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Veröffentlicht am 01.06.2026

Wunderbare Unterhaltung mit Mehrwert

Just Watch Me
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Dieses Buch ist tatsächlich sehr traurig und sehr witzig gleichzeitig.

Dell erzählt mit ganz viel Selbstironie von sich und ihrem Leben in einer winzigen Wohnung, wenig Geld und ständigen Magenschmerzen. ...

Dieses Buch ist tatsächlich sehr traurig und sehr witzig gleichzeitig.

Dell erzählt mit ganz viel Selbstironie von sich und ihrem Leben in einer winzigen Wohnung, wenig Geld und ständigen Magenschmerzen. Als sie auch noch ihren Job verliert, spitzt sich die Situation zu. Aus purer Verzweiflung versucht sie einen Livestream zu starten. Vielleicht kann sie damit ja sogar ihrer Schwester helfen, die im Koma liegt, wer weiß?

Man kann live zusehen, wie Dell ganz schnell in einen Strudel gerät. Sie hat bald Viewer, ein Ranking, Fans und da muss man liefern, je mehr desto krasser, da steigen die Spenden und das Ranking gleich mit. Sie fängt an, scharfe Chillis vor laufender Kamera zu essen und wird damit in kurzer Zeit eine Größe in der Fanszene.

Dells Erzählung wird immer wieder von Chat-Gesprächen begleitet, sie nimmt ja ihre Follower überall hin mit, das ist sehr unterhaltsam. Gleichzeitig erfährt man aber auch, was sie darüber denkt und was es sie kostet, quasi öffentlich zu leben. Sie gibt ihre Privatsphäre auf gegen Cash, berechnet ihre Einnahmen während sie mit übelsten Bauchkrämpfen eine Chili nach der nächsten isst und dabei hofft, dass sie es überlebt. Oder ist es ihr egal? Dell ist auch sehr deprimiert, fast lebensmüde, spielt knallhart mit dem Feuer und ignoriert dabei die besorgten Appelle ihrer Mutter.

Das Buch liest sich leicht, die Seiten fliegen dahin. Die Sprache ist unverblümt, Dell nennt die Dinge beim Namen, das muss man mögen. Allerdings hatte ich die ganze Zeit arge Zweifel, ob mir diese Protagonistin nicht doch zu durchgeknallt ist. Später gibt es aber dann eine Überraschung, die so einiges in einem anderen Licht dastehen lässt.

Es ist wunderbare Unterhaltung mit Mehrwert, ein Buch, das den Finger auf die Problematik der modernen Streamingwelt legt und zeigt, wie es hinter der Fassade aussieht. Ich fand es ab und an ein wenig überzogen, aber grundsätzlich spaßig, erschütternd, erhellend und überraschend.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Ein Buch zum Abtauchen

Der Club der Unbeugsamen
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Kathryn Stockett legt ein neues Buch vor, ganze 17 Jahre nach ihrem Riesenerfolg mit „The Help“, das allein ist schon ein Grund für höchstes Interesse. Für mich führt kein Weg daran vorbei!

Hier landet ...

Kathryn Stockett legt ein neues Buch vor, ganze 17 Jahre nach ihrem Riesenerfolg mit „The Help“, das allein ist schon ein Grund für höchstes Interesse. Für mich führt kein Weg daran vorbei!

Hier landet man in einer amerikanischen Kleinstadt, Oxford, Mississippi, mitten in der Wirtschaftskrise der 30er Jahre. Überall wird das Geld knapp und die, die eh schon wenig hatten, verzweifeln oder werden erfinderisch. Birdie soll zum Beispiel nach Oxford fahren, um ihre Schwester um Geld für die überfällige Steuerzahlung zu bitten. Die meldet sich nicht mehr bei ihrer Familie, hat aber immerhin reich geheiratet.

Und die kleine Meg ist tatsächlich im Waisenhaus gelandet, nachdem ihre Mutter einfach verschwand. Sie lebt jetzt schon seit zwei Jahren dort und kann noch immer nicht glauben, dass ihre Mutter nicht wiederkommt. Die Schikanen der Leiterin des Hauses erträgt sie tapfer, sucht aber heimlich nach einem Ausweg.

