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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2022

Liebesverwirrungen à la Shakespeare

Die Ladys von Somerset – Die Liebe, der widerspenstige Ambrose und ich
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Schauplatz dieses Romans ist England. Man schreibt das Jahr 1807. Durch Napoleons Kontinentalsperre haben einige Wirtschaftstreibende ihr Vermögen verloren. So auch Emmas Vormund. Er landet im Gefängnis ...

Schauplatz dieses Romans ist England. Man schreibt das Jahr 1807. Durch Napoleons Kontinentalsperre haben einige Wirtschaftstreibende ihr Vermögen verloren. So auch Emmas Vormund. Er landet im Gefängnis und die theaterbegeisterte junge Frau auf der Straße. Kurz entschlossen nimmt sie eine Stelle als Gesellschafterin bei der verwitweten Lady Darlington an. Die Witwe beauftragt Emma ihre ältere Tochter Anthea mit dem reichen Gutsbesitzer Mr. Livingston zu verkuppeln. Allerdings begegnen sich die beiden mit gegenseitigem Desinteresse.

Weil Emma davon träumt, als Theaterdichterin Karriere zu machen, lässt sie Anthea und Mr. Livingston in ihrem selbst geschriebenen Theaterstück auftreten. Auch Antheas Schwester Frances und der zu Besuch weilende Frauenheld Ambrose Beauchamp erhalten ihre Rollen.

Doch die Proben entwickeln ein Eigenleben und so verliert Emma den Überblick, wessen Gefühle nun echt oder nur gespielt sind. Auch ihr eigenes Gefühlsleben gerät in Aufruhr.

Meine Meinung:

Üblicherweise lese ich Romane, die eine Ähnlichkeit mit jenen von Jane Austen haben sollen, nicht. Doch hier hat mich die Leseprobe ein wenig an Shakespeares „Sommernachtstraum“ erinnert - sowohl sprachlich als auch vom Inhalt her.

Ich habe es nicht bereut, denn ich habe ein Sittenbild der damaligen Zeit bekommen, das mir sowohl Amüsement als auch Kopfschütteln beschert hat. Amüsiert habe ich mich über die Irrungen und Verwirrungen der Protagonisten. Kopfschütteln musste ich über die Naivität der jungen Darlington-Sisters. Anthea macht im Laufe des Romans die größte Entwicklung durch, die man ihr anfangs so gar nicht zutraut.

Das Gehabe von Lady Darlington rund um ihren Mops Muzzle ist mir gehörig auf die Nerven gefallen, ist aber wahrscheinlich authentisch. Überhaupt ist Lady Darlington eine ziemlich überhebliche Person. Sie kann sich gut vorstellen, als Bäuerin über die Felder zu wandeln - allein dieser Satz zeigt, dass sie keine Ahnung vom richtigen Leben und da vor allem vom beschwerlichen Dasein der Bauern, die ja meistens Leibeigene oder Pächter sind, hat. Kleine Schafe mit einer blauen Schleife sind niedlich, große stinken. Nun ja, damit ist sie in guter Gesellschaft, hat sich ja auch Frankreichs Königin Marie Antoinette auch einen Bauernhof nachbauen lassen. Wohin das geführt hat, ist allseits bekannt.

Die einzelnen Charaktere sind die Summe ihrer Erfahrungen und leben in ihrer eigenen kleinen Welt. Was nicht sein darf, existiert einfach nicht.

Mir hat dieser Ausflug ins 19. Jahrhundert recht gut gefallen, was vor allem an der schönen Sprache liegt.

Fazit:

Ein Ausflug in das England des 19. Jahrhunderts in bester Tradition von William Shakespeare Komödien. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.05.2022

"Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit"

24. Februar... und der Himmel war nicht mehr blau
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Als am 24. Februar 2022 die russischen Truppen in der Ukraine einmarschierten, änderte sich das Leben der jungen Valeria Shashenok wie das aller Ukrainer schlagartig. Zuvor war sie eine unbekümmerte junge ...

