Wenn die Wahrheit anden Tag tritt ...
Weil wir nichts wussten„...Wer sein Herkunft nicht kennt, hat keine Vergangenheit, da ist niemand, der einem sagen kann, wer man war und woher man kam. Es ist, als wäre man nie ganz vollständig…“
So geht es einer jungen Frau ...
„...Wer sein Herkunft nicht kennt, hat keine Vergangenheit, da ist niemand, der einem sagen kann, wer man war und woher man kam. Es ist, als wäre man nie ganz vollständig…“
So geht es einer jungen Frau in dem Buch, deren wirklichen Namen ich nicht erfahre. Ab und an wird sie Lisa genannt. Den Name hätte ihr der Vater gegeben.
Der Autor hat eine bewegende Familiengeschichte geschrieben. Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Er bringt die Probleme auf den Punkt und sorgt für eine latente innere Spannung.
Lukas ist Journalist. Tagtäglich erlebt er, dass die Welt in Unruhe ist. Er braucht eine Pause. Bevor er sich um sein neues Haus kümmert, kehrt er nochmals in seinen Heimatort zurück.
Lukas` Familie besitzt ein Juweliergeschäft. Das ist nun in der Hand seines älteren Bruders Leopold. Schnell wird deutlich, dass in der Familie die Mutter alle Fäden in der Hand hatte. Sie hatte das Geschäft mit in die Ehe gebracht und bestimmte, wo es lang geht. Deshalb hat Leopold nun Probleme damit, dass sich seine Mutter zurückzieht. Das ist ungewöhnlich.
Sehr schnell wird klar, wie viel Wert die Mutter trotz allem auf Tradition legt. Leopold hat sich damit eingerichtet, Lukas ist ausgebrochen. Doch auch er kennt dunkle Zeiten, wo er sich fragt, ob sein Weg der Richtige war. Außerdem sind seit dem Selbstmord des Vaters noch Fragen offen.
In einem zweiten Handlungsstrang sucht eine junge Frau nach ihren Wurzeln. Sie lebt bei drei Pflegefamilien. Bitter war, dass ihre zweite Pflegemutter starb und ihr Mann daran zerbrach. Dort hatte sich das Kind aufgehoben gefühlt. Dann aber, bei der dritten Familie, kam es heftig.
„...Die Jahre dort hatte sie wie in einem Warteraum verbracht, von dem sie nicht wusste, ob sie je den Ausgang finden würde. Ein unendlich langer Aufenthalt, ein Mensch, abgestellt wie ein Gegenstand, ein elternloses Mädchen, allein gelassen…“
Lange bleibe ich als Leser im Unklarem, woher die junge Frau plötzlich weiß, wo sie nach ihren Wurzeln suchen muss.
Für Lukas ist die Zeit im Elternhaus auch eine Zeit der Selbstreflektion. Er fragt sich, wohin er im Leben will und wie viel ihm Judith, eine Freundin, wirklich bedeutet.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, dass sich Familiengeheimnisse nicht ewig verstecken lassen. Es ist auch eine Geschichte von Schuld, die bedingt war durch Feigheit des Vaters und durch die Tatsache, dass die Meinung der Öffentlichkeit der Mutter wichtiger war als das Wohl eines Kindes.