Mit ganz viel Humor wird hier von ausweglosen Situationen erzählt. Man amüsiert sich köstlich, während einfach alles immer schlimmer wird. Es gibt jede Menge originelle Figuren, die liebevoll und lebendig geschildert werden. So eine Wirtschaftskrise fordert jeden heraus, arm oder reich. Manch einer verliert alles, obwohl er nie Geldsorgen hatte und andere mussten schon immer ums Überleben kämpfen. Mitten in Oxford bildet sich eine skurrile Zweckgemeinschaft mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell.

Dieses Buch ist intensiv und unterhaltsam, ein Buch zum Abtauchen, voller Überraschungen. Es erzählt von einer schlimmen Zeit, von Not, Prohibition und Polizeigewalt, Snobismus und Bigotterie, aber auch von Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen.

Zum Ende hin wurde es mir ein klein wenig zu gewollt, da geht einiges zu glatt, aber das hat auch eine Art märchenhaften Charme, eine irre Geschichte ist es allemal. Es ist ein wildes Abenteuer über 848 Seiten, das einen maximal fesselt, rührende und tragische Momente hat, auch viel Schwarz und Weiß, dabei aber absolute Sogwirkung entwickelt und großen Spaß macht.

Ich freue mich schon auf die Verfilmung!

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Verstörend realistisch

Ins fahle Herz des Sommers
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Dieses Buch ist ein verstörender Blick in eine wohl nicht allzu weit entfernte Zukunft.

Fausto hat noch eine ganz andere Welt gekannt, als noch nicht ewiger Sommer war, als noch viele Menschen lebten ...

Dieses Buch ist ein verstörender Blick in eine wohl nicht allzu weit entfernte Zukunft.

Fausto hat noch eine ganz andere Welt gekannt, als noch nicht ewiger Sommer war, als noch viele Menschen lebten und es Regen, Jahreszeiten, Geschäfte und Leben überall gab. Er ist noch nicht alt, hat aber persönlich miterlebt, wie allmählich alles anders wurde und eine Pandemie den Rest erledigte. Sehr eindringlich zeigt uns Andreas Eschbach was sein könnte, wenn wir so weitermachen.

Hier passiert nicht sehr viel, das Leben ist karg und aufs Wesentliche beschränkt. Trotzdem liest man es fasziniert, die Schilderungen sind verstörend realistisch. Viele Andeutungen suggerieren, dass uns genau das ganz bald bevorsteht, da war ein Klimawandel, den niemand ernst genommen hat, bis es zu spät war. Das macht es nochmal extra beklemmend.

Der Text liest sich ganz wunderbar, die düstere Atmosphäre wird sehr anschaulich und poetisch geschildert, man fühlt die Hitze, schmeckt den Staub und mag kaum aufhören zu lesen.

Im Grunde ist dies genau das Buch, was die Welt jetzt braucht. Es ist kurz, aber allerhöchst eindringlich, es fesselt, verstört und macht nachdenklich. Zum Ende hin gibt es sogar noch eine böse Überraschung, ein kleines, fieses Sahnehäubchen. Dies ist ein geniales Geschenk für eigentlich jeden, besonders für alle, die noch irgendwie am Klimawandel zweifeln. Ich hoffe, es wird verfilmt!

Das Hörbuch liest Matthias Koeberlin ganz wunderbar. Er gibt diese beklemmende Atmosphäre perfekt wieder und verleiht dem Text damit echten Mehrwert. Ein bisschen schade ist, dass dieses eh schon kurze Buch als Hörbuch auch noch gekürzt wurde. Mir hat beim Hören nichts gefehlt, aber der Text ist wirklich schön geschrieben, intensiv und poetisch, da ist es bedauerlich, wenn etwas herausgestrichen wird. Es dauert 5 Stunden und 14 Minuten.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Tolles Buch, viel zu ausführlich

John of John
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„John of John“ ist ohne Zweifel ein richtig gutes Buch zu einem wichtigen Thema, in toller Sprache verfasst, leider hat es mir überhaupt nicht gefallen.

