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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

80er Vibes

Tainted Love
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Der Krimi „Tainted Love“ spielt in der deutsch-deutschen Grenzregion Mitte der 80er Jahre im Sommer. Dieses Setting hat mir sofort gefallen: Die sommerliche Hitze, die sterbenden Wälder und die Nähe zur ...

Der Krimi „Tainted Love“ spielt in der deutsch-deutschen Grenzregion Mitte der 80er Jahre im Sommer. Dieses Setting hat mir sofort gefallen: Die sommerliche Hitze, die sterbenden Wälder und die Nähe zur innerdeutschen Grenze erzeugen eine ganz eigene Stimmung irgendwo zwischen Idylle und latenter Bedrohung. Allerdings wirkten die zahlreichen 80er-Jahre-Anspielungen im Verlauf manchmal etwas bemüht.

Im Zentrum stehen Martin Ritter, ein eher ruhiger Bibliothekar mit einer Leidenschaft für Fotografie, und Christine Lehmann, eine kluge und neugierige Journalistin. Beide bringen interessante Perspektiven mit, und ich mochte, dass sie nicht eindimensional gezeichnet sind. Ich hätte sie allerdings gerne noch intensiver kennengelernt.

Im Mittelteil verliert der Roman für mich zunehmend an Klarheit. Es werden sehr viele Figuren und Handlungsstränge eingeführt, die nicht alle wirklich relevant erscheinen. Dadurch wird die Geschichte stellenweise unübersichtlich und der Fokus verschiebt sich. Gerade für einen Krimi hätte ich mir eine stärkere Konzentration auf den eigentlichen Fall gewünscht, der dadurch etwas in den Hintergrund gerät.

Insgesamt ist „Tainted Love“ ein Roman mit einem spannenden Setting und interessanten Figuren. Wer Wert auf Zeitkolorit legt, wird hier definitiv fündig. Wer hingegen einen klar strukturierten Kriminalfall erwartet, könnte enttäuscht sein.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 30.03.2026

Spannend

Die Stimmen der Nacht
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Ich liebe es, neue großartige Erzählstimmen aus aller Welt zu entdecken und dies hier ist definitiv eine davon. Der Roman „Stimmen der Nacht“ spielt in Nigeria Anfang des 20. Jahrhunderts, im Lagos der ...

Ich liebe es, neue großartige Erzählstimmen aus aller Welt zu entdecken und dies hier ist definitiv eine davon. Der Roman „Stimmen der Nacht“ spielt in Nigeria Anfang des 20. Jahrhunderts, im Lagos der 1960er-Jahre und der 2010er, das heißt in Zeiten des Umbruchs, geprägt von Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, aber auch von tief verwurzelten Konflikten. In diesem Spannungsfeld begegnen sich Margaret und Benjamin, die beide auf unterschiedliche Weise nach Zugehörigkeit und Identität suchen. Aus ihrer Begegnung entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die jedoch zunehmend von inneren und äußeren Spannungen überschattet wird.

Besonders gefallen hat mir, wie der Roman persönliche Schicksale mit größeren gesellschaftlichen Themen verknüpft. Fragen nach Herkunft, kultureller Identität und Glaube ziehen sich durch die gesamte Handlung. Dabei spielen auch intergenerationale Traumata eine zentrale Rolle: Die Vergangenheit wirkt unterschwellig, aber mit großer Wucht in das Leben der Figuren hinein und bestimmt ihre Gegenwart stärker, als ihnen zunächst bewusst ist. Die Geschichte entwickelt dabei eine stetige Spannung. Anfangs noch getragen von der Dynamik zwischen Margaret und Benjamin, wird sie im weiteren Verlauf zunehmend düsterer, insbesondere durch Margarets psychische Entwicklung und die nach und nach enthüllten Ereignisse aus der Vergangenheit. Dieser langsame, fast unausweichliche Bruch ist eindringlich erzählt.

Sprachlich hat mir der Roman ebenfalls sehr gut gefallen, weil er einfach gut erzählt ist. Die Übersetzung liest sich flüssig und transportiert die Atmosphäre der Geschichte überzeugend, es gibt nur ganz wenige Längen. Besonders schön finde ich es außerdem durch den neuen Pfaueninselverlag eine neue literarische Stimme kennenzulernen, von der ich gerne noch mehr lesen würde.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Perfekte Romcom

Keeping it casual
1

Der Roman „Keeping it casual“ hat mich von Anfang an richtig gut unterhalten. Die Geschichte rund um Maxine, die nach einer Diagnose und dem Betrug ihres Freundes komplett neu sortieren muss, verbindet ...

Der Roman „Keeping it casual“ hat mich von Anfang an richtig gut unterhalten. Die Geschichte rund um Maxine, die nach einer Diagnose und dem Betrug ihres Freundes komplett neu sortieren muss, verbindet emotionale Themen mit einer angenehm leichten Erzählweise.

