Anna von Meran, geb. Plochl - Mehr als die Frau eines Erzherzogs
Zu Anna Plochl (1804 –1885), die im Alter von 15 Jahren Erzherzog Johann (1782-1852) begegnet ist, gibt es zahlreiche romantische Filme und einige Romane, jedoch bislang kaum als historisch verbürgte Fakten ...
Zu Anna Plochl (1804 –1885), die im Alter von 15 Jahren Erzherzog Johann (1782-1852) begegnet ist, gibt es zahlreiche romantische Filme und einige Romane, jedoch bislang kaum als historisch verbürgte Fakten einzustufende Informationen. Fast alles, was über sie geschrieben und erzählt wird (und wurde), endet mit der Hochzeit mit dem Habsburger im Jahr 1829. Welchen Anteil sie an den Reformen der Landwirtschaft, die Johann zugeschrieben werden, hat, enthüllt die Kunsthistorikerin Gabriele Reiterer in dieser umfassenden Biografie. Dafür hat Reiterer in unzähligen Archiven geforscht und hat erstmals Zugriff auf das Familienarchiv der Familie Meran erhalten.
Wer ist sie nun, diese Anna Plochl, die als kleinbürgerliche Posthalterstochter in eine der mächtigsten Dynastien des 19. Jahrhunderts einheiratet?
Nach dem Intro erfahren wir in zehn Kapiteln sowie einem Epilog bislang Unbekanntes aus dem Leben der Anna Plochl, die Landwirtin, Pionierin und Habsburgerin gewesen ist:
1885 Aussee - Abschied und Neubeginn
Die Dynastie am Abgrund
Das „gamsaugete“ Mädchen
Das ehelose Zusammenleben
Eine andere Art der Ehe
„Ich empfehle dir das Ganze“
Die „persona dubia“ wird Freifrau von Brandhofen
Anna, die Aristokratin
Wetterleuchten
Wende und Abschied
Aus den zahlreichen Briefen, Tagebucheintragungen und Dokumenten gewinnt die Autorin ein interessantes Bild der Beziehung zwischen Anna und Johann, die sehr modern anmutet. Johann, der Bruder des Kaisers, muss nicht für dynastischen Nachwuchs sorgen, (weil das der Kaiser selbst erledigt hat) weshalb er, nach zehn Jahren des brüderlichen Widerstandes, die nicht standesgemäße Bürgerliche endlich heiraten darf. Allerdings sind beide zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Vor allem zahlreiche Hofschranzen lassen Anna ihre Herkunft spüren, indem man sie herablassend behandelt. Dass Kinder aus einer morganatischen Ehe keinen Herrschaftsanspruch haben, ist spätestens 1918 ohnehin obsolet. Dieses Schicksal teilt ihr Sohn Franz von Meran (1839-1891) mit den Kindern des 1914 in Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaares Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg, geborene Chotek.
In Laufe der Jahr wird Anna Plochl zunächst als Freifrau von Brandhofen und dann als Gräfin von Meran geadelt. Welche Rolle hier der allseits bekannte (und teils verhasste) Fürst Metternich gespielt hat, kann man hier nachlesen.
Anna von Meran wird ihren Mann um 26 Jahre überleben. Letztlich werden Anna und Johann im Mausoleum auf ihrem Südtiroler Anwesen, dem Schloss Schenna, beigesetzt.
Auf Grund der ständigen Abwesenheit ihres Ehemanns „schupft“ die bodenständige Anna die weit verzweigten landwirtschaftlichen Betriebe mit erstaunlicher Wirtschaftskompetenz und ist hoch angesehen. Mit Fug und Recht kann Anna von Meran, geborene Plochl, in erster Linie als Landwirtin und Pionierin bezeichnet werden.
Das Buch, das der 11. Teil der Serie „Reihenweise kluge Frauen“ aus dem Verlag Molden ist, ist wie die anderen Biografien, als gediegenes Hardcover erschienen, und enthält zahlreiche zeitgenössische Abbildungen. Das Buch eignet sich bestens als Geschenk.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser detaillierten Biografie einer Frau, die bislang nur romantisiert dargestellt worden ist, aber in Wirklichkeit eine Pionierin des Fortschritts gewesen ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.