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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2026

Zwischen Nostalgie und Kenshō

Die unmögliche Rückkehr
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Eigentlich hätte ich diesmal wieder Fiktion von Amélie Nothomb erwartet, denn sie wechselt meistens zwischen Romanen und autobiografisch geprägten Büchern.
Die unmögliche Rückkehr schließt an den Büchern ...

Eigentlich hätte ich diesmal wieder Fiktion von Amélie Nothomb erwartet, denn sie wechselt meistens zwischen Romanen und autobiografisch geprägten Büchern.
Die unmögliche Rückkehr schließt an den Büchern an, in denen es um Japan geht. Hier hat Nothomb die ersten 5 Jahre ihres Lebens verbracht, denn ihr Vater war Konsul. Dass sie dann das Land verlassen musste, macht ihr bis heute zu schaffen und eine Liebe zu Japan ist noch da.
Zusammen mit einer Freundin fliegt sie 2023 nach Kyoto, später reisen sie auch nach Tokio. Amelie schwelgt in ihren nostalgischen Erinnerungen, oft mit Wehmut, aber vor allen auch mit Ironie. Überhaupt hat das Buch viel Witz.
Mir haben bisher alle ihre Japan-Bücher gefallen. Auch dieses ist sehr unterhaltsam und die Japanbeschreibungen sind so gut, dass man als Leser glaubt, die Autorin auf ihrer Reise zu begleiten.

Veröffentlicht am 18.05.2026

Eine Sache der Wahrnehmung

Links-grüne Meinungsmacht
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Der Buchtitel hat mich erstaunt, da ja eigentlich die Rechten in den letzten Jahren auf dem Vormarsch sind und ihre Meinungsmacht inzwischen vielfach übernommen wurde. Aber Julia Ruhs hat insbesondere ...

Der Buchtitel hat mich erstaunt, da ja eigentlich die Rechten in den letzten Jahren auf dem Vormarsch sind und ihre Meinungsmacht inzwischen vielfach übernommen wurde. Aber Julia Ruhs hat insbesondere die öffentliche-rechtlichen und etablierten Medien und Zeitungen ins Auge gefasst. Ich nehme das nicht so wahr, wie Julia Ruhs, aber sie schöpft ihre Erfahrungen aus Gesprächen und Rückmeldung an sie sowie aus den Reaktionen aus ihren Veröffentlichungen. Hat sie anfangs auch Shitstorms ertragen müssen durch ihre konservativ-liberalen Stellungsnahmen, bekommt sie später viel Beifall.
Ich denke, Julia Ruhs vermittelt mit ihrem Buch ein verzerrtes Weltbild. Andererseits war es wirklich interessant zu lesen, wie sie zu ihrer Wahrnehmung kommt.

Veröffentlicht am 14.05.2026

Im Treppenhaus gefunden

Eine Liebe ohne Sommer
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Eine Liebe ohne Sommer ist ein nachdenklich stimmender Roman mit humorvollen und traurigen Momenten. Man weiß natürlich von Anfang an, was passiert und stellt sich auf das Kommende schon seelisch ein.
Es ...


Eine Liebe ohne Sommer ist ein nachdenklich stimmender Roman mit humorvollen und traurigen Momenten. Man weiß natürlich von Anfang an, was passiert und stellt sich auf das Kommende schon seelisch ein.
Es ist die Geschichte eines Paares, Rosa und Niklas, die eine viel zu kurz Zeit miteinander hatten. Sie treffen sich im Hausflur und sofort stellte sich etwas Besonderes zwischen ihnen ein.
Auffällig, dass die Erzählperspektive ausschließlich bei der Ich-Erzählerin lag. Passagen aus der Sicht von Niklas fehlten mir. Rosa ist sympathisch, aber nicht ohne Selbstzweifeln.
Der Wortwitz im Buch funktionierte bei den Dialogen sehr gut. Zwischen Rosa und Niklas kommt es oft zum dialogischen Schlagabtausch voller Ironie.
Ob aus der Grundidee genug gemacht wird, weiß ich nicht. Ich neige eher dazu, dass es schließlich zerredet wird. Dazu trägt auch bei, dass der Roman zu lang, manchmal sogar langatmig ist. Das gilt vor allen für Teil 2.
Ein schlechter Roman ist es auch nicht. Eher so Mittel. Die guten Ansätze bleiben!

Veröffentlicht am 13.05.2026

Regime Change in Europa

Wer sind wir?
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Der politisch nicht mehr aktive Joschka Fischer ist doch noch sehr präsent. Erst letztes Jahr hat er mit einem eindrucksvollen und komplexen Werk überzeugt.
Jetzt ein Buch über deutsche Identität. Doch ...

Der politisch nicht mehr aktive Joschka Fischer ist doch noch sehr präsent. Erst letztes Jahr hat er mit einem eindrucksvollen und komplexen Werk überzeugt.
Jetzt ein Buch über deutsche Identität. Doch diesmal enttäuscht er, denn eigentlich erzählt er hauptsächlich die Geschichte Deutschlands, z.B. ab Stunde Null nach. Offenbar definiert Fischer Deutschlands Identität aus dem Wiederaufbau nach 45. Westdeutschland war in dem Sinne verwestlicht, im positiven Sinne.
Er spricht viel von Europa und der Abkehr der USA.
Wenn ich richtig interpretiere, liegt Deutschlands Identitätssuche ein gutes Stück weit bei dem Versuch einer deutschen Führung in Europa, sozusagen ein Regime Change in Europa.
Einige Passagen des Buches sind also schon gelungen, doch ob sich darin die Frage nach der Identität erschöpft, wage ich zu bezweifeln.
Folgen kann man der im Nachwort angebotenen Antwort, dass Europa sich jetzt selbst kümmern muss, da auf die USA nicht mehr gezählt werden kann. Jetzt oder nie!
Vielleicht gelingt Joschka Fischer die Debatte über das Thema, wenn er mit diesem Buch und seinem wichtigen Thema auf Lesereise geht.

Veröffentlicht am 06.05.2026

Ein Ort für die Verlorenen

Mit einem Fuß im Paradies
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Mit einem Fuß im Paradies von Ron Rash ist ein raffiniert komponierter Südstaatenroman. Ein Mann namens Holland Winchester ist verschwunden, vermutlich ermordet.
Die Handlung werden von verschiedenen Personen ...

Mit einem Fuß im Paradies von Ron Rash ist ein raffiniert komponierter Südstaatenroman. Ein Mann namens Holland Winchester ist verschwunden, vermutlich ermordet.
Die Handlung werden von verschiedenen Personen erzählt, die mit dem Verschwinden von Holland zu tun haben. Das ist zuerst der Sheriff, dann die Frau, die mit Holland eine Affäre hat, dann ihr Ehemann und schließlich der Sohn sowie der Stellvertreter des Sheriffs..

Aus den ganzen Abschnitten ergibt sich langsam ein Gesamtbild. Es ist leicht filmisch gestaltet.

Es gibt zwar einen Mord, aber für mich ist es nicht wirklich ein Kriminalroman. Vielmehr ist es ein Gesellschaftsporträt der Menschen, die in South Carolina leben.

Das ist schon sehr gut gemacht, obwohl ich lange Passagen auch mit Gleichmut las. Es ist ein kühles Südstaatendrama.