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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein bisschen zu viel – und genau darin besonders

Tata
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Agnès wird benachrichtigt, dass ihre Tante Colette verstorben ist. Fassungslos macht sie sich auf den Weg, um der Sache nachzugehen – denn Colette wurde bereits vor drei Jahren beerdigt.

In „Tata“ erzählt ...

Agnès wird benachrichtigt, dass ihre Tante Colette verstorben ist. Fassungslos macht sie sich auf den Weg, um der Sache nachzugehen – denn Colette wurde bereits vor drei Jahren beerdigt.

In „Tata“ erzählt Valérie Perrin in mehreren Zeitebenen und Erzählsträngen die Geschichte von Colette Septembre. Agnès’ Nachforschungen bilden dabei den Rahmen, von dem aus sich nach und nach ein vielschichtiges Bild entfaltet.

Der Roman entwickelt schnell eine große Sogwirkung. Was zunächst vor allem Neugier weckt, wird im weiteren Verlauf immer spannender, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen kunstvoll ineinander und ergeben am Ende ein stimmiges Gesamtbild.

Gerade diese Fülle an Themen und Figuren wirkt dabei fast wie ein Spiegel des Lebens selbst, in dem sich vieles gleichzeitig ereignet und nicht danach gefragt wird, ob es gerade passt. Gleichzeitig hat mich genau das beim Lesen stellenweise gefordert, da ich mich immer wieder neu orientieren musste und nicht alle Aspekte für mich gleichermaßen notwendig erschienen.

Vielleicht liegt genau darin die Stärke des Romans – und zugleich mein größter Vorbehalt.

Insgesamt ist „Tata“ ein vielschichtiger und spannender Roman, der durch seine kunstvolle Erzählweise beeindruckt, mich beim Lesen jedoch auch immer wieder herausgefordert hat.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Berührend, überraschend und kaum aus der Hand zu legen

Unser Sommer endet nie
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In „Unser Sommer endet nie“ schildert Virginie Grimaldi das Wiedersehen von Emma und Agathe, zwei Schwestern, die sich nach dem Tod ihrer Großmutter in deren Haus begegnen, nachdem sie fünf Jahre keinen ...

In „Unser Sommer endet nie“ schildert Virginie Grimaldi das Wiedersehen von Emma und Agathe, zwei Schwestern, die sich nach dem Tod ihrer Großmutter in deren Haus begegnen, nachdem sie fünf Jahre keinen Kontakt hatten.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Emma und Agathe erzählt, jeweils in der Gegenwart und in der Vergangenheit und in der Ich-Form. So entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild ihrer gemeinsamen Vergangenheit, ihrer Beziehung und ihrer Lebenswege.

Grimaldi schreibt mit einem stellenweise etwas eigenwilligen, zugleich aber sehr feinen Humor, der genau meinen Nerv getroffen hat. Die Handlung ist durchgehend interessant und entwickelt eine Sogwirkung, die es mir schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen.

Die beiden Schwestern sind sehr plastisch und nahbar gezeichnet. Es fällt leicht, sich auf sie einzulassen, ihre Gedanken nachzuvollziehen und mit ihnen mitzufühlen.

Das Ende entwickelt eine Intensität, die ich so nicht erwartet hätte. Ein Roman, der mich berührt, überrascht und noch lange beschäftigt hat.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Was im Verborgenen wächst

The Artist
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In „The Artist – Die Farben des Lichts“ erzählt Lucy Steeds von Joseph, der für ein englisches Kunstmagazin schreibt und in die Provence reist, um einen Artikel über den bekannten und erfolgreichen Maler ...

In „The Artist – Die Farben des Lichts“ erzählt Lucy Steeds von Joseph, der für ein englisches Kunstmagazin schreibt und in die Provence reist, um einen Artikel über den bekannten und erfolgreichen Maler Édouard Tartuffe zu verfassen. Tartuffe ist ein egozentrischer Künstler, der mit seiner Nichte Sylvette – genannt Ettie – zusammenlebt, die ihm den Haushalt führt und ihm bei seiner Arbeit zur Hand geht. Joseph darf für ein Gemälde Modell stehen und den Maler bei seiner Arbeit beobachten. Sein Aufenthalt bei „Tata“, wie Tartuffe genannt wird, bildet dabei ebenso wie das, was sich zwischen ihm und Ettie entwickelt, den Rahmen der Handlung. Dabei lebt Ettie scheinbar unauffällig im Schatten ihres dominanten Onkels – doch schnell wird deutlich, dass mehr in ihr steckt, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Einstieg in den Roman fiel mir nicht ganz leicht, doch mit der Zeit entwickelt die Geschichte eine immer stärkere Sogwirkung. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive von Joseph und Ettie erzählt. Sie sind meist eher kurz gehalten, wodurch sich die Geschichte gut lesen lässt. Dazwischen finden sich jedoch auch längere Abschnitte, in denen beide auf ihr früheres Leben zurückblicken und ihre Hintergründe ausführlicher beleuchtet werden.

