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Veröffentlicht am 23.03.2026

Zwischen Wahrheit und Worten – Eine Geschichte, die Geduld verlangt

Die Worte, die ich niemals schrieb
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Der Roman umfasst den Zeitraum von Januar 1944 bis März 1945 und entfaltet seine Handlung ausschließlich über Briefe, Zeitungsartikel, Notizen und Korrespondenzen. Auf diese Weise erschließt sich dem Leser ...

Der Roman umfasst den Zeitraum von Januar 1944 bis März 1945 und entfaltet seine Handlung ausschließlich über Briefe, Zeitungsartikel, Notizen und Korrespondenzen. Auf diese Weise erschließt sich dem Leser nach und nach, warum die Linguistikstudentin Johanna Berglund ihre Aufzeichnungen einem Anwalt übergibt und weshalb sie angeklagt ist. Diese ungewöhnliche Erzählform wirkt zunächst raffiniert und hebt sich interessant von klassischen Darstellungen dieser Epoche ab.

Gleichzeitig erweist sich genau diese Struktur als Herausforderung: Die Vielzahl an Perspektiven und Dokumenten erschwert es, den Überblick zu behalten und ein zusammenhängendes Bild zu entwickeln. Der häufige Wechsel unterbricht den Lesefluss, sodass man sich immer wieder neu orientieren muss. Dadurch entsteht stellenweise ein sprunghaftes Leseerlebnis, das auch ermüdend wirken kann.

Im Zentrum steht Johanna, die in einem Kriegsgefangenenlager als Übersetzerin tätig ist, Unterricht gibt und Briefe zensiert. Ihre direkte, oft brüske Art bringt sie wiederholt in Konflikte. Ihr Umgang mit Mitmenschen wirkt nicht selten respektlos, und ihre ausgeprägte Selbstüberzeugung stößt andere vor den Kopf. Auch ihre Haltung zum Glauben irritiert: Zwar wird ihr innerer Bruch nachvollziehbar, doch ihre teils spöttische und fordernde Haltung gegenüber Gott befremdet, ebenso wie etliche Lügen, hinter denen sie sich versteckt.

Einen wichtigen Gegenpol bildet Peter Ito, ein japanisch-amerikanischer Freund, der Johanna mit Bedacht und Empathie begegnet. Der Austausch zwischen beiden eröffnet reflektierte Perspektiven auf Vorurteile, Rassismus und den Umgang mit Feindbildern. Besonders gelungen ist dabei die Botschaft, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen, sondern ihre Hintergründe und Beweggründe zu verstehen.

Im weiteren Verlauf erlebt Johanna einen tiefen persönlichen Einbruch, der sie mit den Folgen ihrer eigenen Haltung konfrontiert. Diese Entwicklung deutet zwar eine innere Veränderung an, wirkt jedoch angesichts der sich zum Ende hin überschlagenden Ereignisse etwas überhastet und nicht ganz überzeugend. Dadurch wirkt auch das Ende ziemlich abrupt.

Trotz einzelner Figuren, die der Geschichte Gefühl und Tiefe verleihen, bleibt der Zugang insgesamt anspruchsvoll. Die innovative Erzählweise fordert Geduld und Ausdauer, was nicht durchgehend belohnt wird. Dennoch trägt das Buch eine starke Grundbotschaft: Menschen sind fehlbar, geprägt von Ängsten, Hoffnungen und Vorurteilen, die versuchen im undurchschaubaren Chaos dieser komplizierten Welt zu leben und verdienen es, nicht vorschnell aufgegeben zu werden.

Im Buch gibt es leider weder Nachwort noch persönliche Anmerkungen der Autorin, aber auf der Homepage findet man ein paar Hinweise was Fiktion und historisch belegt ist.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Zwischen Trümmern und Glauben – Lottes Weg aus Ideologie und Schuld

Uns trägt die Hoffnung
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Der Roman führt zurück zur Familie Kaiser und konzentriert sich diesmal auf Lotte, Friedas Tochter, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und der schweren Nachkriegszeit in Dresden ihren eigenen ...

Der Roman führt zurück zur Familie Kaiser und konzentriert sich diesmal auf Lotte, Friedas Tochter, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs und der schweren Nachkriegszeit in Dresden ihren eigenen Weg finden muss.

