Salat alles drauf? Scharf auch?
Eberhard Seidel ist eine deutsche Koryphäe des Döners, praktisch ein Dönerprofessor. Bereits 1996 veröffentlichte er ein erstes Buch zu einem der Lieblingsfastfoods der Deutschen, 2022 erscheint vorliegendes ...
Eberhard Seidel ist eine deutsche Koryphäe des Döners, praktisch ein Dönerprofessor. Bereits 1996 veröffentlichte er ein erstes Buch zu einem der Lieblingsfastfoods der Deutschen, 2022 erscheint vorliegendes Döner-Buch, dem ich mich mit aufkommendem Appetit (1. Hunger, 2. Lesen, in genau dieser Reihenfolge) nicht entziehen konnte.
Wo die Wiege des Döner Kebap ist, darüber ist sich Seidel selbst nach eingehenden Recherchen nicht sicher. In Deutschland jedenfalls soll 1971 in Berlin der erste Imbiss eröffnet haben, an dem vom senkrechten Drehspieß Fleisch in ein gevierteltes Fladenbrot zum Verzehr für unterwegs geschaufelt wurde. Denn auch wenn es die Dönertasche in der Türkei durchaus bereits gab, ist die heutige Form eine Erfindung ehemaliger Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation. In der Türkei isst man offensichtlich lieber im Sitzen, während der Deutsche sich lieber im Stehen oder Gehen mit Soße bekleckert. Die in den 1970er/80er Jahren als erstes aus den deutschen Unternehmen entlassenen Männer, im Zuge des Gastarbeiterabkommens angeworben wurden, mussten sich neue Einkommensquellen erschließen, und so wurde der Döner geboren, der als Reimport eine Beliebtheit auch im Ursprungsland Türkei erfahren hat.
Wurden die ersten Dönerspieße noch in irgendwelchen Hinterhöfen zusammengeklöppelt, entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre eine Döneridustrie, die heute mehr Umsatz generiert als die zehn größten Fast-Food-Ketten.
Bei der kulturgeschichtlichen Betrachtung des Döners kommt man nicht umhin, sich auch dem Rassismus, genauer gesagt der Türkenfeindlichkeit, die mir als Kind in den 1990er Jahren bereits diffus bewusst war, zuzuwenden. Dabei richtet Seidel seinen Blick auch dem Osten der Republik, wo türkische Gastronomen es nicht nur schwerer hatten, sondern auch häufiger Opfer rechter Gewalt wurden.
Ich mochte das Buch. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr verschenken sollt an jemanden, der gerne isst, dann schenkt doch einfach das Buch und wünscht guten Appetit.