Cover-Bild Gelb, auch ein schöner Gedanke
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: erzählerische Themen, Stoffe, Motive
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 12.02.2026
  • ISBN: 9783462008708
Nefeli Kavouras

Gelb, auch ein schöner Gedanke

Roman

»Was du hier für einen zärtlichen Krach geschaffen hast!« Saša Stanišić

Ein wunderbares Buch über eine Mutter-Tochter-Beziehung in einer nicht enden wollenden Ausnahmesituation, mal zärtlich und poetisch, mal wütend, humorvoll und sehr direkt erzählt mit einer überraschenden Wendung, die das Ende eines Lebens und unseren Umgang damit in ein völlig neues und unbekanntes Licht rückt.

Georg stirbt, und das schon viel zu lange. Während Ruth ihren Mann selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lea entfremdet, möchte die endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat.

»Das Moos tröstet, der Vater wiehert, das Sterben ist nicht Abschied, sondern Verwandlung, und wer pflegt denn bitte einen fremden Mann mit langen pinken Fingernägeln?! Willkommen, Nefeli Kavouras, in der deutschsprachigen Literatur, ja, was du hier für einen zärtlichen Krach geschaffen hast!«  Saša Stanišić

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2026

Lesenswert

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Georg liegt im sterben und das schon eine ganze Weile. Seine Frau Ruth kümmert sich zu Hause um ihn, pflegt ihn hingebungsvoll. Tochter Lea versucht trotzdem ein normales Teenagerleben zu führen. Das ist ...

Georg liegt im sterben und das schon eine ganze Weile. Seine Frau Ruth kümmert sich zu Hause um ihn, pflegt ihn hingebungsvoll. Tochter Lea versucht trotzdem ein normales Teenagerleben zu führen. Das ist nicht ganz so einfach. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander. Lea fühlt sich alleingelassen von ihrer Mutter. Ruth versteht Lea nicht. Eigentlich brauchen sich beide gerade jetzt so dringend, doch können nicht füreinander da sein.

Ein sehr bewegender Roman über Krankheit und Familie. Wie kann eine Familie so einen Ausnahmezustand eigentlich aushalten? Im Alltag dreht sich alles um den Vater und seine Pflege. Hier denkt niemand an Weihnachten oder Urlaub. Das ist gerade für Lea sehr schwierig. So wünschen sich doch gerade Teenager Stabilität und Normalität. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Kurze und prägnante Sätze, emotional und poetisch. Ließ sich ganz wunderbar lesen. Auch die Story ist gut. Es gab nur eine sehr überraschende Wendung, die ich etwas schräg fand. Allerdings verändert gerade diese Wendung die Sicht der Mutter und der Tochter. Machte also schon Sinn. War nur sehr überraschend.

Insgesamt ein eindringlicher Roman, der sehr zum Nachdenken anregt. Empfehle ich euch gern weiter.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ruth und Lea

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Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine ...

Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine Mutter-Tochterbeziehung und vom Sterben des Vaters.
Ruth pflegt ihren todkranken Mann Georg, die jugendliche Tochter Lea muss mit der Situation zu Recht kommen, aber der lange Sterbeprozess beeinflusst das normale Leben. Doch Mitte des Buches gibt es einen erstaunlichen Wandel.

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Ruth und Lea ab. Das funktioniert gut. Nur auf einer Seite komt auch Georg zu Wort.

Die Autorin hat einen Ton gefunden und ein lesenswertes Buch geschaffen.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Berührender Roman übers Pflegen und Sterben

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„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ von Nefis Kavouras ist ein wirklich berührender, intensiver Roman.

Ruth pflegt zuhause ihren Mann Georg, der seit Jahren schwer krank ist. Doch das Sterben zieht sich ...

„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ von Nefis Kavouras ist ein wirklich berührender, intensiver Roman.

Ruth pflegt zuhause ihren Mann Georg, der seit Jahren schwer krank ist. Doch das Sterben zieht sich dahin. Unter dieser Ausnahmesituation leidet auch die 15jährige Tochter Lea sehr.
In wechselnden Kapiteln fühlen wir mit Mutter und Tochter mit.