Als am 24. Februar 2022 die russischen Truppen in der Ukraine einmarschierten, änderte sich das Leben der jungen Valeria Shashenok wie das aller Ukrainer schlagartig. Zuvor war sie eine unbekümmerte junge Frau, die auf TikTok ihre Wünsche und Träume sowie Fotos ihrer Reisen gepostet hat.

Damit war es schlagartig vorbei. Sie zieht mit ihren Eltern in einen vorher als Büro genutzten und daher recht komfortabel ausgestatteten Luftschutzkeller. Da es neben Langeweile auch WLAN gibt, beginnt sie über ihren nun veränderten Alltag zu berichten. Neben zahlreichen Fotos von ihr selbst gehen Bilder der zerstörten Häuser ihrer Heimatstadt Tschernihiw um die Welt. Innerhalb kürzester Zeit ist Valeria über alle Grenzen bekannt.

Es gelingt ihr, auf abenteuerliche Weise aus der Ukraine auszureisen, und lebt nun in Mailand.

Meine Meinung:

Dieses nur 90 Seiten umfassende Buch ist bei story.one erschienen und spricht auch jene an, die, so wie ich, mit sozialen Medien wie TikTok nichts am Hut haben. Das Buch ist eine Ergänzung zur täglichen Kriegsberichterstattung in den Medien. Es zeigt das Leben einer jungen Frau, die plötzlich ihrer Träume, ihrer Heimat, ihrer Freunde und ihrer Zukunft beraubt wird.

Ich habe nun kurz auf TikTok hineingesehen und festgestellt, dass ich für diese Art der Kommunikation ein wenig zu alt bin. Das Buch lese ich gerne.


Valeria schreibt in manchmal scheinbar unzusammenhängenden Statements über ihre Tage im Bunker, von ihrer Flucht und ihren verlorenen Träumen. Auch aus ihrem Exil in Mailand bleibt sie mit Freunden in der Ukraine in Kontakt und veröffentlicht Videos bzw. Botschaften aus dem zerstörten Land.

Das Buch wird durch einige persönliche Fotos sowie durch eine Landkarte der Ukraine und Fotos aus der zerstörten Stadt Tschernihiw ergänzt.

Berührend ist, dass Valeria dieses Buch nicht nur ihrem von einer Bombe getöten Cousin und allen UkrainerInnen sondern vor allem dem russischen Volk widmet. Denn das russische Volk wird von Putin belogen und betrogen. Denn, „das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit“, auch wenn der Angriffskrieg der russischen Armee nicht so genannt werden darf.

Fazit:

Eine gute Ergänzung zu den Kriegsberichten, die täglich über unsere Bildschirme flimmern. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.05.2022

Ein Lob der Freundschaft

Rettet die Freundschaft!
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Dieses Buch von Sebastian Schoepp ist eine Hommage an die Freundschaft.

In launigen, aber auch ernsten Worten erläutert er sie Bedeutung der Freundschaft für sich selbst und der Allgemeinheit. Vor allem ...

Dieses Buch von Sebastian Schoepp ist eine Hommage an die Freundschaft.

In launigen, aber auch ernsten Worten erläutert er sie Bedeutung der Freundschaft für sich selbst und der Allgemeinheit. Vor allem in der Zeit der Reduktion der sozialen Kontakte während der Pandemie kommt der echten Freundschaft große Bedeutung zu.

Doch was ist „wahre Freundschaft“? Anhand einiger selbst erlebter Beispiele erklärt der Autor, wie sich wahre Freunde von oberflächlichen Bekanntschaften unterscheiden.

Meine Meinung:

Sebastian Schoepps persönlichen Wahrnehmungen wechseln sich in diesem Buch mit Einblicken in die Gedanken von zahlreichen Philosophen wie Epikur und Montaigne ab. Das gefällt mir sehr gut.

