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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2018

Schein oder Nicht-Schein, das ist die Frage

The Wife Between Us
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Zunächst beginnt die Story ganz spannend. Vanessa, verlassene Ehefrau von Richard, verkraftet die Trennung nicht. Sie, die mit Richard ein Luxusleben führte, muss nun als Verkäuferin in einem Laden für ...

Zunächst beginnt die Story ganz spannend. Vanessa, verlassene Ehefrau von Richard, verkraftet die Trennung nicht. Sie, die mit Richard ein Luxusleben führte, muss nun als Verkäuferin in einem Laden für Nobelklamotten arbeiten und bei einer Tante wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten kann. Als sie bei der Arbeit eine Frau aus ihrem früheren Bekanntenkreis aus der Zeit während ihrer Ehe mit Richard trifft und diese ihr erzählt, dass Richard seine neue Freundin heiraten will, bricht sie zusammen. Sie beginnt, der neuen Freundin nachzustellen und will die Hochzeit um jeden Preis verhindern.

Nellie kann ihr Glück kaum fassen. Der attraktive, reiche und charmante Richard will ausgerechnet sie zur Frau! Die Erzieherin, die in einer WG lebt und nicht gerade im Geld schwimmt, wird von heute auf morgen in einer Villa im Grünen wohnen und sich alles leisten können. Die Bemerkung ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Sam, Richard sei zu gut um wahr zu sein, ignoriert sie ebenso wie die warnende Stimme in ihrem Inneren. Dass Richard Entscheidungen über ihren Kopf hinweg trifft und über jeden ihrer Schritte Bescheid zu wissen scheint, zum Beispiel. Sie fühlt sich beobachtet und erhält anonyme Telefonanrufe. Steckt womöglich ihre Vorgängerin dahinter, über die Richard nicht reden will? Überhaupt weiß sie herzlich wenig über ihren Verlobten und dessen Vergangenheit, doch es scheint sie nicht zu stören.

Obwohl die Zutaten zu diesem Krimi stimmen, empfand ich das Buch bis etwa zur Mitte als ziemlich zäh. Dann bekommt die Geschichte allerdings eine unerwartete Wendung und endet mit einer Überraschung.

Für mich war es ein eher mittelmäßiges Buch. Gestört haben mich neben den langatmigen Beschreibungen auch inhaltliche Unstimmigkeiten. So kauft Nellie eines Tages rosa, weiße und gelbe Geranien – gibt es gelbe Geranien? – und in einem Aquarium schwimmen Clownfische und Neonsalmler nebeneinander, also Salz- und Süßwasserfische.
Bei der Szene, in der Nellie die ihr bis dahin völlig unbekannte Schwester Richards umarmt und ihr im ersten Satz mitteilt, sie habe das Gefühl, sie werden wie Schwestern sein, konnte ich nur den Kopf schütteln. Vorsicht, Schleimspur!
Und dass Richard seiner Ex aus heiterem Himmel einen Blankoscheck überreicht, obwohl sie seine geplante Ehe mit allen Mitteln torpediert, fand ich auch nicht sehr glaubhaft. Weshalb sollte er das tun? Es ergibt absolut keinen Sinn.
Das überraschende Ende hat mich ein bisschen mit dem Rest versöhnt, aber den vielen sehr guten Bewertungen kann ich mich nicht anschließen.

Veröffentlicht am 08.09.2017

Die Schatten der Vergangenheit

Kreuzschnitt
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Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken ...

Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken zu werden.
Um ihn aus der gewohnten Umgebung zu holen und den brillanten Ermittler wieder zum Vorschein zu bringen, der er einmal war, schlägt seine Chefin ihn als Sonderermittler von Europol vor, der in Fällen ermitteln soll, in denen norwegische Staatsbürger im Ausland ums Leben kommen.
Bulls erster Fall führt ihn nach Südfrankreich, wo ein reicher Norweger ermordet und seine Leiche geschändet wird. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Da der oder die Täter dem Anschein nach keine Spuren hinterließen, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen...
Ein weiterer Handlungsstrang spielt in Frankreich während des zweiten Weltkriegs, als die Nazis Frankreich besetzt hielten. Der Leser wird Zeuge eines äußerst brutalen Racheakts einer deutschen Eliteeinheit an Résistancekämpfern. Nichts für schwache Nerven!
Eine weitere Handlung findet Anfang des 20. Jahrhunderts statt und beschreibt eine Gemeinschaft von Künstlern um Matisse, Munch und andere.
All diese Handlungsstränge werden kunstvoll miteinander verwoben.
Der Autor versteht es, den Leser mit seinem äußerst kurzweiligen Erzählstil und einer spannenden Handlung bis zuletzt zu fesseln. Ich hoffe sehr, bald mehr von ihm lesen zu können.

Veröffentlicht am 18.04.2017

Faszinierend und lesenswert

Die Geschichte der Bienen
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Von einer Autorin namens Maja erwartet man natürlich fundiertes Wissen zum Thema Bienen . Aber Spaß beiseite: das Buch hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es ist nicht nur spannend und informativ geschrieben, ...

