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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein interessantes Buch über Japan

Mit Staunen und Zittern
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‚In dem alten japanischen Hofprotokoll ist vorgesehen, daß man sich an den Kaiser >mit Staunen und Zittern< zu wenden habe.‘ (Seite 145)

Amelie Nothcomb, die die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Japan ...

‚In dem alten japanischen Hofprotokoll ist vorgesehen, daß man sich an den Kaiser >mit Staunen und Zittern< zu wenden habe.‘ (Seite 145)

Amelie Nothcomb, die die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Japan verbrachte, betrachtet das Land als ihre Heimat und strebt danach, dort zu leben und zu arbeiten. Sie nimmt eine Stelle als Übersetzerin in einem großen Unternehmen in Tokio an. Dort begegnet sie den tief verwurzelten hierarchischen Strukturen der japanischen Gesellschaft. Anfangs glaubt sie, in ihrer direkten Chefin eine Verbündete gefunden zu haben. Doch als sie eigenständig eine von einem Kollegen vorgeschlagene Recherche durchführt, lernt sie diese besser kennen. Unbeabsichtigt verstößt sie gegen die Rangordnung und wird daraufhin in ihren Aufgaben zunehmend degradiert.

Amelie Nothcomb schildert die japanische Arbeitswelt, in der hierarchische Strukturen vorherrschen, mit satirischem Unterton. Manche Begebenheiten erscheinen so absurd, dass sie unglaubwürdig wirken - doch leider entsprechen sie der Realität. Wie immer besticht sie durch ihre sprachliche Brillanz. Ich habe das Buch sehr genossen, musste aufgrund der Absurdität gelegentlich lachen und fand es äußerst faszinierend, eine fremde Gesellschaft näher kennenzulernen.

Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für Japan und seine Menschen interessiert.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Ein Wohlfühlbuch

Gern gesehene Gäste
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Matteo absolviert eine Lehre als Zimmermann und geht anschließend auf Wanderschaft. In seiner Freizeit liest er gerne. Nach seiner Rückkehr unterstützt er seine Mutter im Buchladen und renoviert gemeinsam ...

Matteo absolviert eine Lehre als Zimmermann und geht anschließend auf Wanderschaft. In seiner Freizeit liest er gerne. Nach seiner Rückkehr unterstützt er seine Mutter im Buchladen und renoviert gemeinsam mit anderen Handwerkern Häuser, darunter eines in Frankreich. Bei der Schlüsselübergabe lernt er Kiera kennen, eine ältere Schriftstellerin, die ihn sofort fasziniert. Als er erfährt, dass sie mit dem berühmten Schriftsteller Eric verheiratet ist, den seine Mutter sehr bewundert, bittet sie ihn, nach einer Lesung zu fragen. Eric gibt ihm einen Termin und fordert ihn auf, ihn mit dem Auto zu fahren. Die Fahrt verläuft so gut, dass Eric ihn bittet, ihn auf seiner gesamten Lesereise zu begleiten, während der einiges enthüllt wird.

Dieser Roman ist ein typisches Werk von Thommie Bayer. Der Erzählstil ist liebevoll, bildreich, ruhig und sehr angenehm zu lesen. Es ist ein Wohlfühlbuch, das im Schriftsteller- und Buchhandelmilieu spielt. Einfach nett.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Ein zweigeteiltes Buch

Gelb, auch ein schöner Gedanke
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Die sechszehnjährige Lea hat bereits seit acht Jahren einen pflegebedürftigen Vater daheim und wünscht sich ein ganz normales Leben, wie ihre Freunde auch. Doch ihre Mutter ist einfach nur überfordert ...

