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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2022

Atmosphärisch

Zwischen Brüdern
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In "Zwischen Brüdern" erzählt Wolfgang Böhm die Geschichte der zwei ungleichen Brüder Viktor und Hans. Viktor, der ältere der beiden kommt aus dem Ersten Weltkrieg nach Wien zurück, wohin es beide verschlagen ...

In "Zwischen Brüdern" erzählt Wolfgang Böhm die Geschichte der zwei ungleichen Brüder Viktor und Hans. Viktor, der ältere der beiden kommt aus dem Ersten Weltkrieg nach Wien zurück, wohin es beide verschlagen hat und wo Hans davon träumt, Künstler zu werden. Er lebt sein Leben mit Leichtigkeit und gerät immer wieder in Schwierigkeiten - meist finanzieller Art -, aus denen ihm Viktor unermüdlich und selbstlos heraus hilft.

In seinem atmosphärischen Roman hat der Autor die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wunderbar eingefangen. Bilderreich beschreibt er die Menschen, Kaffeehäuser und das Leben in der österreichischen Metropole, die sich vom Krieg erholt und ein Eldorado für Künstler und Lebenskünstler wie Hans ist.

Böhm beschreibt seine Charaktere detail- und facettenreich. Die Handlung ist an manchen Stellen etwas langatmig, nichtsdestotrotz macht es Spaß, ins Wien des frühen 20. Jahrhunderts einzutauchen.

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Sehr sympathisch

Kerl aus Koks
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Ich kenne Michael Brandner natürlich von diversen Filmen. Dass er aus dem Ruhrgebiet nach Bayern kam, war mir unbekannt. Das hat mich neugierig gemacht, auf das Buch - habe ich doch den umgekehrten Weg ...

Ich kenne Michael Brandner natürlich von diversen Filmen. Dass er aus dem Ruhrgebiet nach Bayern kam, war mir unbekannt. Das hat mich neugierig gemacht, auf das Buch - habe ich doch den umgekehrten Weg hinter mir, allerdings als Erwachsene.

Brandner erzählt von Paul, einem sympathischen Jungen, der in Bayern, in Pöttmes, geboren wird und von dort von seiner Mutter nach Dortmund geholt wird. Dort lernt er Helmut kennen, der zukünftig und sein Leben lang sein Vater sein wird. Wir begleiten Paul bis zu seiner Karriere als Schauspieler und erfahren von seiner Freiheitsliebe und von seinen Liebschaften.

Der Roman hat autobiographische Züge. Ich frage mich die ganze Zeit, was Brandner wirklich selbst erlebt hat und was er nur erfindet. Die Antwort werde ich wohl leider nie erfahren.

Kerl aus Koks ist mitreißend geschrieben und ein richtiger Pageturner. Ich stelle mir vor, dass Brandner viel von sich erzählt und freue mich, das Leben eines sehr sympathischen Schauspielers kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 26.08.2022

Gute Unterhaltung

Dian Fossey - Die Forscherin
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Dian Fossey wurde einem breiten Publikum durch den Film "Gorillas im Nebel" bekannt. Nun widmet sich auch Susanna Leonard dieser bemerkenswerten Frau, die schon als Kind von Afrika träumte und früh wusste, ...

Dian Fossey wurde einem breiten Publikum durch den Film "Gorillas im Nebel" bekannt. Nun widmet sich auch Susanna Leonard dieser bemerkenswerten Frau, die schon als Kind von Afrika träumte und früh wusste, dass sie mit Tieren arbeiten möchte. Genau diesen Wunsch kann sie sich eines Tages durch viele Zufälle und günstige Umstände erfüllen. Sie opfert nicht nur ihr Liebesleben dafür, sondern begibt sich auch in Lebensgefahr, da sie sich durch ihre große Tierliebe und den Kampf gegen Wilderer viele Feind macht.