Von einer Autorin namens Maja erwartet man natürlich fundiertes Wissen zum Thema Bienen . Aber Spaß beiseite: das Buch hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es ist nicht nur spannend und informativ geschrieben, sondern auch mit viel Humor (Swammerpie!).
Maja Lunde beschreibt in diesem Buch die Geschichte dreier Familien. William lebt mit seiner Familie im 19. Jahrhundert in England, die Geschichte des Imkers George spielt in den USA im Jahr 2007 und Tao lebt mit Mann und Sohn im China des Jahres 2098.
Was diese Geschichten miteinander verbindet, ist, dass sie allesamt mit Bienen zu tun haben. Außerdem lebt in jeder Familie ein Sohn, an den bestimmte Erwartungen gestellt werden.
Taos Geschichte fand ich besonders faszinierend. Sie spielt in der Zeit nach dem Kollaps, einer fernen Dystopie, in der jeder sich selbst der Nächste ist. Aufgrund von Misswirtschaft und Ausbeutung der Natur gibt es fast nichts mehr zu essen. Bienen sind ausgestorben, weshalb ganze Heerscharen von Arbeitern nichts anderes zu tun haben, als von Hand die Blüten von Obstbäumen zu bestäuben.
Es ist ein durch und durch lesenswertes Buch über die Zusammenhänge in der Natur und die Verantwortung des Menschen der Natur gegenüber, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Veröffentlicht am 18.11.2018

Deutschland in den 1960er Jahren

Deutsches Haus
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Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess ...

Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess im Jahr 1963. Ihre Eltern, die ein gutbürgerliches Gasthaus betreiben, und Evas Verlobter, der reiche Unternehmersohn Jürgen Schoormann, wollen sie von dem Vorhaben abbringen, doch Eva lässt sich nicht beirren.
Im Laufe des Prozesses erfährt Eva vieles über die unmenschlichen Grausamkeiten, die sich in Auschwitz abgespielt haben. Sie kann nicht verstehen, warum Jürgen und ihre Eltern so wenig Interesse daran zeigen. Jürgen versucht sogar, den vorsitzenden Richter davon zu überzeugen, dass Evas „Nervenkostüm“ zu schwach ist, um diese Aufgabe auf Dauer erfüllen zu können.
Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Deutschland der 1960er Jahre, in dem das Veto eines Verlobten gereicht hat, um einer Frau den Job wegzunehmen!
Das Buch behandelt einen wichtigen und dunklen Teil der deutschen Geschichte, aber manches ist für mein Empfinden doch sehr schwarz-weiß dargestellt. Man bekommt den Eindruck, dass die Deutschen ein Volk von bigotten Mördern, Mitläufern und anderen Verbrechern und Denunzianten sind. Selbst Jürgen und Evas Familie haben Schuld auf sich geladen. Diese Nebenschauplätze haben mir im übrigen nicht gefallen, vor allem die Geschichte um Evas Schwester war völlig überflüssig und irrelevant. Auch den Handlungsstrang um den jungen Juristen David Miller fand ich viel zu ausschweifend. Überhaupt nicht nachvollziehen konnte ich manche von Evas Beweggründen, zum Beispiel blieb mir ein Rätsel, was sie an Jürgen fand, der abgesehen von seinem Reichtum so gar nichts zu bieten hatte. Auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber konnte ich nicht verstehen.
Deutsches Haus ist sicherlich ein lesenswertes und gut recherchiertes Buch, wenn man sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen will, doch mit den vielen Nebenschauplätzen hat sich die Autorin ein wenig verzettelt.

Veröffentlicht am 12.11.2018

Interessante Aspekte, aber nicht sonderlich spannend

Lenz
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Kommissar Eschbach kehrt nach einer Weile in den USA in die Schweiz zurück. Die Stimmung in seiner Dienststelle ist gedrückt und mit Ivy Köhler, die während seiner Abwesenheit seine Stelle besetzte, wird ...

Kommissar Eschbach kehrt nach einer Weile in den USA in die Schweiz zurück. Die Stimmung in seiner Dienststelle ist gedrückt und mit Ivy Köhler, die während seiner Abwesenheit seine Stelle besetzte, wird er nicht warm. Außerdem hat er das Gefühl, dass er aufs Abstellgleis geschoben werden soll.
Als sein alter Freund Lenz verschwindet und unter Terrorverdacht steht, muss Eschbach handeln. Außerdem gibt es einen seltsamen Todesfall. Ein kleinwüchsiger Wissenschaftler wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Wohnung ist vollkommen leergeräumt, es gibt keine Hinweise auf Verwandte und Freunde. Lenz und der Tote haben sich allerdings aus Studienzeiten gekannt. Hängt Lenz’ Verschwinden mit dem Tod des Wissenschaftlers zusammen?
Mir war nicht bewusst, dass es sich bei Lenz um eine Reihe handelt und ich empfand es als schwierig, die vielen Personen und deren Beziehungen untereinander auseinanderzuhalten und ihre Vorgeschichten zu verstehen. Den Einstieg in den Roman sowie den Schluss fand ich recht spannend, aber durch den Mittelteil habe ich mich gequält. Die Gedanken zum Krieg in Syrien waren interessant, die Überlegung, wie sehr die öffentliche Meinung von bewusst platzierten Fake News beeinflusst wird, erschreckend. Alles in allem ist Lenz für meine Begriffe eher ein mäßig spannender Roman als ein Kriminalroman. Dass einige der Begebenheiten wie etwa das Auftauchen einer lange Zeit verschollenen Goldmünze den Tatsachen entsprechen, war allerdings interessant.