Die sechszehnjährige Lea hat bereits seit acht Jahren einen pflegebedürftigen Vater daheim und wünscht sich ein ganz normales Leben, wie ihre Freunde auch. Doch ihre Mutter ist einfach nur überfordert und hat für sie keine Zeit. An Urlaub ist nicht zu denken.
Als ihr Vater ins Hospiz kommen soll, nimmt ihn ihre Mutter nach Hause und kümmert sich noch mehr um ihn. Lea flüchtet immer mehr zu ihrem Freund, dessen Familie sie bei sich aufnimmt.
Bis hier hin macht das Buch Sinn. Ich finde die psychologische Situation, in der sich Lea und ihre Mutter befinden, bis dahin sehr gut beschrieben. Vieles hat mich zum Nachdenken gebracht. Dieser Teil hat mir sehr gut gefallen: alles ist sehr realistisch und nachvollziehbar.
Achtung Spoiler: leider verwandelt sich der Vater dann in ein Pferd. Von da an hat mich das Buch verloren. Was soll das denn? Mir fehlt die Fantasie, das deuten zu können. Von hier an habe ich die Seiten nur noch überflogen - zu blöd, war mir der Inhalt! Wenn ich Fantasy lesen will, lese ich Fantasy, aber nicht ein Buch über das Sterben.

Schade, die erste Hälfte war sehr vielversprechend und hat mir sehr gut gefallen.

Ob das Buch etwas für Euch ist, dass müsst Ihr selber herausfinden.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Ein ruhiges, gefühlvolles und bildhaftes Bich

Meine Berge bist du
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Guido lebt allein und verarmt in den Bergen. Sein größter Schatz ist eine Mappe voller Briefe, die an die Berge der Umgebung adressiert sind.
Als er bei einem Spaziergang in einen Sturm gerät, gewährt ...

Guido lebt allein und verarmt in den Bergen. Sein größter Schatz ist eine Mappe voller Briefe, die an die Berge der Umgebung adressiert sind.
Als er bei einem Spaziergang in einen Sturm gerät, gewährt ihm der namenlose Erzähler Unterschlupf und darf als Dank dafür die Briefe lesen.
Diese erzählen uns das Leben von Onesto und Santo, die mitten in den Bergen unter ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen und sich beide in dieselbe Frau verlieben.

Sehr bildhaft und unglaublich gefühlvoll beschreibt uns Francesco Vidotto die Welt in den italienischen Alpen zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Das Buch besticht durch seine poetische Sprache, die einen sofort in den Bann zieht. Sehr liebevoll werden die Protagonisten mit all ihren Sorgen und Ängsten beschrieben.

Gerne empfehle ich dieses ruhige Buch weiter, das sich sehr gut lesen lässt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Ein Lesehighlight

Solange ein Streichholz brennt
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„Zeit war seltsam. Es waren seltsame Zeiten.“ Seite 157(ebook)

Wow, was für ein Buch! Ich bin heute Morgen eingetaucht und erst am Abend wieder aufgetaucht. Die Sogwirkung dieses Buches ist unglaublich. ...

„Zeit war seltsam. Es waren seltsame Zeiten.“ Seite 157(ebook)

Wow, was für ein Buch! Ich bin heute Morgen eingetaucht und erst am Abend wieder aufgetaucht. Die Sogwirkung dieses Buches ist unglaublich. Ein absolutes Highlight, hier passt einfach alles.

Alina arbeitet bei einem Fernsehsender, aber ihre Karriere stagniert und sie erwartet eigentlich die Kündigung. Völlig überraschend wird ihr eine Reportage über Obdachlose mit dem Titel „Wie entgleitet ein Leben“ angeboten. Der einzige Haken: Sie darf nicht moderieren und muss eng mit Jakob, einem Blender, zusammenarbeiten. Auf der Suche nach einem Obdachlosen, den sie begleiten kann, lernt sie Bohm kennen. Zuerst lehnt er ihr Angebot, tausend Euro zu verdienen, ab. Erst als sein Hund bei einer Messerstecherei verletzt wird und operiert werden muss, nimmt er an und sie lernen sich näher kennen.

Christian Huber hat es geschafft, die Welt der beiden Protagonisten unglaublich gut einzufangen. Beide erzählen in den einzelnen Kapiteln ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, was dem Ganzen eine unglaubliche Tiefe verleiht. Es wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt, sondern die Geschichte sachlich, aber dennoch emotional dargestellt. Es wird nicht gerichtet, sondern berichtet. Alles ist realistisch, man hat das Gefühl, alles live mitzuerleben. Es ist eine Geschichte über ein Leben außerhalb von Konventionen, das alles andere als bequem ist.

Ich spreche eine unbedingte Leseempfehlung für dieses absolute Highlight aus.

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