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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2019

Kein Urlaub auf Teneriffa

Schwarze Küste
1

„...Kriminalhauptkommissar Richard Levin hasste den Urlaub bereits, bevor er seinen Zielort erreichte. Das relativ kleine Flugzeug des Direktflugs von Nürnberg nach Teneriffa Süd war mit Urlaubern vollgestopft. ...

„...Kriminalhauptkommissar Richard Levin hasste den Urlaub bereits, bevor er seinen Zielort erreichte. Das relativ kleine Flugzeug des Direktflugs von Nürnberg nach Teneriffa Süd war mit Urlaubern vollgestopft. [...]Da er am Gang saß, waren Stöße von Vorübergehenden im Flugpreis inbegriffen....“

Mit den obigen Zeilen beginnt – nach einem kurzen Prolog – der Krimi. Dabei ahnt Richard noch nicht einmal, dass er im Hotel Richterin Linda Wachter und ihre Familie treffen wird. Sie waren bei einem früheren Fall aneinander geraten.
Erstaunlicherweise bittet ihn Linda wenige Tage später, ihren Sohn Kilian mit ins Hotel zu nehmen, da sie mit ihrem Mann einen Strandspaziergang unternehmen will. Als die Familie ins Hotel kommt, ist der Junge verschwunden.
Die Autorin hat einen fesselnden Krimi geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Das lag nicht zuletzt daran, dass jeder der Protagonisten sein eigenes Spiel zu spielen scheint.
Die Personen werden gut charakterisiert. Richard fühlt sich schuldig, weil er nicht bei den Jungen geblieben ist. Allerdings hatte Linda ausdrücklich gesagt, dass Kilian allein im Zimmer bleiben kann.
Bei Herrn Wachter ist echte Verzweiflung zu spüren. Er unternimmt viel, um seinen Jungen zu finden.
Linda dagegen sendet sehr eigenartige Signale aus. Was sie heute fordert, lehnt sie am nächsten Tag wieder ab. Mal will sie Richard dabei haben, mal wirft sie ihm Einmischung vor. Sie erscheint relativ gelassen und kühl und möchte das Heft des Handelns in ihren Hand halten.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Er sorgt für einen hohen Spannungsbogen und Abwechslung im Geschehen.
Von spanischer Seite liegen die Ermittlungen in den Händen von Inspektor Fernand Morell. Allerdings hat er nebenbei noch den Mord an einem Afrikaner aufzuklären. Die Sicht der Einheimischen auf die Flüchtlinge liest sich so:

„...Das Gros der Migranten wollte lediglich arbeiten, und das vor allem auf dem Festland und auf Mallorca. Für sie waren die Kanaren nur eine Zwischenstation...“

Auch Fernand macht sich sein Bild von Richard.

„...Dazu kam dieser deutsche Polizist, der so gar nicht dem Bild entsprach, das er sich von den deutschen Kollegen gemacht hatte. Bislang hatten sie ihn eher an Sesselfurzer mit Bauchansatz erinnert. Levin dagegen glich eher einer gespannten Sprungfeder...“

Ganz nebenbei lerne ich eine Naturschönheiten der Insel kennen. So darf ich Richard auf den Weg durch die Höllenschlucht und beim Aufstieg zum Vulkan begleiten. Passende Metapher beschreiben die Landschaft.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Sehr gut gestaltet sind die Gespräche. Mein Favorit ist die Unterhaltung von Richard und Linda, wo er ihr gehörig die Meinung sagt.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen. Der Autorin gelingt es, mehrere Fälle geschickt zu verknüpfen und mich beim Miträtseln manchen Irr- und Umweg zu schicken.

Veröffentlicht am 30.12.2018

Beeindruckendes Buch

Der Wortschatz
1

„...Wir dürfen die Menschen nicht verteufeln. Wir brauchen sie, sie lesen und schreiben uns. Sie lassen uns existieren. Ohne sie wird unsere Welt verschwinden...“

Das Wort lebt in einer Familie. Doch ...

