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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2019

Von Gärten und vom Leben

Der Große Garten
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Die Filmemacherin Lola Randle hat mit Der große Garten ein amüsantes Buch geschrieben.

Die Erzählerin möchte ein Gartenbuch schreiben und beschäftigt sich daher mit den Pflanzen,
wenn sie nicht gerade ...

Die Filmemacherin Lola Randle hat mit Der große Garten ein amüsantes Buch geschrieben.

Die Erzählerin möchte ein Gartenbuch schreiben und beschäftigt sich daher mit den Pflanzen,
wenn sie nicht gerade an ihre Therapie denkt oder an ihren Liebhaber.

Es wird mit gespielter Naivität erzählt, in kurzen Episoden von nur einer bis 2 Seiten.
Das funktioniert sehr gut.
Man wundert sich als Leser selbst, dass man es so interessant findet, wenn die leicht neurotische Protagonistin über Beete, Saatgut, Hühner, Schafe, Maulwürfe und Würmer nachdenkt, aber irgendwie ist ihr großes Staunen über die Natur ansteckend.
Das Buch ist umfangreich, aber die Autorin setzt auch bewusst auf Wiederholungen. Das spiel zwischen Autobiografie und Fiktion ist auch sehr reizvoll.

Das Buch macht einfach Spaß!

Veröffentlicht am 24.08.2019

In Schieflage

Das flüssige Land
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Die österreichische Schriftstellerin Raphaela Edelbauer ist mir letztes Jahr durch ihre Lesung beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb aufgefallen. Sie las eine Story „Das Loch“, das im Zusammenhang mit diesem ...

Die österreichische Schriftstellerin Raphaela Edelbauer ist mir letztes Jahr durch ihre Lesung beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb aufgefallen. Sie las eine Story „Das Loch“, das im Zusammenhang mit diesem ungewöhnlichen Roman steht.
Die Protagonistin ist die Physikerin Ruth Schwarz. Sie kommt nach dem Unfalltod ihrer Eltern in deren Heimatort Groß-Einland.
Ruth recherchiert vor Ort über die Vergangenheit, während sie gleichzeitig auf verquere Art Teil der Gemeinschaft wird. Das mischt sich mit dem Willen zum Widerstand, denn hier gab es einmal ein schlimmes Kriegsverbrechen.

Die Autorin lässt sich Zeit, die Geschichte zu entfalten. Man benötigt daher am Anfang etwas Geduld Aber es gibt schon von Anfang an interessante Motive, die einen dabei helfen, zum Beispiel auch das einer Fremden, die in eine geschlossene Gesellschaft eindringt. Dabei geht Ruth aufgrund ihres wissenschaftlichen Backgrounds sachlich vor. Ich bewundere so einige der präzisen Beschreibungen von Raphaela Edelbauer.

Das Gebiet hatte viel Bergbau. Es ist ein Ort des Geschehens, dass von der Gemeinschaft kollektiv verdrängt hat. Zudem ist die Gegend im Untergrund durch viele poröse Schichten beschädigt. Es gibt schon einige treffende Metaphern, die die Autorin gekonnt einsetzt.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Eine Gormenghast-Geschichte

Der Junge im Dunkeln
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Die Erzählung Der Junge im Dunkeln ist eine gute Gelegenheit zur Annäherung an das Werk von Mervyn Peake, das im zentralen aus den Gormenghast-Romanen besteht.
Der titelgebende Junge ist der 14jährige ...

Die Erzählung Der Junge im Dunkeln ist eine gute Gelegenheit zur Annäherung an das Werk von Mervyn Peake, das im zentralen aus den Gormenghast-Romanen besteht.
Der titelgebende Junge ist der 14jährige Titus, der überfordert von Zeremonien zu seinem Geburtstag heimlich die Feierlichkeiten und das Schloss Gormenghast verlässt und dabei auf tierähnliche Menschen trifft. Er gerät in Gefahr. Die Geschichte bleibt geheimnisvoll und packend.
Mervyn Peake ist leider relativ jung gestorben, daher ist sein Werk nicht so umfassend, dennoch sieht man schon in dieser Erzählung wie dicht es geschrieben ist. Das hat wirklich Niveau und steckt voller Atmosphäre.

Veröffentlicht am 20.08.2019

Von Panik getrieben

ATME!
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Atme ist ein Thriller, der von Anfang an von der Panik der Protagonistin vorangetrieben wird. Ihr Freund ist während eines gemeinsamen Besuchs eines Geschäfts verschwunden. Nile glaubt sofort, dass Ben ...

Atme ist ein Thriller, der von Anfang an von der Panik der Protagonistin vorangetrieben wird. Ihr Freund ist während eines gemeinsamen Besuchs eines Geschäfts verschwunden. Nile glaubt sofort, dass Ben etwas passiert ist. Als Leser ist man sofort irritiert. Warum diese große Panik und warum übertreibt Nile so? Sie bedrängt sogar die Verkäuferin, die nichts weiß. Die hat Ben nicht einmal gesehen. War er überhaupt mit im Geschäft? Nile geht noch weiter, indem sie die Ehefrau ihres Freundes aufsucht und attackiert diese sogar.

So eine aufgeregte, aggressive Hauptfigur trifft man selten. Als Leser weiß man sofort, dass etwas mit ihr nicht stimmt und es eine heikle Vorgeschichte geben muss.
Man ist sich aber auch nicht ganz sicher, was Bens Frau Flo angeht, die sich auch etwas merkwürdig verhält.
Dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, ist interessant. Dennoch wirkt das ganze konstruiert und übertrieben. Es ist auch nicht ganz einfach diese Hektik, die den ganzen Roman nie nachlässt, auf Dauer zu ertragen.

Die deutsche Autorin Judith Merchant schreibt ein wenig in der Tradition einer Joy Fielding (Lauf Jane Lauf) und ist auch vergleichbar mit z.B. Melanie Raabe. Man darf gespannt auf ihre kommenden Thriller sein.

Veröffentlicht am 19.08.2019

intensiv

Moskito-Küste
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Paul Theroux ist für mich ein wichtiger amerikanischer Autor. Klasse, das nach langer Zeit dieser Roman wieder herausgebracht wird. Vor 30 Jahren hatte er für einigen Wirbel gesorgt und wurde auch verfilmt, ...

Paul Theroux ist für mich ein wichtiger amerikanischer Autor. Klasse, das nach langer Zeit dieser Roman wieder herausgebracht wird. Vor 30 Jahren hatte er für einigen Wirbel gesorgt und wurde auch verfilmt, sogar mit Harrison Ford.

Protagonist ist Ally Fox, ein wütender US-Amerikaner, der Paranoid wirkt und mit seiner Familie herumzieht und das Land Richtung Honduras verlassen will. Das hat einen Hauch von Das Herz der Finsternis (Joseph Conrad).

Erzählt wird aus der Perspektive seines 13jährigen Dohnes, der unter der Situation leidet. Er darf nocht zur Schule oder Fernsehen, die ständigen Wutreden seines Vaters verstören ihn (und den Leser!). Es ist teilweise schmerzhaft zu lesen, auch weil der Handlungsverlauf nicht unrealistisch ist.

Der Protagonist lehnt aber jegliche Obrigkeit ab und ist ziemlich unberechenbar. Ist er noch ein idealistischer Aussteiger, der das Maß verloren hat oder doch schon auf dem Weg zu einem amerikanischen Reichsbürger.

Die Schilderungen sind dermaßen intensiv, das man als Leser am Ende nahezu erschöpft ist, dennoch würde ich gerne mal die Verfilmung sehen.