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Veröffentlicht am 10.02.2026

Spaß mit Tiefgang und Feminismus

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Dieses Buch ist wirklich hübsch und beinahe wäre es das Buch geworden, das ich unbedingt all meinen Freundinnen schenken muss.

Herrlich abgeklärt, mit liebevollem Sarkasmus und ordentlich Selbstironie ...

Dieses Buch ist wirklich hübsch und beinahe wäre es das Buch geworden, das ich unbedingt all meinen Freundinnen schenken muss.

Herrlich abgeklärt, mit liebevollem Sarkasmus und ordentlich Selbstironie erzählt Nina von ihrer Situation. Nina, beinahe 50, geschieden, hat nicht darüber nachgedacht, was genau in ihrem Ehevertrag stand, als sie ihn unterschrieb. Jetzt hat sie eine kleine Wohnung in Kreuzberg und sortiert die Akten einer Filmgesellschaft, währen ihr Exmann mit seiner viel zu jungen Freundin in der Villa lebt und Partys feiert. Trotzdem ist sie zufrieden mit ihrem neuen Leben, das ihr neu vor Augen führt, sie ist mehr als nur eine Frau an einer Seite. Als sich ein weitaus jüngerer Mann für sie interessiert, ist sie sogar ganz jemand anderes.

Ihre Schwester Lena hat lieber geordnete Verhältnisse. Eine Vorzeigefamilie mit frisch gebügelten Kindern ist ihr Traum, der reichlich ins Wanken gerät, als sie merkt, dass die berufliche Karriere ihres Mannes vielleicht nicht ganz so vorbildlich abläuft.

Was auf den ersten Blick klingt wie eine normale Frau-in-den-Wechseljahren-Geschichte, bekommt sehr schnell noch eine andere Ebene mit einigem feministischen Thrill. Es geht auch um Lebensmodelle, um Diskriminierung von Frauen in unterschiedlichen Spielarten und um sexuelle Belästigung im Filmgeschäft. Alles unterfüttert mit Ninas klug-ironischen Betrachtungen, das ist Spaß mit Tiefgang.

Das Ende des Buches ist leider ein wenig glatt, da lösen sich plötzlich alle Probleme von selbst. Das ist ein bisschen schade und das hat ein Buch, das so liebevoll komponiert wurde eigentlich nicht verdient.

Das Hörbuch wird wunderbar gelesen von Katja Riemann und Anna Maria Mühe, die die Rollen der beiden ungleichen Schwestern perfekt verkörpern. Man glaubt ihnen jedes Wort. Es ist nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2026 in der Kategorie "Beste Unterhaltung" und dauert 12 Stunden und 35 Minuten. Der Preis wird am 10. März 2026 verliehen, ich bin sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen

Hoffnung für Verzweifelte
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Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ...

Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ganz so schwarz, das ist erstaunlich. Sie behauptet sogar, wir können die Erde noch retten, wir müssen nur den Fokus auf die richtigen Maßnahmen lenken.

Erst einmal sagt sie, wir sehen die Situation generell viel zu schwarz, weil schlechte Nachrichten die besseren Schlagzeilen bringen und weil Prognosen nicht berücksichtigen, dass man Maßnahmen ergreift. Ich habe im Kopf, dass die Wälder durch sauren Regen sterben und dass man wegen des Ozonlochs nicht in die Sonne gehen sollte. Dass das längst nicht mehr so ist, weil die Welt was dagegen getan hat, ist nicht bei mir angekommen.

Dann untersucht sie jeden einzelnen Punkt, der das Klima schädigt, berechnet den Wirkungsgrad und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Beispielsweise ist Plastik nicht grundsätzlich zu verdammen. Es ist sinnvoller, Nahrungsmittel durch Plastikverpackungen länger haltbar zu machen, als dass man sie herstellt und sie schnell vergammeln oder mit Konservierungsmitteln versetzt werden. Das leuchtet ein.

Palmöl ist ein sehr ergiebiges Öl, das platzsparend erzeugt werden kann. Für Sojaöl muss sehr viel mehr Regenwald sterben. Wir könnten Anbauflächen für Ölherstellung sparen, wenn wir Öl nur als Nahrungsmittel benutzen und nicht für Biokraftsoff. Guck an!

Wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun wollen sagt sie, sollten wir unseren Fleischkonsum überdenken. Dabei muss nicht jeder Vegetarier werden, aber es würde schon helfen, auf Rind- und Lammfleisch zu verzichten. Mal ehrlich, das ist nicht schwer.

All solche Dinge rechnet sie uns vor, vergleicht, entlarvt Umweltmythen und gibt Ratschläge. Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen!

Hannah Ritchie macht uns tatsächlich Hoffnung, was die Klimakrise angeht. Was sie nicht berücksichtigt ist die Zerstörung, die sinnlose Kriege bewirken und wie umweltschädigend irre Diktatoren agieren. Das stand wohl 2024, als sie das Buch geschrieben hat, noch nicht so zentral im Fokus. Und das sind auch Faktoren, die man weder untersuchen noch berechnen kann.

Sie hat gerade ein neues Buch geschrieben, indem sie Tipps gibt, wie man mit Klimaskeptikern umgehen kann. Das lese ich als Nächstes!

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Nette Geschichte

Einatmen. Ausatmen.
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Die Situation ist vielversprechend skurril. Marlene, einer erfolgreichen Managerin, fehlt nur ein bisschen Empathie für die Kollegen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. In einem Achtsamkeitsseminar ...

Die Situation ist vielversprechend skurril. Marlene, einer erfolgreichen Managerin, fehlt nur ein bisschen Empathie für die Kollegen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. In einem Achtsamkeitsseminar soll sie lernen, dass das Leben nicht nur aus Leistung besteht.

Dagegen steht die Wellnessfarm, die sie besuchen soll, kurz vor dem Bankrott. Alex, der Coach für Achtsamkeit und positives Denken, leitet seit Jahren Kurse auf einem Schloss in Brandenburg, hat nur beim Ausbau seiner Kur-Oase den Blick für die Finanzen verloren. Da kann einen schon der Gleichmut verlassen. Außerdem hat der Coach für ein glückliches Miteinander selbst Beziehungsprobleme.

Das Setting hat Potenzial, nur leider fehlt ihm der Witz. Beim „Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ habe ich mich noch großartig amüsiert, aber hier hält sich der Autor sehr zurück, baut mehr auf Situationskomik als erlesenen Wortwitz.

Die Figuren und die Handlung wirken eher brav konstruiert und werden mit ordentlich Küchenpsychologie unterfüttert. Kaum ist Marlene angekommen, ist sie ein anderer Mensch, ihre Wandlung braucht nur wenige Tage. Dabei bearbeiten wir ihre Kindheit und die ihrer Mutter. Grundsätzlich lasst sich wieder feststellen, so eine Mutter hatte ja auch eine Mutter, genau wie so manch andere Mutter auch. Ach, immer diese Mütter!

Es passiert noch ein wenig was, es treten noch andere Menschen auf und am Ende sind alle geläutert, sogar Alex.

Das ist hübsch aber nicht sehr aufregend, eine nette Geschichte, die man mal lesen kann, aber nicht muss. Ich hatte mir mehr davon versprochen.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Buch mit Sogwirkung und viel Inhalt

Real Americans
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Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere ...

Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere Punkte, vielleicht fehlt mir das Etikett?

Es erzählt die Geschichte einer chinesischen Familie, nur nicht chronologisch. Es beginnt mit der märchenhaften Liebesgeschichte von Lily Chen und Matthew Maier 1999, die ein durch und durch ungleiches Paar sind. Matthew ist Sohn einer reichen Familie, die ein Pharmaunternehmen betreibt und Lily ist Tochter chinesischer Einwanderer, die nie auf Rosen gebettet waren. Wir bekommen ein bisschen Cinderella in China Town, armes Mädchen trifft Traumprinz, der die Familiendynastie weiterführen soll, aber lieber ein echtes Leben ohne Privilegien und Milliarden hätte. Nur ist Cinderella auch noch Chinesin. Also, was will er, der Prinz? Eine exotische Freundin, um seinen Vater zu ärgern oder ist da wirklich mehr?

Dann erzählt Lilys Sohn Nick aus seinem Leben. Er hatte eine sehr behütete Kindheit, lebte allein mit seiner Mutter auf einer abgelegenen Insel, wer sein Vater ist, wusste er lange nicht. Und als Erwachsener trifft er tatsächlich zum ersten Mal seine Großmutter und erfährt deren Geschichte. May Chen hat die Kulturrevolution in China durchlebt, ist geflohen und wurde später Wissenschaftlerin bei einem großen Pharmaunternehmen. Da schließt sich dann der Kreis, ein Kreis, der Schicksale verknüpft und voller Rätsel ist.

