Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2018

Schicksalshügel

Galgenhügel
2 0

ine Touristenfamilie macht während ihres Campingurlaubs in einem kleinen Dorf nahe der holländischen Grenze eine grausige Entdeckung: Am Schaugalgen des Ortes hängt eine wirkliche Frauenleiche.

Schnell ...

ine Touristenfamilie macht während ihres Campingurlaubs in einem kleinen Dorf nahe der holländischen Grenze eine grausige Entdeckung: Am Schaugalgen des Ortes hängt eine wirkliche Frauenleiche.

Schnell wird klar, dass es sich um die bekannte Schauspielerin Ellen Hartmann handelt, die nach einem Flugzeugabsturz im Wellnesshotel ihrer jüngsten Schwester Anne zur Rehabilitation weilt. Aufgrund ihrer Vorgeschichte scheint ein Freitod plausibel.

Als jedoch KHK Heinrich Tenbrink und sein Kollege Maik Bertram erfahren, dass genau auf diesem Galgenberg in der Silvesternacht vor 16 Jahren Ellens Zwillingsschwester Eva ums Leben gekommen ist, zweifelt zumindest Tenbrink an der Selbstmordtheorie.
Die Staatsanwältin will den Fall, aufgrund des Medieninteresses so schnell wie möglich abschließen und lässt Tenbrink nur ein paar Tage für die Ermittlungen Zeit.

Werden Tenbrink und Bertram das Geheimnis um Ellens Tod lüften können?


Meine Meinung:

Dieser Krimi ist Auftakt einer neuen Reihe, die im Münsterland, unweit der holländischen Grenze angesiedelt ist.
Wir begegnen einem interessanten Ermittler-Duo: Da ist zum einer der verwitwete Heinrich Tenbrink, dessen Gedächtnis ihn immer öfter im Stich lässt und der diese Aussetzer mit seiner langjährigen Erfahrung und einer strukturierten Zettelwirtschaft zu kaschieren sucht. Ihm zur Seite steht Maik Bertram, der ursprünglich aus dem Drogendezernat von Magdeburg kommt und dort einer Venusfalle erlegen ist, die ihn beinahe den Job gekostet hat. Nur mit Mühe und der Hilfe seines damaligen Chefs, musste er den Polizeidienst nicht quittieren, wurde aber nach Nordrhein-Westfalen strafversetzt.

Tenbrink und Bertram sind ein gut eingespieltes Team. Doch die Veränderung bei Tenbrink und das Techtelmechtel mit der Staatsanwältin bringen Bertram an seine Grenzen.

Wie wir es von Tom Finnek gewöhnt sind, ist der Schreibstil spannend und flüssig zu lesen. Da werden falsche Spuren gelegt und wieder verworfen, mehrere Verdächtige präsentiert und ein psychologisch gut aufgebauter Plot hinterlegt.

Die Figuren, allen voran Tenbrink und Bertram, sind authentisch. Jede hat so ihre Ecken, Kanten und Untiefen.
Magda Hartmann, zum Beispiel, traut der Leser ohne weiteres zu, am Mordkomplott gegen ihre ehemalige Schwiegertochter, mitzuarbeiten, zumal ihr Sohn Michael bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Doch auch Michaels Bruder, der Dorfpolizist Max, reiht sich in die Reihe der Verdächtige ein. Und überhaupt scheint der Zusammenhang in dem Dorf, wenn es darum geht, Dritten keinen Einblick zu gewähren, ein fester zu sein. Trotzdem gibt es Risse in der Dorfidylle, die allerdings aus der langen gemeinsamen Vergangenheit herrühren: Hier die vermögenden Schulzes (aus denen Ellen. Eva und Anne stammen), dort die armen Bewohner der Kotten wie die Hartmanns. Diese Ressentiments schwingen deutlich mit.

Die vielen Spuren, denen das Ermittler-Duo unter erhöhtem Zeitdruck nachgehen muss, verdichten sich zu einem fulminanten Showdown.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt in eine neue Krimi-Reihe aus dem Münsterland. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung. Der nächste Fall für die beiden Ermittler ist für den Sommer 2018 in Aussicht gestellt.