„...Wir dürfen die Menschen nicht verteufeln. Wir brauchen sie, sie lesen und schreiben uns. Sie lassen uns existieren. Ohne sie wird unsere Welt verschwinden...“

Das Wort lebt in einer Familie. Doch die Gedanken seines Vaters, die sich im Eingangszitat zeigen, sind ihm fremd. Er geht zu seinem Freund Zeig. Dort gelangt es zwischen Stimmbänder und wird von einem Mensch ausgesprochen. Dabei verliert es die Erinnerung nach seinem Sinn. Es macht sich auf die Suche nach sich selbst.
Der Autor hat ein tiefgründiges Buch geschrieben. Er lässt mich das Wort auf seinen Weg begleiten und ermöglicht mir dabei einen Einblick in die Welt der Sprachen.
Der Schriftstil ist ausgereift. Es gibt neben fast philosophischen Gedanken viele treffende Metapher.
Zuerst gelangt das Wort in das Reich eines Denkers und einer Dichterin. Hier trifft es auf Wortpärchen wie Feuer und Flamme. Die Dichterin erklärt das so:

„...Jedes Wort sollte irgendwann in seinem Leben einen Gegenüber treffen, das es vervollkommnet und aus ihm etwas macht, das es vorher nicht für möglich gehalten hätte...“

Das Wort ahnt nicht, dass es in Gefahr ist. Es gibt Kräfte, die nach Worten ohne Bedeutung jagen.
Ein Teekesselspiel beschäftigt das Wort. Dann lernt es die Bedeutung von Klammern kennen und wird durch einen Artikel komplett. Ein Esel als Philosoph weist es auf folgende Tatsache hin:

„...Das Geheimnis ist, sich zu entscheiden. Und mit jeder Entscheidung, die Sie in Ihrem Leben treffen, kommen Sie auch einen Schritt voran...“

Im Sprachfluss lernt das Wort viel über die Geschichte der Sprache. Warum bleiben einige Worte erhalten, während andere verschwinden? Mit vielfältigen Beispielen und schönen Sprachbildern arbeitet hier der Autor. Ein Beispiel zeigt das folgende Zitat:

„...Gerade heute haben wir über den Tod nachgedacht. Ein so kurzes Wort, nicht wahr? Und doch äußerst robust. Sehr alt. Und immer noch an der Oberfläche des Sprachflusses...“

Dann gelangt das Wort ins Land Sprachen. Hier trifft es auf Sprachspiele und Geschichten. Er lernt gesungene Worte kennen und erfährt, was Anagramme sind. Einige Überraschungen stecken speziell in diesem Teil des Buches. Das Wort erfährt vom Wert der Fantasie. Und es wird seinen Sinn finden.
Das Buch zeichnet sich durch wunderschöne Illustrationen aus. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine ganzseitige Zeichnung. Im Mittelpunkt steht immer ein Großbuchstabe. Kleinere Zeichnungen sind passend in den Text der Kapitel eingebunden.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem das Lesebändchen.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es gehört zu der Art von Literatur, die man immer wieder lesen sollte, um neue Feinheiten zu entdecken.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Spannender Roman über die Verantwortung der Wissenschaftler

Gefahr von der anderen Seite
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„...Sie riskieren Ihre Gesundheit und vielleicht sogar Ihr Leben. Es gibt möglicherweise Leute, die von den Ergebnissen Wind bekommen haben und dafür töten werden, um diese Daten zu erlangen oder unter ...

