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Veröffentlicht am 07.07.2026

So toll, wie alle ihre Bücher

Geschwister
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GESCHWISTER
Moa Herngren
ET: 08.06.26
Ulrika ist die Älteste von drei Geschwistern. Auf ihre fünf Jahre jüngere Schwester Andrea musste sie schon früh aufpassen. Als der Nachzügler Rasmus zur Welt kam, ...

GESCHWISTER
Moa Herngren
ET: 08.06.26
Ulrika ist die Älteste von drei Geschwistern. Auf ihre fünf Jahre jüngere Schwester Andrea musste sie schon früh aufpassen. Als der Nachzügler Rasmus zur Welt kam, war Ulrika bereits ausgezogen.

Nach dem Tod ihres Vaters treffen die drei Geschwister im Elternhaus aufeinander, um den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern. Doch die Stimmung ist angespannt.

Andrea ist überzeugt, dass die gesamte Verantwortung für die Familie auf ihren Schultern lastet und ihre Mühe kaum gewürdigt wird. Ulrika hingegen empfindet, dass ihre jüngere Schwester alles an sich reißt und nur ihre eigenen Wünsche gelten lässt. Rasmus, eher introvertiert und konfliktscheu, steht ständig zwischen den Fronten und hat Angst, mit seiner Meinung jemanden zu verletzen.

Moa Herngren erzählt ihren neuesten Roman aus drei Perspektiven und lässt jedes der Geschwister ausführlich zu Wort kommen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild einer Familie, in der alte Verletzungen, Missverständnisse und unausgesprochene Erwartungen das Miteinander prägen.

Bereits ihre Romane Scheidung und Schwiegermutter haben mich begeistert, deshalb stand für mich außer Frage, auch dieses Buch zu lesen. Erneut gelingt es der Autorin, die Dynamik familiärer Beziehungen eindringlich und authentisch einzufangen. Nach dem Tod des Vaters geraten bestehende Konflikte und festgefahrene Rollenbilder noch stärker in den Fokus.

Fazit:
Ein tiefgründiger und emotionaler Roman über Familie, alte Verletzungen und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit unser Leben prägt. Mich hat die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt – auch wenn mich Andrea mit ihrer Art zeitweise regelrecht in den Wahnsinn getrieben hat.
5/5

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.06.2026

Was wäre wenn ...

Fast ein Leben
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FAST EIN LEBEN
Kiran Millwood Hargrave
ET: 11.05.26

Die Engländerin Erica reist zum ersten Mal in ihrem Leben nach Paris und begegnet dort auf den Stufen von Sacré-Cœur der Französin Laure. Unterschiedlicher ...

FAST EIN LEBEN
Kiran Millwood Hargrave
ET: 11.05.26

Die Engländerin Erica reist zum ersten Mal in ihrem Leben nach Paris und begegnet dort auf den Stufen von Sacré-Cœur der Französin Laure. Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein: Die behütet aufgewachsene Erica ist gerade einmal 19 Jahre alt, steht kurz vor Beginn ihres Studiums und träumt davon, Schriftstellerin zu werden. Laure hingegen promoviert an der Sorbonne und lebt gemeinsam mit einem Kreis queerer Menschen in einem besetzten Haus.

Zwischen den beiden Frauen entsteht sofort eine besondere Verbindung. Es wird ein Sommer, der sie prägt und den sie nie vergessen werden – auch wenn das Wort „Liebe“ nie ausgesprochen wird. Zurück in England bringt Erica es jedoch nicht über sich, Laure zu schreiben. Zu groß ist ihre Sorge, ein Briefkontakt könnte auf Laure kleinbürgerlich wirken. Der Kontakt bricht ab. Erst viele Jahre später begegnen sich die beiden Frauen erneut. Doch die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen, und vieles ist geschehen, das eine Rückkehr zu dem unmöglich macht, was einst zwischen ihnen war.

Wie die Geschichte weitergeht und ob Erica und Laure noch einmal zueinanderfinden, müsst ihr wie immer selbst herausfinden.

Kiran Millwood Hargrave erzählt von einer queeren Liebe, verpassten Chancen, unerfüllten Möglichkeiten und der Frage, wie ein Leben hätte verlaufen können, wenn man an entscheidenden Weggabelungen anders gehandelt hätte. Dabei begleitet uns die Autorin durch die Straßen, Bars und Museen von Paris und verwebt die Handlung immer wieder mit Kunst und Kreativität.

