Die Finca des Schreckens
MeeresdunkelCover und Klappentext sind gelungen und versprechen viel, das für mich leider nicht erfüllt wurde.
Vor einer renovierungsbedürftigen Finca auf Mallorca treffen zwei deutsche Familien aufeinander, die ...
Cover und Klappentext sind gelungen und versprechen viel, das für mich leider nicht erfüllt wurde.
Vor einer renovierungsbedürftigen Finca auf Mallorca treffen zwei deutsche Familien aufeinander, die sich jeweils als alleinige Mieter dieses Anwesens gewähnt hatten. Nun rauft man sich für eine Nacht zusammen und da es keine Ausweichmöglichkeit gibt, gehen die Fremden eine Zwangsgemeinschaft in dem Ferienhaus ein. Unter der Oberfläche brodelt es, da es in beiden Ehen offenbar Differenzen gibt. Nach Prolog und dem Abschnitt "Ankunft" befinden wir uns nun auf Seite 192, damit etwa in der Mitte des Romans und endlich passiert mal was: es gibt eine Leiche.
Die Handlung wird aus der Sicht von drei Personen erzählt, Samuel und seinem Sohn Juri, sowie von Henrike, der Ehefrau und Mutter der zweiten Familie. Somit ist das, was die Leserinnen erfahren kanalisiert und verrät dadurch schon wieder zu viel. Es gibt die thrillertypischen kurzen Kapitel und raschen Perspektivwechsel, die Geschwindigkeit und Spannung erzeugen sollen. Leider wurde hier eine gute Idee verschenkt. Der Thriller ist über die erste Hälfte fast lupenreines Ehedrama mit hölzernen Figuren und unglaubwürdigen Dialogen und Handlungen. Die 14-jährigen Zwillinge von Henrike und ihrem Mann Hans sind in diesem Text die einzigen Figuren, die nachvollziehbar agieren. Juri, der Achtjährige von Samuel und Marie, spricht wie ein Erwachsener und weiß offenbar genau, warum er sich lieber an die Zwillinge hält, als an die Erwachsenen. Weitere Figuren sind Freddy, Henrikes Bruder, und Hedwig, die Babypuppe von Juri, seiner gleichberechtigten Gesprächspartnerin, die von allen anderen auch so behandelt wird. Das funktionierte für mich gar nicht. Es hätte gruselig sein können, wenn die anderen entsprechend reagiert hätten, aber da Hedwig von allen adoptiert wird, wirkt diese "Episode" für mich einfach albern. Ohne im einzelnen auf die vielen unnötigen Szenen und die im Sande verlaufenden "Auftritte" einzugehen, hat schon die Grundkonstellation der Geschichte für mich überhaupt nicht funktioniert. Als störend habe ich auch vielfache Wiederholungen empfunden. Sachverhalte werden mehrfach erzählt. Das ist immer schlecht in einem "Thriller". Wenn dieser Hinweis wichtig ist, dann will ich nicht mit dem Holzhammer darauf hingewiesen werden, sondern mich freuen, dass ich diese kleine Hilfe selbst entdeckt und abgespeichert hatte. Andersherum ist es noch nerviger, wenn etwas zig Mal ohne besonderen Grund erwähnt wird.
Leider kann ich diesen Thriller nicht guten Gewissens erfahrenen Leserinnen empfehlen. Wer für den Urlaub auf der Suche nach einer leicht zu lesenden Ehedrama-Krimi-Mallorca-Vibes-Lektüre ist, kann das Buch mitnehmen und sich darauf einlassen, allerdings müssen vor einigen Logiklöchern die Augen geschlossen werden.