„Einfühlsame Zeitreise ins Jahr 1967 – aber kaum Krimispannung“
Badisches Gold von Eva Klingler ist für mich weniger ein Krimi als ein warmherziger, fein beobachteter Roman über das Jahr 1967. Wer klassische Spannung oder einen packenden Ermittlungsstrang erwartet, ...
Badisches Gold von Eva Klingler ist für mich weniger ein Krimi als ein warmherziger, fein beobachteter Roman über das Jahr 1967. Wer klassische Spannung oder einen packenden Ermittlungsstrang erwartet, wird hier eher nicht fündig. Der Reiz des Buches liegt ganz woanders: in der Zeit selbst.
Die Autorin verwebt historische Ereignisse, gesellschaftliche Stimmungen und kleine Alltagsdetails so empathisch, dass ich mich in eine Epoche versetzt fühlte, die ich selbst nicht miterlebt habe. Genau diese Einflechtungen haben das Buch für mich besonders gemacht. Die Figuren sind liebevoll, glaubwürdig und mit viel Gespür gezeichnet — das war für mich eindeutig die Stärke des Romans.
Was mir allerdings gefehlt hat, war das Lokalkolorit. Zwar werden Straßennamen, Viertel und Orte in Karlsruhe erwähnt, doch für mich blieb das Flair eher blass. Die Geschichte hätte — trotz des Schauplatzes — fast überall im süddeutschen Sprachraum spielen können. Gerade bei einem regionalen Verlag hätte ich mir mehr Atmosphäre und ein stärkeres Gefühl von „Karlsruhe“ gewünscht.
Trotzdem: Die ruhige Erzählweise, die gut ausgearbeiteten Charaktere und der empathische Blick auf das Jahr 1967 haben mich überzeugt. Auch ohne echte Krimispannung ist Badisches Gold ein lesenswerter Roman — nur eben in einer anderen Kategorie, als der Klappentext vermuten lässt.
Fazit: Ein atmosphärischer, warmherziger Roman mit starken Figuren und einem spannenden historischen Setting. Für mich solide vier Sterne.