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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2026

Typisch Maiwald

Espresso unter Sternen
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„Espresso unter Sternen“ ist wieder genau die Art von Buch, die man am liebsten mit einem Kaffee in der Sonne lesen möchte. Maiwalds Texte haben einfach etwas Wohlfühliges und sind voller kleiner Beobachtungen, ...

„Espresso unter Sternen“ ist wieder genau die Art von Buch, die man am liebsten mit einem Kaffee in der Sonne lesen möchte. Maiwalds Texte haben einfach etwas Wohlfühliges und sind voller kleiner Beobachtungen, die den Alltag plötzlich leichter wirken lassen. Schon das wunderschöne Cover macht Lust darauf, nach Italien aufzubrechen. Dieses Mal geht es nach Triest, wo sich der Autor eine „Anderszeit“ genommen hat.

Während Stefan Maiwald von Grado nach Triest zieht, entstehen wie gewohnt bei Maiwald viele charmante Begegnungen und kleine Alltagsgeschichten, die plaudernd erzählt werden. Dabei liest sich alles angenehm leicht, ohne belanglos zu sein. Zwischendurch gibt es immer wieder bunt gemischte Fakten zur Geschichte der Stadt. Gerade die historischen Hintergründe fand ich sehr spannend. Dass Triest so eng mit Literatur verbunden ist und viele Schriftsteller dort gelebt haben, war mir zwar grundsätzlich bekannt, aber die Art, wie das hier erzählt und zusammengeführt wird, hat mir richtig gut gefallen. Besonders die Passagen über Bücher, Cafés und kleine Glücksmomente haben bei mir sofort Fernweh ausgelöst.

Für mich war „Espresso unter Sternen“ ein entschleunigendes Wohlfühlbuch voller Italiensehnsucht, Lebensfreude und kleiner Glücksmomente. Es ist perfekt für alle, die Reiseberichte mit persönlicher Note und viel Atmosphäre mögen und natürlich für alle Maiwald-Fans.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Erschreckend realistisch

Just Watch Me
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„Just Watch Me“ ist tatsächlich wie eine Folge von Black Mirror: beklemmend, überspitzt und gleichzeitig erschreckend nah an der Realität. Dell entschließt sich, Geld für die Versorgung ihrer im Koma liegenden ...

„Just Watch Me“ ist tatsächlich wie eine Folge von Black Mirror: beklemmend, überspitzt und gleichzeitig erschreckend nah an der Realität. Dell entschließt sich, Geld für die Versorgung ihrer im Koma liegenden Schwester zu sammeln, indem sie auf einer Plattform dauerhaft streamt und absurde Wünsche ihrer Zuschauer:innen gegen Spenden erfüllt. Der Roman entwickelt ein Szenario, das beim Lesen immer unangenehmer wird, gerade weil man ständig denkt, dass solche Dinge tatsächlich genauso jetzt gerade passieren.

Dell war für mich dabei eine großartige Protagonistin, weil sie wütend, verletzlich und oft ziemlich kratzbürstig ist. Obwohl sie andere Menschen immer wieder vor den Kopf stößt und sich zunehmend in der öffentlichen Aufmerksamkeit verliert, habe ich die ganze Zeit mit ihr mitgefiebert. Ihre impulsive Art macht viele ihrer Entscheidungen nachvollziehbar, selbst wenn der Livestream und die zunehmende Selbstinszenierung immer extremere Formen annehmen. Besonders gelungen fand ich, wie spannend und gleichzeitig bedrückend der Roman erzählt ist. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und entwickelt schnell einen Sog. Mit jedem Kapitel wird deutlicher, wie sehr soziale Medien, öffentliche Aufmerksamkeit und digitale Selbstdarstellung Menschen vereinnahmen können.

Trotz der düsteren Themen bleibt das Buch trotzdem immer unterhaltsam. Für mich war „Just Watch Me“ ein intensiver und unangenehm realistischer Roman über Sichtbarkeit, Ausbeutung und die Mechanismen des Internets.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Wie immer

Träume aus Feuer
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„Träume aus Feuer“ ist wieder genau das, was ich an Illies’ Büchern so schätze: eine ungewöhnliche historische Geschichte, erzählt mit großer Leichtigkeit, viel Atmosphäre und dieser ganz eigenen Mischung ...

