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Veröffentlicht am 10.06.2026

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Feine Risse
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Nachdem Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof, mit Dunkle Momente einen sehr erfolgreichen Roman veröffentlicht hat, greift sie in Feine Risse auf ...

Nachdem Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof, mit Dunkle Momente einen sehr erfolgreichen Roman veröffentlicht hat, greift sie in Feine Risse auf das bewährte Konzept zurück. Unterschiedliche Rechtsfälle sind in eine Rahmenhandlung rund um die Strafverteidigerin und Ich-Erzählerin Eva Herbergen eingefasst. Alle dargestellten Fälle beruhen im Kern auf realen Ereignissen, die Geschichten und Figuren drumherum entstammen der Fantasie der Autorin.

Der Titel ist erneut sehr passen gewählt, denn feine Risse durchziehen nicht nur den Schädel eines Toten (S.163), sondern auch das Bild, dass wir uns von einer Person gemacht haben, kann Risse bekommen (S. 29).

"[...] bereits ein feiner Riss im Recht konnte zu einem Bruch werden, es gab keine Alternative zu einem absoluten Verbot." (S. 275) Dies ist die dritte Verwendung des Titels und sie steht exemplarisch für das ganze Buch. Denn erneut muss man an vielen Stellen fragen, ist das gerecht, was hier geschieht? Warum kann nicht in diesem Fall, wo es gefühlt so zwingend erscheint, eine Ausnahme gemacht werden, das Recht gebeugt werden? Die hoch interessanten Fällen laden zu entsprechenden Überlegungen ein und ich kann sie mir sehr gut als Grundlage für Diskussions- oder Leserunden vorstellen. Häufig ist es nicht so, wie es zunächst scheint und eine Wendung dreht die ganze Geschichte. Auch wenn hier einige Fälle dargestellt werden, die man ähnlich bereits kennt, liest man sie jedoch gebannt. Der Schreibstil ist ausgewogen, neben einem eher nüchternen Grundton, sorgen die Geschichten an sich für Emotionen. Die Protagonistin und ihr Mann Peter erzeugen in der Rahmenhandlung Ruhe und Ausgeglichenheit, aber auch einen roten Faden, denn ein Fall betrifft das Paar persönlich. Ihre Gespräche über die Fälle sortieren Gedanken und Überlegungen, die auch den Leserinnen helfen.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und wurde an alte Gerichtsfälle und Schicksale erinnert, die seinerzeit Schlagzeilen gemacht haben. Der erste Roman "Dunkle Momente" hat mir allerdings noch besser gefallen, die Fälle waren vielschichtiger und es war für mich eine neue Leseerfahrung.

Dennoch eine unbedingte Leseempfehlung für True-Crime-Fans, Rechtsinteressierte und alle anderen.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Die Finca des Schreckens

Meeresdunkel
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Cover und Klappentext sind gelungen und versprechen viel, das für mich leider nicht erfüllt wurde.


Vor einer renovierungsbedürftigen Finca auf Mallorca treffen zwei deutsche Familien aufeinander, die ...

Cover und Klappentext sind gelungen und versprechen viel, das für mich leider nicht erfüllt wurde.


Vor einer renovierungsbedürftigen Finca auf Mallorca treffen zwei deutsche Familien aufeinander, die sich jeweils als alleinige Mieter dieses Anwesens gewähnt hatten. Nun rauft man sich für eine Nacht zusammen und da es keine Ausweichmöglichkeit gibt, gehen die Fremden eine Zwangsgemeinschaft in dem Ferienhaus ein. Unter der Oberfläche brodelt es, da es in beiden Ehen offenbar Differenzen gibt. Nach Prolog und dem Abschnitt "Ankunft" befinden wir uns nun auf Seite 192, damit etwa in der Mitte des Romans und endlich passiert mal was: es gibt eine Leiche.