Am Ende habe ich das Gefühl, ich weiß deutlich mehr aber längst nicht alles. Ich habe eine ungewöhnliche Familiengeschichte gelesen, mehrere Liebesgeschichten, ich habe die chinesische Kulturrevolution plastisch miterlebt und ich habe erfahren, wie man sich als Chinese in Amerika fühlt. Ich denke über Wurzeln nach und was einen prägt, Familienbande, Vererbung, Tradition, kann man daran etwas ändern oder ist das Bestimmung? Und wie gut fährt man damit, Wurzeln radikal zu kappen?

„Real Americans“ ist ein fesselndes Buch mit sehr viel Inhalt. Mir fehlt ein kleiner Kick Irgendwas, um ganz begeistert zu sein, aber selbst darauf kann ich nicht den Finger legen. Das Buch bekommt von mir 4,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Gut gemeint

Mathilde und Marie
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Das Beste an diesem Buch ist das Vorwort, in dem der Autor sympathisch und plausibel erklärt, warum die Welt in Zeiten wie diesen mehr Wohlfühlbücher braucht und dass er einen Beitrag dazu leisten will.

Höchst ...

Das Beste an diesem Buch ist das Vorwort, in dem der Autor sympathisch und plausibel erklärt, warum die Welt in Zeiten wie diesen mehr Wohlfühlbücher braucht und dass er einen Beitrag dazu leisten will.

Höchst motiviert beginnt man dieses Wohlfühlbuch, landet im Bücherdorf Redu, dem Traum aller Buchliebhaber und findet das Szenario reichlich konstruiert. Ein Dorf mit 350 Einwohnern, 13 Buchläden, einer Bäckerei, einem Antiquitätengeschäft und einem Marmeladenladen ist wirklich schwer vorstellbar. Dazu sind alle Bewohner ganz reizend (außer Mathilde), lehnen Handys ab, haben einen Gemeinschaftsfernseher im Dorf und eine Stunde täglich Internet.

Im Nachwort erzählt uns der Autor dann, dass es dieses Dorf tatsächlich genau so gibt und dass er nur die Geschichte erfunden hat. Hätte ich das im Vorwort erfahren, wäre ich vielleicht ein klein wenig gnädiger mit diesem Buch gewesen, das wirkt wie eine verstiegene Buchhändlerfantasie.

Die Geschichte selbst ist eigentlich kaum vorhanden und das kann man dem Autor dann tatsächlich ankreiden. Hier passiert so gut wie nichts, außer dass Menschen im beschaulichen Redu zu sich selbst finden. In jedem kleinen Lädchenbuch rettet man mindestens ein Kätzchen vom Baum, stellt einen Ladendieb und findet die Liebe seines Lebens. Hier führt man freundliche Gespräche, genießt die Natur und tausenderlei Aromen, ist still rücksichtsvoll und voller Verständnis für einfach alles. Das genießt auch Anneliese, die Dorfhündin, die allen gemeinsam gehört.

Der Erzählstil passt eigentlich mehr zum Verfassen von Sprüchen fürs Poesiealbum als für einen Roman. Die Dorfbewohner reden sanft miteinander, „Liebe Marie,…“ „Natürlich, lieber Thomas…“ Und die liebe „Mathilde verspürt eine zart aufkeimende Vorfreude auf den kommenden Tag.“

Im Grunde klingt dieses Buch wie ein 300seitiges Achtsamkeitsseminar, (wobei das wahrscheinlich Achtsamkeitsseminare diskriminiert). Das höchst originelle Setting bleibt nahezu ungenutzt. Ich hätte gerne erfahren, wie es sich da wohl lebt, aber wir besuchen nur einen der vielen Buchläden, haben gesichtslose Kunden, gehen mit Anneliese spazieren und kochen Marmelade, wo doch eigentlich ständig Touristenrummel sein müsste, wenn so ein Ort überleben will.

Dieses Buch ist gut gemeint, eine hübsche Idee, die es nicht geschafft hat, lebendig zu werden und sich stattdessen sanft im Kitsch ergeht. Sehr schade.

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