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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine Leseempfehlung

Cooks letzte Reise
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Über James Cook (1728-1779) gibt es zahlreiche Bücher, die unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können - Sachbücher wie (historische) Romane.
In diesem Buch nähert sich der amerikanische Autor und ...

Über James Cook (1728-1779) gibt es zahlreiche Bücher, die unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können - Sachbücher wie (historische) Romane.
In diesem Buch nähert sich der amerikanische Autor und Historiker Hampton Sides der Person James Cook an. Dazu hat er zahlreiche Archive durchforstet.

In fünf Abschnitten, die in insgesamt 39 Kapitel unterteilt sind, zeichnet der Autor den Lebenslauf von James Cook nach:

Europas führender Seefahrer
Das Ausmaß meines Missfallens
Unter hohem Himmel
Ein neues Albion
Apotheose

Dabei richtet er seinen Blick, soferne das möglich ist, auf die Persönlichkeit James Cook, der zum einen als kluger, umsichtiger Kapitän, der über eine natürliche Autorität verfügt, gilt und zum anderen den indigenen Völkern auf seinen Reisen mit, für diese Zeit, bemerkenswerten Respekt gegenübertritt, auffällt. Umso dramatischer sind die Ereignisse auf seiner dritte Reise, die ihn letztlich das Leben kostet, beschrieben. Warum hat er alle seine bisherigen Gepflogenheiten über Bord geworfen? Erfolgsdruck, als erster die Nordwestpassage zu entdecken? Oder eine wesensverändernde Krankheit? Oder schlichtweg Überforderung, Cook wollte sich ja eigentlich zur Ruhe setzen?

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen. Zudem bin mehr als erfreut und beeindruckt von diesem Buch über Cooks letzte Reise, das mich trotz, oder gerade wegen seiner korrekten Sachlichkeit, gefesselt hat. Hampton Sides vermittelt ein glaubhaftes Abbild der Zeit, in denen Monarchen um die Vorherrschaft zu Wasser und zu Land kämpfen. Der ethnografische Blick auf die Unterschiede zwischen Briten und Indigenen zu Eigentum und/oder die Ehe wird sehr gut herausgearbeitet. So erhalten wir auch Einblick in einige religiösen Riten, die sich vom europäischen Monotheismus wesentlich unterscheiden.

Dieses Buch über James Cook beschert uns ein Wiedersehen mit einer weiteren interessanten Person: Dem noch jungen William Bligh (1754-1817), der uns aus der Belletristik bzw. aus zahlreichen Verfilmungen bestens (?) vertraut ist.

Mich hat auch der Ausflug in die Instrumentenkunde der damaligen Zeit begeistert. So erfahren wir einiges über die von John Harrison (1693-1776) im Jahr 1762 hergestellte präzise Uhr H4, mit der man auch auf See die Zeit exakt messen konnte, um die Geografische Länge festzustellen. Cook hat allerdings bei seiner zweiten Südssereise von 1775 das baugleiche Modell K1 von Larcum Kendall (1719-1790) an Bord. Als Vermesserin bin ich ein Fan von historischen Seekarten und Vermessungsinstrumenten. Gut haben mir auch die Passagen gefallen, die James Cook als gewissenhaften Kartographen schildern, der sich, bei seinen Bemühungen eine Nordwest-Passage zu finden, sich über die schlechten Karten aus dem Zarenreich ärgert. Darüber habe ich mehrmals schmunzeln müssen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem aufschlussreichen Buch über James Cook eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Hat mich nicht ganz überzeugt

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ ist der zweite Band rund um den neapolitanischen Commissario Salvatore Gaetano.

Dieser Krimi entführt uns in die Vorbereitungen zum Osterfest, das in Neapel ...

„Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ ist der zweite Band rund um den neapolitanischen Commissario Salvatore Gaetano.

Dieser Krimi entführt uns in die Vorbereitungen zum Osterfest, das in Neapel mit jeder Menge Volksfrömmigkeit und dem dazugehörenden Spektakel gefeiert wird. Eigentlich will Commissario Gaetano die Feiertage bei seiner Familie verbringen, als ihm eine männliche Leiche, die am Karfreitag im Hafenbecken angespült wird, einen Strich durch die Rechnung macht. Nachdem die Dienststelle chronisch unterbesetzt ist, kehrt Gaetano trotz Urlaubs nach Neapel zurück, um nach dem Rechten zu sehen. Zunächst ist nicht klar, ob es sich überhaupt um Mord oder nicht doch um einen Unfall oder Selbstmord handelt. Gaetano ist geneigt hier einen Unfall anzunehmen, um den Fall so schnell wir möglich ad acta zu legen.

