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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Was im Verborgenen wächst

The Artist
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In „The Artist – Die Farben des Lichts“ erzählt Lucy Steeds von Joseph, der für ein englisches Kunstmagazin schreibt und in die Provence reist, um einen Artikel über den bekannten und erfolgreichen Maler ...

In „The Artist – Die Farben des Lichts“ erzählt Lucy Steeds von Joseph, der für ein englisches Kunstmagazin schreibt und in die Provence reist, um einen Artikel über den bekannten und erfolgreichen Maler Édouard Tartuffe zu verfassen. Tartuffe ist ein egozentrischer Künstler, der mit seiner Nichte Sylvette – genannt Ettie – zusammenlebt, die ihm den Haushalt führt und ihm bei seiner Arbeit zur Hand geht. Joseph darf für ein Gemälde Modell stehen und den Maler bei seiner Arbeit beobachten. Sein Aufenthalt bei „Tata“, wie Tartuffe genannt wird, bildet dabei ebenso wie das, was sich zwischen ihm und Ettie entwickelt, den Rahmen der Handlung. Dabei lebt Ettie scheinbar unauffällig im Schatten ihres dominanten Onkels – doch schnell wird deutlich, dass mehr in ihr steckt, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht ganz leicht, doch mit der Zeit entwickelt die Geschichte eine immer stärkere Sogwirkung. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive von Joseph und Ettie erzählt. Sie sind meist eher kurz gehalten, wodurch sich die Geschichte gut lesen lässt. Dazwischen finden sich jedoch auch längere Abschnitte, in denen beide auf ihr früheres Leben zurückblicken und ihre Hintergründe ausführlicher beleuchtet werden.

Die Atmosphäre ist dabei von Anfang an etwas eigenwillig und spiegelt die exzentrischen Künstlerkreise der 1920er Jahre wider. Im Verlauf der Geschichte verschiebt sich der Fokus zunehmend: Während Tartuffe anfangs klar im Mittelpunkt steht, rückt Ettie immer stärker in den Vordergrund, bis sich die Handlung schließlich fast ganz auf sie konzentriert. Gleichzeitig zeigt Ettie Seiten, die zunächst kaum zu dem Bild passen, das man von ihr hat. Diese Momente wirken fast wie ein Gegenentwurf zu ihrer sonst so zurückgenommenen Art und verleihen ihrer Figur eine überraschende, stellenweise auch irritierende Spannung.

Durch die Perspektivwechsel zwischen Joseph und Ettie entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild von Abhängigkeit, Selbstbestimmung und künstlerischem Ausdruck. Ohne zu viel vorwegzunehmen, entwickelt sich die Geschichte in eine klare Richtung, deren Konsequenzen sich im Verlauf immer deutlicher zeigen und gerade dadurch ihren Reiz ausmachen.

Auch der Titel „The Artist“ erweist sich dabei als treffend gewählt, da er bewusst offen bleibt und verschiedene Deutungen zulässt.

Insgesamt ist es ein Roman, der sich Zeit nimmt, seine Figuren auszuleuchten und dessen Wirkung sich erst allmählich erschließt – am Ende jedoch umso deutlicher. Lucy Steeds hat mich damit sehr überzeugt und mir ein besonderes Leseerlebnis beschert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Wächst im Kopf

Nicht
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In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere ...

In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere Entscheidung setzen eine Entwicklung in Gang, die zunehmend an Spannung gewinnt und das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringt.

Der Titel wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet im Verlauf des Buchs jedoch eine große Bedeutung. Es geht um das, was nicht gesagt, nicht getan wird oder nicht sein darf – um die vielen Formen des „Nicht“, die den Roman prägen.

Erzählt wird Elis Geschichte in der Du-Form, die zunächst gewöhnungsbedürftig ist und eine gewisse Distanz und Neutralität erzeugt. Das trägt auch dazu bei, dass der Roman nicht leicht zugänglich ist. Die Erzählweise ist ruhig und wirkt stellenweise etwas langatmig, zugleich aber auch fesselnd.

Gerade diese vermeintlichen Längen erweisen sich im Nachhinein als stimmig. Die Geschichte braucht genau dieses Tempo, um ihre Wirkung zu entfalten.

Während des Lesens habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich keine klare Antwort auf die Frage hatte, wie mir das Buch gefällt. Gegen Ende wusste ich es dann ganz genau: sehr gut. Man könnte sagen: Das Buch wächst im Kopf, auch über das Lesen hinaus.

Veröffentlicht am 18.04.2026

Zwischen Familienküche und Konzeptfrage

Mamma Culinaria
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In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei ...

In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei wird deutlich, dass die Rezepte stark von gemeinsamen Genussmomenten mit Familie und Freunden geprägt sind und genau dieses Gefühl von Zusammenkommen und Teilen vermitteln sollen.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet und gut nachvollziehbar beschrieben. Die einzelnen Schritte sind verständlich erklärt, sodass sich die Gerichte gut nachkochen lassen. Zudem ist bei jedem Rezept Platz für persönliche Notizen vorgesehen, was das Buch auch im Gebrauch besonders praktisch macht. Inhaltlich deckt das Buch eine große Bandbreite ab – von einfachen Gerichten für den Alltag bis hin zu aufwendigeren Rezepten für besondere Anlässe.

