Profilbild von Lesemaus-Hamburg

Lesemaus-Hamburg

Lesejury Star
offline

Lesemaus-Hamburg ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesemaus-Hamburg über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Facettenreich

Spiegelland
0

SPIEGELLAND
Rebekka Frank
ET: 25.02.26

1999: Nach dreizehn Jahren Ehe flieht Cato mitten in der Nacht vor ihrem gewalttätigen Mann Sven. Gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kia sucht sie Zuflucht ...

SPIEGELLAND
Rebekka Frank
ET: 25.02.26

1999: Nach dreizehn Jahren Ehe flieht Cato mitten in der Nacht vor ihrem gewalttätigen Mann Sven. Gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kia sucht sie Zuflucht im Haus ihrer verstorbenen Großmutter, verborgen im Moor. Sven kennt diesen Ort nicht, weiß nichts von der Erbschaft, die Cato erst vor Kurzem angetreten hat. Lange schon wollte sie ihn verlassen, doch ohne eigenes Einkommen, ohne Rücklagen, schien es keinen Ausweg zu geben. Erst die Angst, einen weiteren Wutanfall nicht zu überleben, treibt sie zur Entscheidung. Im Moor kehrt zunächst Ruhe ein. Cato findet Arbeit als freie Journalistin, Mutter und Tochter kommen an, und sie stoßen auf ein Geheimnis, das tiefer reicht als gedacht. Doch die Sicherheit ist trügerisch – eines Nachts steht Sven vor der Tür.

2025: Elias hat alles verspielt. Er hat eine Fußballkollegin angegriffen und brutal zusammengeschlagen – aus gekränkter Eitelkeit, aus verletztem Stolz. Sie hatte gelacht, ihn verspottet, und seine Freunde haben zugesehen. Reue empfindet er nicht. Warum auch? In seiner Logik ist sie schuld. Nun ist er unterwegs zu seiner Großmutter Cato. Sie, so glaubt er, wird ihn verstehen. Seine Mutter Kira tat es nicht.

1756: Breddorf, ein altes Geestdorf, hat sich über Generationen Land im Moor gesichert und vom Torfabbau gelebt. Als die Regierung beschließt, Moorflächen im benachbarten Heudorf für nachgeborene Söhne freizugeben, fühlt sich Breddorf um sein angestammtes Recht betrogen. Der Konflikt eskaliert, als im Heudorfer Moor zwei Moorleichen gefunden und gewinnbringend verkauft werden. Aus Rivalität wird Hass, aus Streit ein erbitterter Kampf zwischen den Dörfern.

Rebekka Frank verwebt in ihrem Roman drei Zeitebenen zu einem dichten Geflecht aus Geschichte und Fiktion. Im Zentrum stehen gewalttätige Männer, Machtstrukturen und die Mechanismen der Unterdrückung, die sich über Jahrhunderte fortschreiben. Der Roman lebt von seiner starken Atmosphäre: In allen Erzählsträngen entstehen eindringliche Bilder, die Landschaft wird greifbar, der feuchte Modergeruch des Moores scheint förmlich aus den Seiten zu steigen. An wenigen Stellen wirkt die Handlung vorhersehbar und leicht kitschig, doch die Spannung trägt zuverlässig bis zum Schluss.

Fazit:
Spannend, facettenreich und atmosphärisch vom Anfang bis zum Ende.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

Tolle Unterhaltung und Lacher garantiert!

Eine Oma für alle Fälle
0

Sucht ihr ein humorvolles Kinderbuch, das ihr gemeinsam mit euren Kindern ab 6 Jahren lesen könnt? Dann habe ich eine große Empfehlung für euch:

EINE OMA FÜR ALLE FÄLLE
Christian Wichmann
ET: 29.01.26

Der ...

Sucht ihr ein humorvolles Kinderbuch, das ihr gemeinsam mit euren Kindern ab 6 Jahren lesen könnt? Dann habe ich eine große Empfehlung für euch:

EINE OMA FÜR ALLE FÄLLE
Christian Wichmann
ET: 29.01.26

Der achtjährige Edgar verbringt seine Sommerferien zu Hause – und die sind besser als jeder Urlaub. Seine Eltern sind tagsüber mit wichtigen Projekten beschäftigt, Edgar hat also offiziell elternfrei. Kein Problem für ihn, schließlich kann er sich selbst versorgen: Zähne putzen, Frühstück machen, das Bett herrichten, die Krawatte binden und sein gesundes Essen aufwärmen – alles kein Thema. Langweilig wird ihm dabei nicht. Nur die Nachbarin Frau Manteufel, die direkt über ihm wohnt, nervt gewaltig. Sie ist laut und beschwert sich ständig.