Besonders gefallen hat mir der Stil: Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und die vielen Dialoge und Chatverläufe sind pointiert, witzig und lebendig. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass man schnell in die Geschichte hineinkommt und gerne weiterliest. Auch die Grundidee – ein Kennenlernen über Tinder, bei dem sich zwei Menschen über gemeinsames Kochen annähern, ohne sich direkt zu begegnen – ist charmant umgesetzt.

Die Figuren wirken dabei erfreulich wenig klischeehaft. Max ist keine klassische Romcom-Heldin, sondern eine vielschichtige Figur, die sich erst einmal mit sich selbst auseinandersetzen muss. Auch ihre beste Freundin Alice mochte ich sehr, weil sie gleichzeitig unterstützend und eigenständig ist. Der love interest Johnny bleibt zunächst etwas geheimnisvoll, was neugierig macht, auch wenn ich es schade fand, dass man lange Zeit wenig über ihn erfährt und Max selbst oft mehr von sich erzählt, als wirkliches Interesse an ihm zu zeigen.

Ein schönes Extra sind die eingefügten Rezepte, die das Buch thematisch abrunden, auch wenn ich persönlich eher bei den Desserts bleiben werde (die Tarte au citron steht definitiv auf meiner Liste!), weil alles sehr fleischlastig ist.

Insgesamt ist „Keeping it casual“ eine unterhaltsame, moderne Romcom mit sympathischen Figuren und mehr Tiefe, als man zunächst erwartet. Nicht alles hat mich komplett überzeugt, aber die Mischung aus Humor, Emotion und Selbstfindung hat für mich sehr gut funktioniert.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Wie immer

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Das Hörbuch „Die Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling ist wie immer politisch, pointiert und vor allem sehr witzig und kurzweilig.

Diesmal hat das Känguru endgültig genug von der Weltlage, von Merz und ...

Das Hörbuch „Die Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling ist wie immer politisch, pointiert und vor allem sehr witzig und kurzweilig.

Diesmal hat das Känguru endgültig genug von der Weltlage, von Merz und von Spahn und ruft zur Rebellion auf, natürlich nicht ohne die gewohnt absurden Dialoge mit dem Kleinkünstler. Inhaltlich bleibt das Konzept vertraut: viele kleine Anekdoten statt einer durchgehenden Handlung. Besonders gut funktioniert das für mich wie immer das Hörbuchformat, weil Marc-Uwe Kling selbst liest. Wie schon bei den vorherigen Teilen bringt er das Timing, die Betonung und die kleinen Nuancen perfekt rüber. Etwas irritierend könnte zwischendurch für manche das Lachen des Live-Publikums sein, mich hat das aber nicht gestört.

Ich habe mich beim Hören durchgehend gut unterhalten gefühlt. Das Hörbuch ist witzig, kurzweilig und trifft oft genau den richtigen Ton zwischen Humor und Gesellschaftskritik. „Die Känguru-Rebellion“ ist damit genau das, was man erwartet und genau das, was man in dieser Reihe auch haben möchte.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Bittersüß

Little Hollywood
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Der Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, was mein Lieblingsgenre ist. Im Mittelpunkt steht Leonie, die gerade Abi gemacht hat. Sie hat Streit mit ihrer psychisch ...

Der Roman „Little Hollywood“ von Inga Hanka ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, was mein Lieblingsgenre ist. Im Mittelpunkt steht Leonie, die gerade Abi gemacht hat. Sie hat Streit mit ihrer psychisch kranken Mutter, Probleme mit dem abwesenden Vater und muss dienVerantwortung für ihren kleinen Bruder Ben tragen. Die Videothek „Little Hollywood“ und ihr Mitarbeiter Jo werden für sie zu einem Rückzugsort.

Besonders gut gefallen hat mir die Stimmung des Romans. Diese letzten Wochen vor dem Erwachsenwerden sind sehr treffend eingefangen. Der Sommer fühlt sich beim Lesen richtig greifbar an: die Hitze, das Herumtreiben, das Gefühl von Übergang. Auch die vielen popkulturellen Details und Anspielungen auf die späten 90er (CDs, fehlende Handys etc.) tragen viel zur Atmosphäre bei.

Inhaltlich erfindet der Roman das Genre nicht neu, aber das ist hier auch gar nicht nötig. Mich hat die Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie sehr angesprochen. Teilweise hat mich das Buch an Caroline Wahl erinnert - vor allem durch die Dynamik zwischen Leo und ihrem kleinen Bruder und die schwierige Familiensituation - und gleichzeitig an Benedict Wells durch die ruhige, leicht melancholische Grundstimmung und die popkulturellen Bezüge. Mir hat es ausgezeichnet gefallen!

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