„Träume aus Feuer“ ist wieder genau das, was ich an Illies’ Büchern so schätze: eine ungewöhnliche historische Geschichte, erzählt mit großer Leichtigkeit, viel Atmosphäre und dieser ganz eigenen Mischung aus Poesie, kluger Beobachtung auf Basis umfangreicher Recherche und humorvollen Kommentaren. Dieses Mal geht es um den Glasmacher Johannes Kunckel und seine Pfaueninsel.

Ehrlich gesagt hätte mich das Thema ohne Illies als Autoren kaum angesprochen. Glasmacherei, Alchemie, Feindschaften am brandenburgischen Hof sind eigentlich keine Stoffe, nach denen ich normalerweise greifen würde. Aber ich liebe einfach Illies Sprache, die verspielt und immer wieder herrlich kommentierend ist, ohne belehrend zu wirken. Für mich bestätigt dieses Buch wieder, dass ich vermutlich alles von Florian Illies lesen würde, selbst über Themen, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren. Denn wenn Geschichte so lebendig, poetisch und zugleich augenzwinkernd erzählt wird, macht die Lektüre einfach Spaß. Für Illies-Fans!

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Einfühlsam

Sie wollen uns erzählen
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„Sie wollen uns erzählen“ ist ein Roman über ADHS und Neurodivergenz, gesellschaftliche Zuschreibungen, Überforderung im Familienalltag sensibel und mit viel sprachlichem Feingefühl verhandelt.

Leider ...

„Sie wollen uns erzählen“ ist ein Roman über ADHS und Neurodivergenz, gesellschaftliche Zuschreibungen, Überforderung im Familienalltag sensibel und mit viel sprachlichem Feingefühl verhandelt.

Leider hat mich die Geschichte über weite Strecken nicht ganz mitgenommen. Gerade im Mittelteil fehlte mir stellenweise etwas Dynamik, sodass ich das Gefühl hatte, dass die Handlung nur langsam vorankommt. Obwohl die Figuren interessant angelegt sind und viele spannende Themen mitschwingen, hat mich der Roman dadurch teilweise gelangweilt.

Umso stärker fand ich allerdings das Ende. Dort nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf, wird emotionaler und auch dramatischer. Gerade diese letzten Kapitel haben mich dann doch noch sehr berührt und vieles von dem, was vorher eher ruhig und tastend erzählt wurde, emotional zusammengeführt. Besonders hat mir dabei auch die Sprache gefallen: präzise, oft poetisch und immer passend zum Inhalt.

Insgesamt ist „Sie wollen uns erzählen“ damit für mich ein sprachlich schöner und thematisch wichtiger Roman, der mich erzählerisch nicht immer mitnehmen konnte, mich am Ende aber fürs Weiterlesen belohnt hat. Wer ruhige Geschichten mag, kann in dem Roman ganz viel über Neurodivergenz lernen.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Für Fans von Sally Rooney

Herz König
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„Herz König“ ist ohne Frage ein gut geschriebener Roman. Die Sprache ist präzise, klug und oft sehr fein beobachtet, besonders bei den Dialogen und bei den Dynamiken zwischen den Figuren. Gerade die intellektuelle ...

„Herz König“ ist ohne Frage ein gut geschriebener Roman. Die Sprache ist präzise, klug und oft sehr fein beobachtet, besonders bei den Dialogen und bei den Dynamiken zwischen den Figuren. Gerade die intellektuelle Atmosphäre rund um Literatur, Universität, intensive Gespräche und komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen ist überzeugend eingefangen.



Trotzdem war der Roman letztlich nicht ganz meins. Die Konstellation aus Anziehung, emotionaler Ambivalenz und Figuren, die viel denken, analysieren und miteinander ringen, wird sicher denen gefallen, die auch Autorinnen wie Sally Rooney schätzen. Mich persönlich konnte diese Art des Erzählens emotional jedoch nicht wirklich abholen. Ich blieb eher Beobachterin als wirklich mit den Figuren verbunden. Was ich außerdem kritisch anmerken möchte, ist, dass im Roman das Thema Krebserkrankung eine Rolle spielt. Hier hätte ich mir im Vorfeld zumindest einen Hinweis im Klappentext gewünscht, damit Leser*innen selbst entscheiden können, ob sie sich gerade mit diesem Thema auseinandersetzen möchten.



Insgesamt also ein sprachlich überzeugender Roman mit literarischem Anspruch, der für Fans von emotional-intellektuellen Beziehungsromanen eine Empfehlung ist, mich persönlich aber nicht erreicht hat.

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