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Veröffentlicht am 07.11.2019

Papier ist geduldig

Verborgen im Gletscher
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Eine deutsche Reisegruppe, die einen isländischen Gletscher besucht, entdeckt durch Zufall eine Leiche. Es handelt sich um den seit Jahrzehnten vermissten Sigurvin, der offensichtlich ermordet wurde. Hjaltin, ...

Eine deutsche Reisegruppe, die einen isländischen Gletscher besucht, entdeckt durch Zufall eine Leiche. Es handelt sich um den seit Jahrzehnten vermissten Sigurvin, der offensichtlich ermordet wurde. Hjaltin, der als Hauptverdächtiger galt, beteuerte damals seine Unschuld und auch jetzt, kurz vor seinem Tod, bleibt er dabei, dass er mit dem Verschwinden des Mannes nichts zu tun hatte.
Kommissar Konrad war damals mit dem Fall befasst. Mittlerweile ist er zwar pensioniert, aber er ermittelt trotzdem, zumal ihm sein Rentnerdasein ziemlich langweilig ist. Er befragt alte Zeugen und Personen, die damals durchs Raster gefallen waren. Dabei stößt er auf einen weiteren Todesfall und entdeckt Verbindungen zwischen den beiden Fällen.
Was sich wie ein interessanter Cold Case anhört, ist leider eine ziemlich schleppend erzählte Geschichte, der es an Spannung fehlt. Mühsam zusammengetragene Puzzleteile und eine Fülle an Handlungssträngen, von denen die wenigsten überhaupt etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben. Wir erfahren viel über Konrads unglückliche Kindheit mit einem kriminellen Vater, sein zerrüttetes Verhältnis zur Mutter sowie über den Rest der Familie. Trotz der ausführlichen Beschreibungen blieben mir die Personen fremd. Auch Konrads frühere Kollegen bleiben blass und machen größtenteils einen äußerst unsympathischen Eindruck.
Ich habe bisher jedes von Indridasons zahlreichen Büchern gelesen. Seine frühen Bücher waren spannend und mitreißend, den letzten zwei oder drei fehlte es schon an Spannung. Aber mit „Verborgen im Gletscher“ verabschiede ich mich aus der Gruppe der Indridason-Leser. Ich habe mich durch das Buch gequält und kann es nur Leuten empfehlen, die Probleme mit dem Einschlafen haben.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Und plötzlich ist alles anders

Wir von der anderen Seite
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Rahel Wald ist Mitte 30, als sie auf der Intensivstation einer Klinik aufwacht und sich erst mal an nichts erinnert. Wieso ist sie in der Klinik? Warum ist sie mit 1000 Geräten verkabelt? Was um alles ...

Rahel Wald ist Mitte 30, als sie auf der Intensivstation einer Klinik aufwacht und sich erst mal an nichts erinnert. Wieso ist sie in der Klinik? Warum ist sie mit 1000 Geräten verkabelt? Was um alles in der Welt ist mit ihr passiert?
Nach und nach erfährt der Leser Rahels Geschichte und erlebt mit ihr den langen Weg zur Heilung.
Die Schilderungen des Klinikalltags sind teilweise überspitzt, teilweise äußerst realistisch, aber immer mit einer gehörigen Portion Humor.
Vor ihrer Krankheit war Rahel eine erfolgreiche Drehbuchautorin, jetzt besteht ihre größte Herausforderung darin, es rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen, ein paar Meter zu gehen ohne zusammenzubrechen und schließlich ihren Körper wieder fit zu machen. Unterstützt wird sie dabei von ihren liebevollen und ziemlich chaotischen Eltern, ihrem Bruder Juri, der extra aus New York angereist kommt, und einem guten alten Freund. Ihr Partner Olli scheint mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein und zu ich-zentriert, um verstehen zu können, dass ein multiples Organversagen nicht von heute auf morgen verarbeitet werden kann. Dass er bezüglich der Zeit vor ihrem Zusammenbruch auch nicht ehrlich zu Rahel ist, trägt auch nicht gerade zu ihrer Gesundung bei. Anika Deckers Schilderungen von Rahels Krankheitsgeschichte gingen mir teilweise ganz schön unter die Haut. Doch dank der aberwitzigen Situationen, in die Rahel sich bringt, bietet das Buch auch viel Anlass zum Lachen. Ich habe das Buch an einem Wochenende durchgelesen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Rahel weitergeht. Wird sie wieder ganz gesund? Bleibt sie bei ihrem Freund? Schafft sie es, das neue Drehbuch innerhalb der Deadline fertigzuschreiben? Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Ich hatte mir nicht allzu viel davon versprochen und wurde angenehm überrascht.