Die Handlung wird aus der Sicht von drei Personen erzählt, Samuel und seinem Sohn Juri, sowie von Henrike, der Ehefrau und Mutter der zweiten Familie. Somit ist das, was die Leserinnen erfahren kanalisiert und verrät dadurch schon wieder zu viel. Es gibt die thrillertypischen kurzen Kapitel und raschen Perspektivwechsel, die Geschwindigkeit und Spannung erzeugen sollen. Leider wurde hier eine gute Idee verschenkt. Der Thriller ist über die erste Hälfte fast lupenreines Ehedrama mit hölzernen Figuren und unglaubwürdigen Dialogen und Handlungen. Die 14-jährigen Zwillinge von Henrike und ihrem Mann Hans sind in diesem Text die einzigen Figuren, die nachvollziehbar agieren. Juri, der Achtjährige von Samuel und Marie, spricht wie ein Erwachsener und weiß offenbar genau, warum er sich lieber an die Zwillinge hält, als an die Erwachsenen. Weitere Figuren sind Freddy, Henrikes Bruder, und Hedwig, die Babypuppe von Juri, seiner gleichberechtigten Gesprächspartnerin, die von allen anderen auch so behandelt wird. Das funktionierte für mich gar nicht. Es hätte gruselig sein können, wenn die anderen entsprechend reagiert hätten, aber da Hedwig von allen adoptiert wird, wirkt diese "Episode" für mich einfach albern. Ohne im einzelnen auf die vielen unnötigen Szenen und die im Sande verlaufenden "Auftritte" einzugehen, hat schon die Grundkonstellation der Geschichte für mich überhaupt nicht funktioniert. Als störend habe ich auch vielfache Wiederholungen empfunden. Sachverhalte werden mehrfach erzählt. Das ist immer schlecht in einem "Thriller". Wenn dieser Hinweis wichtig ist, dann will ich nicht mit dem Holzhammer darauf hingewiesen werden, sondern mich freuen, dass ich diese kleine Hilfe selbst entdeckt und abgespeichert hatte. Andersherum ist es noch nerviger, wenn etwas zig Mal ohne besonderen Grund erwähnt wird.


Leider kann ich diesen Thriller nicht guten Gewissens erfahrenen Leserinnen empfehlen. Wer für den Urlaub auf der Suche nach einer leicht zu lesenden Ehedrama-Krimi-Mallorca-Vibes-Lektüre ist, kann das Buch mitnehmen und sich darauf einlassen, allerdings müssen vor einigen Logiklöchern die Augen geschlossen werden.


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Veröffentlicht am 27.04.2026

Dorfgeschichte

Nebenan
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Zwei Frauen in einem Dorf. Die eine, Julia, ist erst vor kurzem hergezogen, die andere, Astrid, lebt schon ihr ganzes Leben hier. Das Haus direkt neben Julia scheint verwaist, die Familie mit den drei ...

Zwei Frauen in einem Dorf. Die eine, Julia, ist erst vor kurzem hergezogen, die andere, Astrid, lebt schon ihr ganzes Leben hier. Das Haus direkt neben Julia scheint verwaist, die Familie mit den drei Kindern ist schon einige Zeit fort. Gegenüber des leeren Hauses wohnt Tante Elsa, dort hat Astrid ihre Kindheit und Jugend verbracht.

Zunächst verwirren die vielen Namen und Beziehungen in dieser Geschichte, dann nimmt alles langsam Gestalt an. In kurzen Kapiteln lernen wir den Ort und seine Bewohner kennen. Hier sind alle denkbaren Schicksale vertreten und immer wieder treffen die Fäden bei Julia und vor allem Astrid zusammen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Kristine Bilkau hat einen ganz dichten Roman geschrieben, in dem so viel drinsteht, aber an ganz vielen Stellen nur angedeutet wird. Man läuft Gefahr, Informationen und Hinweise zu übersehen, zu überlesen. Der Text läßt viel Platz für eigene Interpretationen und Gedanken. Klare Empfehlung für alle, die keine Rundum-sorglos-Geschichte lesen möchten.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

On the Road

Früchte des Zorns
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Die Farmerfamilie Joad sieht in den 1930er Jahren im Mittleren Westen der USA keine andere Möglichkeit, als ihr Land zu verlassen und nach Westen Richtung Kalifornien zu fahren. Dort scheint, sofern man ...

Die Farmerfamilie Joad sieht in den 1930er Jahren im Mittleren Westen der USA keine andere Möglichkeit, als ihr Land zu verlassen und nach Westen Richtung Kalifornien zu fahren. Dort scheint, sofern man den Flugblättern glauben kann, die Arbeit und damit das Geld auf der Straße zu liegen.