Der Schreibstil ist feinfühlig und atmosphärisch. Allerdings blieben mir die Protagonist*innen emotional etwas fern, und manche Passagen waren für meinen Geschmack zu ausführlich. Insgesamt habe ich den Roman dennoch gern gelesen.

Fazit:
Ein gefühlvoller Roman über verpasste Chancen, die Kraft von Erinnerungen und die Frage nach den ungelebten Möglichkeiten eines Lebens.
3½/5

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 17.06.2026

Provence Vibes

The Artist
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THE ARTIST
Lucy Steeds
ET: 15.05.26

London, 1957:
Eine Frau steht in der National Gallery vor dem Gemälde „Das Festmahl“ – dem einzigen Werk des berühmten Künstlers Edouard Tartuffe, das einen verheerenden ...

THE ARTIST
Lucy Steeds
ET: 15.05.26

London, 1957:
Eine Frau steht in der National Gallery vor dem Gemälde „Das Festmahl“ – dem einzigen Werk des berühmten Künstlers Edouard Tartuffe, das einen verheerenden Brand unbeschadet überstanden hat. Während sie das Bild betrachtet, erinnert sie sich daran, wie sie einst selbst das Feuer gelegt hat.

Französische Provence, 1920:
Der in London lebende Journalist Joseph Adelaide erhält eine Einladung des gefeierten Malers Edouard Tartuffe, von allen nur Tata genannt. Er soll den „Meister des Lichts“ in dessen Atelier in der Provence besuchen und interviewen. Doch bei seiner Ankunft stellt sich heraus, dass Tata von dieser Einladung nichts weiß. Der Künstler ist cholerisch, egozentrisch und hält Joseph für einen Niemand. Seine Geringschätzung zeigt er ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Lediglich seine 24-jährige Nichte Ettie begegnet ihm mit etwas Freundlichkeit.

Joseph darf nur unter einer Bedingung bleiben: Er muss Tata Modell stehen. Sobald das Gemälde fertiggestellt ist, soll er das Haus wieder verlassen. In der Hoffnung, doch noch ein Interview zu bekommen, fügt sich Joseph den Vorgaben des Malers. Schon bald erkennt er jedoch, dass Tata nicht nur ihm gegenüber tyrannisch auftritt. Auch Ettie leidet unter der Kontrollsucht und den Wutausbrüchen ihres Onkels. Schweigend richtet sie ihm das Frühstück, ordnet seine Farben, kocht für ihn, erledigt die Einkäufe auf dem Markt und reinigt am Abend seine Pinsel. Seit Jahren kreist ihr gesamtes Leben um die Bedürfnisse dieses Mannes, und der Gedanke, ihn zu verlassen, scheint für sie unerreichbar.

Wie sich die Beziehung zwischen Joseph, Ettie und Tata entwickelt, ob Joseph sein Interview erhält und welche Verbindung zwischen den Ereignissen in der Provence und dem Brand viele Monate später besteht, müsst ihr wie immer selbst herausfinden.

Ganz langsam entfaltet sich eine Geschichte, die unaufhaltsam auf ein großes Drama zusteuert. Wer einen spannenden Pageturner erwartet, wird hier möglicherweise nicht fündig. Die große Stärke des Romans liegt vielmehr in seiner dichten Atmosphäre, den fein gezeichneten Figuren und den unterschwelligen Spannungen, die sich Seite für Seite aufbauen.

Ich durfte das Buch sowohl lesen als auch hören. Die Hörbuchsprecher*innen Sabrina Scherer und Lennard Hillmann haben mir ausgesprochen gut gefallen und die Geschichte sehr stimmungsvoll zum Leben erweckt.

Gerne empfehle ich euch dieses Buch.
4/5

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2026

Einfach toll!

Die Liebeshungrigen
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DIE LIEBESHUNGRIGEN
Karine Tuil
ET: 15.05.26

Lehman fühlt sich ausgebrannt, demoralisiert und greift immer häufiger zur Flasche. Was war passiert? Vor einem Jahr war er noch der Präsident Frankreichs. ...