Muss ich viele Freunde haben? Oder genügen zwei, drei, auf die ich sich im Ernstfall 1000-prozentig verlassen kann? Wie unterscheide ich echte Freunde, die mir auch in schwierigen Zeiten beistehen von jenen, die vor allem dann zur Stelle sind, wenn es mir gut geht? Hier bietet der Autor ein paar Gedanken zum Nachdenken.

Überdauern Jugendfreundschaften Jahre oder Jahrzehnte der Unterbrechung? Diese Frage kann ich persönlich mit einen lauten JA beantworten. Mit meiner besten Freundin aus der Schulzeit habe ich nach wie vor Kontakt, obwohl sich unsere Lebenswege mehrfach auch örtlich getrennt haben. Doch jedes Mal, wenn wir uns treffen, können wir dort anschließen, wo wir in der Vergangenheit aufgehört haben.

Freundschaften, die später im Leben geschlossen werden, haben eine andere Qualität, stehen aber einer in jungen Jahren geschlossenen um nichts nach.

In unserem digitalen Zeitalter lassen sich Freundschaften über große Distanzen leichter pflegen. Tun wir das ganz einfach und retten unsere Freundschaften! Sie sind es wert!

Fazit:

Diesem Lob an die Freundschaft gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.05.2022

Ein komplexer Krimi

Die Richterin und der Tanz des Todes
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Auch den 5. Fall für die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt habe ich gerne gelesen. Die Autorin beschert ihrer Leserschaft einen komplexen Krimi.

Die charismatische Flamencotänzerin Santana wird ...

Auch den 5. Fall für die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt habe ich gerne gelesen. Die Autorin beschert ihrer Leserschaft einen komplexen Krimi.

Die charismatische Flamencotänzerin Santana wird während der Generalprobe zu den „Nemausus – une danse travers les siècles“ ermordet und Mathilde de Boncourt ist live dabei. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass Santana ihren Erfolg nicht nur ihrer Begabung und ihrer Zähigkeit verdankt, sondern auch das eine oder andere Mal zu den „Waffen einer Frau“ gegriffen hat, um ihre Karriere voranzutreiben.

Ob ihr Verlobter davon Wind bekommen hat und Santana aus Eifersucht ermordet hat?

Doch dann wird Dolcé, die anstelle von Santana in der Show tanzen soll, ermordet, wieder erstochen. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Opfern?

Meine Meinung:

Der Autorin ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der nicht nur die kulinarischen Besonderheiten in und rund um Nîmes farbenfroh beschreibt, sondern einen Einblick in die Lebensweise der Gitanos gibt.

Neben dem bewährten Ermittlerteam Rachid Bouraada, Felix Tourrain und Coralie Mollard darf auch die bekannte Sängerin Marta Torres vorsichtig Erkundigungen einholen. Martas Bekanntheit ist in der Region ein Türöffner, der vor allem bei den Gitanos, die üblicherweise der Polizei gegenüber wenig mitteilsam sind, hilfreich ist.

Neben den Ermittlungen bekommen wir es wieder Einblick in das Seelenleben von Mathilde und auch von Rachid zu tun, die beide voneinander fasziniert sind, sich aber noch (?) nicht erklärt haben. Die zarten Pflänzchen einer aufkeimenden Zuneigung müssen gepflegt und gehegt werden.

Mathilde de Boncourt ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, die ihre liebt und die mit dem Laster des Rauchens kämpft. Sie kann kaum ohne ihre „Gauloise Blonde“ auskommen. In vielen Büchern wird vor allem das Rauchen konsequent verdammt. Dass es hier quasi erlaubt ist, macht den Krimi authentisch.