Susanna Leonard erzählt Dian Fosseys Leben in mehreren Zeitsträngen, die sie gekonnt zu einer flüssig und leicht zu lesenden Geschichte verwebt. Leider konnte mich das Buch trotzdem nicht so richtig packen. Manche Beschreibung der Landschaft, der Menschen oder einer Begebenheit war mir zu ausführlich und weitschweifig. Ungeachtet dessen konnte mich Susanna Leonard mit ihrem Roman über das bewegte Leben dieser außergewöhnlichen und willensstarken Frau aber gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Sehr gelungen

Die Passage nach Maskat
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Theodor Jung fährt 1929 mit seiner Frau Dora, Tochter einer Hamburger Kaufmannsfamilie, seinen Schwiegereltern und deren Prokuristen mit dem Schiff von Marseille nach Maskat. Eines Tages ist Dora spurlos ...

Theodor Jung fährt 1929 mit seiner Frau Dora, Tochter einer Hamburger Kaufmannsfamilie, seinen Schwiegereltern und deren Prokuristen mit dem Schiff von Marseille nach Maskat. Eines Tages ist Dora spurlos verschwunden und wen Theodor auch fragt, keiner will sie kennen oder jemals auf dem Schiff gesehen haben. Er weiß nicht, ist es ein Komplott oder verliert er den Verstand und macht sich gezwungenermaßen auf, das Rätsel um seine Frau zu lösen. Kann er dabei irgend jemandem an Bord vertrauen?

Cay Rademacher ist mit „Die Passage nach Maskat“ ein sehr atmosphärischer, historischer Krimi - eigentlich könnte man es auch Psychothriller nennen - gelungen. Geschickt baut er Spannung auf und lässt die Leser bis zum Schluss im Ungewissen, was es mit Doras Verschwinden auf sich hat.

Absolute Leseempfehlung für alle, die historische Romane oder Krimis mögen.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Zu unkritisch

Die karierten Mädchen
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In "Die karierten Mädchen" erzählt Alexa Hennig von Lange in zwei Zeitebenen davon, wie Klara, blind und über 90-jährig, ihre Lebensgeschichte ab 1929 auf Kassetten aufnimmt. Vorlage dazu ist die Lebenserinnerung ...

In "Die karierten Mädchen" erzählt Alexa Hennig von Lange in zwei Zeitebenen davon, wie Klara, blind und über 90-jährig, ihre Lebensgeschichte ab 1929 auf Kassetten aufnimmt. Vorlage dazu ist die Lebenserinnerung ihrer eigenen Großmutter, die diese in gleicher Form ihrer Familie hinterlassen hat. Diese ist eingebettet in eine Erzählung, in der ihr die Autorin das jüdische Mädchen Tolla zur Seite stellt und - wie sie selbst im Nachwort sagt - "in der sich moralische Fragen stellen".

Der Erzählstil ist fesselnd und vom ersten Moment an mitreißend. Die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart ist gut gelungen. Allerdings bleibt Klaras Charakter oberflächlich und widersprüchlich. Sie wird als selbständige, anpackende junge Frau beschrieben, der alles zu gelingen scheint. Im Gegensatz dazu steht ihre Naivität, mit der sie den Nazis begegnet. Auch im Alter scheinen ihr keine großen Zweifel zu kommen, obwohl sie doch eigentlich ihren Kindern und Enkeln erzählen möchte, wer sie wirklich war und was sie getan hat und auf deren Verständnis hofft. "Dieser Teil ihrer Erinnerungen war düster und schmerzhaft. In ihm tobten Schuld und Verzweiflung, Sehnsucht und Liebe." Leider sind dies nur leere Worthülsen, die in der Geschichte nicht mit Leben gefüllt werden. Darüber kann auch Tolla nicht hinwegtäuschen, die eher den Eindruck eines Alibis erweckt, das die alte Dame von jeglicher Schuld freisprechen soll.

Die Idee, die Großmutter als Zeitzeugin zu Wort kommen zu lassen, finde ich prinzipiell sehr gut, allerdings hätte ich mir eine kritischere Auseinandersetzung mit deren Erinnerung gewünscht, wenngleich dies sicherlich keine leichte Aufgabe und schmerzhaft ist.

Wer über all das hinwegsehen will und kann, wird mit den "karierten Mädchen" aber gut unterhalten werden.

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