Allerdings hat er nicht mit der Beharrlichkeit seiner jungen Kollegin Beppa Bellucci gerechnet, die ihm gefühlt tausend und einen Grund nennt, dass der Tote ermordet worden ist ...

Zähneknirschend muss Gaetano ermitteln und langsam kommt ihm die ganze Sache spanisch vor. Zudem erinnert ihn die familiäre Situation des Toten - er hat einen schwer behinderten Bruder - an seine eigene Familie.

Der Tote aus dem Hafenbecken bleibt nicht der einzige Tote, weshalb es mit der Osterruhe gänzlich vorbei ist.

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Fall angemerkt, ist mir der Commissario nicht ganz sympathisch. Ja, er hat mit seinem behinderten Bruder Aniello und dem dementen Vater eine schwierige Familienkonstellation. Dabei vergisst er aber, dass die Last eigentlich auf den Schultern seiner Nichte Carla ruht, während deren Ehemann sich mit dem familieneigenen Weinberg beschäftigt. Erst die Ermittlungen lassen ihn darauf aufmerksam werden. Ob diese Erkenntnis allerdings nachhaltig etwas ändern wird, bleibt offen. Sein Verhalten der jungen Beppa gegenüber ist ein wenig ambivalent bis fragwürdig. Ja, sie ist übereifrig, ehrgeizig und engagiert, vor allem, weil sie sich in der, von Männern und ihrem aufgeplusterten Ego, Welt behaupten will (und muss). Aber eine Polizeischülerin, die alleine ermittelt? Das kommt mir nicht ganz glaubwürdig vor, auch wenn man den Italienern gerne nachsagt, Gesetze ein wenig in die passende Richtung zu verbiegen.

Gut beschrieben sind die Bräuche der neapolitanischen Bevölkerung rund um die Karwoche und Ostern. Diese intensiven Volksfrömmigkeit kann ich nur wenig anfangen. An manchen Stellen nimmt die detaillierte Beschreibung des kirchlichen Fest ein wenig überhand.

Wie schon beim Vorgänger bin auch diesmal mit Commissario Salvatore Gaetano nicht auf einer Wellenlänge.

Fabio Nola ist das Pseudonym eines deutsche Historikers, der während seiner Studienzeit in Neapel gelebt hat. Seine Liebe zur Stadt und ihrer Bevölkerung kommen hier deutlich zum Ausdruck.

Fazit:

Auch dieser zweite Fall für Commissario Gaetano kann mich nicht wirklich begeistern, daher gibt es 3 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Eine unbedingte Leseempfehlung!

Feindbild Frau
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„Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden und was wir alle dagegen tun können“

Wie schon in ihrem Buch „Hass im Netz“ zeigt Autorin und Expertin für digitale Gesellschaft auf, ...

„Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden und was wir alle dagegen tun können“

Wie schon in ihrem Buch „Hass im Netz“ zeigt Autorin und Expertin für digitale Gesellschaft auf, wie sehr die Anonymität im Netz Menschen ihre Hemmungen nicht, weshalb sie immer und überall ungefragt ihre Meinung kundzutun und das vor allem Frauen gegenüber, in einer menschenverachtenden Weise.

„Beleidigungen sind wirkungsvoll, weil sie uns Menschen signalisieren, welchen Stellenwert wir in der Gesellschaft haben“ (S. 39).

Ingrid Brodnig analysiert in 13 Kapiteln die digitale Gewalt die Frauen in Führungspositionen entgegen schlägt. Darüber hat sie mit Politikerinnen in Österreich und Deutschland gesprochen, die, weil sie in der Öffentlichkeit sichtbar sind, einer besonderen Aggression ausgesetzt sind. Vor allem die sexualisierte Gewalt der Hetze im Netz ist für Frauen besonders verletzend. Das Beispiel eines Mannes, der zunächst eine Politikerin sexistisch beleidigt, den Prozess leider gewinnt, anschließend die Frau, die sich gewehrt hat wegen Rufschädigung klagt, und letztlich eine Frau, nämlich seine eigene Lebensgefährtin ermordet, zeigt auch, dass vermeintlich harmlose Übergriffe im Netz recht schnell an anderen Stelle eskalieren können.