Der Krimi besticht nicht nur durch das Lokalkolorit, sondern durch unerwartete Wendungen, die die Spannung erhöhen. Zahlreiche Hinweise verdichten sich zu einer heißen Spur, um dann doch in einer Sackgasse zu enden.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der uns wieder die kulinarischen Genüsse der Region um Nîmes näherbringt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.05.2022

Fesselnde Einblicke

Die Macht der Geheimbünde
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Geheimbünde üben seit je her eine gewaltige Faszination auf jene Menschen aus, die kein Mitglied dieser Klubs sind. Je weniger Informationen über geheime Rituale oder die Mitglieder bekannt sind, desto ...

Geheimbünde üben seit je her eine gewaltige Faszination auf jene Menschen aus, die kein Mitglied dieser Klubs sind. Je weniger Informationen über geheime Rituale oder die Mitglieder bekannt sind, desto häufiger sprießen allerlei Verschwörungstheorien aus dem Boden.

Dem Autor und Journalisten Hannes Kohlmaier ist es gelungen, exklusiven Zutritt zu den Räumen diverser Geheimbünde zu erhalten. Er durfte auch an der einen oder anderen Zeremonie teilnehmen.

Welchen Geheimbünden war er nun auf der Spur? Und was ist die Quintessenz aus seiner Recherche?

In vier großen Kapiteln lässt er uns an seinem Insiderbericht teilhaben, wenn er über bekannte und weniger bekannte Geheimgesellschaften schreibt. Der wohl bekannteste Geheimbund sind wohl die Freimaurer sowie die Rosenkreuzer. Der Bund der Kabbala ist hauptsächlich durch das rote Bändchen, das Show-Größen wie Madonna an ihrem Handgelenk tragen, bekannt geworden. Im vierten Kapitel stellt Hannes Kohlmaier einige ziemlich unbekannte Gruppierungen vor. Oder hat irgendwer schon von den „Guglmännern“ gehört? Oder von den „Schlaraffen“? Manche dieser Geheimgesellschaften haben gerade einmal ein paar Dutzend Mitglieder. Damit kann kaum ein politischer Umsturz bewerkstelligt werden.

Meine Meinung:

Wer hier sensationslüstern Neues über die geheimen Rituale der Freimaurer oder Rosenkreuzer erwartet, wird ein wenig enttäuscht werden. Würden die Organisationen alle ihre Geheimnisse oder ihre Mitgliederlisten offenlegen, ginge der Nimbus des Geheimnisvollen verloren, der Teil des Mysteriums „Geheimbünde“ ist.

Apropos Mitgliederlisten: natürlich werden nur jene Namen genannt, die ohnehin bekannt sind wie Mozart oder Angelo Soliman.

Die viel zitierte Weltverschwörung der Freimaurer kann auch hier nicht nachvollzogen werden. Der Vorwurf, dass man einem Bruder hilft, der in Not geraten ist? Klaro, soll auch bei Freunden oder in anderen Kreisen wie z.B. Bei der Feuerwehr üblich sein. Wenn ich einen guten Handwerker brauche, frage ich auch Bekannte oder Freunde, ob sie wen kennen, der ordentliche Arbeit leistet, bevor ich das Telefonbuch oder Internet zurate ziehe. Das Verraten von Insiderwissen, das zu mehr Wohlstand führt? Solche Tipps orte ich eher im parteipolitischen Klüngel, als bei den Freimaurern. Postenschacher - hat wenig mit Geheimbünden als mit Seilschaften anderer Art zu tun.

Für Leser, die sich noch nicht mit den Freimaurern oder ähnlichen Klubs beschäftigt haben, ist dieses Buch ein gelungenes Einsteigerwerk. Für mich hat sich bis auf die „Schlaraffen“ wenig Neues eröffnet.

Die Fotos in der Mitte des Buchs geben einen Einblick in die eine oder andere Versammlungsstätte.

Fazit:

Für Einsteiger in die Materie ein gelungenes Buch, für jene, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, ist die Öffnung dem Journalisten gegenüber vielleicht ein Novum. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.