Cover-Bild Die Passion nach G.H.
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Penguin
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 25.06.2025
  • ISBN: 9783328602460
Clarice Lispector

Die Passion nach G.H.

Roman
Luis Ruby (Übersetzer)

»Ein verstörender, intensiver Text, der Kafkas Verwandlung wie eine nette Familiengeschichte aussehen lässt.« DER SPIEGEL

G.H., eine vermögende Bildhauerin aus Rio, betritt das Zimmer ihres schwarzen Dienstmädchens, das ihr gekündigt hat. Der Raum ist überraschend aufgeräumt, nur einige Zeichnungen an der Wand stören die perfekte Ordnung. G.H. fühlt sich provoziert, öffnet den Kleiderschrank des Dienstmädchens und zerquetscht beim Schließen eine Kakerlake. Damit setzt sie eine Reihe von abgründigen, verstörenden Überlegungen über Leben, Tod, Weiblichkeit und Erlösung in Gang, die noch in der Rückschau des folgenden Tages ihre menschliche Existenz ins Wanken bringen.Clarice Lispectors Roman Die Passion

nach G.H. ist eines der aufregendsten, beunruhigendsten Werke der Weltliteratur und gilt als lateinamerikanisches Pendant zu Franz Kafka. Erstmals seit über vierzig Jahren neu übersetzt – durch Luis Ruby, der Lispector kennt wie kaum ein zweiter –, erstrahlt der Roman in ungewohnter Vielschichtigkeit und Radikalität.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2025

Obsession

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Es ist der Tag danach, nachdem das Grauen von ihr Besitz ergriffen hat. Sie, die gut situierte Bildhauerin aus Rio, teilt ihren größten Schrecken. Ihr Hausmädchen hat ihr gekündigt und sie ist voller Vorfreude, ...

Es ist der Tag danach, nachdem das Grauen von ihr Besitz ergriffen hat. Sie, die gut situierte Bildhauerin aus Rio, teilt ihren größten Schrecken. Ihr Hausmädchen hat ihr gekündigt und sie ist voller Vorfreude, selbst durch die Penthousewohnung zu huschen und wischend und feudelnd das Chaos zu glätten. Während des Frühstücks ist sie dabei, einen Plan zu entwickeln, der ihre Vorgehensweise dokumentiert. Sie ist sich sicher, dass sie in der dunklen Abstellkammer, der Bettstatt des nachtschwarzen jungen Dings beginnen wird.

Das Grauen:

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieses Hausmädchen, ohne mir etwas zu sagen, die Kammer auf seine Weise aufgeräumt und sie mit der Kühnheit einer Eigentümerin ihrer Funktion als Abstellraum beraubt hatte. S. 44

Nun steht sie in der hellen, lichtdurchfluteten Schlafstätte und muss sich an die Wand lehnen. Aber siehe da, die Wand trägt eine Skizze. Die kalt gezogenen Linien schwarzer Kohle auf weißem Putz geben den Blick auf eine Frau, einen Mann und einen Hund in Lebensgröße frei. Alle nackt. So nackt eben, wie man ohne Kleidung sein kann. Sie spürt auf sich den Hass des Hausmädchens. Fühlt sich abgewiesen in diesem blendend weißen Raum mit der Höhlenmalerei.

Dann fällt ihr Blick auf den Schrank, den wird sie zunächst mit Wasser fluten, denkt sie. Ein Blick hinein löst einen Schauer des Entsetzens aus. Sie sieht direkt in die Augen einer Kakerlake. Sie wendet den Blick ab und versucht tief durchzuatmen. Mit einem großen Grad tiefer Entschlossenheit schlägt sie die Türe zu und ein Schauer durchfährt sie, eine Wonne ob des Gedankens, diese Kreatur getötet zu haben. Doch was hat sie getan. Was hatte sie aus dieser einst gelassenen Frau gemacht?

Fazit: Clarice Lispector lebte von 1920-1977 in Rio de Janeiro. Diese Geschichte entstand 1964. Sie lässt ihre, von ihrem schwarzen Hausmädchen verlassene, Protagonistin in deren Kammer eintreten. Diese gibt sich stundenlang obsessiven Gedanken hin, die die Themen Transzendenz, das Göttliche, das Nichts, Liebe, den Tod und die Demut abklopfen. Und so parliert die Frau für mich vor sich hin. Was ich nach dieser Lektüre sicher weiß, ist, dass ich sie nicht verstanden habe. Ist die privilegierte Protagonistin aus armen familiären Verhältnissen psychisch krank? Ist sie aus Langeweile in diese einnehmende Situation gelangt? Während der qualvollen Litanei der Sinnsuche und der Selbsterkenntnis quäle ich mich durch das Buch. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass die Autorin schreiben konnte. Das Schlusswort des Übersetzers fand ich nicht hilfreich. Die Aussage, diese Geschichte sei das lateinamerikanische Pendant zu Kafkas „Verwandlung“, kann ich nicht nachvollziehen. Dieses Buch zu lesen war eine Überraschung, aber kein Vergnügen.

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