Schöner historischer Roman
„...Jeder Ackergaul, den sie beschlagen, hat mehr Grips im Kopf als diese Rohlinge. Gütiger Himmel, ich hätte ihnen längst Stubenverbot erteilen müssen…“
Wir schreiben das Jahr 1278. Der Wirt der Schenke ...
„...Jeder Ackergaul, den sie beschlagen, hat mehr Grips im Kopf als diese Rohlinge. Gütiger Himmel, ich hätte ihnen längst Stubenverbot erteilen müssen…“
Wir schreiben das Jahr 1278. Der Wirt der Schenke „Zum Löwen“ in Jülich ist sauer, weil sich zwei Hufschmiede geprügelt und dabei sein Mobiliar zerschlagen haben.
Der Autor hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Der Schriftstil passt zu den Zeitverhältnissen. Er lässt sich flott lesen.
Im Mittelpunkt stehen Eva, die Tochter des Wirtes, und Martin, ein Kaufmannssohn aus Aachen. Zwei Männer werben um Evas Gunst. Das ist der Faßbinder Paul, der sich wortkarg und verschlossen gibt, und der Tischler Adam, der witzig und schlagfertig ist. Warum sich die beiden, die einst Freunde waren, zerstritten haben, bleibt lange im Dunkeln. Eva möchte Paul ehelichen.
Martin wächst nach dem Tod seiner Eltern beim Onkel auf. Der verlangt, dass er Irene heiratet. Die junge Frau ist raffiniert. Sie weiß genau, was sie will.
Doch menschliche Wünsche spielen selten eine Rolle, wen die große Politik ins Spiel kommt. Als Wilhelm von Jülich im Auftrag des Kaisers nach Aachen reist, werden er und seine Mannen ermordet. Unter den Kämpfern ist Martin. Das Geschehen verändert ihn.
„...Er hatte sich im Kampf bewährt, endlich. Aber das große Glücksgefühl blieb aus. Stattdessen fühlte er sich leer, so leer….“
Siegfried von Köln sieht seine Chance gekommen, nun auch Jülich unter seine Fittiche zu bringen. Aachen stellt Männer dafür. Wieder ist Martin dabei. Er erinnert sich an ein Wort seines Lehrers.
„...Tapfer sind die, die auch Schwächen zulassen, wenn es dem Wohle aller dient...“
Jülich ergibt sich. Trotzdem ist danach nichts mehr wie zuvor. Martin sieht Eva im Gasthaus und erkennt in ihr die Frau seiner Träume. Als der Alkohol in Strömen fließt, lässt sich Martin zu einer Tat hinreißen, die nicht rückgängig gemacht werden kann.
Ich darf den Lebensweg der beiden über die nächsten zwei Jahre verfolgen. Dadurch lerne ich das Leben in Aachen, aber auch auf den Dörfern kennen. Gleichzeitig erfahre ich, welche Folgen der Mord am Graf von Jülich für Aachen hat.
Während sich Eva als selbstbewusste Frau erweist, die ihren Weg trotz aller Probleme geht, wirkt Martin bislang auf mich wie ein Getriebener. Er hat nur ein Ziel – und dem ordnet er alles unter, koste es, was es wolle.