Die Atmosphäre ist dabei von Anfang an etwas eigenwillig und spiegelt die exzentrischen Künstlerkreise der 1920er Jahre wider. Im Verlauf der Geschichte verschiebt sich der Fokus zunehmend: Während Tartuffe anfangs klar im Mittelpunkt steht, rückt Ettie immer stärker in den Vordergrund, bis sich die Handlung schließlich fast ganz auf sie konzentriert. Gleichzeitig zeigt Ettie Seiten, die zunächst kaum zu dem Bild passen, das man von ihr hat. Diese Momente wirken fast wie ein Gegenentwurf zu ihrer sonst so zurückgenommenen Art und verleihen ihrer Figur eine überraschende, stellenweise auch irritierende Spannung.

Durch die Perspektivwechsel zwischen Joseph und Ettie entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild von Abhängigkeit, Selbstbestimmung und künstlerischem Ausdruck. Ohne zu viel vorwegzunehmen, entwickelt sich die Geschichte in eine klare Richtung, deren Konsequenzen sich im Verlauf immer deutlicher zeigen und gerade dadurch ihren Reiz ausmachen.

Auch der Titel „The Artist“ erweist sich dabei als treffend gewählt, da er bewusst offen bleibt und verschiedene Deutungen zulässt.

Insgesamt ist es ein Roman, der sich Zeit nimmt, seine Figuren auszuleuchten und dessen Wirkung sich erst allmählich erschließt – am Ende jedoch umso deutlicher. Lucy Steeds hat mich damit sehr überzeugt und mir ein besonderes Leseerlebnis beschert.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Wächst im Kopf

Nicht
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In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere ...

In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere Entscheidung setzen eine Entwicklung in Gang, die zunehmend an Spannung gewinnt und das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringt.

Der Titel wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet im Verlauf des Buchs jedoch eine große Bedeutung. Es geht um das, was nicht gesagt, nicht getan wird oder nicht sein darf – um die vielen Formen des „Nicht“, die den Roman prägen.

Erzählt wird Elis Geschichte in der Du-Form, die zunächst gewöhnungsbedürftig ist und eine gewisse Distanz und Neutralität erzeugt. Das trägt auch dazu bei, dass der Roman nicht leicht zugänglich ist. Die Erzählweise ist ruhig und wirkt stellenweise etwas langatmig, zugleich aber auch fesselnd.

Gerade diese vermeintlichen Längen erweisen sich im Nachhinein als stimmig. Die Geschichte braucht genau dieses Tempo, um ihre Wirkung zu entfalten.

Während des Lesens habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich keine klare Antwort auf die Frage hatte, wie mir das Buch gefällt. Gegen Ende wusste ich es dann ganz genau: sehr gut. Man könnte sagen: Das Buch wächst im Kopf, auch über das Lesen hinaus.

Veröffentlicht am 18.04.2026

Zwischen Familienküche und Konzeptfrage

Mamma Culinaria
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In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei ...

In „Mamma Culinaria“ präsentiert Claudia Bastone eine Sammlung italienischer Rezepte aus Napoli, die von klassischen Antipasti über Alltagsgerichte bis hin zu festlichen Speisen und Dolci reichen. Dabei wird deutlich, dass die Rezepte stark von gemeinsamen Genussmomenten mit Familie und Freunden geprägt sind und genau dieses Gefühl von Zusammenkommen und Teilen vermitteln sollen.

Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet und gut nachvollziehbar beschrieben. Die einzelnen Schritte sind verständlich erklärt, sodass sich die Gerichte gut nachkochen lassen. Zudem ist bei jedem Rezept Platz für persönliche Notizen vorgesehen, was das Buch auch im Gebrauch besonders praktisch macht. Inhaltlich deckt das Buch eine große Bandbreite ab – von einfachen Gerichten für den Alltag bis hin zu aufwendigeren Rezepten für besondere Anlässe.

Die Gliederung wirkt dabei nicht immer ganz intuitiv. Besonders die Einteilung in Kategorien wie Familienrezepte, Alltagsküche oder Gerichte für besondere Tage erschwert die Orientierung etwas, da sich diese Bereiche inhaltlich überschneiden. Für mich wäre eine Sortierung nach Hauptzutaten wie Fleisch, Fisch oder Gemüse hilfreicher gewesen, um gezielt nach passenden Rezepten suchen zu können.

Auffällig ist die sehr präsente Inszenierung der Autorin in den Bildern. Dass sie selbst auf Fotos zu sehen ist, ist dabei nicht ungewöhnlich, allerdings nimmt ihre Darstellung einen sehr großen Raum ein. Der Fokus liegt dadurch nicht immer ausschließlich auf den Gerichten, was für mich nicht ganz zum Inhalt eines Kochbuchs passt und teilweise vom Wesentlichen – den Rezepten – ablenkt.

Insgesamt bietet „Mamma Culinaria“ eine vielfältige Auswahl italienischer Gerichte, auch wenn Struktur und Bildgestaltung nicht in allen Punkten vollständig überzeugen.

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