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32,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kanon Verlag Berlin
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Politik
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 576
  • Ersterscheinung: 18.02.2026
  • ISBN: 9783985682027
Gusel Jachina

Eisen

Roman
Helmut Ettinger (Übersetzer)

1924 betritt Sergej Eisenstein zum ersten Mal einen Schneideraum. In Russland fehlt es an allem: an Drehbüchern, Regisseuren, vor allem aber an Filmmaterial. Stattdessen kauft man im Ausland. Hauptlieferant der Träume in Zelluloid sind Deutschland und die USA, aber diese Filme müssen erst »sowjetisiert« werden. Eisenstein beherrscht diese höchst anspruchsvolle Kunst bald wie kein Zweiter. Er weiß um die Mittel des Films: Was gezeigt wird, wird geglaubt und damit zur Wahrheit. Er schafft furchtbare Propagandafilme – und zugleich Meisterwerke von Weltrang. Doch sein ganzes Leben lang leidet er an einer inneren Zerrissenheit. – Gusel Jachinas literarische Biografie ist ein gründlich recherchiertes Panorama der Zeit, eine faszinierende Charakterstudie und eine augenöffnende Lektüre über das Verhältnis von Kunst und Macht.

»Gusel Jachina ist eine der bedeutendsten Autorinnen der russischen Gegenwartsliteratur.«  Ljudmila Ulitzkaja

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2026

Brillant erzählt aber unfassbar kleinteilig

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Ich bin großer Fan von Gusel Jachina und lese alle ihre Bücher. Die meisten davon liebe ich sogar, nur dieses hier macht es einem etwas schwer.

In ihrem Vorwort sagt sie, sie möchte einen Roman schreiben, ...

Ich bin großer Fan von Gusel Jachina und lese alle ihre Bücher. Die meisten davon liebe ich sogar, nur dieses hier macht es einem etwas schwer.

In ihrem Vorwort sagt sie, sie möchte einen Roman schreiben, der sich zwischen Fiktion und Sachbuch bewegt, der sich der Figur des Sergej Eisensteins respektvoll annähert, Fakten darlegt und fantasievoll ergänzt. Das tut sie in ihrem gewohnt wunderbaren Erzählstil, aber auch mit vielen Gedankensprüngen und Einschüben, die einem die Orientierung sehr schwer machen. Am Anfang kam mir das Buch vor wie ein großes Durcheinander, mit der Zeit gewöhnt man sich dann ein bisschen daran.

Sergei Michailowitsch Eisenstein, von seinen Freunden kurz „Eisen“ genannt, wurde 1898 in Riga geboren. Er hat Propagandafilme für die neu entstandene Russische Sowjetrepublik gemacht und wurde weltberühmt durch den Film „Panzerkreuzer Potemkin“, der noch heute zu den Klassikern der Filmgeschichte zählt.

Grundsätzlich erleben wir hier mit, wie Eisensteins Filme entstanden sind, einer nach dem anderen, vom Auftrag bis zum Kinostart. Dazwischen wird in kleinen Schlenkern das politische Umfeld sowie Eisensteins Kindheit und Privatleben eingeflochten.

Eisenstein hatte einen ganz eigenen künstlerischen Anspruch, wollte Realität zeigen, Realität überzeichnen, echte Gefühle einfangen, lieber Charaktere zeigen als gefällige Schönheit, wollte schockieren, Hässlichkeit zelebrieren, in Kämpfen das Blut fließen sehen. Das erreichte er durch unglaublich aufwändige Filmaufnahmen und seine innovative Montagetechnik. Er war ein Meister im Schneideraum, wo er wochenlang in Klausur ging, um seine Filme zu gestalten.

Gusel Jachina malt ihn als einen Getriebenen, eine tragische Gestalt zwischen Genie und Wahnsinn, exzentrisch, narzisstisch, genial und größenwahnsinnig, jemand der sich aufreibt zwischen Arbeit und Anstalt. Das ist sehr eindrucksvoll, toll erzählt, aber auch wirklich anstrengend zu lesen.

Durch dieses Buch musst ich mich kämpfen. Es erzählt brillant und unfassbar kleinteilig die Geschichte eines sehr komplizierten Menschen. Ja, man bekommt ein plastisches Bild davon, wie sich Eisenstein gefühlt haben mag, nur ein Spaß ist das nicht. Es ist ein anstrengendes Buch über einen anstrengenden Menschen, das mir zwar diesen Ausnahmekünstler nahegebracht hat, das mir aber insgesamt viel zu ausführlich war. Immerhin bin ich jetzt klüger.

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