Veröffentlicht am 09.08.2018

Fesselnd und vielschichtig bis zur letzten Seite

Totenbauer
2 1

Dieses Buch ist der zweite Krimi rund um die Kommissare Heinrich Tenbrink und Maik Bertram.
Der Krimi beginnt schon recht spannend mit einem Prolog, der einen Rückblick in die Vergangenheit, genauer gesagt, ...

Dieses Buch ist der zweite Krimi rund um die Kommissare Heinrich Tenbrink und Maik Bertram.
Der Krimi beginnt schon recht spannend mit einem Prolog, der einen Rückblick in die Vergangenheit, genauer gesagt, zu einer Urlaubsreise zweier befreundeten Familien in Kreta, gibt. Diese Reise wird das Verhältnis der Familien nachhaltig beeinflussen.
In der aktuellen Gegenwart stirbt ein junger Mann im Stadtpark an seinen Kopfverletzungen. Seine letzten Worte klingen so ähnlich wie „toter Bauer“. Damit kann der ermittelnde Polizist Maik Bertram wenig anfangen, ist er doch aus Magdeburg. Sein Kollege Tenbrink ist ein gestandener Münsterländer und erfahrener Ermittler, der nach dem gefährlichen Zwischenfall aus „Galgenhügel“ nach wie vor im Krankenstand ist. Aber er wäre nicht Heinrich Tenbrink, wenn er nicht trotzdem ermitteln würde….
Während Tenbrink noch mit seinen eigenen Dämonen kämpft, holen verschiedene Ereignisse der Vergangenheit sowohl Maik als auch mehrere Personen aus dem Umfeld des Toten ein. Und der wird nicht der einzige Tote bleiben.

Meine Meinung:
Tom Finnek ist ein Meister der Verwirrspiele. Geschickt führt er die Leser in die Irre. Hinweise auf den Täter finden wir genügend, doch manchmal enden diese in einer Sackgasse. Tom Finnek lässt seinen Lesern Raum für eigene Überlegungen und Spekulationen.
Die Figuren haben Ecken und Kanten, und sind dennoch liebenswürdig. Der neue Chef ist ein Wichtigtuer und wird von den Mitarbeitern weder richtig akzeptiert noch ernst genommen. Daraus ergeben sich immer wieder spannende Wortgefechte.
Sehr schön sind wieder die Eigenarten der Münsterländer Bewohner dargestellt. Schmunzeln muss ich wieder über den „kleinen Grenzverkehr“ zwischen dem Münsterland und Holland.
Anders als in verschiedenen Krimis wird auch der mühsame Alltag der Ermittler dargestellt. Hier sind nicht die Wunderwuzzis am Werk, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen. Das gefällt mir an Tom Finneks Krimis. Sprachlich ein Genuss, weil immer wieder Dialektpassagen, sei es münsterländisch oder holländisch eingeflochten werden.„Totenbauer“ lässt sich ohne Vorkenntnis von „Galgenhügel“ lesen. Allerdings schadet es nicht, den Vorgänger zu kennen.
Die Nachricht, die Maik Bertram m Ende dieses Krimis erhält, lässt auf einen dritten Teil hoffen. Ja, bitte -ich möchte gerne mit dem Duo Tenbrink und Bertram nochmals ermitteln!

Fazit:

Ein Krimi bei dem nichts so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.05.2018

Der 4. Fall für Dr. Leon Ritter

Das Grab unter Zedern
1 0

Im nunmehr vierten Band um Dr. Leon Ritter, Rechtsmediziner aus Deutschland, der seine zweite Heimat im beschaulichen Städtchen Le Lavandou im Süden Frankreichs gefunden hat, dreht sich alles um Paul Simon. ...

Im nunmehr vierten Band um Dr. Leon Ritter, Rechtsmediziner aus Deutschland, der seine zweite Heimat im beschaulichen Städtchen Le Lavandou im Süden Frankreichs gefunden hat, dreht sich alles um Paul Simon. Simon soll vor Jahren seine Tochter Amélie ermordet haben. Nun hat das Berufungsgericht das Urteil gegen ihn aufgehoben und Paul Simon kehrt nach Le Lavandou zurück. Doch lange kann er sich seiner neuen Freiheit nicht erfreuen. Er wird von der selbsternannten Bürgerwehr attackiert. Dabei will er doch nur den wahren Täter finden. Der neue Ehemann seiner Ex-Frau, ein gescheiterter Immobilienspekulant, hätte ein Motiv, da Amélie Erbin eines großen Vermögens ist.

