Facettenreich
SpiegellandSPIEGELLAND
Rebekka Frank
ET: 25.02.26
1999: Nach dreizehn Jahren Ehe flieht Cato mitten in der Nacht vor ihrem gewalttätigen Mann Sven. Gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kia sucht sie Zuflucht ...
SPIEGELLAND
Rebekka Frank
ET: 25.02.26
1999: Nach dreizehn Jahren Ehe flieht Cato mitten in der Nacht vor ihrem gewalttätigen Mann Sven. Gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kia sucht sie Zuflucht im Haus ihrer verstorbenen Großmutter, verborgen im Moor. Sven kennt diesen Ort nicht, weiß nichts von der Erbschaft, die Cato erst vor Kurzem angetreten hat. Lange schon wollte sie ihn verlassen, doch ohne eigenes Einkommen, ohne Rücklagen, schien es keinen Ausweg zu geben. Erst die Angst, einen weiteren Wutanfall nicht zu überleben, treibt sie zur Entscheidung. Im Moor kehrt zunächst Ruhe ein. Cato findet Arbeit als freie Journalistin, Mutter und Tochter kommen an, und sie stoßen auf ein Geheimnis, das tiefer reicht als gedacht. Doch die Sicherheit ist trügerisch – eines Nachts steht Sven vor der Tür.
2025: Elias hat alles verspielt. Er hat eine Fußballkollegin angegriffen und brutal zusammengeschlagen – aus gekränkter Eitelkeit, aus verletztem Stolz. Sie hatte gelacht, ihn verspottet, und seine Freunde haben zugesehen. Reue empfindet er nicht. Warum auch? In seiner Logik ist sie schuld. Nun ist er unterwegs zu seiner Großmutter Cato. Sie, so glaubt er, wird ihn verstehen. Seine Mutter Kira tat es nicht.
1756: Breddorf, ein altes Geestdorf, hat sich über Generationen Land im Moor gesichert und vom Torfabbau gelebt. Als die Regierung beschließt, Moorflächen im benachbarten Heudorf für nachgeborene Söhne freizugeben, fühlt sich Breddorf um sein angestammtes Recht betrogen. Der Konflikt eskaliert, als im Heudorfer Moor zwei Moorleichen gefunden und gewinnbringend verkauft werden. Aus Rivalität wird Hass, aus Streit ein erbitterter Kampf zwischen den Dörfern.
Rebekka Frank verwebt in ihrem Roman drei Zeitebenen zu einem dichten Geflecht aus Geschichte und Fiktion. Im Zentrum stehen gewalttätige Männer, Machtstrukturen und die Mechanismen der Unterdrückung, die sich über Jahrhunderte fortschreiben. Der Roman lebt von seiner starken Atmosphäre: In allen Erzählsträngen entstehen eindringliche Bilder, die Landschaft wird greifbar, der feuchte Modergeruch des Moores scheint förmlich aus den Seiten zu steigen. An wenigen Stellen wirkt die Handlung vorhersehbar und leicht kitschig, doch die Spannung trägt zuverlässig bis zum Schluss.
Fazit:
Spannend, facettenreich und atmosphärisch vom Anfang bis zum Ende.
5/5