Interessantes Thema oberflächlich behandelt und zu trocken aufbereitet
Der Archäologe und Anthropologe David Wengrow nimmt sich hier eines grundsätzlich interessanten Themas an: Ausgehend von der Feststellung, dass der alte Orient zwar als „Wiege der Zivilisation“ gilt, der ...
Der Archäologe und Anthropologe David Wengrow nimmt sich hier eines grundsätzlich interessanten Themas an: Ausgehend von der Feststellung, dass der alte Orient zwar als „Wiege der Zivilisation“ gilt, der moderne Nahe Osten aber eher als das Gegenteil von Zivilisiertheit angesehen wird, geht er der Frage nach, was über die ersten Zivilisationen gesagt werden kann und wie das Konzept der Zivilisation im Verlauf der letzten Jahrhunderte von verschiedenen Wissenschaftlern interpretiert wurde.
Er konzentriert sich vor allem auf Kulturen in Ägypten und Mesopotamien (grob zwischen Neolithikum und Eisenzeit), beschreibt deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede und stellt ihre Beziehungen zueinander und zu ihren Nachbarvölkern dar. Dabei betont er immer wieder, dass die Interaktionen zwischen den Zentren der Zivilisation und vor allem auch die Handelsnetzwerke intensiver und ausgedehnter waren, als gemeinhin angenommen.
So überraschend manche der hier gebrachten Beispiele im Detail auch sind, sind seine Grundaussagen jedoch nichts Neues. Ich habe dies im Prinzip schon längst auch anderswo gelesen.
Im ziemlich kurzen zweiten Teil erklärt er noch, welche Motive hinter der europäischen Erforschung des Altertums steckten. Dass beispielsweise die frühen Aufklärer auf diese Weise Naturrechtssysteme ableiten wollten, ist dabei durchaus erhellend. Das letzte Kapitel ist dann jedoch komplett überflüssig. Es umfasst im Wesentlichen eine weitschweifige Beschreibung von Napoleons Ägyptenfeldzug.
Fazit: Trotz einiger gelungener Ansätze kann dieses Buch nicht halten, was Klappentext und Vorwort versprechen. Eine wirkliche Antwort auf die Frage „Was ist Zivilisation?" erhält man hier ebenso wenig wie Einsichten in die „Zukunft des Westens“.