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Veröffentlicht am 19.03.2026

Ruhiger Coming-of-Age-Roman

Accabadora
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Maria ist eine fill'e anima, ein "Kind des Herzens", wie es auf Sardinen heißt. Sie wurde mit sechs Jahren inoffiziell adoptiert und lebt bei Tzia (Tante) Bonaria, die bereits 60 Jahre alt ist, jedoch ...

Maria ist eine fill'e anima, ein "Kind des Herzens", wie es auf Sardinen heißt. Sie wurde mit sechs Jahren inoffiziell adoptiert und lebt bei Tzia (Tante) Bonaria, die bereits 60 Jahre alt ist, jedoch die Mittel hat, das Mädchen großzuziehen. Marias Mutter hingegen ist froh, eine Esserin weniger versorgen zu müssen. Bonaria arbeitet als Schneiderin, jedoch schleicht sie sich gelegentlich nachts aus dem Haus. Als Maria Jahre später hinter das Geheimnis ihrer Ziehmutter kommt, zerbricht für sie eine Welt.

Dieser ruhige Roman über ein Mädchen, das Mitte der 1950er Jahre auf Sardinen aufwächst und erwachsen wird, braucht ein paar Seiten, bevor er die Leserinnen für sich eingenommen hat. Dann folgt man der Geschichte aber gern und lernt die Menschen in dem kleinen Dorf kennen und nimmt Anteil an ihrem Schicksal. Im Grunde ist es eine Coming-of-Age-Geschichte, die tief mit der Geschichte der Accabadora auf Sardinen verknüpft ist. Was eine Accabadora ist? Tzia Bonaria ist eine solche, die ihre "Aufgabe" nicht leichtfertig ausübt, sondern wohl überlegt handelt, was letztlich auch Maria akzeptiert.

Den schmalen Roman (170 Seiten) habe ich sehr gerne gelesen. Er läßt einen über Leben und Tod nachdenken. Das Sterben ist hier im täglichen Tun der Menschen verankert und wird nicht ausgeklammert und verdrängt. Der Roman wirkt noch lange nach. Hilfreich ist ein kurzes Glossar sardischer Wörter am Ende des Romans.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein Haus mit Geheimnissen

In ihrem Haus
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Die Niederländerin Isabel ist um die 30, unverheiratet und lebt zurückgezogen in einem Haus, das ihrem Onkel gehört und das irgendwann ihr Bruder Louis erben wird. Das Haus bedeutet Isabel alles, dort ...

Die Niederländerin Isabel ist um die 30, unverheiratet und lebt zurückgezogen in einem Haus, das ihrem Onkel gehört und das irgendwann ihr Bruder Louis erben wird. Das Haus bedeutet Isabel alles, dort hat sie bis zuletzt ihre Mutter gepflegt. Jetzt pflegt sie das Porzellan. Louis, ein rechter Schwerenöter, quartiert eines Tages seine aktuelle Freundin Eva im Haus ein, da er auf eine Geschäftsreise ins Ausland geht. Isabel fühlt sich durch Eva nicht nur gestört, sie fühlt sich in ihrer Existenz bedroht.

Die Handlung, die 1961 spielt, deutet schon früh an, um was es letztlich gehen wird, dennoch werden die Leserinnen überrascht. Die Handlung wird von den zwei Frauen bestimmt, die anderen Figuren bleiben recht blass. Das Buch hat daher etwas von einem Kammerspiel. Isabel ist ein höchst unsympathischer Charakter, mit dem die Leserinnen sich aber eine ganz Zeit plagen müssen, bevor die Geschichte richtig in Gang kommt. Eva hingegen scheint unter ihrer Naivität etwas zu verbergen. - Es gab Figurenbrüche, die für mich nicht ganz nachvollziehbar waren und die expliziten und ausführlichen Sexszenen hätte es nicht unbedingt gebraucht. Hier wäre Andeutung vielleicht mehr gewesen.

Mich hat die Geschichte vor allem wegen des historischen Hintergrundes beeindruckt. Die subtil eingebauten Andeutungen, das Geheimnisvolle, das sich durch die ersten beiden Teile der Handlung zieht und die kammerspielartige Wirkung, die im Haus durch Isabel und Eva vermittelt wird, machen den Reiz des Romans aus.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Chronologie eines literarischen Untergangs

Februar 33
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Uwe Wittstock beschreibt in seinem Buch, wie die Nationalsozialisten innerhalb weniger Wochen das kulturelle, gesellschaftliche und politischen Leben an sich rissen. Am Beispiel zahlreicher Literaten und ...

