Cover-Bild Formen der Anpassung
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50,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hirmer
  • Themenbereich: Kunst
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 11.2025
  • ISBN: 9783777446837
Frank Werner

Formen der Anpassung

Kunsthandwerk und Design im Nationalsozialismus
GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig, Einrichtung der Stadt Leipzig (Herausgeber)

Ein Grundlagenband, der mit aktuellem und kritischem Blick die wechselseitigen Beziehungen zwischen Politik, Kunst und Gesellschaft bildreich beleuchtet. Wie Entscheidungsträger des NS-Regimes alle Bereiche der angewandten Kunst in nie dagewesener Weise steuerten, förderten und instrumentalisierten, nimmt er unter die Lupe. Texte zu politischen Hintergründen, verwendeten Materialien, Schlüsselfiguren und vielem mehr zeichnen ein komplexes Bild der Zeit.Strömungen von Art déco bis Bauhaus-Ästhetik kündigte der NS-Staat den Kampf an und lenkte zwischen 1933 und 1945 Materialien, Produktionsweisen und ästhetische Ausdrucksformen nach ideologischen Vorgaben. Kunsthandwerk und Design sollten ein vermeintlich deutsches Ideal verkörpern. Gerade handgefertigte Alltagsgegenstände erfuhren eine beispiellose Aufwertung. Die Propaganda richtete sich an heimischen Materialien und Fertigungstechniken aus. Von traditioneller Bürgeler Keramik über Jenaer Glas bis zu Goldschmiedearbeiten – ein einzigartiger wie umfangreicher Überblicksband.

Künstler:innen: Jan Bontjes van Beek, Harald Buchrucker, Walter Dexel, Lydia Driesch-Foucard, Franz Ehrlich, Hermann Gretsch, Elisabeth Hablik-Lindemann, Toni Koy, Otto Lindig, Heinrich Löffelhardt, Bruno Mauder, Max Möckel, Albert Müller, Alen Müller Hellwig, Bruno Paul, Trude Petri, Siegfried Prütz, Karl Wilhelm Raichle, Wilhelm Wagenfeld, Richard Wiedamann, Herbert Zeitner

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Lesejury-Facts

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  • Alrik hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2026

Design unter Druck und Ideologie

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Man schlägt dieses Buch auf und merkt schnell: Das ist kein gemütlicher Kunstband zum Durchblättern, sondern ein leiser Schlag in die Magengrube. Formen der Anpassung schaut nicht weg, beschönigt nichts ...

Man schlägt dieses Buch auf und merkt schnell: Das ist kein gemütlicher Kunstband zum Durchblättern, sondern ein leiser Schlag in die Magengrube. Formen der Anpassung schaut nicht weg, beschönigt nichts und macht trotzdem etwas Seltenes – es erklärt. Ruhig, präzise und mit einem Blick, der Design ernst nimmt, ohne es aus der Geschichte herauszulösen.

Zwischen Keramik, Glas, Möbeln und Goldschmiedearbeiten entfaltet sich ein Panorama, das zeigt, wie tief das NS-Regime in Alltagsästhetik eingriff. Nicht plump, nicht mit dem Holzhammer, sondern über Materialfragen, Produktionsbedingungen und scheinbar harmlose Formentscheidungen. Genau da wird es unangenehm spannend. Wie viel Ideologie passt in eine Teekanne? Offenbar mehr, als man beim morgendlichen Kaffee wahrhaben will.

Der große Reiz des Buches liegt in dieser Mischung aus Bildmacht und analytischer Schärfe. Die Abbildungen sind stark, manchmal fast schön – und genau das ist der Moment, in dem man innerlich kurz stockt. Darf das gefallen? Diese Reibung lässt einen nicht los und macht die Lektüre so wertvoll. Frank Werner vertraut darauf, dass Leser selbst denken können, statt ihnen fertige Urteile hinzustellen.

Besonders gelungen ist der Fokus auf angewandte Kunst. Kein elitäres Museumsdenken, sondern Gegenstände, die benutzt, angefasst, geliebt wurden. Dass gerade das Handwerk ideologisch aufgeladen und aufgewertet wurde, bekommt hier Gewicht und Tiefe. Namen wie Wagenfeld oder Gretsch erscheinen plötzlich in einem größeren, unbequemeren Zusammenhang.

Klar, das Buch fordert Konzentration. Das ist nichts für schnelle Seiten zwischendurch. Aber wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit Erkenntnissen, die bleiben. Ein kluger, sauber recherchierter und visuell beeindruckender Band, der zeigt, wie politisch Form sein kann – und warum Wegsehen nie eine gute Designentscheidung ist.

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