Frieden ist kein Märchen, sondern harte Arbeit
Manchmal liegt da ein Sachbuch vor einem und man denkt: Na herzlichen Glückwunsch, Nahostgeschichte über 3000 Jahre, das wird bestimmt so leicht wie ein Ikea Schrank ohne Anleitung. Und dann passiert etwas ...
Manchmal liegt da ein Sachbuch vor einem und man denkt: Na herzlichen Glückwunsch, Nahostgeschichte über 3000 Jahre, das wird bestimmt so leicht wie ein Ikea Schrank ohne Anleitung. Und dann passiert etwas ziemlich Schönes: Daniel Gerlach nimmt einen nicht von oben herab an die Hand, sondern eher wie jemand, der sagt: Komm, wir schauen da mal gemeinsam genauer hin.
Die Kunst des Friedens ist kein Wohlfühlbuch, aber ein wichtiges. Es räumt mit diesem einfachen Bild auf, dass der Nahe Osten halt schon immer Krieg, Streit und Chaos war. Genau da wird es spannend. Gerlach zeigt, wie oft verhandelt wurde, wie viel hinter verschlossenen Türen lief und wie viele Menschen versucht haben, Frieden nicht nur zu predigen, sondern irgendwie zusammenzubasteln.
Besonders stark fand ich, dass Frieden hier nicht kitschig wirkt. Kein Friede Freude Falafel Teller, sondern harte Arbeit, Machtspiele, Mut, Fehler und manchmal auch ganz schön viel Ego. Gerade das macht das Buch glaubwürdig. Man merkt, dass der Autor Ahnung hat, aber er erschlägt einen nicht mit Fachchinesisch.
Klar, leichte Kost ist das nicht. Zwischendurch musste mein Kopf kurz Pause machen und einen inneren Kaffee bestellen. Aber genau solche Bücher braucht es, wenn man Nachrichten nicht nur konsumieren, sondern wirklich verstehen will.
Ein kluges, mutiges und überraschend menschliches Sachbuch, das zeigt: Frieden ist keine naive Idee. Frieden ist Handwerk. Und manchmal sogar Kunst.