Uwe Wittstock beschreibt in seinem Buch, wie die Nationalsozialisten innerhalb weniger Wochen das kulturelle, gesellschaftliche und politischen Leben an sich rissen. Am Beispiel zahlreicher Literaten und Literatinnen verfolgt man gebannt, wie unverfroren die neuen Machthaber agierten und wie hilflos die Republik ihnen plötzlich gegenüberstand. Die Zeit vom 28. Januar bis 15. März 1933 wird in 35 Kapiteln beschrieben. Das Buch zeichnet detailreich und sehr lebendig die Schicksale bekannter Künstler und Künstlerinnen nach und zeigt, wie eng viele der Personen mit einander bekannt waren. Teilweise bestürzt liest man über das Handeln im Angesicht der sich anbahnenden - oft genug verkannten - katastrophalen Lage. Obwohl Wittstock von einem "Tatsachenbericht" (S. 8) spricht, liest dieser sich nie wie ein dröges Sachbuch. Für mich war es ein Lesen voller Emotionen. Flieht jemand aus Deutschland, um nur kurz den "Spuk" im Ausland auszusitzen, der ja nicht lange dauern kann, dann trifft einen das Kapitelende hart, wenn es z.B. heißt: "Doch er wird zwanzig Jahre brauchen, bis er nach Deutschland zurückkehrt." (S. 179) Andere werden nie wieder kommen.

Jedes Kapitel endet zudem mit einigen Sätzen über den allgemeinen Zustand im Land, der anhand einzelner Beispiele zeigt, wie Nationalsozialisten gegen Kommunisten und Sozialdemokraten vorgingen, überall kam es zu Zusammenstößen und Toten.

Eine umfangreiche Literaturliste, ein Personenregister und zahlreiche Fotos rundes das empfehlenswerte Buch ab. Es vermittelt auf lesenswerte und verständliche Weise ein Stück deutsche (Literatur-)Geschichte und zeigt, wie in wenigen Wochen aus einer Demokratie eine brutale Diktatur werden konnte.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Einsame Privatinsel in der Ostsee

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Cecilia hat offenbar einen Traumjob, sie ist Housesitterin und lebt wochenlang in hochherrschaftlichen Häusern fremder Menschen. Ihr aktueller Auftrag führt sie auf eine private Insel in der Ostsee. Die ...

Cecilia hat offenbar einen Traumjob, sie ist Housesitterin und lebt wochenlang in hochherrschaftlichen Häusern fremder Menschen. Ihr aktueller Auftrag führt sie auf eine private Insel in der Ostsee. Die Besitzer sind ihr jedoch zumindest in Teilen vertraut, denn der Sohn des Hauses, Johannes, ist seit einigen Monaten Cecilias Freund. Als kurz nach Cecilia auch Freunde von ihr auf der Insel eintreffen, scheint es kein gewöhnlicher Housesitter-Auftrag zu sein.

Das Szenario ist hinlänglich bekannt, macht aber immer wieder Spaß und lädt zum Mitraten ein: Wer von den Personen auf einer Insel oder in einem anderweitig isolierten Ort ist Täter oder Täterin? Die Anzahl der Verdächtigen ist begrenzt, deswegen muss der Handlungsaufbau etwas kniffelig sein, um nicht allzu offensichtlich zu wirken. Das ist der Autorin durchaus gelungen, mit einigen Wendungen gelingen überraschende Richtungswechsel. Nicht alles erschien mir logisch. Wer erlaubt einer Housesitterin, Freunde in das zu hütende Haus einzuladen? Selbst wenn man es verheimlichen sollte, muss man mit versteckten Überwachungskameras mit Liveübertragung durch die Besitzer rechnen. Insgesamt ein solider Krimi/Thriller, der weniger durch Schockmomente unterhält, als durch die zunächst undurchsichtige Geschichte.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Der Hof

Bergland
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Ein hochgelegener Hof in den Südtiroler Alpen, der den Bewohnern mehr abverlangt als andere Höfe in Tiefenthal. In den 1940er Jahren muss Rosa alles alleine bewirtschaften und ihr gelingt mehr, als die ...

Ein hochgelegener Hof in den Südtiroler Alpen, der den Bewohnern mehr abverlangt als andere Höfe in Tiefenthal. In den 1940er Jahren muss Rosa alles alleine bewirtschaften und ihr gelingt mehr, als die Nachbarn vermutet haben. Jahrzehnte später stehen ihr Enkel Hannes und dessen Frau Franziska vor anderen Problemen: Die Hofstelle ist zum Ort für "Ferien auf dem Bauernhof" geworden, denn die Land- und Viehwirtschaft reicht zum Überleben nicht aus. Doch die heile Bergwelt, die für die Gäste geschaffen werden muss, ist oft nur eine Illusion.

Jarka Kubsova schreibt über das harte Leben einer Bäuerin auf einem abgelegenen Hof, der nur durch deren unermüdlichen Einsatz überleben kann. Ein entbehrungsreiches und doch erfüllendes Leben. Auch die übernächste Generation muss all ihre Energie in den Hof stecken, ist jedoch mit anderen Herausforderungen geschlagen. Sehr gelungen sind die Abschnitte, in denen es um die Bewertung des Hofes durch den Dachverband "Goldenes Huhn" der Ferienhofvermietungen geht. Die teilweise absurden Auflagen, die für einen mit "Fünf Küken" ausgezeichneten Hof erforderlich sind, lassen die Leser aber nicht nur schmunzeln. Da wird auch die eigene Erwartungshaltung an den Ferienaufenthalt auf die Probe gestellt.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Rosa und ihr Innenleben hätten gerne ein paar Seiten mehr erhalten können.

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