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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Das Schicksal der Rossella Casini

Meine Liebe stirbt nicht
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Roberto Savianos Romane sind gesellschaftspolitisch relevant, da er darüber schreibt, wie die Mafia in Italien agiert und tief in das Leben der Menschen eingreift. Dass Saviano selbst bedroht ist, schwingt ...

Roberto Savianos Romane sind gesellschaftspolitisch relevant, da er darüber schreibt, wie die Mafia in Italien agiert und tief in das Leben der Menschen eingreift. Dass Saviano selbst bedroht ist, schwingt auch in seinen Büchern mit.
Hier erzählt er die wahre Geschichte eines Paares, Rossella Casini und Francesco Frisina, und von der Ermordung einer Frau.
Literarisch überzeugt er nicht ganz, da vieles wie ein Bericht wirkt, doch ein Feeling des Italien der späten siebziger Jahre baut er auf. Auch manche Dialoge sind ganz gut, wobei manchmal zu biedere Begriffe oder Sätze verwendet werden. Aber das könnte auch an der deutschen Übersetzung liegen.
Die größte Schwäche des Buches ist die fehlende Tiefe der Figuren, wobei es mit Rossella teilweise noch ganz gut klappt. Francesco jedoch bleibt fremd, die Nebenfiguren waren zum Teil schwer zu unterscheiden.
Was für das Buch spricht, ist, dass der Autor einen Ton gefunden hat und Atmosphäre erzeugt.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Glamour-Thriller

Ein guter Blick fürs Böse
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Dieser Thriller von Elizabeth Arnott lässt sich flott und gefällig lesen. Der Plot um drei Freundinnen, die die Gemeinsamkeit haben, dass ihre Ehemänner Serienmörder waren und sie hatten nichts geahnt, ...

Dieser Thriller von Elizabeth Arnott lässt sich flott und gefällig lesen. Der Plot um drei Freundinnen, die die Gemeinsamkeit haben, dass ihre Ehemänner Serienmörder waren und sie hatten nichts geahnt, ist ziemlich konstruiert. Das ist schließlich ein individuelles Schicksal. Aber letztlich hat einen diese absurde Idee zu dem Buch geführt. Außerdem ist die zeitliche Epoche, die späten sechziger Jahre, entscheidend. Dieses Element verleiht dem Roman eine Stimmung.
Die drei Frauen Beverly, Elsie und Margot sind ziemlich verschieden, daher gibt es auch Streitgespräche.
Manche Aspekte des Romans kann man als gelungen ansehen, die Entwicklung des Plots überzeugte wegen mangelnder Glaubwürdigkeit letztlich nicht. Streckenweise hat es ein Feeling von True Crime, obwohl es fiktiv ist.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Dora und Veit, Stadt und Land

Hauch
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Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.

Dora und Veit schreiben sich Briefe, ...

Eigentlich bin ich kein Fan von Briefromanen, aber die Prosa von Xaver Bayer interessiert mich, seit er mit einem Erzählungsband den Österreichischen Buchpreis gewann.

Dora und Veit schreiben sich Briefe, dabei spielt Stadt versus Landleben eine Rolle. Einerseits Lärm und Gedränge, andererseits Stille und Abgeschiedenheit.
Dieser Aspekt ist dann aber nicht so entscheidend, schliesslich ist Veit kein Bauer. Er ist Schriftsteller und sucht die Ruhe, wobei er auch die Kraft der Natur spürt. Gegenwartsverdossenheit ist bei beiden zu spüren.
Intensiv berichten sie sich gegenseitig ihre Befindlichkeiten und Träume.
Xaver Bayer gelingt es, die Verbundenheit der beiden trotz räumlicher Trennung zu zeigen.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Wurzeln aus Böhmen

Elbland
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Der Prolog zeigt eine Szene, in der eine Familie in den Urlaub fährt. In die Gegend, in der die Mutter geboren wurde. Die Protagonistin des Romans ist ihre Tochter, die damals noch eine junge Studentin ...

Der Prolog zeigt eine Szene, in der eine Familie in den Urlaub fährt. In die Gegend, in der die Mutter geboren wurde. Die Protagonistin des Romans ist ihre Tochter, die damals noch eine junge Studentin war.
Dann geht die Handlung in die Gegenwart. Die Mutter ist gerade gestorben.
Die Handlung springt ziemlich viel in den Zeit und enthüllt so Geschehnisse, die zum Zerfall der Familie führte. Es geht sogar bis ins Jahr 1945 zurück.

Die Eltern trennten sich, die jüngste Tochter haut nach den Abi in den Westen ab und Nina kümmerte sich lange um die kranke Mutter.
Schwierig wird auch die Beziehung zwischen den Geschwistern, obwohl sie als Kinder so eng waren.
Die Autorin arbeit die Spannungen zwischen den Figuren sauber raus.

Claudia Rikl hat auch Kriminalromane geschrieben, aber Elbland ist mehr Familiendrama. Das Buch überzeugt durch seine geschickte Handlungskomposition und der Sensibilität, mit der die Autorin ihre Figuren behandelt.

Veröffentlicht am 17.03.2026

Einladung aus Pjöngjang

Freiwürfe mit einem Diktator
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Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator ...

Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator von Nordkorea, Kim Jong-un, trainiert. Damals war Kim Jong-un ein Junge, der ein paar Jahre in Bern lebte. Das basiert offenbar auf Tatsachen.

Der Trainer fühlt sich heute schuldig, damals einen Jungen unterstützt zu haben,der dann ein Monster wurde. Jetzt bekommt er eine Einladung. Er fragt sich, soll er reisen und was dann tun.

Immer wieder erzählt er seiner sterbenden Mutter davon und von der Vergangenheit. So nimmt eine Mutter-Sohn-Beziehung einen wichtigen Aspekt im Buch ein.
Das Buch ist gut gemacht, auch wenn es mich nicht so berührt hatte, wie seine letzten beiden Bücher. Aber wirklich originelle Bücher sind selten, daher empfehle ich Freiwürfe mit einem Diktator.