Während die Hoffnungen vieler Deutscher auf den „Führer“ zerbrechen und die Realität von Krieg, Besatzung und Verlust sichtbar wird, gerät auch Lottes Weltbild ins Wanken. Enteignung, Angst und ein Leben auf engstem Raum prägen den Alltag und lassen zugleich tiefe moralische und persönliche Konflikte entstehen.

Besonders eindrücklich zeichnet die Geschichte Lottes inneren Zwiespalt nach. Zwischen den Ideologien und Prägungen ihres Umfelds und dem wachsenden Bewusstsein, dass menschliche Macht niemals das Heil für alle bringen kann. Begegnungen, Gespräche, unter anderem mit dem russischen Offizier Alexei und die Erfahrungen von Leid, Schuld und familiären Spannungen führen bei ihr zu einem tiefen Nachdenken über Verantwortung, Gnade und Vergebung.

Gerade diese geistliche Entwicklung bildet den stärksten Kern des Romans. Schritt für Schritt erkennt Lotte, dass Orientierung nicht in politischen Führern oder menschlicher Weisheit liegt, sondern im Vertrauen auf Gott. Bibeltexte, Erinnerungen und die Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern geben ihr Halt und eröffnen eine neue Perspektive: selbst in den Trümmern der Geschichte ist Veränderung möglich.

Die wechselnden Zeitebenen – zwischen Kriegszeit und der Zeit danach – vertiefen das Verständnis für die Entscheidungen der Figuren: Wer folgte der Masse, wer widersetzte sich und welche Folgen hatte beides? Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild von Mut, Schuld und Verantwortung.

Neben dieser starken inhaltlichen Ebene vermittelt der Roman auch ein lebendiges Bild Dresdens und seiner Geschichte. Der Lokalkolorit und die historischen Hintergründe lassen die Atmosphäre der Zeit greifbar werden.

Kleinere Schwächen, etwa wiederholte sprachliche Ausrufe, einige moralisch locker gezeichnete Situationen oder Witze auf Kosten des Regimes, die stellenweise leichtsinnig wirken, mindern den Gesamteindruck etwas, können jedoch die zentrale Stärke des Buches nicht überdecken: die eindringliche Darstellung eines Glaubensweges in einer Zeit, in der alles Gewohnte zerbricht.

So bleibt vor allem Lottes Entwicklung im Gedächtnis. Vom beeinflussten jungen Mädchen hin zu einer Frau, die erkennt, dass jeder Mensch eine Wahl hat und dass Vertrauen auf Gott selbst in größter Not Hoffnung schenken kann.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Zwischen Schuld, Gnade und Hoffnung

Das Lied der Segel
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Diese Dilogie knüpft an den Debütroman Hinter dem Schleier an und erzählt die Geschichte von Elissas Halbbruder Jack – einem gefürchteten Piraten, dessen gnadenloser Ruf ihm weit voraus eilt. Doch hinter ...

Diese Dilogie knüpft an den Debütroman Hinter dem Schleier an und erzählt die Geschichte von Elissas Halbbruder Jack – einem gefürchteten Piraten, dessen gnadenloser Ruf ihm weit voraus eilt. Doch hinter der rauen Fassade beginnt sich langsam etwas zu verändern. Nachdem der Pfarrer Woodsley ihn schwer verletzt versorgt und ihm Worte aus der Bibel mit auf den Weg gibt, hinterlassen diese Begegnungen deutliche Spuren. Schritt für Schritt wird Jacks innere Zerrissenheit sichtbar: der Kampf zwischen seinem bisherigen Leben voller Schuld und dem tiefen Wunsch nach einem Neuanfang.

Auch Lily, die Tochter des Pfarrers, trägt eine schwere Last mit sich. Von Schuldgefühlen geplagt und von den strengen Drohungen ihrer Mutter mit der Hölle verunsichert, flieht sie aus ihrem behüteten Zuhause in der Hoffnung auf eine Anstellung in Liverpool und gerät dabei ausgerechnet in die Arme des gefürchteten Piraten. Während Jack um das Leben seiner kleinen sechsjährigen Tochter Sophia bangt und gleichzeitig von einem unbekannten Auftraggeber verfolgt wird, müssen Lily und er lernen, sich zu arrangieren, um gemeinsam zu überleben.

