Fundierte Prognosen, die jedoch einen zu geringen Teil des Inhalts ausmachen
Ich habe von David Christian bereits „Big History“ gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Während es sich dabei um eine breit angelegte Zusammenschau der Weltgeschichte handelte, befasst er sich hier ...
Ich habe von David Christian bereits „Big History“ gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Während es sich dabei um eine breit angelegte Zusammenschau der Weltgeschichte handelte, befasst er sich hier nun mit der Zukunft und nimmt dabei ebenfalls eine umfassende Perspektive ein.
Zunächst aber stellt er einige allgemeine Betrachtungen darüber an, was Zukunftsdenken bedeutet und auf welche verschiedenen Arten man sich die Zukunft vorstellen kann. Auch wenn die diesbezüglichen Ausführungen nicht direkt uninteressant sind, waren sie für meinen Geschmack jedoch zu „philosophisch“.
Interessanter ist dann der nächste Teil, wo ein Blick darauf geworfen wird, wie andere Lebewesen die Zukunft managen. Der Gedanke, dass beispielsweise auch Pflanzen oder sogar Einzeller in einem gewissen Sinn Prognosen über die Zukunft anstellen und danach handeln, ist doch faszinierend.
Anschließend wendet sich der Autor dem menschlichen Zukunftsdenken zu, erklärt, was dessen Besonderheiten sind und wie es sich im Lauf der Geschichte – von der Steinzeit über das Agrarzeitalter bis in die Moderne (hier als die letzten ca 200 Jahre definiert) – verändert hat.
Dann endlich beginnen die eigentlichen Zukunftsprognosen, die sich auf die drei bereits im Titel ersichtlichen Zeithorizonte beziehen: Nahe Zukünfte (die nächsten 100 Jahre), mittlere Zukünfte (wie es mit der menschlichen Entwicklungslinie weitergeht) und ferne Zukünfte (bis zum Ende von Raum und Zeit). Ein spannender, wenn auch nicht unerwarteter Aspekt ist dabei, dass die sich in Jahrmilliarden messende ferne Zukunft des Universums besser vorhergesagt werden kann, als die Ereignisse innerhalb der nächsten Jahrzehnte, die sehr von dem oft unberechenbaren menschlichen Verhalten abhängen werden.
Insgesamt sind diese Prognosen aufschlussreich und wirken fundiert. Der Autor hat die von ihm angestrebte goldene Mitte zwischen „übermäßiger Genauigkeit (dann liegen sie fast immer falsch) und zu großer Allgemeinheit (dann sind sie mehr oder minder nutzlos)“ weitgehend erreicht. Die diesbezüglichen Ausführungen machen allerdings nur weniger als ein Drittel des Buches aus, während das „Vorgeplänkel“ zu viel Raum einnimmt. Ich hätte mir mehr und ausführlichere Prognosen bzw Prognosen zu mehr verschiedenen Themen gewünscht.