Veröffentlicht am 30.10.2019

Assads persönliche Hölle

Opfer 2117. Der achte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q
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„Opfer 2117“ ist der achte Fall für Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Oft versuchen Autoren mehr oder minder erfolgreich, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Bei Jussi Adler-Olsen ist es tatsächlich ...

„Opfer 2117“ ist der achte Fall für Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Oft versuchen Autoren mehr oder minder erfolgreich, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Bei Jussi Adler-Olsen ist es tatsächlich so, dass seine Bücher immer besser werden. Dieser Fall ist nicht nur ausgesprochen spannend, sondern der Wortwitz des Autors ist ebenfalls ein Vergnügen.
In „Opfer 2117“ erfahren wir viel über Assads Vergangenheit. Der Terrorist Galib, ein Feind aus Assads Vergangenheit, hält Assads Familie in seiner Gewalt und droht mit ihrer Ermordung. Allerdings ist sein größtes Anliegen, dass Assad Zeuge der Auslöschung seiner Familie ist, weshalb er Assad an den Schauplatz des geplanten Anschlags mitten in Berlin lockt. Die Schilderungen, welche Mittel der Terrorist ergreift, um sein Ziel zu erreichen, sind sehr realistisch und gehen unter die Haut.
Zeitgleich erhalten Rose und Gordon vom Sonderdezernat Q seltsame Telefonanrufe eines jungen Mannes, der damit droht, ein Massaker zu begehen, sobald er ein bestimmtes Level bei seinem Computerspiel erreicht. Angeblich war sein erstes Opfer sein Vater, doch weitere sollen bald folgen. Rose und Gordon versuchen fieberhaft, auf die Spur des Gamers zu kommen, bevor dieser seinen perfiden Plan in die Tat umsetzen kann.
Beide Handlungsstränge sind ausgesprochen spannend. Ich habe das Buch als Hörbuch, hervorragend gelesen von Wolfram Koch, gehört und trotz 18 Stunden Hörzeit war mir keine Minute langweilig. Im Gegenteil, am Ende des Hörbuchs fiel es mir schwer, mich von Carl Mørck, Rose und Assad zu verabschieden. Das Buch behandelt brandaktuelle Themen: Fanatismus und Terrorismus mit all seinen menschenverachtenden Auswüchsen, sowie Wohlstandsverwahrlosung, gepaart mit Spielsucht und Gewaltphantasien, um nur ein paar zu nennen.
Ich hoffe, dass es nicht allzu lange dauert, bis der 9. Fall für das Sonderdezernat Q erscheint. Ich kann dieses (Hör) Buch allen empfehlen, die auf der Suche nach aktueller und spannender Unterhaltung sind.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Wisting und der Tag der Vermissten
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Vor vierundzwanzig Jahren verschwand Katharina Haugen spurlos. Ein rätselhafter Fall, denn sie hinterließ einen gepackten Koffer und handschriftliche Notizen, aus denen die Polizei nicht schlau wurde. ...

