Ein berührender Roman über Stärke und Verantwortung
Dieser Roman erschien bereits 2011 – und nun habe ich ihn sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört. Dabei war ich positiv überrascht, wie sehr mich die Geschichte berührt hat. Auch wenn das Cover auf ...
Dieser Roman erschien bereits 2011 – und nun habe ich ihn sowohl gelesen als auch als Hörbuch gehört. Dabei war ich positiv überrascht, wie sehr mich die Geschichte berührt hat. Auch wenn das Cover auf den ersten Blick nicht ganz so ansprechend wirkt, überzeugt der Inhalt umso mehr.
Die 14-jährige Amrei muss sich allein um Haus und Hof kümmern, während Vater und Bruder im Krieg sind. Zusätzlich trägt sie die Verantwortung für ihren kleinen Neffen, da die Schwägerin weder arbeiten noch sich kümmern will.
Auch die demenzkranke Oma Wanner nimmt sie zu sich – aus Pflichtgefühl und Herzensgüte.
Schon früh lernt Amrei, was es heißt, stark zu sein, sich zu behaupten und die Entbehrungen des Krieges zu tragen. Viele dramatische und bewegende Szenen lassen einen tief mit ihr fühlen, die, statt Kind zu sein, viel zu schnell erwachsen werden muss.
Amrei ist burschikos, mutig und fleißig, aber auch stur und ungestüm. Manchmal übernimmt sie sich, meint es gut und tritt anderen dennoch unbeabsichtigt auf die Füße. Gerade das macht sie menschlich und nahbar. Durch den Engländer Tom und die Tierärztin Angela erkennt sie schließlich, dass man nicht alles allein schaffen muss.
Was den Glauben betrifft, hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Nur gelegentlich bringen Oma Wanners Trost oder Amreis stille Gebete einen Hauch von Spiritualität in die Geschichte.
Der Roman spielt während des Zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren, historische Ereignisse werden jedoch eher angerissen. Der Einstieg verläuft ruhig, gewinnt aber an Fahrt, als das Geheimnis der Schwägerin ans Licht kommt. Einige Szenen auf dem Pferdehof wirken etwas skurril – man fragt sich, warum Zusammenhänge erst so spät erkannt werden und die Erwachsenen so gutgläubig reagieren. Auch das Verhalten der Lehrer gegenüber Micki fand ich stellenweise merkwürdig.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse etwas, wodurch die Geschichte leicht überladen wirkt. Insgesamt aber ist es ein berührender Roman über Stärke, Verantwortung und Mut – mit kleinen Schwächen, aber viel Herz und einer Protagonistin, die man so schnell nicht vergisst.