Zwischen Eichenwald, Künstlerträumen und sehr viel Sehnsucht
Olevano klingt erstmal nach einem dieser Bücher, bei denen man denkt: Kunstgeschichte, Romantik, Bergdorf nahe Rom, na gut, holen wir uns vorher lieber noch einen Kaffee. Und dann sitzt man da, blättert ...
Olevano klingt erstmal nach einem dieser Bücher, bei denen man denkt: Kunstgeschichte, Romantik, Bergdorf nahe Rom, na gut, holen wir uns vorher lieber noch einen Kaffee. Und dann sitzt man da, blättert weiter und merkt: Moment mal, das ist gar nicht trocken, das lebt ja.
Golo Maurer nimmt einen mit in dieses abgelegene italienische Dorf, in dem junge deutsche Künstler um 1820 nicht einfach Urlaub gemacht haben, sondern gleich mal die Kunst neu erfinden wollten. Bescheiden waren die Herren also nicht gerade. Aber genau das macht den Reiz aus. Da wird gewandert, gezeichnet, gestritten, geträumt, gehofft und wahrscheinlich auch ordentlich gelitten, wie es sich für Romantiker eben gehört.
Besonders stark fand ich, wie greifbar Olevano als Sehnsuchtsort wird. Man spürt diese Mischung aus Flucht, Überforderung, Naturrausch und dem großen Wunsch, irgendwo etwas Echtes zu finden. Das hat schon Herz. Gleichzeitig schwingt immer mit, dass diese romantische Projektion auf ein Dorf und seine Menschen nicht ganz unschuldig ist. Da sitzt man beim Lesen schon mal da und denkt: Schön verklärt, Jungs, aber schaut vielleicht auch mal richtig hin.
Der Schreibstil ist angenehm bildhaft, klug und trotzdem zugänglich. Kein staubiger Museumsflur, eher ein Spaziergang durch Landschaft, Kunst und ein paar sehr große Künstler-Egos. Für mich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet, aber eins, das hängen bleibt.
Ein schönes, besonderes Sachbuch für alle, die Italien, Kunst, Romantik und diese leicht verrückte Sehnsucht nach einem anderen Leben mögen.