„...Sie riskieren Ihre Gesundheit und vielleicht sogar Ihr Leben. Es gibt möglicherweise Leute, die von den Ergebnissen Wind bekommen haben und dafür töten werden, um diese Daten zu erlangen oder unter Verschluss zu halten. Ganz abgesehen von der Frage, ob die Menschheit für solch eine Art Wahrheit bereit ist...“

Wir schreiben das Jahr 2016. Dr. Jürg Sellmann beobachtet ein Protonen-Kollisions-Experiment am CERN in Genf. Als die Werte entgleisen, versucht er eine Notabschaltung. Doch den Lichtblitz und damit seinen Tod kann er nicht mehr verhindern. Die Öffentlichkeit wird nur mit einer kurzen Nachricht informiert.
Untersuchungsrichter Merlin hat den Todesfall eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an der Universität Paris auf seinen Schreibtisch liegen. Alles spricht für Selbstmord. Verwunderlich ist nur, dass Professor Stein,der Vorgesetzte des Toten, unauffindbar ist.
Der Journalist Mike Peters war von einem anonymen Tippgeber auf das Verschwinden des Professors aufmerksam gemacht worden. Es gelingt ihm zusammen mit seinen Freund Sebastian, den möglichen Aufenthaltsort des Professor zu ermitteln. Deshalb macht er sich auf den Weg nach Chile.
Maurice Belloumi hat den Aufstieg zur Polizei trotz asozialen Elternhaus geschafft. Jetzt bekommt er eine weitere Chance. Er wird zur Kriminalpolizei abgestellt und soll sich dort bewähren.
Der Autor hat einen spannenden Thriller geschrieben, der gleichzeitig Elemente aus der Welt der SF enthält.
In den ersten Kapiteln werden die wichtigsten Personen vorgestellt. Das habe ich zu Beginn meiner Rezension ebenfalls getan. Allerdings ist die Liste nicht vollständig. Das würde auch den Rahmen sprengen.
Den Hintergrund der Handlung bilden zwei durchaus aktuelle wissenschaftliche Theorien. Zum einen geht es darum, wie man Menschen über die Kenntnis ihrer Daten manipulieren kann, zum anderen wird ein besonderer Aspekt der modernen Physik thematisiert.
Der Schriftstil ist abwechslungsreich. Das Eingangszitat stammt von Professor Stein. Die Gespräche zwischen ihm und Mike gehören für mich zu den spannendsten Szenen der Geschichte. Professor Stein hat bei der Entschlüsselung geheimer Daten einen Blick in die Welt außerhalb unseres Universum werfen dürfen und Dinge gesehen, die nicht für dreidimensional denkende Wesen bestimmt sind. Obwohl er mit sehr anschaulichen Beispielen arbeitet, sollte der Leser zumindest Grundkenntnisse über moderne Physik und Kosmologie mitbringen. Von meiner Seite aus hätte das Thema gern vertieft werden dürfen.
Als besonderes Stilmittel gibt es Rückblenden in die Vergangenheit. Hier geht es insbesondere um den Chemiker Fritz Haber und die Gedankenwelt seiner Frau Clara. Der Kernpunkt liest sich so:

„...So einfach dürfen wir Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen es uns nicht machen. Es ist unsere tiefe und heilige Pflicht, Einfluss auf das zu nehmen, was andere mit unserer Entdeckung bewirken...“

Maurice wird zum Schutz von Mike abgestellt. Nach dem Tode von Sebastian geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass auch er in Gefahr ist. Allerdings gibt es dabei ein Problem. Beide wissen um ihre Zuneigung zueinander und kennen die Möglichkeiten der Entgleisung der Beziehung. Auch beruflich verstößt Maurice gern einmal gegen Regeln. Das wird nicht von allen toleriert. Spannende Verfolgungsszenen und unerwartete Angriffe zeichnen diese Abschnitte aus. Dabei ist es schwierig, auseinander zu halten, wer Freund und wer Feind ist. Eine Geheimorganisation hat ebenfalls in allen Bereichen ihre Finger drin. Sie spielt Feuerwehr.
Auch ein feiner Humor schimmert durch, wie das folgende Zitat zeigt.

„...Unterricht ist der Vorgang, bei dem die Notizen des Lehrers zu den Notizen des Schülers werden, ohne dass sie den Geist der beiden passieren müssen...“

Ab und an erleben die Protagonisten mögliche Entwicklungen vorab im Traum. Es kommt dann darauf an, die Situation im realen Leben richtig einzuschätzen, um eine Katastrophe zu verhindern.
Machtgier, Ehrgeiz, Selbstüberschätzung sind die Charakterzüge, die die Lage verschärfen. Häufig werden sachliche Argumente ignoriert.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Frage, wie weit Wissenschaft gehen darf, ist aktueller denn je. Solange Geld und Ruhm die Triebfedern sind, bleibt die Gefahr einer Entgleisung real.