Die Gliederung wirkt dabei nicht immer ganz intuitiv. Besonders die Einteilung in Kategorien wie Familienrezepte, Alltagsküche oder Gerichte für besondere Tage erschwert die Orientierung etwas, da sich diese Bereiche inhaltlich überschneiden. Für mich wäre eine Sortierung nach Hauptzutaten wie Fleisch, Fisch oder Gemüse hilfreicher gewesen, um gezielt nach passenden Rezepten suchen zu können.

Auffällig ist die sehr präsente Inszenierung der Autorin in den Bildern. Dass sie selbst auf Fotos zu sehen ist, ist dabei nicht ungewöhnlich, allerdings nimmt ihre Darstellung einen sehr großen Raum ein. Der Fokus liegt dadurch nicht immer ausschließlich auf den Gerichten, was für mich nicht ganz zum Inhalt eines Kochbuchs passt und teilweise vom Wesentlichen – den Rezepten – ablenkt.

Insgesamt bietet „Mamma Culinaria“ eine vielfältige Auswahl italienischer Gerichte, auch wenn Struktur und Bildgestaltung nicht in allen Punkten vollständig überzeugen.

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  • Cover
Veröffentlicht am 14.04.2026

Sonne auf dem Kaffeetisch

Eine Handvoll Sonnenschein
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In „Eine Handvoll Sonnenschein“ präsentiert Tilly Pamment eine Vielzahl kleiner süßer Köstlichkeiten – von fruchtigen Schnitten über Kekse, Törtchen mit (Crème-)Füllung, Scones und süße Brötchen bis hin ...

In „Eine Handvoll Sonnenschein“ präsentiert Tilly Pamment eine Vielzahl kleiner süßer Köstlichkeiten – von fruchtigen Schnitten über Kekse, Törtchen mit (Crème-)Füllung, Scones und süße Brötchen bis hin zu Konfitüren und Kompott.

Das Buch besticht bereits auf den ersten Blick durch seine hellen, sonnigen und frischen Fotos, die Lust aufs Nachbacken machen und dazu einladen, einfach durch die Seiten zu blättern.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet: Nach einer kurzen Einleitung folgt auf der linken Seite die Zutatenliste, rechts daneben die Zubereitung. Die einzelnen Schritte sind gut verständlich beschrieben. Ergänzt werden die Rezepte durch praktische Hinweise zur Aufbewahrung, Haltbarkeit und zum Transport – besonders hilfreich, wenn man das Gebäck verschenken möchte.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass Angaben zur Vorbereitungs- und Backzeit nicht gesondert aufgeführt sind. Die Backdauer ist zwar in der Beschreibung enthalten, zur Vorbereitung gibt es jedoch keine konkreten Hinweise, was die Planung etwas weniger übersichtlich macht.

Die Auswahl der Rezepte ist abwechslungsreich und deckt ein breites Spektrum ab. Besonders hilfreich ist der Hinweis, einen süßen Mürbeteig auf Vorrat im Gefrierschrank zu haben, der die Grundlage einiger Rezepte bildet. Das ist eine große Erleichterung, da man den Teig nicht jedes Mal neu herstellen muss, und ermöglicht es zudem, relativ spontan eine der Köstlichkeiten zu zaubern.

Insgesamt ist „Eine Handvoll Sonnenschein“ ein liebevoll gestaltetes Backbuch, das nicht nur durch seine Rezepte, sondern auch durch seine frische, einladende Gestaltung überzeugt und immer wieder zum Durchblättern und Ausprobieren einlädt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 08.04.2026

Suche nach Ruhe – dicht erzählt

Mai Juni Juli
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In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr ...

In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr Restaurant ihren Mitarbeitern und reist nach Lappland. Dort hat sie vor 25 Jahren den letzten Urlaub mit ihren Eltern verbracht. Während ihr Vater arbeitete, war sie mit ihrer Mutter auf einer kleinen Insel in einem See – wenige Monate später war ihre Mutter tot. Nun hofft Linn, diese Insel wiederzufinden.

Zunächst mietet sie sich eine Wohnung in Arjeplog – ein Ort, an dem sie niemand kennt und sie einfach nur eine 38-Jährige ist, die sich Zeit für sich nimmt. Um unerkannt zu bleiben, gibt sie sich als Lehrerin aus Malmö aus und stellt sich unter dem Namen Linda, kurz Li, vor.

Der Roman lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Neben der eindrücklich beschriebenen Landschaft Lapplands sind es insbesondere die Menschen, die die Geschichte prägen. Sie begegnen Linn unvoreingenommen und freundlich, nehmen sie selbstverständlich in ihren Kreis auf, interessieren sich für sie, ohne sie zu bedrängen.

Die Geschichte ist vergleichsweise dicht erzählt, und auf den wenigen Seiten geschieht viel. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse oder Wendungen mehr Raum bekommen.

Die Suche nach der Insel bleibt im Hintergrund und bildet den Rahmen für Linns Aufenthalt.

Zugleich wird deutlich, dass Linn nicht ohne Grund Abstand sucht. Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit wirkt nach und prägt ihr Verhalten bis in die Gegenwart. Besonders interessant ist, wie sie ausgerechnet in dieser Auszeit mit Situationen konfrontiert wird, die sie eigentlich vermeiden möchte.

Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen Thema und Erzählweise: Während Linn nach Ruhe sucht, ist die Geschichte recht dicht erzählt und entwickelt sich stellenweise schneller, als man es erwarten würde.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt – eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen und habe es dann in einem Zug beendet. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht und dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der gerade durch seine Eigenheiten überzeugt.