Johannas Entscheidungen
Sturmtage„...Fast ist mir, als würde es in dem kleinen Wohnzimmer immer noch so riechen wie damals. Muffig von den alten Polstermöbeln, würzig nach kaltem Kaminofen, salzig nach weitem Meer…“
Wir befinden uns ...
„...Fast ist mir, als würde es in dem kleinen Wohnzimmer immer noch so riechen wie damals. Muffig von den alten Polstermöbeln, würzig nach kaltem Kaminofen, salzig nach weitem Meer…“
Wir befinden uns in Oslo im Jahre 1938. Johanna von Fehrsburg lebt nach der Flucht vor 5 Jahren mit Sven und ihrer kleinen Tochter nun in Norwegen.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Inspiration gab die Familiengeschichte ihres Mannes. Es ist der zweite Teil einer Trilogie. Obwohl ich den ersten Band nicht kenne, hatte ich kein Problem, der Handlung zu folgen. Wesentliche Informationen werden im Laufe des Geschehens vermittelt.
Der Schreibstil ist gut ausgearbeitet. Er bringt die Probleme gekonnt auf den Punkt und beschreibt die gesellschaftlichen Verhältnisse realistisch.
Karl – Georg von Fehrsburg, Johannas Bruder, soll im Auftrag seiner Partei, der SPD, als Spion nach Deutschland gehen. Doch er ist dort bekannt und steht auf der Fahndungsliste.
Johanna bietet an, den Part zu übernehmen.
„...Meine Witterung hat es (Anmerkung: das Regime )noch nicht aufgenommen. Niemand wird mich erkennen…“
Die Entscheidung ist nicht einfach, denn Johanna muss ihre dreijährige Tochter bei Sven zurücklassen. Da die Reise aber auf drei Monate begrenzt ist, stimmen alle Beteiligten zu.
Johannas erster Eindruck von Berlin klingt so:
„...Alle scheinen auf den Beinen, marschieren, präsentieren, bewachen, bedrohen lassen sich bewundern…“
Johannas Aufgabe besteht darin, Wesentliches zu fotografieren. Dann erfährt sie, dass ihre beste Freundin Ruth im KZ interniert ist. Mit ihren Mitverschworenen ersinnt sie einen raffinierten Rettungsplan. Doch haben sie überhaupt eine Chance?
Die ganze Angelegenheit kostet Zeit. In Norwegen wartet die Tochter sehnsüchtig auf ihre Mutter.
Für Johanna wird es immer gefährlicher. Sie ist nicht so unbekannt, wie sie glaubt. Mancher hat sich in Deutschland ganz anders orientiert, als erwartet.
Deutlich wird herausgearbeitet, wie schwierig die Zusammenarbeit der Widerstandskämpfer aus unterschiedlichen Parteien ist. Jeder kocht am liebsten sein Süppchen allein. Es herrscht Misstrauen.
Erstaunt war ich darüber, dass man in Norwegen gegenüber der englischen Regierung wesentlich kritischer eingestellt war als gegenüber der Deutschen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.