Ruth hat ihre Arbeit schon lange aufgegeben und verliert sich während der Dauerpflege ihres Mannes immer mehr selbst: „Pflegejahre sind Jahre ohne Details. Alles wird im Groben zusammengehalten, für mehr reicht es nicht.“

Die Kapitel, in denen sie von den täglichen An- und Überforderungen beim Pflegen, beim Warten auf das Sterben ihres Mannes erzählt, haben mich sehr bewegt:

„Ich pflege, bis ich fertig gepflegt habe, und dann sitze ich da und langweile mich neben meinem Mann, bis es wieder etwas zu tun gibt und ich weiterpflegen kann.
Ich fange wieder an, ihm vorzulesen. Das tat ich lange nicht, mir kam es so mühselig vor, und meistens schlief er eh ein. Aber jetzt, wo er gar nicht mehr redet, wo jegliche Kommunikation einfach verschollen ist, muss ich diesen leeren Raum füllen, auch für mich. Ich lese ihm die Zeitung vor, und Georg guckt ins Nichts, ich lese Romananfänge vor, aber sie langweilen mich, und Georg guckt weiter ins Nichts, also höre ich auf zu lesen, mein Mund ist trocken, ich frage mich, wie sich Georg fühlt. Da ist keine Regung, und trotzdem sind da die körperlichen Veränderungen. Ich kann gar nicht sagen, wann es genau anfing, dass er immer und immer weniger wurde. Aber in diesem Prozess des Wenigerwerdens passiert so viel.
Seine Haare wachsen schneller, oder mir fällt es schneller auf. Ich rasiere täglich seine Bartstoppeln, weißer Schaum, ganz sachte. Ich denke an Baiser, niemand backt mir Kuchen. Wenn jemand Geburtstag hat, gibt es Kuchen, aber wenn der eigene Ehemann einem wegstirbt, gibt es gar nichts.“

„Es ist ein heißer Sommertag, als ich realisiere, dass er sterben wird. Das heißt aber nicht, dass ich es akzeptiere.
[....]
Sterben sieht so aus:
Ich schaue ihm beim körperlichen Abbau zu. Wie er schmaler und auch kleiner wird. Wie seine Haut an Farbe verliert. Grau sieht er aus, als wäre er schon eine Statue im Museum. Niemand wird für meinen Mann eine Statue errichten, ich denke jetzt schon an sein Grab. Ich lausche seiner Atmung, sie klingt nicht mehr menschlich, Georg muss noch seinen Sterberhythmus finden. Ich beobachte das Heben und Senken seiner Brust, das zeigt uns, dass er lebt, dass irgendwas von ihm noch da ist. Manchmal öffnet er die Augen, aber nie schaut er mich an. Kein Gespräch ist mehr möglich. Auch keine Gesprächsfetzen. Mir fällt ein, wie im Supermarkt eine ältere Frau zu einer anderen Frau mal sagte: ‚Mein Mann, der ist nur noch Gemüse, liegt im Bett, kann nichts, sagt nichts‘, und ich bin nun eine dieser Frauen.“

Auch Leas Hilflosigkeit und Überforderung sind deutlich spürbar:
„Ich denke seit Jahren täglich an Papas Tod, er begleitet mich schweigend und manchmal lachend und manchmal schon fast sehnsüchtig auf all meinen Wegen, das Wasser kocht und ich denke mir, jetzt könnte es so weit sein, und ich gehe zur Schule und ich trinke Kaffee und ich gehe wandern und ich stehe an der Bushaltestelle und ich warte auf den Bus und eigentlich warte ich immer nur auf Papas Tod, und dann kommt der Bus und ich frage mich, was wäre, wenn es, ja, jetzt, ja, in drei Minuten, passieren würde, aber es passiert nicht, seit Jahren passiert nichts, aber ich habe das Gefühl, genau zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn es passiert.“

