Cover-Bild Döner
20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: März Verlag
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 257
  • Ersterscheinung: 22.02.2022
  • ISBN: 9783755000044
Eberhard Seidel

Döner

Eine türkisch-deutsche Kulturgeschichte
Laura Fronterré (Illustrator)

Eberhard Seidel gelingt mit Döner. Eine türkisch-deutsche Kulturgeschichte das, was man sich von einem Sachbuch mit Anspruch erhofft. Ausgehend von diesem unscheinbaren Imbissgericht erzählt er die über 60-jährige Geschichte des türkischen Lebens in Deutschland neu: vom Anwerbeabkommen über die ökonomischen, sozialen und gesellschafts-politischen Bedingungen, die die Entwicklung des preiswerten gastronomischen Klassikers begünstigt haben, bis hin zum rassistischen Terror des NSU, der zunächst als »Döner-Morde« durch die Presse ging. Seidel trifft Dönerproduzenten, Bäcker, Imbissbesitzer. Dabei lernen wir ganz nebenbei mehr als in jeder großen soziologischen Studie darüber, wie die Eingewanderten und ihre Nachkommen nicht nur die Essensgewohnheiten der Menschen, sondern das Land von Grund auf verändert haben.
Das ABC des Döner Kebaps mit dem Rezept des Kochs Hamdi aus Kastamonu, das Rezept des Kochs Iskender aus Bursa sowie der Anleitung zur Dönerzubereitung à la Renan Yaman. Und mit vielen neuen Erkenntnissen zur Entstehungsgeschichte des Döner Kebaps im Osmanischen Reich, der Türkei und in Deutschland.

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Lesejury-Facts

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.12.2024

Salat alles drauf? Scharf auch?

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Eberhard Seidel ist eine deutsche Koryphäe des Döners, praktisch ein Dönerprofessor. Bereits 1996 veröffentlichte er ein erstes Buch zu einem der Lieblingsfastfoods der Deutschen, 2022 erscheint vorliegendes ...

Eberhard Seidel ist eine deutsche Koryphäe des Döners, praktisch ein Dönerprofessor. Bereits 1996 veröffentlichte er ein erstes Buch zu einem der Lieblingsfastfoods der Deutschen, 2022 erscheint vorliegendes Döner-Buch, dem ich mich mit aufkommendem Appetit (1. Hunger, 2. Lesen, in genau dieser Reihenfolge) nicht entziehen konnte.

Wo die Wiege des Döner Kebap ist, darüber ist sich Seidel selbst nach eingehenden Recherchen nicht sicher. In Deutschland jedenfalls soll 1971 in Berlin der erste Imbiss eröffnet haben, an dem vom senkrechten Drehspieß Fleisch in ein gevierteltes Fladenbrot zum Verzehr für unterwegs geschaufelt wurde. Denn auch wenn es die Dönertasche in der Türkei durchaus bereits gab, ist die heutige Form eine Erfindung ehemaliger Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation. In der Türkei isst man offensichtlich lieber im Sitzen, während der Deutsche sich lieber im Stehen oder Gehen mit Soße bekleckert. Die in den 1970er/80er Jahren als erstes aus den deutschen Unternehmen entlassenen Männer, im Zuge des Gastarbeiterabkommens angeworben wurden, mussten sich neue Einkommensquellen erschließen, und so wurde der Döner geboren, der als Reimport eine Beliebtheit auch im Ursprungsland Türkei erfahren hat.
Wurden die ersten Dönerspieße noch in irgendwelchen Hinterhöfen zusammengeklöppelt, entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre eine Döneridustrie, die heute mehr Umsatz generiert als die zehn größten Fast-Food-Ketten.

Bei der kulturgeschichtlichen Betrachtung des Döners kommt man nicht umhin, sich auch dem Rassismus, genauer gesagt der Türkenfeindlichkeit, die mir als Kind in den 1990er Jahren bereits diffus bewusst war, zuzuwenden. Dabei richtet Seidel seinen Blick auch dem Osten der Republik, wo türkische Gastronomen es nicht nur schwerer hatten, sondern auch häufiger Opfer rechter Gewalt wurden.

Ich mochte das Buch. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr verschenken sollt an jemanden, der gerne isst, dann schenkt doch einfach das Buch und wünscht guten Appetit.