Dann wird am Strand eine männliche Leiche gefunden, die von Ritters Vorgesetzten als Unfall angesehen wird. Da Leon Ritter an dieser Theorie zweifelt, beginnt er auf eigene Faust zu recherchieren. Dies führt den leicht an Seekrankheit leidenden Rechtsmediziner auf die Insel Porquerolles, wo er auf einige recht interessante Persönlichkeiten trifft und eine weitreichende Entdeckung macht.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Capitaine Isabelle Morell stellvertretende Leiterin der Gendarmerie Nationale in Lavandou, ermittelt Leon Ritter mit teils unkonventionellen Methoden. Die Erfolge werden den beiden Recht geben, auch wenn das Chef Zerna nicht passt.

Meine Meinung:

Dem Autor ist wieder ein recht spannender Krimi gelungen.

Leon Ritter entwickelt sich. Er nimmt ein wenig von seiner Umgebung an. Diesmal darf er granteln und bietet vor allem Polizeichef Zerna mehrmals die Stirn, der ihm mit Dr. Bodin einen Konkurrenten vor die Nase setzt.

Remy Eyssen orientiert sich diesmal an zwei authentischen Kriminalfällen aus Österreich, die dem Fall eine recht dramatische Wendung geben. Allerdings, geht über den Querelen in der Dienststelle, ein wenig das Motiv des Täters unter.

Gut gefällt mir, dass Leon Ritter immer das Ohr an den Menschen hat. So spricht er immer wieder mit Außenseitern der Gesellschaft wie Pilar oder lässt sich von seinen Boule-Partnern die Familiengeschichten der Dorfbewohner erzählen.

Dass er einen Tag auf der Insel Porquerolles als „Insel-Doktor“ aushilft, öffnet ihm eine mögliche Perspektive, wenn ihm Dr. Bodin den Job in der Gerichtsmedizin wegschnappt (was ich allerdings weder hoffe noch glaube).

Fazit:

Die Auflösung des Falles, der ja eigentlich aus mehreren Komponenten besteht, wirkt auf mich diesmal ein wenig hastig. Ich habe den höchst subjektiven Eindruck, dass zum Schluss ein paar Seiten fehlen, weil der Fall so abrupt endet. Daher diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Penibel recherchiert - empfehlenswert

Napoleon
1 0

Der britische Historiker Munro Price hat sich intensiv mit dem Untergangs Napoleons beschäftigt. Er gräbt tief in den Archiven von Feind und Freund und fördert bislang unbekannte Fakten zu Tage. Die zahlreichen ...

Der britische Historiker Munro Price hat sich intensiv mit dem Untergangs Napoleons beschäftigt. Er gräbt tief in den Archiven von Feind und Freund und fördert bislang unbekannte Fakten zu Tage. Die zahlreichen Fußnoten belegen die Zitate und erschweren manchmal das Lesen, doch für den an Geschichte Interessierten bergen sie oft viele Hinweise zu weiterführenden Informationen.

Munro Price versucht zu belegen, dass nicht die Schlacht von Waterloo das Ende Napoleons besiegelt hat, sondern viele kleine und größere Ereignisse davor.

Der Autor beleuchtet den Gesundheitszustand des Kaisers der Franzosen, der auf Grund der langjährigen Strapazen angegriffen ist. Er vermutet ein Problem mit der Hypophyse, die er für die Stimmungsschwankungen verantwortlich macht. Besonders seit dem verlorenen Russland-Feldzug verhält sich Napoleon zeitweise depressiv und unberechenbar.

Er bemüht sich dabei größtmöglicher Objektivität und beleuchtet auch die mitunter ambivalenten Aussagen und Handlungen sowohl von Napoleon selbst als auch von Zar Alexander.
In Sturheit und Wankelmütigkeit sind sich die beiden ebenbürtig. Napoleon ist allerdings der bessere Militär, während Alexander nur glaubt ein guter Stratege zu sein.

Sehr schön ist auch die Person des Oberbefehlshabers der alliierten Truppen, Karl von Schwarzenberg, herausgearbeitet. Schwarzenberg wird de facto von Price rehabilitiert, da ihm von den Verbündeten Feigheit und Unentschlossenheit vorgeworfen wurde.

