Glauben in harter Zeit
Uns trägt die Hoffnung„...Ein Gedanke schob sich in den Vordergrund. Spürte Flocki vielleicht eine Gefahr? Tiere schienen im Gegensatz zu Menschen besondere Antennen für kommendes Unheil zu haben…“
Lotte ist im Februar 1945 ...
„...Ein Gedanke schob sich in den Vordergrund. Spürte Flocki vielleicht eine Gefahr? Tiere schienen im Gegensatz zu Menschen besondere Antennen für kommendes Unheil zu haben…“
Lotte ist im Februar 1945 in Dresden unterwegs. Flocki entwischt ihr immer wieder. Das ist sie von dem Hund nicht gewohnt.
Die Autorin hat eine spannende und gut recherchierte Fortsetzung ihrer historischen Romantrilogie um eine Dresdner Unternehmerfamilie geschrieben.
Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Die Verhältnisse in Dresden im Jahre 1945 werden gut wiedergegeben.
Im Mittelpunkt steht die nächste Generation. Das sind vor allem Lotte, die Tochter von Frieda und Herrmann, und Eva, die Tochter von Elisabeth und Karl.
Bei der Bombardierung Dresdens verliert die 19jährige Lotte und ihre Familie das Zuhause. Sie kommen bei ihre Tante Ilse in der Villa unter. Doch nach der Besetzung Dresdens durch die Rote Armee wird Ilse enteignet, da Alfred bei der SS war.
Die Fabrik existiert als Ruine. Otto Kaiser und seine Familie wollen sie wieder aufbauen. Dabei ist insbesondere Lotte sehr erfindungsreich. Die junge Frau ist technisch begabt und hat ein Blick dafür, aus welchen Überresten des Krieges sich etwas Neues machen lässt. Nebenbei muss man für das tägliche Essen sorgen.
„...Lotte erblickte löchrige Strümpfe, gefundene Putzlumpen als Schals, versengte Pelzmäntel, ascheverschmierte Stiefel. Die Dresdner feine Gesellschaft, heruntergekommen zu einer langen Schlange frierender Menschen…“
Lotte beginnt, ihr Leben in den letzten Jahren zu reflektieren. Hat ihr Großvater Otto recht, der all seine Hoffnung auf Gott gesetzt und nie aufgegeben hat? Otto hat die Bombardierung überlebt. Doch seine Frau ist seitdem verschwunden. Trotzdem ist er anderen ein Vorbild.
„...Was wir gerade sehen, ist die Bosheit der Menschen und die Auswirkung der Sünde. Ich kann nicht behaupten, in meinem Leben immer gut und richtig gehandelt zu haben. Aber der Krieg ist der Gipfel der Bosheit…“
Dann lernt Lotte Alexei Petrow kennen, einen russischen Leutnant. Er hat eine russische Bibel in der Tasche und ist auf der Suche nach Gott. Seine Leute hat er im Griff. Er setzt ihnen deutliche Grenzen.
Als besonderes Stilmittel arbeitet die Autorin mit Rückblenden. So erfahre ich, was einzelnen Familienmitgliedern während der Kriegszeit widerfahren ist. Das macht die Wut von Eva verständlich, die sich und ihre Mutter von der Familie allein gelassen fühlte, nachdem ihr Vater eingezogen wurde.
Auch Emma war plötzlich von einen Tag auf den anderen verschwunden. Dafür hatte sie einen guten Grund. Sie resümiert:
„...Der Wert eines Menschen bestimmt sich niemals durch seinen Nutzen, seine Rasse, sein Geschlecht, wie klein oder groß er auch ist, sondern allein dadurch, dass Gott ihn gemacht hat…“
Die Geschichte wird ergänzt durch den Stammbaum der Familie und eine Karte von Dresden nach der Bombardierung sowie durch Informationen über historische Hintergründe und historische Personen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt die Kraft des Glaubens in schwieriger Zeit und thematisiert in intensiven Gesprächen und Gedanken das Problem der Vergebung.