Mosaik der Abschweifungen
Das Mosaik der FrauenDer Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp ...
Der Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp seiner Verhaftung entkommen. Zunächst schlägt sich Nardini mit Aushilfsjobs durch, doch lernt er in kürzester Zeit so gut Deutsch, dass er als Simultandolmetscher arbeiten kann. Er ist gut integriert und heiratet eine Deutsche. Nach Jahren meldet sich ein alter Freund aus Studientagen bei ihm, der inzwischen Leiter einer großen Klinik ist. Einer seiner Patienten, der schwerkranke Syrer Nadim Suri, möchte vor seinem Tod dem Landsmann von seinem bewegten Leben berichten, das vor allem von Frauen geprägt wurde. Nardini, der inzwischen Autor etlicher Bücher ist, soll Suris Lebensgeschichte niederschreiben. Nardini findet in Suri einen charismatischen Erzähler vor, der ihm nicht nur eine Fülle an persönlichen Anekdoten, sondern auch viel über die politischen Entwicklungen in Syrien und anderen arabischen Ländern berichtet. Dabei kommt Suri vom Hundertsten ins Tausendste, man hat den Eindruck, die halbe Bevölkerung von Damaskus kennenzulernen. Suris Bemerkung „Aber ich schweife wieder ab“ ist das Leitmotiv seiner Erzählungen. Obwohl vieles interessant ist, machten diese Ausschweifungen für mich das Erzählte sehr ermüdend, zumal kein roter Faden ersichtlich ist. Auch die blumige, poetische Sprache hat mich nicht erreicht, beispielsweise, wenn der Tomatenverkäufer auf dem Markt in Damaskus seine Ware mit den Worten anpreist „Meine Tomaten haben ihre Wangen geschminkt und gehen mit mir spazieren“ oder der Aprikosenverkäufer nebenan seine Kunden mit „Oh, Aprikose! Der Wind hat dich und die Gier hat mich tief fallen lassen.“
Die persönlichen Schicksale der Frauen in Suris Leben sind durchaus bewegend, so wird zum Beispiel seine erste Liebe, Samira, von einem eifersüchtigen Cousin ermordet, weil der nicht ertragen kann, dass sie seine Liebe verschmäht. Ab der Mitte des Buchs habe ich die Seiten nur noch quergelesen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich vor ein paar Jahren aufgehört habe, die Bücher von Rafik Schami zu lesen. Für mich leider eine eher enttäuschende Leseerfahrung.