Cal wird von seinem Vater nach Falabay zurück geordert, ...

„John of John“ ist ohne Zweifel ein richtig gutes Buch zu einem wichtigen Thema, in toller Sprache verfasst, leider hat es mir überhaupt nicht gefallen.

Cal wird von seinem Vater nach Falabay zurück geordert, einer Insel im hintersten Irland, wo die Uhren anders ticken. Dort ist man nicht nur streng gläubig sondern presbyterianisch, züchtet Schafe, webt Tweed noch mit der Hand nach uralten Mustern und verachtet Katholiken für ihre losen Sitten.

In dieser Gesellschaft ist kein Platz für Homosexuelle. Cal hatte versucht, in Edinburgh neu anzufangen, aber sein Kunststudium ist dafür eine schwierige Basis. Frustriert und abgebrannt fährt er zurück nach Hause und ringt mit sich selbst. Soll er sich einfach fügen, sich an das streng reglementierte Leben anpassen wie früher? Soll er sich outen und die Wut seines Vater ertragen?

Das Buch ist wunderbar geschrieben, plastisch, eindringlich, oft brutal aber mit sehr feinem, bitterem Humor. Es breitet Cals Verzweiflung aus, lässt einen teilhaben an seinem inneren Ringen. Aber auch Cals Vater leidet, weil es sich schwer lebt mit solch strengen Regeln, genau wie Innes, der Nachbar und Freund der Familie.

Man bekommt hier blanke Tristesse und ganz viel Leid, die über 560 Seiten lang höchst eindringlich ausgebreitet werden. Es passiert nicht sehr viel, aber das Leid ist groß und das ist einfach schwer erträglich. Douglas Stuart schreibt toll aber auch unglaublich ausführlich. Auf die Hälfte gekürzt wäre das ein grandioses Buch zu einem tragischen Vater-Sohn-Konflikt. In dieser Form hat es deutliche Längen und das ist wirklich schade.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Intensiv, eindringlich und verstörend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieses Buch ist intensiv, eindringlich und verstörend.

Da werden 40 Frauen in einem Keller im Käfig gehalten, niemand weiß warum und die Kleine, die Jüngste von ihnen, hat sogar nie etwas anderes gekannt. ...

Dieses Buch ist intensiv, eindringlich und verstörend.

Da werden 40 Frauen in einem Keller im Käfig gehalten, niemand weiß warum und die Kleine, die Jüngste von ihnen, hat sogar nie etwas anderes gekannt. Alle anderen haben Namen und eine blasse Erinnerung an ein anderes Leben, das Mädchen nicht. Sie weiß nur, was die Frauen ihr erzählen und das ist nicht viel. Lohnt es sich, über eine Welt zu reden, die es nicht mehr gibt? Oder gibt es sie noch irgendwo draußen, wohin keine der Frauen mehr gelangen kann… bis eines Tages alle Wächter verschwunden sind und die Tür offen steht.

Das alles erzählt sie uns aus einem weit späteren Blickwinkel. Jahre später ist sie alt, krank und ganz alleine und schreibt ihre Erlebnisse nieder, selbst wenn ihr Leben sich immer nur ums blanke Überleben gedreht hat.

„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist bestimmt „so existentiell wie »Die Wand«“, genauso fesselnd, obwohl nicht wirklich viel passiert, genauso intensiv und nachdenklich, die Grenzen auslotend und sich fatalistisch seinem Schicksal stellend. Den feministischen Aspekt konnte ich allerdings nicht ausmachen, der Vergleich zu »Der Report der Magd« hinkt stark.

Die Hörbuchversion ist besonders empfehlenswert. Vera Teltz findet genau den richtigen Ton, um diese finstere aber berührende Geschichte vorzutragen, verleiht dem Geschehen noch einen zusätzlichen sehr authentischen Touch. Es dauert 6 Stunden und 26 Minuten.

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