Interessanter Roman mit einigen Längen und Ungereimtheiten (und in fragwürdiger Übersetzung)
Anders als vom Klappentext behauptet, erstreckt sich die Handlung dieses Romans nicht bis in die Gegenwart, sondern deckt „nur“ den Zeitraum von 1839 bis ca 1908 ab. Auch dieser hat aber einiges zu bieten, ...
Anders als vom Klappentext behauptet, erstreckt sich die Handlung dieses Romans nicht bis in die Gegenwart, sondern deckt „nur“ den Zeitraum von 1839 bis ca 1908 ab. Auch dieser hat aber einiges zu bieten, beispielsweise die Opium-Kriege und ihre Folgen, die schillernde Persönlichkeit der Kaiserinwitwe Cixi oder den Boxeraufstand.
Wir begegnen unter anderem einem jungen englischen Kaufmann, der sich vom Handel mit Opium Reichtum und Erfolg erhofft, einem ebenso engagierten chinesischen Beamten, dessen Aufgabe es ist, diesen zu unterbinden, einem Eunuchen, der die Ränkespiele am Kaiserhof hautnah miterlebt oder auch einer einfachen Frau aus einem abgelegenen Dorf, deren Lebensweg dennoch mit den umwälzenden Entwicklungen dieses Jahrhunderts verknüpft ist.
Da aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und sich die Ereignisse über mehrere Jahrzehnte erstrecken, entsteht ein ganz guter Überblick darüber, was sich im China das 19. Jahrhunderts so alles getan hat.
Die Protagonisten wirken allerdings häufig eher schablonenhaft, scheinen keine bzw teilweise eine widersprüchliche Persönlichkeit zu haben. Obwohl sie über einen längeren Zeitraum begleitet werden, konnte ich zu den meisten keine richtige Beziehung aufbauen.
In die Handlung werden viele Informationen über die chinesische Geschichte eingeflochten. Sie hat jedoch auch einige Längen, manche Episoden sind eigentlich überflüssig, während andererseits einige interessante Entwicklungen zu kurz abgehandelt werden. Dazu kommen Ungereimtheiten (beispielsweise auch was das Alter der gerade auftretenden Figuren betrifft) und einige politische Entwicklungen aber auch Handlungen der Charaktere sind nicht wirklich nachvollziehbar.
Außerdem ist die Übersetzung (aus dem Englischen) häufig fragwürdig, was immer wieder den Lesefluss stört. Wenn beispielsweise Chinesen (Spitz)namen tragen wie „Second Son“, „Happy“ oder „Lacquer Nail“, zwei Leute einmal per Du und ein paar Zeilen später wieder per Sie sind, ein chinesischer Handwerker einen chinesischen Palastangestellten mit „Sir“ anspricht etc.
Fazit: Das Thema der chinesischen Geschichte und des Ringens dieses Landes mit dem Einfluss der ausländischen „Barbaren“ ist interessant. Das ist aber auch der Hauptgrund, warum ich bis zum Ende durchgehalten habe. Ich wollte den fast 1.000 Seiten langen Roman zwischendurch öfters abbrechen, weil mich die Handlung als solches nicht packen konnte.