Gentechnik - Segen oder Fluch?
Ich bin immer etwas skeptisch, wenn auf dem Schutzumschlag eines Buchs mit Superlativen um sich geworfen wird. So auch hier. „Herausragend“, befindet die New York Times, und die Washington Post bezeichnet ...
Ich bin immer etwas skeptisch, wenn auf dem Schutzumschlag eines Buchs mit Superlativen um sich geworfen wird. So auch hier. „Herausragend“, befindet die New York Times, und die Washington Post bezeichnet „Real Americans“ als fesselnd, verspielt und philosophisch. Es werden also große Erwartungen geweckt und dieses Mal nicht enttäuscht.
Der Roman ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil handelt von Lily, Tochter chinesischer Einwanderer, die in New York in einem unbezahlten Praktikantinnenjob arbeitet und nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Ihre Eltern, beides Wissenschaftler, sind etwas enttäuscht, dass sie nicht in ihre Fußstapfen tritt. Als Lily den erfolgreichen Matthew kennenlernt und die beiden sich ineinander verlieben, ändert sich Lilys Leben von Grund auf. Doch die Beziehung hält nicht an und Lily, die mittlerweile einen Sohn hat, zieht an die Westküste.
Der zweite Teil wird aus Sicht des Sohns Nick erzählt. Nick weiß nicht, wer sein Vater ist und beschließt, ihn über einen DNA-Test ausfindig zu machen. Er wird tatsächlich fündig. Diese Information hält er allerdings vor seiner Mutter geheim. Vater und Sohn lernen sich kennen, doch die Beziehung ist problematisch, denn Matthews Lebenswirklichkeit ist eine ganz andere als die des Studenten Nick.
Im dritten Teil des Romans erfahren wir schließlich, was Nicks Großeltern dazu bewogen hat, Maos China unter großen Gefahren zu verlassen. Man erfährt viel über das entbehrungsreiche Leben im kommunistischen China, wo Wissenschaftler mit Argwohn beäugt wurden und Hungersnot herrschte. Sehr anschaulich wird ihre Ankunft in den USA geschildert, das einfache Leben, das sie zunächst führen, doch auch ihre beruflichen Erfolge in der Gentechnikforschung. Dieser Teil des Romans spielt im Jahr 2030 und Nicks Großmutter Mei blickt auf ihr Leben zurück.
Ich konnte „Real Americans“ tatsächlich über weite Strecken kaum aus der Hand legen. Es ist ein vielschichtiger Generationenroman, der die gesellschaftlichen Situationen in China und den USA sehr anschaulich schildert. Am Schluss schließt sich der Kreis, Nick versucht, Fehler seiner Eltern und Großeltern, die Gentechnik für einen Segen für die Menschheit hielten, auszubügeln bzw. den Schaden zu begrenzen. Diesen Schluss fand ich nicht ganz so realistisch. Alles in allem kann ich „Real Americans“ jedoch voll und ganz empfehlen.