Veröffentlicht am 15.10.2018

Mord in Dresden anno 1869

Die Tote im Fechtsaal
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„...Wer im Mist geboren wurde, wird nicht im Goldsarg begraben, wie man so schön sagt...“

Wir schreiben das Jahr 1869, als Annie Troll in ihrer Fechtschule eine Tote findet. Es handelt sich um die Ballerina ...

„...Wer im Mist geboren wurde, wird nicht im Goldsarg begraben, wie man so schön sagt...“

Wir schreiben das Jahr 1869, als Annie Troll in ihrer Fechtschule eine Tote findet. Es handelt sich um die Ballerina Serafina Bischof. Annie vertraut der Polizei nicht und wendet sich an den Detektiv Daniel Raabe. Er untersucht Fußabdrücke am Tatort und setzt auf die Identifizierung mittels Fingerabdrücken.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Krimi geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Das liegt nicht zuletzt an den außergewöhnlichen Protagonisten.
Annie ist eine selbstbewusste Frau. Sie verlässt sich meist in erster Linie auf selbst. Es ist nicht einfach, in der damaligen Zeit allein eine Tochter großzuziehen. Nach und nach erfahre ich als Leser, was bisher in Annies Vergangenheit schief gelaufen ist und wie sie die wurde, die sie ist.
Auch Daniel Raabe hat an einem schwierigen Schicksal zu tragen. Das hat ihn zum Eigenbrötler gemacht und seiner Freundschaft mit dem Kriminalinspektor Max Keller schweren Schaden zugeführt.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Er passt sich gekonnt der jeweiligen Situation an.
Neben der Toten im Fechtsaal hat Annie ein weiteres Problem, und nicht nur sie. In Dresden ist ein Mann aufgetaucht, der es im großen Stil mit Schutzgelderpressung versucht. Dabei schreckt er vor handgreiflichen Drohungen und selbst Mord nicht zurück.
Zu den stilistischen Höhepunkten gehören die Gespräche zwischen Daniel und Annie. Hier treffen zwei Menschen aufeinander, die über eine gesunde Portion Misstrauen verfügen, sich nichts schenken und doch einander im gewissen Maße vertrauen. Besonders Annies Kommentare zu einer Theateraufführung haben mich zum Schmunzeln gebracht. Sie zeugen für ihre Lebenserfahrung und guten Beobachtungsgabe. Annies Worte klingen ab und an hart, zeigen aber ihre tiefe Verletzlichkeit, die sie sonst gut verstecken kann:

„...Natürlich habe ich Angst. Unsereins kriegt die Angst mit der Muttermilch eingeflößt. Das ist ein Gefühl wie saure Spucke...“

Die Tote hatte ein reges Liebesleben. Das macht die Ermittlungen nicht gerade einfach. Gekonnt wird beschrieben, mit welchen Methoden Daniel an die Fingerabdrücke seiner Verdächtigen kommt. Sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft lehnen das allerdings als Beweismittel ab. Doch auch hier gelingt es Daniel, manch einen zum Nachdenken zu bringen.
Viel Wert legt die Autorin auf die Wiedergabe der Emotionen ihrer Protagonisten. Das geschieht häufiger durch Taten als durch Worte. Beispiele dafür sind Daniels nie versiegte Trauer, Annies Angst um die Tochter, die Kaltblütigkeit des Schutzgelderpresser und die Hinterhältigkeit von Major von Römer. Letzterer strotzt vor Überheblichkeit und glaubt, sich auf Grund seiner Herkunft über alle Regeln hinweg setzen zu können.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich könnte mir sehr gut eine Fortsetzung vorstellen.