Steinbeck hat exemplarisch am Schicksal der Familie Joad die schwere Zeit der Weltwirtschaftskrise in den Great Plains dargestellt. Durch falsche Bodenwirtschaft und jahrelange Trockenheit entwickelten sich verheerende Staubstürme und die Gegend wurde zur Dust Bowl (Staubschüssel). Unzählige Familien verloren ihre Farmen, machten die letzte Habe zu Geld und fuhren mit überladenen Autos gen Westen. Das Schicksal dieser Wanderarbeiter, die in Kalifornien wegen ihrer hohen Zahl nicht willkommen waren, läßt einen schwer schlucken.

Der Autor läßt sich Zeit, die Figuren zu entwickeln. Er erzählt langsam, läßt die Charaktere viele Gespräche und Monologe führen und wir fühlen ihre Unsicherheit, die sie hinter Tatendrang und vorgetäuschter Zuversicht versteckt. Es war erschreckend, wie sich die Familie, ihre Besitztümer auf dem Weg verkleinern und die Unterkünfte immer dürftiger werden. Die Geschichte der Joads wird immer wieder durch kürzere Kapitel unterbrochen, in denen die allgemeinen Verhältnisse angeprangert werden. Der Autor übt hier sehr deutlich Kritik an der Politik, an der Gier der Reichen und der Banken. Diese Draufsicht hat mir gut gefallen.

Insgesamt ein Roman, den ich gerne gelesen habe. Da ich eine sehr alte Ausgabe von meinen Eltern zur Hand hatte, sind die neueren Übersetzungen sicherlich geschmeidiger zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Rückkehr auf den Hof

Krummes Holz
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Der Titel des Romans hat mich gereizt und er steht in einer doppelten Bedeutung, zum einen ist damit das Gelände irgendwo in Westfalen gemeint, auf dem der Hof liegt, auf den der Protagonist Jirka nach ...

Der Titel des Romans hat mich gereizt und er steht in einer doppelten Bedeutung, zum einen ist damit das Gelände irgendwo in Westfalen gemeint, auf dem der Hof liegt, auf den der Protagonist Jirka nach fünfjähriger Abwesenheit zurückkommt. Zum anderen bezieht es sich auf ein Zitat von Kant, das im Vorsatz abgedruckt ist: "Aus so krummem Holze, / als woraus der Mensch gemacht ist, / kann nichts Gerades gezimmert werden."

Und krumm bzw. abgewirtschaftet ist nicht nur der einstmals prächtige Hof, sondern auch die Menschen, die dort leben. Jirka ist 19 Jahre alt, als er den Hof nach seinem Internatsaufenthalt wieder betritt. Sein übermächtiger und gewalttätiger Vater Georg und seine ältere Schwester Malene sind abwesend, lediglich die zwischenzeitlich demente Großmutter Agnes und Leander, der Sohn des letzten Verwalters sind da. Vier Monate hat Jirka gezögert, den mehrfachen Aufforderungen seiner Schwester nach Rückkehr und Unterstützung nachzugeben, denn ihr Vater will ihr - einem Mädchen - den Hof nicht vermachen, sondern alles verkaufen. Von Beginn an ist klar, dass Jirka keine schöne Kindheit hatte. Die Mutter kam erst in eine Heilanstalt und verstarb dann früh. Selbst die Spannungen mit Malene gab es schön früher. Nur mit Leander verbinden ihn gute Gedanken und das hat auch mit dessen verstorbenem Vater Vilém zu tun, der so anders war als Georg.

Fast wie ein Kammerspiel agieren die wenigen Akteure auf dem Hof, der eine kalte Atmosphäre ausstrahlt, selbst wenn die Sonne scheint. Der Ich-Erzähler Jirka wechselt zwischen aktuellen Eindrücken und Betrachtungen der bzw. seiner Vergangenheit. Ganz dicht schildert die Autorin die Jahre, die Jirka auf dem Hof verbracht hat und nur langsam setzen sich die Textstücke und damit seine Geschichte sowie die von Malene und Leander zusammen. Im gleichen Maße, wie die drei engagiert (aber geradezu aussichtslos) auf dem Hof werkeln, nähern sie sich wieder an. Insgesamt habe ich den Roman für mich nicht als Bereicherung empfunden. Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt.

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