Umso spannender wird es, als ein Möbelwagen vorfährt. Zieht jemand Neues in die Dachgeschosswohnung ein? Vielleicht sogar ein Kind, mit dem man spielen kann? Edgar ist entsprechend neugierig – und staunt nicht schlecht, als statt eines Spielkameraden eine ältere Dame einzieht, die aussieht wie eine Mischung aus Diva und Königin.

Als ihr am nächsten Tag der gesamte Einkauf zu Boden fällt, beweist Edgar echten Gentleman-Charakter und trägt alles hinauf in ihre Wohnung. Dort wird schnell klar: Diese Frau ist alles andere als gewöhnlich. Bilder hängen verkehrt herum, Blumen wachsen im Spülbecken – was Edgar ausgesprochen praktisch findet, schließlich spart man sich so die Gießkanne.

Ich könnte euch jetzt erzählen, was es bei Frau Koschitz (so heißt die neue Nachbarin) Ungesundes zum Mittagessen gibt, aber glaubt mir: Greift lieber selbst im Buchladen eures Vertrauens zu. Euch erwartet eine wunderbar schräge Geschichte über einen leicht nerdigen Jungen und eine herrlich chaotische Ersatz-Oma, die garantiert für viele Lacher sorgt.

Fazit:
Ein äußerst humorvolles Kinderbuch mit liebevoll und fein gezeichneten Figuren, das man kaum aus der Hand legen möchte. Die Kapitel sind ideal für die abendliche Vorlesezeit und machen Lust auf immer noch eine Seite mehr.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Highlight!

Die Schwarzgeherin
0

DIE SCHWARZGEHERIN
Regina Denk
ET: 02.09.24
Tirol, Mitte des 19. Jahrhunderts:

Theres verliert früh ihre Mutter, gestorben im Kindbett – gemeinsam mit ihren Brüdern. Die, die das zunächst überlebten, ...

DIE SCHWARZGEHERIN
Regina Denk
ET: 02.09.24
Tirol, Mitte des 19. Jahrhunderts:

Theres verliert früh ihre Mutter, gestorben im Kindbett – gemeinsam mit ihren Brüdern. Die, die das zunächst überlebten, starben später. Am Ende blieben nur sie und ihr Vater zurück. Und Leopold, ihr bester Freund seit Kindertagen, der Sohn vom Xantner Hof. Ihm ist sie versprochen, schon seit der Kindheit. Er ist ihr Gefährte, immer für sie da, nur zum Unfug muss sie ihn stets erst überreden.

Als Theres achtzehn ist, planen die Väter die Verlobung und damit die Zusammenführung der beiden großen Höfe. Was sie nicht ahnen: Theres hat ganz andere Pläne. Heiraten will sie nie, ihre Freiheit liebt sie über alles. Dann taucht am Osterfest ein Fremder auf – Xaver Kargl. Seine Ausstrahlung zieht Theres sofort in den Bann. Ungeachtet dessen, dass sie einem anderen versprochen ist, macht er ihr unverhohlen den Hof.

Als Wildereien und Einbrüche das Dorf beunruhigen, ist man sich schnell einig: Der Neue muss es gewesen sein. Doch wer nun glaubt, hier sei schon zu viel verraten, sollte dieses Buch unbedingt selbst lesen. Denn Theres ist bald guter Hoffnung – und ihr könnt euch denken, dass diese Nachricht nicht überall auf Freude stößt.

Was für ein starkes Buch. Zu gern hätte ich diese Besprechung im Dialekt des Romans geschrieben, so sehr hatte ich das Gefühl, ein paar Tage in diesem abgelegenen Bergdorf verbracht zu haben. Regina Denks Schreibstil ist eindringlich und zugleich ungemein atmosphärisch. Man spürt die Kargheit der Landschaft, hört förmlich die Äste knacken und ist so gefesselt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag – aus Angst, etwas zu verpassen.

Fazit:
Do passt einfach alls zam: a spannender, dichter und ungemein atmosphärischer Roman. A klare Leseempfehlung – und i g’frei mi jetzt scho sehr auf Regina Denks nächsts Buch, des am 02.03.26 erscheint.
5+/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Page Turner

Kala
0

KALA
Colin Walsh
ET: 26.02.26

Kinlough, Irland, 2003:

Für Kala, Helen, Aoife, Mush, Joe und Aidan ist es der Sommer ihres Lebens. Wild, frei und ausgelassen verbringen sie ihre Tage. Kala steht im Mittelpunkt ...

