Ein ungewöhnlicher Fantasy-Trip zwischen Tiefe, Humor und Einhorn-Absurdität
Forsaken – Der letzte Schwur von Christian Hübner war für mich ein ungewöhnliches Leseerlebnis – und das in vielerlei Hinsicht. Als jemand, der vor allem Romantasy liest und eine ausgewogene Mischung aus ...
Forsaken – Der letzte Schwur von Christian Hübner war für mich ein ungewöhnliches Leseerlebnis – und das in vielerlei Hinsicht. Als jemand, der vor allem Romantasy liest und eine ausgewogene Mischung aus Gefühl, Tiefe, leichten humorvollen Momenten und einer Prise Spice bevorzugt, war dieses Buch für mich eine Art Ausflug in ein anderes Genre, aber mit einigen überraschenden Elementen.
Das Buch wird komplett aus der Sicht eines männlichen Protagonisten erzählt – für mich eher ungewohnt, da ich normalerweise weibliche Perspektiven bevorzuge oder zumindest einen Perspektivwechsel habe. Trotzdem hat mich Croa als Figur zunächst positiv überrascht: Seine Schuld, sein innerer Konflikt, seine verlorene Liebe und die düstere Grundstimmung der Welt verleihen ihm eine gewisse emotionale Tiefe, die mich abgeholt hat. Die Atmosphäre ist ernst, manchmal melancholisch, manchmal brutal – und dann kommt plötzlich dieses sprechende, trinkfreudige Einhorn ins Spiel.
Allein die Playlist und die ersten Kommentare des Einhorns haben mich tatsächlich laut lachen lassen. Ich habe mich wirklich kurz gefragt: Was genau lese ich hier eigentlich? Dieser Humor ist einzigartig, völlig unerwartet und macht das Buch definitiv besonders – aber er ist auch ein Punkt, der polarisiert. Denn gerade wenn die Story tief, ernst oder emotional wird, bricht der Humor sie teils abrupt wieder auf. Für Leser:innen, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ernsthaftigkeit und Witz mögen, kann das funktionieren – für mich war es manchmal eine Spur zu viel, zu präsent und zu sehr im Mittelpunkt.
Und genau da kam ich an den Punkt, an dem das Buch mich etwas verloren hat.
Ich mag Geschichten, die spürbare Tiefe in Figuren und Handlung, emotionale Entwicklungen, Spannung, Wendungen und ein bisschen Miträtseln bieten. Forsaken hat dafür definitiv Ansätze – Intrigen, Geheimnisse, eine komplexe Vorgeschichte und eine bedrohte Welt. Doch Teile der Handlung wirken sich wiederholend, und manche Figuren bleiben für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Auch der romantische Aspekt, der für mich ein wichtiges Element beim Lesen ist, spielt hier nur eine sehr kleine Rolle und bleibt im Hintergrund.
Wenn man vor allem den Abenteuer-Aspekt, Kämpfe, Humor und eine eher klassische High-Fantasy-Erzählung sucht, dann liefert Forsaken genau das. Für mich persönlich, mit meinem Wunsch nach emotionalen Band, einer spürbaren Liebesentwicklung, Charaktertiefe und einem guten Gleichgewicht zwischen ernsten Momenten und Humor, war es nicht ganz die perfekte Mischung.
Mein Fazit:
Forsaken ist originell, mutig und definitiv anders. Das Einhorn allein macht es zu einem Buch, das man so schnell nicht vergisst. Doch für mich persönlich, mit meinen Romantasy-Erwartungen und dem Wunsch nach mehr emotionaler Tiefe und weniger Schwerpunkt auf reinen Humor- und Actionmomenten, war es nicht ganz das Passende.
Deshalb vergebe ich am Ende 3 von 5 Sternen – nicht schlecht, aber für mich nicht die optimale Kombination aus Humor, Gefühl und Tiefe.