13.04.26

Erst einmal wird der Bulli mit Lebensmitteln und Kleidung vollgepackt, dann geht es los. Aber wie kommen sie auf die Insel England? Otto sieht keine Fähre. Otto muss den Zug nehmen – und der führt ganz tief unter dem Meer durch einen Tunnel! Das ist Otto ganz schön unheimlich, aber die Ferienfamilie macht ihm Mut und passt gut auf ihn auf.
Endlich in England angekommen, ist Otto verwirrt, denn er muss auf der linken Straßenseite fahren. Das ist sehr ungewohnt für ihn, aber viel Zeit, darüber nachzudenken, hat er nicht, denn mitten auf der Tower Bridge, einer der Hauptattraktionen Londons, treffen sie den berühmten Detektiv Sherlock Holmes. Dieser ist ganz verzweifelt: Er soll im Auftrag der königlichen Familie, die im Buckingham Palace lebt, ein großes Rätsel lösen. Ein dreister Keksdieb treibt dort sein Unwesen.

Ja, ihr lieben Kinder, ich könnte euch jetzt noch viel über die abenteuerliche Reise der Ferienfamilie mit Otto erzählen. Oder über Hunde, die Corgis heißen, über einen Turm namens Big Ben, über einen Steinkreis, den man Stonehenge nennt oder über einen Bauernhof-Campingplatz … Doch am besten ist es, wenn ihr das Buch einfach selbst lest oder es euch vorlesen lasst. Ich verspreche euch: Dieses Buch ist ein großes Abenteuer.
Große Leseempfehlung von mir für Kinder ab 4 Jahren.
5/5

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wild und atmosphärisch

Partypeople
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PARTY PEOPLE
Stefan Sommer
ET: 24.02.26

Ui, da bin ich wieder… Ich habe gerade durchgetanzt, den Beat im ganzen Körper gespürt, der Schweiß lief aus allen Poren – und die Drogen haben ihr Übriges getan. ...

PARTY PEOPLE
Stefan Sommer
ET: 24.02.26

Ui, da bin ich wieder… Ich habe gerade durchgetanzt, den Beat im ganzen Körper gespürt, der Schweiß lief aus allen Poren – und die Drogen haben ihr Übriges getan. Was für ein Ritt, den ich gemeinsam mit dem Ich-Erzähler erlebt habe!

Er ist DJ – entweder ganz oben, vollgepumpt mit allem, was man sich so einwerfen kann, immer an der Grenze zum „Over the Top“, oder ganz unten: vom Leben gelangweilt, einsam und genervt von den Menschen, die es eigentlich nur gut mit ihm meinen.

Stefan Sommer beschreibt das Leben eines Techno-DJs unglaublich intensiv, bildgewaltig und authentisch. Die vielen englischen Dialoge passen perfekt zur Szene und wirken keineswegs aufgesetzt.

Dass der Protagonist nicht besonders sympathisch ist, scheint klar beabsichtigt – und passt meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte. Weniger gefallen hat mir allerdings, dass es keinen durchgehenden Handlungsstrang gibt, sondern eher einzelne Episoden und Momentaufnahmen aus seinem Leben.

Besonders stark fand ich das erste Kapitel: das Intro, wenn der DJ die Bühne betritt, der ganze Park ausrastet, der Boden bebt und die Hände in die Höhe schnellen – das war richtig intensiv und hat mich sofort gepackt.

Fazit:
Ein wilder, atmosphärischer Trip, der mich an meine eigene Techno-Zeit erinnert hat.
Empfehlen würde ich das Buch vor allem jüngeren Leser:innen oder allen, die eine Affinität zur elektronischen Musikszene haben.
3½/5

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