Die Geschichte baut von der ersten bis zur letzten Seite eine intensive Spannung auf. Die Handlung ist stellenweise rau und ungeschönt, was hervorragend zur dargestellten Epoche passt. Besonders gelungen ist jedoch die Darstellung von Jacks Charakter: Trotz seines oft gefühllosen und harten Auftretens spürt man deutlich den inneren Kampf, der in ihm tobt. Die Worte des Pfarrers und die Bibelverse haben sein Herz erreicht und lassen ihn nicht mehr los. Er sehnt sich danach, sein altes Leben hinter sich zu lassen und ringt verzweifelt um Vergebung, während ihn seine Schuldgefühle immer wieder niederdrücken.

Ähnlich ergeht es Lily, deren Angst vor Verdammnis und Strafe ihr den Zugang zur göttlichen Vergebung erschwert. Umso berührender ist es zu erleben, wie gerade zwei Kinder nach und nach die Mauern um ihre Herzen einreißen. Die Autorin zeigt anhand von Menschen, die in unseren Augen zutiefst sündig erscheinen mögen, wie Gott wirken kann, wenn jemand ihn um Gnade bittet und bereit ist, sich verändern zu lassen.

Die Entwicklung der Figuren wird dabei sehr authentisch und emotional erzählt. Man fühlt mit den Charakteren mit, kann sich in ihre Gedanken und Konflikte hineinversetzen und erlebt die Handlung beinahe so, als wäre man selbst Teil der Geschichte. Der christliche Gedanke zieht sich sanft, aber deutlich durch die gesamte Handlung und ist so geschickt verwoben, dass er die Geschichte bereichert, ohne sie zu überladen.

Besonders eindrucksvoll vermittelt der Roman die Botschaft, dass jeder Mensch, egal wie schwer seine Vergangenheit auch sein mag, in Gottes Augen wertvoll ist und eine neue Chance erhalten kann. Das Bild eines Gottes, der seine Arme offen hält und immer wieder Geborgenheit schenkt, wird hier sehr bewegend dargestellt.

Ein spannender und zugleich tief berührender Abenteuerroman über Schuld, Vergebung und die verändernde Kraft von Gottes Gnade, der große Vorfreude auf den zweiten Teil weckt.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Interessante Spurensuche zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Die Hüterin der verlorenen Schätze
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Dieser Roman knüpft an „Die Erbin des Bernsteinzimmers“ an, lässt sich aber grundsätzlich auch unabhängig davon lesen. Dennoch empfiehlt es sich, den Vorgänger zu kennen, um einige Zusammenhänge noch besser ...

Dieser Roman knüpft an „Die Erbin des Bernsteinzimmers“ an, lässt sich aber grundsätzlich auch unabhängig davon lesen. Dennoch empfiehlt es sich, den Vorgänger zu kennen, um einige Zusammenhänge noch besser einordnen zu können.

Die Handlung entfaltet sich auf zwei Zeitebenen. Einerseits begleiten wir eine Gruppe sogenannter „Art Treasure Hunters“, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland aufbrechen, um wertvolle Kunstschätze vor der Zerstörung zu bewahren. Unter der Leitung von Charlie stellen sich fünf sehr unterschiedliche Frauen dieser gefährlichen Mission. Anfangs könnten sie kaum verschiedener sein, doch mit der Zeit wächst die Gruppe zusammen. Ihre unterschiedlichen Fähigkeiten werden zur Stärke, und gegenseitiger Respekt, Unterstützung und Zusammenhalt helfen ihnen, auch schwierige Situationen zu überstehen.

Parallel dazu spielt der zweite Handlungsstrang im Jahr 2019. Emilia Seidel versucht herauszufinden, ob ihr Großvater in das Verschwinden einer jüdischen Familie und deren wertvollen Schmuck verwickelt war. Unterstützung erhält sie von den beiden Hobbyermittlern und Schatzsuchern Fynn und Paul. Besonders Pauls enormes Wissen sorgt dabei immer wieder für interessante historische und landschaftliche Hintergründe.

Sehr gelungen sind die klar gekennzeichneten Wechsel zwischen Zeit und Ort, wodurch man den unterschiedlichen Handlungssträngen gut folgen kann. Auch die Übergänge zwischen den Kapiteln sind stilistisch interessant gestaltet: Manche enden mit einem Wortlaut, der im nächsten Kapitel – obwohl es in einer anderen Zeit spielt – wieder aufgegriffen wird. Dadurch wirken die beiden Erzählstränge eng miteinander verwoben.