KALA
Colin Walsh
ET: 26.02.26

Kinlough, Irland, 2003:

Für Kala, Helen, Aoife, Mush, Joe und Aidan ist es der Sommer ihres Lebens. Wild, frei und ausgelassen verbringen sie ihre Tage. Kala steht im Mittelpunkt der Clique: Sie ist anders als die anderen. Ohne Eltern, bei der Großmutter lebend, scheint sie alle Freiheiten zu besitzen, von denen man als Jugendliche*r träumt. Doch dieser Sommer endet abrupt, als Kala eines Tages spurlos verschwindet. Jede Suche nach ihr bleibt erfolglos.

Fünfzehn Jahre später kehrt Helen, inzwischen freie Journalistin in Quebec, in ihre Heimatstadt zurück. Der Kontakt zu ihrem Vater und ihrer Schwester Theresa ist über die Jahre fast völlig abgebrochen, nur zu Mush bestand gelegentlich noch Verbindung. Er ist geblieben, hat Kinlough nie verlassen. Auch Joe, mittlerweile ein gefeierter Musiker, kehrt für kurze Zeit zurück.

Als bei Bauarbeiten ein Skelett gefunden wird, das deutliche Spuren von Misshandlung aufweist, verdichten sich die Hinweise, dass es sich um Kala handelt. Der Fund setzt eine Lawine in Gang. Schnell wird klar, dass damals nicht sorgfältig ermittelt wurde – und dass vieles, was als abgeschlossen galt, nie wirklich aufgearbeitet war.

Kala ist ein literarischer, vielschichtiger Kriminalroman, der abwechselnd aus den Perspektiven von Helen, Joe und Mush erzählt wird. Mit jeder Stimme verändert sich der Ton, verdichten sich Atmosphäre und Spannung. Besonders eindringlich sind die Rückblicke, die nach und nach offenlegen, dass jede und jeder aus der Clique auf unterschiedliche Weise Anteil am Verschwinden Kalas hatte – durch Schweigen, Wegsehen oder falsche Entscheidungen. Behutsam legt der Autor die einzelnen Puzzleteile frei und fügt sie erst am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Fazit:
Ein literarischer Krimi vom Feinsten: dicht, atmosphärisch und hochspannend – ein echter Page-Turner, den man kaum aus der Hand legen kann.
4,5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Erneut ein weiteres feines Buch der Autorin

Heimliche Zeilen
0

HEIMLICHE ZEILEN
Clare Chambers
ET: 26.06.26

Christopher Flinders lebt zurückgezogen auf dem Land in Yorkshire. Mit seiner Ex-Frau Carol verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis, Kinder hat er ...

HEIMLICHE ZEILEN
Clare Chambers
ET: 26.06.26

Christopher Flinders lebt zurückgezogen auf dem Land in Yorkshire. Mit seiner Ex-Frau Carol verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis, Kinder hat er keine. Die einzige Familie, die ihm geblieben ist, ist sein Bruder Gerald – exzentrisch, rastlos und meist ohne festen Wohnsitz. Als Gerald nach dem Tod der Eltern in das gemeinsam geerbte Haus einzieht und einfach nicht mehr ausziehen will, gerät das ohnehin fragile Verhältnis der Brüder zunehmend unter Druck.

Bei einem weiteren Versuch, Gerald zum Ausziehen zu bewegen, entdeckt Christopher einen Brief in der Post. Die Absenderin Alex bittet ihn, ihr alles über einen gewissen Oven Goddard zu erzählen. Zunächst erwägt Christopher, höflich abzulehnen oder nur eine beschönigte Version der Wahrheit zu schildern. Doch schließlich entscheidet er sich dafür, ehrlich zu sein – und öffnet damit die Tür zu seiner eigenen Vergangenheit.

Zwanzig Jahre zuvor hatte Christopher sein Mathematikstudium kurz vor dem Abschluss abgebrochen, um Schriftsteller zu werden. Bei einem Dinner seines Lektors begegnete er einer außergewöhnlichen Frau. Aus einer vorsichtigen Freundschaft entwickelte sich eine tiefe Liebe, die abrupt endete. Die Gründe dafür müsst ihr allerdings selber hinausfinden.

HEIMLICHE ZEILEN ist bereits mein drittes Buch von Clare Chambers, und erneut überzeugt sie mit fein gezeichneten Figuren und einem unaufgeregten, bildhaften Erzählstil. Die Rückblicke in Christophers Vergangenheit verleihen dem Roman Tiefe und machen das Ende stimmig und nachvollziehbar.

Fazit:
Wer literarische Reisen nach Yorkshire oder London schätzt und leise, charaktergetriebene Geschichten mag, wird mit diesem Roman sehr gut unterhalten.
4/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere