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Veröffentlicht am 19.04.2026

Johannas Entscheidungen

Sturmtage
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„...Fast ist mir, als würde es in dem kleinen Wohnzimmer immer noch so riechen wie damals. Muffig von den alten Polstermöbeln, würzig nach kaltem Kaminofen, salzig nach weitem Meer…“

Wir befinden uns ...

„...Fast ist mir, als würde es in dem kleinen Wohnzimmer immer noch so riechen wie damals. Muffig von den alten Polstermöbeln, würzig nach kaltem Kaminofen, salzig nach weitem Meer…“

Wir befinden uns in Oslo im Jahre 1938. Johanna von Fehrsburg lebt nach der Flucht vor 5 Jahren mit Sven und ihrer kleinen Tochter nun in Norwegen.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Inspiration gab die Familiengeschichte ihres Mannes. Es ist der zweite Teil einer Trilogie. Obwohl ich den ersten Band nicht kenne, hatte ich kein Problem, der Handlung zu folgen. Wesentliche Informationen werden im Laufe des Geschehens vermittelt.
Der Schreibstil ist gut ausgearbeitet. Er bringt die Probleme gekonnt auf den Punkt und beschreibt die gesellschaftlichen Verhältnisse realistisch.
Karl – Georg von Fehrsburg, Johannas Bruder, soll im Auftrag seiner Partei, der SPD, als Spion nach Deutschland gehen. Doch er ist dort bekannt und steht auf der Fahndungsliste.
Johanna bietet an, den Part zu übernehmen.

„...Meine Witterung hat es (Anmerkung: das Regime )noch nicht aufgenommen. Niemand wird mich erkennen…“

Die Entscheidung ist nicht einfach, denn Johanna muss ihre dreijährige Tochter bei Sven zurücklassen. Da die Reise aber auf drei Monate begrenzt ist, stimmen alle Beteiligten zu.
Johannas erster Eindruck von Berlin klingt so:

„...Alle scheinen auf den Beinen, marschieren, präsentieren, bewachen, bedrohen lassen sich bewundern…“

Johannas Aufgabe besteht darin, Wesentliches zu fotografieren. Dann erfährt sie, dass ihre beste Freundin Ruth im KZ interniert ist. Mit ihren Mitverschworenen ersinnt sie einen raffinierten Rettungsplan. Doch haben sie überhaupt eine Chance?
Die ganze Angelegenheit kostet Zeit. In Norwegen wartet die Tochter sehnsüchtig auf ihre Mutter.
Für Johanna wird es immer gefährlicher. Sie ist nicht so unbekannt, wie sie glaubt. Mancher hat sich in Deutschland ganz anders orientiert, als erwartet.
Deutlich wird herausgearbeitet, wie schwierig die Zusammenarbeit der Widerstandskämpfer aus unterschiedlichen Parteien ist. Jeder kocht am liebsten sein Süppchen allein. Es herrscht Misstrauen.
Erstaunt war ich darüber, dass man in Norwegen gegenüber der englischen Regierung wesentlich kritischer eingestellt war als gegenüber der Deutschen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Glauben in harter Zeit

Uns trägt die Hoffnung
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„...Ein Gedanke schob sich in den Vordergrund. Spürte Flocki vielleicht eine Gefahr? Tiere schienen im Gegensatz zu Menschen besondere Antennen für kommendes Unheil zu haben…“

Lotte ist im Februar 1945 ...

„...Ein Gedanke schob sich in den Vordergrund. Spürte Flocki vielleicht eine Gefahr? Tiere schienen im Gegensatz zu Menschen besondere Antennen für kommendes Unheil zu haben…“

Lotte ist im Februar 1945 in Dresden unterwegs. Flocki entwischt ihr immer wieder. Das ist sie von dem Hund nicht gewohnt.
Die Autorin hat eine spannende und gut recherchierte Fortsetzung ihrer historischen Romantrilogie um eine Dresdner Unternehmerfamilie geschrieben.
Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Die Verhältnisse in Dresden im Jahre 1945 werden gut wiedergegeben.
Im Mittelpunkt steht die nächste Generation. Das sind vor allem Lotte, die Tochter von Frieda und Herrmann, und Eva, die Tochter von Elisabeth und Karl.
Bei der Bombardierung Dresdens verliert die 19jährige Lotte und ihre Familie das Zuhause. Sie kommen bei ihre Tante Ilse in der Villa unter. Doch nach der Besetzung Dresdens durch die Rote Armee wird Ilse enteignet, da Alfred bei der SS war.
Die Fabrik existiert als Ruine. Otto Kaiser und seine Familie wollen sie wieder aufbauen. Dabei ist insbesondere Lotte sehr erfindungsreich. Die junge Frau ist technisch begabt und hat ein Blick dafür, aus welchen Überresten des Krieges sich etwas Neues machen lässt. Nebenbei muss man für das tägliche Essen sorgen.

„...Lotte erblickte löchrige Strümpfe, gefundene Putzlumpen als Schals, versengte Pelzmäntel, ascheverschmierte Stiefel. Die Dresdner feine Gesellschaft, heruntergekommen zu einer langen Schlange frierender Menschen…“

Lotte beginnt, ihr Leben in den letzten Jahren zu reflektieren. Hat ihr Großvater Otto recht, der all seine Hoffnung auf Gott gesetzt und nie aufgegeben hat? Otto hat die Bombardierung überlebt. Doch seine Frau ist seitdem verschwunden. Trotzdem ist er anderen ein Vorbild.

„...Was wir gerade sehen, ist die Bosheit der Menschen und die Auswirkung der Sünde. Ich kann nicht behaupten, in meinem Leben immer gut und richtig gehandelt zu haben. Aber der Krieg ist der Gipfel der Bosheit…“

Dann lernt Lotte Alexei Petrow kennen, einen russischen Leutnant. Er hat eine russische Bibel in der Tasche und ist auf der Suche nach Gott. Seine Leute hat er im Griff. Er setzt ihnen deutliche Grenzen.
Als besonderes Stilmittel arbeitet die Autorin mit Rückblenden. So erfahre ich, was einzelnen Familienmitgliedern während der Kriegszeit widerfahren ist. Das macht die Wut von Eva verständlich, die sich und ihre Mutter von der Familie allein gelassen fühlte, nachdem ihr Vater eingezogen wurde.
Auch Emma war plötzlich von einen Tag auf den anderen verschwunden. Dafür hatte sie einen guten Grund. Sie resümiert:

„...Der Wert eines Menschen bestimmt sich niemals durch seinen Nutzen, seine Rasse, sein Geschlecht, wie klein oder groß er auch ist, sondern allein dadurch, dass Gott ihn gemacht hat…“

Die Geschichte wird ergänzt durch den Stammbaum der Familie und eine Karte von Dresden nach der Bombardierung sowie durch Informationen über historische Hintergründe und historische Personen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt die Kraft des Glaubens in schwieriger Zeit und thematisiert in intensiven Gesprächen und Gedanken das Problem der Vergebung.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Wenn die Wahrheit anden Tag tritt ...

Weil wir nichts wussten
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„...Wer sein Herkunft nicht kennt, hat keine Vergangenheit, da ist niemand, der einem sagen kann, wer man war und woher man kam. Es ist, als wäre man nie ganz vollständig…“

So geht es einer jungen Frau ...

„...Wer sein Herkunft nicht kennt, hat keine Vergangenheit, da ist niemand, der einem sagen kann, wer man war und woher man kam. Es ist, als wäre man nie ganz vollständig…“

So geht es einer jungen Frau in dem Buch, deren wirklichen Namen ich nicht erfahre. Ab und an wird sie Lisa genannt. Den Name hätte ihr der Vater gegeben.
Der Autor hat eine bewegende Familiengeschichte geschrieben. Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Er bringt die Probleme auf den Punkt und sorgt für eine latente innere Spannung.
Lukas ist Journalist. Tagtäglich erlebt er, dass die Welt in Unruhe ist. Er braucht eine Pause. Bevor er sich um sein neues Haus kümmert, kehrt er nochmals in seinen Heimatort zurück.
Lukas` Familie besitzt ein Juweliergeschäft. Das ist nun in der Hand seines älteren Bruders Leopold. Schnell wird deutlich, dass in der Familie die Mutter alle Fäden in der Hand hatte. Sie hatte das Geschäft mit in die Ehe gebracht und bestimmte, wo es lang geht. Deshalb hat Leopold nun Probleme damit, dass sich seine Mutter zurückzieht. Das ist ungewöhnlich.
Sehr schnell wird klar, wie viel Wert die Mutter trotz allem auf Tradition legt. Leopold hat sich damit eingerichtet, Lukas ist ausgebrochen. Doch auch er kennt dunkle Zeiten, wo er sich fragt, ob sein Weg der Richtige war. Außerdem sind seit dem Selbstmord des Vaters noch Fragen offen.
In einem zweiten Handlungsstrang sucht eine junge Frau nach ihren Wurzeln. Sie lebt bei drei Pflegefamilien. Bitter war, dass ihre zweite Pflegemutter starb und ihr Mann daran zerbrach. Dort hatte sich das Kind aufgehoben gefühlt. Dann aber, bei der dritten Familie, kam es heftig.

„...Die Jahre dort hatte sie wie in einem Warteraum verbracht, von dem sie nicht wusste, ob sie je den Ausgang finden würde. Ein unendlich langer Aufenthalt, ein Mensch, abgestellt wie ein Gegenstand, ein elternloses Mädchen, allein gelassen…“

Lange bleibe ich als Leser im Unklarem, woher die junge Frau plötzlich weiß, wo sie nach ihren Wurzeln suchen muss.
Für Lukas ist die Zeit im Elternhaus auch eine Zeit der Selbstreflektion. Er fragt sich, wohin er im Leben will und wie viel ihm Judith, eine Freundin, wirklich bedeutet.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, dass sich Familiengeheimnisse nicht ewig verstecken lassen. Es ist auch eine Geschichte von Schuld, die bedingt war durch Feigheit des Vaters und durch die Tatsache, dass die Meinung der Öffentlichkeit der Mutter wichtiger war als das Wohl eines Kindes.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Humorvolle Geschichten

Glücksmomente
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„...Glücksmomente finden sich überall, von Montag bis Freitag im normalen Alltagswahnsinn. Das Glück ist da, es will nur von uns aufgespürt werden…“

Mit diesen Worten lädt mich der Autor in sein Büchlein ...

„...Glücksmomente finden sich überall, von Montag bis Freitag im normalen Alltagswahnsinn. Das Glück ist da, es will nur von uns aufgespürt werden…“

Mit diesen Worten lädt mich der Autor in sein Büchlein ein. Darin hat er Geschichten gesammelt, die ungewöhnliche Momente des Alltags festhalten. Der Schriftstil ist leicht und locker und lässt sich flott lesen. Häufig schimmert ein feiner Humor durch. Auffallend sind dabei immer wieder kurze Sätze, die das Gesagte gekonnt komprimieren. Nehmen wir als Beispiel eine Szene beim Augenarzt.

Ehrlich: Erst kratze die Diagnose an meinem Ego. Wie? Schlecht lesen? Getrübter Blick? Knick in der Optik? Unscharf? Sehhilfe? Doch nicht ich! ...“

Die Geschichte sind an keine Zeit gebunden. Es sind Erinnerungen aus der Kindheit, die nachwirken, die Erlebnisse mit den eigenen Kindern oder Erfahrungen in Beruf und Partnerschaft. Der Autor ist schon weit in Deutschland herumgekommen. Auch das spiegelt sich in seinen Erzählungen wieder. Sein Optimismus, der in den Erzählungen steckt, strahlt auf den Leser aus.
In vielen Geschichten werden die Erkenntnisse, die das Erlebte beinhalten, mit Bibelversen, in kursiv gesetzt, unterstrichen.
Das Büchlein hat mir sehr gut gefallen. Es zaubert häufig ein Lächeln aufs Gesicht, steckt voller Hoffnung und macht Mut, Gottes Wirken in den kleinen Glücksmomenten des Alltags zu suchen und zu erkennen.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Ein Urlaub voller Überraschungen

Andere nennen es Urlaub
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„...Sie hatte nie im Luxus gelebt. Für Luis und sie reichte es immer so, dass sie auf nichts verzichten mussten…“

Netti ist alleinerziehende Mutter. Neben ihren Job als Schauspielerin gibt sie Kurse. ...

„...Sie hatte nie im Luxus gelebt. Für Luis und sie reichte es immer so, dass sie auf nichts verzichten mussten…“

Netti ist alleinerziehende Mutter. Neben ihren Job als Schauspielerin gibt sie Kurse. Außerdem arbeitet sie in einem Callcenter. Da aber wurde ihr gerade gekündigt. Die Arbeit macht nun eine KI. Außerdem fordert das Finanzamt eine Steuernachzahlung.
Die Autorin hat einen humorvollen Roman geschrieben. Was als amüsante Urlaubsgeschichte beginnt, erweist sich bald als komplexe Familiengeschichte. Der Schriftstil ist leicht und locker.
Netti braucht eine Pause. Deshalb kommt ihr das Angebot der Frau aus der Reiseagentur gerade recht. Ihr Neffe würde sie mit nach Triest nehmen. Dort könne sie in deren Wohnung ziehen und nach dem Rechten sehen.
Doch ihr 18jähriger Sohn hat andere Pläne. Da kommt ihre Schwester Ellen auf die Idee, dass sie ja ihren Vater Bruno mit auf die Reise nehmen könne. Er könnte in Triest seinen 80. Geburtstag feiern. Bruno ist hell begeistert.
Weniger begeistert ist Netti von ihrem Fahrer Giorgio. Er wirkt leicht genervt.

„...Netti versucht, ihn beruflich einzuordnen, denn seine Hände sehen nicht nach Autoschrauber aus. Hoffentlich ist er kein Lehrer, die wissen immer alles besser und haben auf alles eine Antwort…“

Netti hat zwar ihr Leben im Griff, ringt aber um Anerkennung des Vaters. Der lässt sich seit dem Tode seiner Frau ziemlich gehen. Netti hat nie die Achtung erhalten, die er ihrer Schwester Ellen zukommen lässt. Es war die Mutter, die Nettis berufliche Ambitionen unterstützt hat.
Die Reise erweist sich anfangs als amüsant. Dafür sorgen schon Brunos Kommentare. In Triest angekommen, zeigt sich, dass Bruno all die Orte aufsuchen möchte, die er damals auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau besucht hat. Netti ahnt nicht, welche Überraschungen auf sie warten.
Das Buch hart mir sehr gut gefallen. Die Autorin zeigt, wie wenig die Kinder manchmal über ihre Eltern wissen. Außerdem ist es nie zu spät zu einem Neuanfang.

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