80er Vibes
Tainted LoveDer Krimi „Tainted Love“ spielt in der deutsch-deutschen Grenzregion Mitte der 80er Jahre im Sommer. Dieses Setting hat mir sofort gefallen: Die sommerliche Hitze, die sterbenden Wälder und die Nähe zur ...
Der Krimi „Tainted Love“ spielt in der deutsch-deutschen Grenzregion Mitte der 80er Jahre im Sommer. Dieses Setting hat mir sofort gefallen: Die sommerliche Hitze, die sterbenden Wälder und die Nähe zur innerdeutschen Grenze erzeugen eine ganz eigene Stimmung irgendwo zwischen Idylle und latenter Bedrohung. Allerdings wirkten die zahlreichen 80er-Jahre-Anspielungen im Verlauf manchmal etwas bemüht.
Im Zentrum stehen Martin Ritter, ein eher ruhiger Bibliothekar mit einer Leidenschaft für Fotografie, und Christine Lehmann, eine kluge und neugierige Journalistin. Beide bringen interessante Perspektiven mit, und ich mochte, dass sie nicht eindimensional gezeichnet sind. Ich hätte sie allerdings gerne noch intensiver kennengelernt.
Im Mittelteil verliert der Roman für mich zunehmend an Klarheit. Es werden sehr viele Figuren und Handlungsstränge eingeführt, die nicht alle wirklich relevant erscheinen. Dadurch wird die Geschichte stellenweise unübersichtlich und der Fokus verschiebt sich. Gerade für einen Krimi hätte ich mir eine stärkere Konzentration auf den eigentlichen Fall gewünscht, der dadurch etwas in den Hintergrund gerät.
Insgesamt ist „Tainted Love“ ein Roman mit einem spannenden Setting und interessanten Figuren. Wer Wert auf Zeitkolorit legt, wird hier definitiv fündig. Wer hingegen einen klar strukturierten Kriminalfall erwartet, könnte enttäuscht sein.