Eine besondere Rolle kommt auch Clemens Lothar von Metternich zu, der sich – obwohl von mehreren Seiten diffamiert – um einen akzeptablen Friedensplan bemüht. Spätestens vor der Völkerschlacht bei Leipzig hätte es noch die Möglichkeit gegeben, durch die Abdankung Napoleons zu Gunsten seines Sohnes (immerhin ein halber Habsburger) eine Dynastie Bonaparte zu installieren. Allein, der halsstarrige Despot, der nicht erkennen wollte, dass Frankreich und die eroberten Gebiete sowie der Großteil seiner Marschälle genug des Krieges hatten, verhinderte eine vernünftige Lösung.

Nicht ausgespart wird auch die beinahe grotesk anmutenden Befindlichkeiten der Herrscher, hüben wie drüben.

DerTheorie, Napoleon wollte Selbstmord begehen, sowie einem Mordkomplott zu Opfer fallen wird ebenfalls Platz eingeräumt.

Ich habe schon sehr viele Bücher über Napoleon und seine Weggefährten gelesen. Dieses ist ein sehr empfehlenswertes, da der Autor viele Zeitgenossen zu Wort kommen lässt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zahltag, auch für den Innenminister

Totenvogel
1 0

Wie schon in seinem ersten Wien-Krimi „Donauwölfe“ entführt uns Hans-Peter Vertacnik in die Intrigen geschwängerte Luft der Österreichischen Innenpolitik.

Mehrere Handlungsstränge werden zu einem dicken ...

Wie schon in seinem ersten Wien-Krimi „Donauwölfe“ entführt uns Hans-Peter Vertacnik in die Intrigen geschwängerte Luft der Österreichischen Innenpolitik.

Mehrere Handlungsstränge werden zu einem dicken Zopf geflochten. Man muss schon genau lesen, wer gerade welcher Fraktion und/oder Connection angehört.

Der allseits unbeliebte Innenminister Liebermann wird erschossen aufgefunden.

Der Verdächtigen sind viele. Zitat der Frau Gemahlin: „er hatte mehr Feinde als Haare auf dem Kopf“.
Major Radek Kubica, noch nicht wirklich von seinem letzten Einsatz, bei dem er angeschossen wurde, genesen, muss wieder ermitteln. Man versucht mehrmals in kalt zu stellen, ist er doch einigen der Mächtigen schwer auf die Zehen getreten. Radek ist jedoch der beste Kriminalbeamte und darf vorerst ermitteln.

Selbst Drohungen und verwanzte Büros halten ihn nicht wirklich auf. Dabei hat er eigentlich ganz andere Probleme: seine Ex-Frau Anne lebt mit dem gemeinsamen Sohn Oskar in London, hat aber für den pubertierenden Burschen wenig Zeit. Daher macht der sich, so mir nichts dir nichts, einfach auf den Weg nach Wien, um bei seinem Vater zu leben. Doch dessen derzeitige Freundin Margot ist wenig begeistert von diesem Familienzuwachs und stellt Radek vor ein Ultimatum.

So kämpft Radek gleich an mehreren Fronten. Wird er das Geflecht der Korruption zerschlagen?

Wie auch schon im letzten Krimi steht ihm Pawel Wozzek, ein polnischer Pfarrer mit Verbindungen zu Geheimdiensten und in die Unterwelt helfend zur Seite. Köstlich die Idee mit dem Medikament gegen Radeks häufigen Alkoholkonsum.

Als Wienerin kenne ich natürlich die Schauplätze und schlendere mit den verschiedensten Figuren über den Kohlmarkt oder treffe Major Kubica auf dem Zentralfriedhof.

Die Charaktere sind sehr gut gelungen und wirken authentisch. Ich kann den feisten Innenminister richtig gut vor meinen Augen erschienen lassen. Fett und schleimig, korrupt und sexbesessen – ein richtig liebenswürdiger Zeitgenosse. Nun, gut, sein Ende kennen wir. Niemand weint ihm eine Träne nach.

Ich habe mich gut unterhalten und habe bei der einen oder anderen Szene lauthals lachen müssen. Als Beamtin sind mir die einen oder anderen Anzüglichkeiten auf die Politik und deren Vertreter nicht ganz unbekannt. Doch wollen wir hoffen, dass der Sumpf doch nicht ganz so schlimm ist, wie beschrieben.