Das Ergebnis der Analyse überrascht nicht: Es ist vor allem Männer, die sich die Anonymität des Netzes zu Nutze machen, Frauen werden bedroht, beleidigt und diffamiert, um sie mundtot zu machen und in Schranken zu weisen.

Die Autorin weist auf die Motive und die Mechanismen dieser Bedrohungsszenarien hin und entwirft gleichzeitig zahlreiche Strategien der Gegenwehr und zeigt, was jede Einzelne tun kann, gegen Gewalt im Netz aufzutreten. „Denn die Gewalt im Netz ist kein individuelles Problem, sondern ein Angriff auf demokratische Teilhabe.“

Im Anhang gibt Ingrid Brodnig zahlreiche Tipps, von rechtsicheren Screenshots über Buddy-Systeme bis hin zu strategischem Blockieren, die das Buch auch praktisch nutzbar machen.

Fazit:

Auch dieses Buch von Ingrid Brodnig zeichnet sich durch klare Struktur und fundierte Sachkenntnis aus. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.03.2026

Hat mich gut unterhalten

Einatmen. Ausatmen.
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Maxim Leo bietet in seinem neuen Roman Einblick in Seele seiner Protagonisten. Da ist zum einem die erfolgreiche Managerin Marlene, die vor einem weiteren Karriereschritt steht, dafür aber an ihren Social ...

Maxim Leo bietet in seinem neuen Roman Einblick in Seele seiner Protagonisten. Da ist zum einem die erfolgreiche Managerin Marlene, die vor einem weiteren Karriereschritt steht, dafür aber an ihren Social Skills arbeiten muss, und zum anderen Alex, der eine exklusive Coaching-Schmiede führt, in der Alex Marlene coachen soll. Doch auch Alex hat so seine Probleme und Ängste. Eines davon sind Bankkredite, die bedient werden sollen und ein anderes ist Johanna.

Daneben bekommen wir es noch mit Hausmeister Matthissen, der seine Mutter pflegt und der 14-jährigen Ausreißerin Connie zu tun. Jede und jeder dieser vier Hauptpersonen hat sein bzw. ihr Schicksalspäckchen, das weit in die Familiengeschichte hineinragt, zu tragen. Wie weit, wird für Marlene gleich in den ersten Tagen ihres Aufenthalts klar, als eine Familienaufstellung unter Alex‘ Anleitung, das Schicksal ihrer Großmutter offenlegt.

Wie wird Marlene damit umgehen? Kann sie diese Erkenntnisse annehmen?

Meine Meinung:

Ich kenne fast alle Werke von Maxim Leo, weshalb ich diesen Roman sehr gerne gelesen habe.
Schmunzeln musste ich, wie genau Maxim Leo die Klischees, die so einem Coaching-Tempel oft vorauseilen, beschrieben hat: Klangschalen, vegane Mahlzeiten Yoga sowie das Kommando „Einatmen - Ausatmen“, das Marlene gehörig auf die Nerven geht. Ich finde mich in Marlenes Gedankenwelt wieder. Also nicht, dass ich CEO eines Unternehmens sein wollte, sondern dass ich dem einen oder anderem Angebot nichts abgewinnen kann. Wobei, an einer Familienaufstellung teilzunehmen, sehr interessant ist.

Der Roman lässt sich leicht lesen und trifft immer wieder den richtigen Ton. Mir haben die unterschiedlichen Protagonisten sehr gut gefallen. Jede, jeder darf zweifeln und hoffen, Fehler machen und bleibt dabei durchwegs liebenswert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem kurzweiligen Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, weil es auch ein Körnchen Wahrheit enthält, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 11.03.2026

Eine Leseempfehlung!

Zwei Leichen zum Prosecco
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Um ihre Außendiensttauglichkeit nach der schweren Verletzung, die sie im Dienst erlitten hat, zu beweisen, muss Chefinspektorin Lotta Meinich ein Training absolvieren. Als sie Bruchteile von Sekunden, ...

Um ihre Außendiensttauglichkeit nach der schweren Verletzung, die sie im Dienst erlitten hat, zu beweisen, muss Chefinspektorin Lotta Meinich ein Training absolvieren. Als sie Bruchteile von Sekunden, da es den Anschein hat, ein Kind erschießen zu müssen, erklärt Klaus Waggler, der Ausbildungsleiter, die Nachschulung für nicht bestanden. Für Lotta heißt das weiterhin Innendienst, während ihr Kollege Daniel Prischko auf Fortbildung beim BKA in Wien ist.

