Über 6.000 Kilometer quer durch Asien
Die Schweizerin Ella Maillart (1903-1997) hat eine wahnsinnig interessante Biografie: Sie war Olympiateilnehmerin, Seglerin, Skifahrerin, Hockeyspielerin, Stuntfrau, Modell und Reisejournalistin und Fotografin. ...
Die Schweizerin Ella Maillart (1903-1997) hat eine wahnsinnig interessante Biografie: Sie war Olympiateilnehmerin, Seglerin, Skifahrerin, Hockeyspielerin, Stuntfrau, Modell und Reisejournalistin und Fotografin. Von ihrer siebenmonatigen Reise von Peking aus durch entlegene Gebiete in China bis nach Srinagar in Kashmir handelt diese Reisebeschreibung. Ihr Begleiter, obwohl beide lieber als Alleinreisende unterwegs waren, auf dieser über 6.000 km langen Tour war Peter Fleming, ein britischer Reisejournalist und der Bruder von Bond-Erfinder Ian Fleming. Das Team aus Eton-Schüler und Schulabbrecherin funktionierte offenbar prächtig. "Ich hatte dabei Peters glänzende Intelligenz schätzen gelernt, seine Fähigkeit, alles zu essen und überall zu schlafen [...] seine Abscheu gegen jegliche Entstellung der Tatsachen und die angeborene Sachlichkeit, mit der er sie darstellte [...] Ich wusste auch, dass Fleming weder unter meinem Falschsingen noch unter meiner primitiven Kochkunst leiden würde. [...] Und Peter klärte mich darüber auf, dass seine affektierte Stimme, sein nöliger Oxforder Akzent seinen letzten Reisegefährten fast wahnsinnig gemacht hätten." (S. 23)
In ihrem Reisebericht schildert sie, eher dokumentarisch, jede Etappe der Reise, die sich anhand einer kleinen Karte im Buch mitverfolgen läßt. Manchmal war es etwas ermüdend und tempoarm, aber immer interessant. Die politischen Verwicklungen waren sehr konfus und ich habe nicht alles nachrecherchiert. Interessante Personen und Ereignisse haben jedoch meine Neugierde geweckt und daher weiß ich jetzt z.B. über die sogenannte Citroën-Expediton(en) Bescheid. Wir erfahren, mit welchen Verkehrsmitteln (von Zug bis Esel war alles dabei) die beiden unterwegs waren, was gegessen und getrunken wurde und (manchmal wollte man es gar nicht wissen) wo es herkam bzw. wie es gemacht wurde. Maillart schildert die unterschiedlichen Landschaften und deren Bewohner*innen, ihre Lebensweise und die Probleme der Regionen und die bürokratischen Hürden, die die Reisenden immer wieder zur schieren Verzweiflung getrieben haben.
Ich habe mir so viele Post-its gesetzt, dass ich gar nicht alles erwähnen kann. Eine zweifellos sehr interessante Lektüre, die aber etwas Zeit braucht. Am Ende sind einige Bilder von dieser Reise abgedruckt, die Maillart gemacht hat.
Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die Reise, die Maillart einige Jahre später mit ihrer Landsmännin Annemarie Schwarzenbach nach Afghanistan unternimmt. Ebenfalls eine Reisejournalistin und Fotografien mit einer spannenden Biografie.
In diesem Jahr hat der Exekutivrat der UNESCO der Aufnahme der Nachlässe der Schweizer Schriftstellerinnen Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart in das Register des Weltdokumentenerbes zugestimmt.