Erschreckend realistisch
Just Watch Me„Just Watch Me“ ist tatsächlich wie eine Folge von Black Mirror: beklemmend, überspitzt und gleichzeitig erschreckend nah an der Realität. Dell entschließt sich, Geld für die Versorgung ihrer im Koma liegenden ...
„Just Watch Me“ ist tatsächlich wie eine Folge von Black Mirror: beklemmend, überspitzt und gleichzeitig erschreckend nah an der Realität. Dell entschließt sich, Geld für die Versorgung ihrer im Koma liegenden Schwester zu sammeln, indem sie auf einer Plattform dauerhaft streamt und absurde Wünsche ihrer Zuschauer:innen gegen Spenden erfüllt. Der Roman entwickelt ein Szenario, das beim Lesen immer unangenehmer wird, gerade weil man ständig denkt, dass solche Dinge tatsächlich genauso jetzt gerade passieren.
Dell war für mich dabei eine großartige Protagonistin, weil sie wütend, verletzlich und oft ziemlich kratzbürstig ist. Obwohl sie andere Menschen immer wieder vor den Kopf stößt und sich zunehmend in der öffentlichen Aufmerksamkeit verliert, habe ich die ganze Zeit mit ihr mitgefiebert. Ihre impulsive Art macht viele ihrer Entscheidungen nachvollziehbar, selbst wenn der Livestream und die zunehmende Selbstinszenierung immer extremere Formen annehmen. Besonders gelungen fand ich, wie spannend und gleichzeitig bedrückend der Roman erzählt ist. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und entwickelt schnell einen Sog. Mit jedem Kapitel wird deutlicher, wie sehr soziale Medien, öffentliche Aufmerksamkeit und digitale Selbstdarstellung Menschen vereinnahmen können.
Trotz der düsteren Themen bleibt das Buch trotzdem immer unterhaltsam. Für mich war „Just Watch Me“ ein intensiver und unangenehm realistischer Roman über Sichtbarkeit, Ausbeutung und die Mechanismen des Internets.