Wie allein und verloren Mutter und Tochter sind, ist schwer zu ertragen:
„‘Brauchst du noch was?‘, fragt sie und guckt mich noch nicht einmal an.
Ich bräuchte so viel, aber wo fange ich da an, und darf ich in so einem Ausnahmezustand überhaupt etwas brauchen? Aber immer sind wir im Ausnahmezustand, nie hört das auf, bald bin ich erwachsen, und meine ganze Jugend über begleitet mich das Sterben meines Vaters.“

Bis etwa zur Hälfte des Romans war ich absolut begeistert: So heftig und schonungslos, schmerzhaft und berührend!
Doch dann kann eine kafkaeske Wendung (mehr sage ich nicht dazu), mit der ich irgendwie nicht umgehen konnte. Nichts gegen Kafka, aber hier fand ich das irgendwie nicht passend. Oder es hat mich einfach überfordert?
Jedenfalls tat ich mir dann etwas schwer mit dem Verlauf der Geschichte. Erst gegen Ende hin fand ich dann wieder hinein. Und der Schreibstil von Nefis Kavouras hat mich auf jeden Fall sehr begeistert!

Da mir die unerwartete Wendung leider nicht so gefallen hat, vergebe ich final „nur“ 4 von 5 Sternen, aber dennoch eine unbedingte Leseempfehlung: Ein Roman, der sich auf so empathische Weise mit unbequemen Themen wie Pflegen und Sterben beschäftigt, ist auf jeden Fall lesenswert.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Richtungsänderung!

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📖 Mutter (Ruth) und Tochter (Lea) begleiten über eine lange Zeit den Ehemann/Vater (Georg) beim Sterben. Während Ruth ihren Mann nicht gehen lassen möchte und sich in seiner Pflege verausgabt, wünscht ...

📖 Mutter (Ruth) und Tochter (Lea) begleiten über eine lange Zeit den Ehemann/Vater (Georg) beim Sterben. Während Ruth ihren Mann nicht gehen lassen möchte und sich in seiner Pflege verausgabt, wünscht sich Lea ein ganz normales Teenagerleben- ohne einen todkranken, sterbenden Vater, sondern mit erster Liebe, Ausgehen, Feiern, Zeit mit Freunden. Sie entfremdet sich immer mehr von ihrem Vater, bis dann eine Tages etwas passiert, das ihr eine Annäherung wieder ermöglicht (-und ihrer Mutter erschwert).
⭐Der Titel ist sensationell. Chapeau! Neugieriger kann ein Buch fast nicht machen.
⭐Ich war begeistert vom ersten Teil, fand es unfassbar gut, wie die Autorin die Gefühle von Mutter und Tochter unverblümt in Worte fasst und in ihrer ganzen realistischen Härte festhält. Die Auseinandersetzung mit dem Sterben, der Umgang mit einem sterbenden Menschen, dem man nahesteht, ist ein Thema, das trotz der Schwere im ersten Teil unfassbar gut lesbar und sprachlich authentisch dargestellt wird.
⭐Ich bin ehrlich- der Twist in der Mitte kam absolut unerwartet und ich war null darauf vorbereitet. Tiere in Romanen gehören nicht zu meinen favourite characters, deshalb bin ich mit dem zweiten Teil nur schwer warm geworden. Ich glaube, meine Begeisterung für die realistische Darstellung im ersten Teil war einfach so groß, dass ich mich gefreut hätte, die Geschichte in diesem wunderbaren Stil zu Ende zu lesen.
⭐ Gleichzeitig verstehe ich- je länger ich darüber nachdenke- warum hier ein massiver Bruch stattfindet. Die Facetten der Trauer, des Abschiednehmens, des Umgangs mit dem Tod, finden hier einen anderen Ausdruck und werden auf eine bildhafte Ebene gehoben. Ich bin mir sicher, dass das funktionieren kann und viele Leser:innen erreicht.

Auf jeden Fall das Buch mit dem größten Überraschungsmoment seit langem und einem sehr starken Einstieg in das Thema Sterben und Sterbebegleitung.

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