Nur wenig später, Lotta und ihr Vater Gustav, pensionierter Kriminalbeamter, drehen auf dem Kürnbergwald eine ausgedehnte Hunderunde, findet der Labdrador Johann Strauss die Leiche des Juweliers Martin Froschberger. Obwohl formell nicht einsatzbereit, wird Lotta, bis Prischko aus Wien zurück ist, die Ermittlungsarbeit übertragen. Gustav, mit Leib und Seele Polizist, reißt dessen Rolle als Lottas Partner an sich. Nun befragen Vater und Tochter die Witwe. Trauer sieht ein wenig anders aus. Als Prischko und Lotta das Alibi der Witwe überprüfen, platzen sie in ein Party mehrerer Frauen, die, so scheint es, mit Prosecco auf den Tod des Juweliers anstoßen, hinein. Wird hier das unfreiwillige Ableben eines fremdgehenden Ehemanns gefeiert?

Die Tauglichlichkeitsprüfung, die Waggler am Sonntag angesetzt hat, fällt ins Wasser, weil Lotta abermals zum Kürnbergwald gerufen wird, wieder eine männliche Leiche. Auch diese Witwe scheint nicht wirklich um ihren Mann zu trauern ...

Handelt hier ein Rächer gedemütigter, misshandelter und betrogener Ehefrauen? Oder ist alles ganz anders? Es gibt kaum Erkenntnisse, ob und wie die Morde zusammenhängen könnten. Zudem hat Lotta den ehrgeizigen Polizeischüler Tim Waggler (ja, den Sohn des Ausbildungsleiters) am Hals und ihr alleinstehender Vater scheint Interesse an Elke Froschberger zu haben.

Meine Meinung:

Eva Reichl ist mit ihrem zweiten Krimi rund um Lotta Meinich einen spannenden Krimi geschaffen, der die Arbeit der Kriminalpolizei von mehreren Seiten zeigt. Zum einem stellt sie den Alltag der Ermittler vor, der nicht immer so glamourös ist, wie sich der kleine Waggler das so vorstellt und zum anderen zeigt sie an Hand der Gerichtsmedizinerin Ilse die Probleme von arbeitenden Müttern auf, wenn die Betreuung von Kindern nicht immer klappt. Dass Gustav auf Ilses Kinder aufpasst, eröffnet möglicherweise ein neues Betätigungsfeld als Leihopa. Ich denke, nach dem Showdown mit Elke hat er wenig Lust, abermals auf eine lustige Witwe zu treffen.

Lotta muss neben ihrer Dienstfähigkeitsüberprüfung noch die eine oder andere spitze Bemerkung in der Dienststelle über sich ergehen lassen. Zudem scheint es gleich drei Männer zu geben, die Interesse an ihr haben: Da ist zunächst der Ex-Ehemann, dem sie als Anwalt eines Verdächtigen wieder begegnet sowie die Kollegen Prischko und Gsteinhauer, der immer wieder versucht Lotta ans Bein zu pinkeln.

Schmunzeln musste ich über die Gespräche, die Lotta und ihrem Vorgesetzten, dem Landespolizeidirektor Jusuf Schmettenthaler führen. Ein Beispiel gefällig:

„Ich rede mit meiner Frau beim Abendessen auch über die Erlebnisse im Dienst, aber meine Frau ist noch nicht auf die Idee gekommen, dem Landespolizeidirektor zu sagen, was er tun soll und warum. Ich hoffe, das bleibt auch so.“

Der Schreibstil ist erfrischend natürlich. Die Charaktere sind authentisch beschrieben.

Mir hat dieser Krimi wieder sehr gut gefallen, zeigt er doch verschiedene Facetten des Polizeialltags auf. Wir treffen gemeinsam mit den Ermittlern auf mehrere Personen, die etwas zu verbergen haben wie zum Beispiel die Beschäftigung von Schwarzarbeitern oder eine Indoor-Hanfplantage. Auch die lästige Büroarbeit wie Berichte schreiben oder elendslange Telefonlisten vergleichen, bleibt nicht unerwähnt.

Ob Tim Waggler Teil des Teams wird? Bei seinem Vater hat Lotta von nun an mindestens einen Stein im Brett. Das Warum, müsst ihr schon selbst lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 2. Fall für Lotta Meinich & Team, der mich sehr gut unterhalten hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.