Veröffentlicht am 24.05.2017

Eine berührende Geschichte

Unsere Liebe soll nicht traurig sein
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„...Es gibt Tage, die alles verändern. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Alles Kommende steht im Zeichen dieses Tages ...Von einem solchen Tag erzählt dieses Buch...“

Mit obiges Zitat beginnt ein Buch, ...

„...Es gibt Tage, die alles verändern. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Alles Kommende steht im Zeichen dieses Tages ...Von einem solchen Tag erzählt dieses Buch...“

Mit obiges Zitat beginnt ein Buch, dass mich tief berührt hat. Es ist der 28. Januar 1945. Leutnant Walter Kohler besucht seinen Sohn, bevor der nächste Einsatzbefehl auf ihn wartet. Der 17jährige Wolf-Dieter Kohler ist als Flakhelfer bei Stuttgart eingesetzt. Auf die Stellung erfolgt ein Luftangriff. Eine Granate verschüttet Walter Kohler. Wolf-Dieter gräbt seinen Vater mit eigenen Händen aus.
Diese Geschehen ist Grundlage für ein Buch, das zwei inneren Monologe wiedergibt, den des Vaters und den des Sohnes.
Auf den ersten Seiten erzählen die Mutter und der Sohn von den letzten Monaten und Tagen des Vaters, dem letzten Besuch von Stuttgart, dem letzten Zusammensein und den letzten Minuten bei der Flakstellung.
Danach kommt der Vater zu Wort. Er ist ein humorvoller Mensch und liebt seinen Beruf als Kirchenmaler. Mit seinen Worten lässt er mich an seiner Kunst teilhaben. Vor allem die Entstehung der Fenster in der Hallenkirche von Halle/Saale beschreibt er genauer. Schon zu dem Zeitpunkt ahnt er, dass Deutschland auf ein dunkles Kapitel zusteuert. Die Jahre des Krieges lassen ihn ernst werden.
In einem kurzen Zwischenkapitel wird die Beerdigung dargestellt.
Dann kommt der Sohn zu Wort. Der Tod seines Vaters wirkt prägend für das ganze Leben. Der Krieg hat tiefe Spuren hinterlassen. Beruflich folgt er den Spuren des Vaters. Auch er wird Künstler.
Der Sprachstil des Buches ist wortgewaltig und voller beeindruckender und treffender Metapher. Manche Sätze brennen sich ob ihrer Tiefe in die Seele, andere lassen mich als Leser erschauern.
„...Wie oft fahren wir an einem Galgen vorbei. Wie oft sind wir das einbestellte Publikum, wenn eine junger Deserteur erschossen wird? Wenn ich irgendwann mal wieder eine Kreuzigung malen soll, werden sich die Menschen vor ihr fürchten und ein Vater wird die Augen seines Sohnes bedecken...“
Walter sieht, was der Krieg aus Menschen gemacht hat. Er hinterfragt sein Tun. Er ermöglicht mir einen tiefen Einblick in seine Psyche und seine Gedankenwelt. Auf der einen Seite steht die Möglichkeit des Widerstandes, auf der anderen die Verantwortung für Frau und vier Kinder. Sein Glaube trägt ihn durch schwere Stunden, ohne dass er ihn in den Vordergrund spielt.
Auch in Wolf-Dieters Abschnitt setzt sich die bildhafte Sprache fort. Hier fallen vor allem die vielen Vergleich mit dem Wasser, dem Meer, dem Bach, dem Fluss auf. Und immer wieder kommen Erinnerungen hoch, Erinnerungen an die Angst der Bombennächte, Erinnerungen an manche Worte des Vaters.
Familienfotos ergänzen die Geschichte ebenso wie Gemälde von Vater und Sohn. Zu einigen sind die Bibelstellen zitiert, die die Grundlage dafür waren. Die beiden Lebensläufe und eine Übersicht weiterer Werke ergänzen das Buch.
Das Cover zeigt Walter Kohler und findet sich im Buch als Bild wieder.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es zeigt an persönlichen Schicksalen und die Folgen von Krieg und Gewalt auch für die folgende Generation.