DIE LIEBESHUNGRIGEN
Karine Tuil
ET: 15.05.26

Lehman fühlt sich ausgebrannt, demoralisiert und greift immer häufiger zur Flasche. Was war passiert? Vor einem Jahr war er noch der Präsident Frankreichs. Er hatte seine langjährige Ehefrau, die ihm über Jahre den Rücken freigehalten und ihre eigene Karriere für ihn zurückgestellt hatte, für eine zwanzig Jahre jüngere Schauspielerin verlassen. Es lief alles gut! Dann kriselte auch diese neue Beziehung. Gleichzeitig warfen ihm linke Politiker*innen vor, sich mit den Rechten verbündet zu haben. Sein Ansehen schwand, das Vertrauen seiner Anhänger und Wähler ging verloren, und schließlich verlor er die nächste Präsidentschaftswahl. Er musste den Élysée-Palast räumen.

Doch damit nicht genug: Nun soll er sich auch noch einer Befragung der Finanzermittler stellen. Währenddessen erhält seine zweite Ehefrau die Spielfilmrolle ihres Lebens. Für Lehman, der ohnehin an seiner Entmachtung und dem Verlust seines früheren Lebens knabbert, ist all das ein weiterer Grund, noch tiefer ins Glas zu schauen.

Wer jetzt denkt, damit sei die Handlung von Karine Tuils neuem, äußerst klugen Roman bereits erzählt, irrt. DIE LIEBESHUNGRIGEN ist ein vielschichtiger, dicht erzählter Roman mit zahlreichen Figuren und Handlungssträngen, der dabei nie überladen wirkt. Es geht um Macht und Anerkennung, um #MeToo, toxische Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und Femizid.

Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Erzählperspektiven, durch die sich nach und nach ein immer größeres Bild zusammensetzt. Hinzu kommen zahlreiche kleine Wendungen, die die Geschichte durchgehend spannend halten.

Lieblingszitat:

"Im Leben eines verheirateten Paars kommt der Zeitpunkt, an dem es in einer angenehmen Behaglichkeit, einer tröstlichen Zuneigung erstarrt, das ist angenehm, friedlich, wohltuend. Man unterhält sich mit einer etwas aufgesetzten Zärtlichkeit, man streichelt sich noch ein wenig. Der eine ist für den anderen zu einer Art Haustier geworden.“ (S. 30)

Fazit:
Ein vielschichtiger und gesellschaftskritischer Roman über Macht, Abhängigkeiten und zwischenmenschliche Dynamiken. Karine Tuil zeigt eindrucksvoll, welchem Druck politische Akteure ausgesetzt sind, und verknüpft dies mit Themen wie Femizid, Beziehungen und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Klug erzählt und absolut lesenswert.
5/5

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Lesepraline

Nicht
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NICHT
Dror Mishani
ET: 22.04.26

Der 52-jährige Witwer Eli lernt bei einem Abendessen bei Freunden die Cellistin Lia kennen. Eigentlich hatte er geglaubt, dass sein Liebesleben mit dem Tod seiner Frau ...

NICHT
Dror Mishani
ET: 22.04.26

Der 52-jährige Witwer Eli lernt bei einem Abendessen bei Freunden die Cellistin Lia kennen. Eigentlich hatte er geglaubt, dass sein Liebesleben mit dem Tod seiner Frau beendet sei. Doch Lia zeigt Interesse an ihm. Sie verabreden sich, sprechen über seine bereits erwachsenen Kinder, ihre Berufe, die große Liebe zu ihren Hunden und gemeinsame Interessen. Schnell merken beide, dass sie mehr voneinander erfahren möchten und sich eine Beziehung vorstellen können.

Eli hat Schmetterlinge im Bauch und blickt plötzlich wieder hoffnungsvoll in die Zukunft. Doch dann eröffnet ihm Lia, dass sie für einige Tage nach Wien reisen muss, um dort ein Konzert zu geben. Sie bittet ihn, während ihrer Abwesenheit auf ihren Hund in ihrer Wohnung aufzupassen ...

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine große Lüge, die Eli nicht aufdecken möchte, weil er fürchtet, Lia zu verlieren. Dennoch ist dies kein Spannungsroman im klassischen Sinn. Stattdessen entwickelt Dror Mishani ein psychologisches Kammerspiel, das einen zunehmend verunsichert. Mit jeder Seite verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung ein wenig mehr, bis man sich schließlich selbst fragt, was eigentlich wahr ist.

Diese kleine Lesepraline umfasst gerade einmal 186 Seiten. Für einen Nachmittag habe ich mich ganz auf die wunderschöne Sprache des israelischen Autors und seinen außergewöhnlichen Erzählstil eingelassen. Ein leiser und kluger Roman.

Gerne empfehle ich euch dieses Buch.
4½/5

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