Inhaltlich bietet der Roman viele spannende Ansätze und verbindet historische Ereignisse mit einer persönlichen Spurensuche. Allerdings gibt es auch Passagen, die sich etwas in die Länge ziehen. Gerade im Zweiten-Weltkriegs-Strang nimmt die Spannung stellenweise ab, während der Gegenwartsstrang rund um Emilia zeitweise sehr actionreich und nicht immer ganz realistisch wirkt.

Etwas gestört hat mich zudem stellenweise die etwas derbe Ausdrucksweise einer Kunstschatzjägerin, die für meinen Geschmack nicht notwendig gewesen wäre und dadurch etwas aus dem ansonsten stimmigen Gesamtbild herausfiel.

Auch der christliche Gedanke bleibt eher dezent im Hintergrund. Zwar zeigen Figuren wie Charlie und Paul durch viele kleine Gesten Werte wie Respekt, Verständnis und Hilfsbereitschaft, doch hätte gerade in der dargestellten Zeit der Glaube noch etwas tiefer ausgearbeitet werden können.

Das Cover sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, da es stilistisch stark an den Vorgänger erinnert.

Und auch das Ende hält noch eine überraschende Wendung bereit, mit der ich zunächst etwas gehadert habe. Dennoch wird deutlich, welche Botschaft hinter der Geschichte steht: Zusammenhalt, Mut und selbstloses Handeln können selbst in dunklen Zeiten Hoffnung geben und Veränderungen bewirken.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Wenn die Wut hochkocht – Leo lernt starke Gefühle zu verstehen

Leo und der Turm (Wut)
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Starke Gefühle und Wut stehen im Mittelpunkt dieses Bandes der Leo-Reihe. Gerade beim Spielen passiert es schnell: Etwas klappt nicht wie erhofft, die Situation kippt und plötzlich ist sie da, diese überwältigende ...

Starke Gefühle und Wut stehen im Mittelpunkt dieses Bandes der Leo-Reihe. Gerade beim Spielen passiert es schnell: Etwas klappt nicht wie erhofft, die Situation kippt und plötzlich ist sie da, diese überwältigende Wut. Man ärgert sich nicht nur über das Missgeschick selbst, sondern auch über vermeintlich ungerechte Reaktionen anderer. Es brodelt, es kocht und ehe man sich versieht, tut man etwas, das man im nächsten Moment zutiefst bereut.

Genauso ergeht es auch Leo. Seine Emotionen gehen mit ihm durch, bis etwas geschieht, das sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Dieses ehrliche und alltagsnahe Szenario macht die Geschichte besonders greifbar für kleine Zuhörer.

Einfühlsam versucht Leos Mama, die Situation ohne Standpauke oder Strafe zu klären. Sie begegnet ihm mit Verständnis und erzählt offen, dass auch sie selbst solche Gefühle kennt. Dadurch fühlt Leo sich nicht allein oder beschämt. Auch der Bezug zu Gott wird aufgegriffen, wie Gott über unser Verhalten denkt und dass starke Gefühle nichts Ungewöhnliches sind.

Hier bleibt allerdings ein kleiner Wunsch offen: Eine deutlicher ausgearbeitete Entschuldigung hätte der Botschaft noch mehr Tiefe verliehen. Auf den Illustrationen lässt sich zwar erahnen, dass eine Versöhnung stattfindet, doch gerade im Zusammenhang mit dem Glaubensaspekt wäre eine klarere Ausführung des „Warum“ und „Wie“ sehr bereichernd gewesen. Das Thema hätte hier noch mehr Potenzial entfalten können.

Dennoch ist der Lösungsweg insgesamt schön gestaltet, und der zu Beginn zitierte Bibeltext ist passend gewählt. Die Illustrationen sind erneut ein echtes Highlight: Durch lebendige Gesichtsausdrücke und detailreiche Szenen werden Gefühle und Stimmungen eindrucksvoll transportiert. Man spürt förmlich die Dynamik der Situation. Auch die Suche nach den Motiven im Einband macht wieder Freude und bietet eine spielerische Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Insgesamt ist auch dieser Band eine wertvolle Ergänzung der Leo-Reihe. Für Kinder von 2–4 Jahren gut verständlich und gleichzeitig eine hilfreiche Unterstützung für Erwachsene, die im turbulenten Alltag neue Wege im Umgang mit starken Emotionen ausprobieren möchten. Gemeinsam Strategien entwickeln, Rückschläge aushalten und miteinander wachsen. Genau dazu lädt dieses Buch ein.

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