Vor vierundzwanzig Jahren verschwand Katharina Haugen spurlos. Ein rätselhafter Fall, denn sie hinterließ einen gepackten Koffer und handschriftliche Notizen, aus denen die Polizei nicht schlau wurde. Einer der Ermittler in dem Fall, William Wisting, treibt der Fall noch heute um, weshalb er sich jedes Jahr am Jahrestag von Katharinas Verschwinden von Neuem der Akte widmet, in der Hoffnung auf etwas zu stoßen, das er bisher übersehen hatte.
Im Laufe der Jahre hat sich Wisting außerdem mit Katharinas Ehemann Martin angefreundet, den er jedes Jahr am Jahrestag ihres Verschwindens besucht. In diesem Jahr trifft er Martin erstmalig nicht an, obwohl dieser mit Sicherheit mit Wistings Besuch gerechnet hat.
Zur selben Zeit wird Wisting von Adrian Stiller, einem Cold Case Ermittler aus Oslo, kontaktiert und um Zusammenarbeit gebeten. Stiller hat in Zusammenhang mit einer alten Entführung Martin Haugens Fingerabdrücke auf Beweismitteln entdeckt. Sollte Martin Haugen etwa der Entführer der jungen Nadia Krogh gewesen sein? Da Stiller von Wistings Freundschaft zu Haugen weiß, schlägt er vor, dass Wisting das Wochenende mit Haugen verbringen soll, um diesen auszuhorchen.
Ohne Wistings Wissen bittet Stiller außerdem Wistings Tochter Line, die Journalistin ist, eine Artikelserie über den alten Entführungsfall zu schreiben. Line hat keine Ahnung, dass ihr Vater ebenfalls in diesem Fall ermittelt, und Wisting darf seine Tochter auch nicht darüber informieren, da er der Schweigepflicht unterworfen ist.
„Wisting und der Tag der Vermissten“ ist ein spannender und gut zu lesender Krimi, dessen Autor früher selbst als Ermittler gearbeitet hat. Insofern weiß er genau über Ermittlungsmethoden Bescheid und mir stellte sich die Frage, ob die Polizei wirklich so weit gehen würde, einen ihrer Ermittler als Lockvogel einzusetzen und ihn ein Wochenende mit einem potentiellen Mörder verbringen lassen würde.
Die Lektüre des Buchs war insgesamt kurzweilig, gegen Ende ließ die Spannung allerdings ein wenig nach, weshalb ich nur 4,5 von 5 Sternen vergebe.

Veröffentlicht am 17.10.2019

Ein Buch zum Lachen und Weinen

Es wird Zeit
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Judith wird demnächst fünfzig, Grund genug für sie, auf ihr bisheriges Leben zurückzublicken und ein Resümée zu ziehen. Eigentlich hat sie alles: einen Gatten, der Zahnarzt ist und gut verdient, ein schönes ...

Judith wird demnächst fünfzig, Grund genug für sie, auf ihr bisheriges Leben zurückzublicken und ein Resümée zu ziehen. Eigentlich hat sie alles: einen Gatten, der Zahnarzt ist und gut verdient, ein schönes Eigenheim vor den Toren Hamburgs, drei erwachsene Söhne. Sie ist gesund und es fehlt ihr an nichts. Doch eine richtige Aufgabe im Leben hat sie auch nicht.
Der Tod ihrer Mutter führt sie zurück in ihre Heimat im Rheinland. Eigentlich will sie nur so schnell wie möglich das Elternhaus verkaufen und ihre Mutter begraben, aber dann trifft sie Anne wieder, ihre beste Freundin aus Jugendtagen, zu der sie den Kontakt verloren hatte. Judith hat ein großes Geheimnis, deshalb ist sie Anne aus dem Weg gegangen. Doch nun steht sie vor ihr und Judith muss sich sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart stellen. Die Wahrheit ist, dass sie ihren Ehemann Joachim nur aus praktischen Gründen – sie war damals schwanger – geheiratet hat. Nun ist sie sich nicht sicher, ob sie in dieser nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichteten Ehe weiterleben kann. Zu allem Überfluss tritt auch noch ihr Jugendschwarm wieder in ihr Leben. Judith glaubt, eine zweite Chance zu bekommen. Aber ist es wirklich eine gute Idee, ihren Ehemann zu verlassen oder ist es nur die Midlife Crisis, die ihr zusetzt?
Für mich war dies das erste Buch der Autorin und ich bin wirklich sehr positiv überrascht. Ich hatte mir eine locker-leichte Lektüre vorgestellt, und ein Stück weit ist es das auch, aber nicht nur. Ildiko von Kürthy nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit, als es noch keine Handys gab und man sich wünschte, das Telefonkabel wäre länger, um in Ruhe telefonieren zu können. Ich habe mich in so vielem wiedererkannt: die erste Liebe, das unbedingt gefallen wollen, der Drang, der engen Kleinstadt zu entkommen, wilde Nächte und der Kater am nächsten Tag...
„Es wird Zeit“ ist eines jener Bücher, von denen man sich wünscht, sie mögen nicht zu Ende gehen. Man begleitet die sympathischen Protagonisten ein Stück ihres Lebens und sie wachsen einem mit all ihren Macken und Eigenheiten ans Herz. Ich habe das Buch schweren Herzens beiseite gelegt und freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin.