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Veröffentlicht am 30.06.2020

Vom Paradies in die Hölle

Die Perlenfarm
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Die junge Kiona lebt auf der idyllischen Südseeinsel Manihiki, wo ihre Familie eine Perlenfarm betreibt und Kiona nach Perlen taucht. Eines Tages läuft ein Segelboot auf das Riff vor der Insel auf. Der ...

Die junge Kiona lebt auf der idyllischen Südseeinsel Manihiki, wo ihre Familie eine Perlenfarm betreibt und Kiona nach Perlen taucht. Eines Tages läuft ein Segelboot auf das Riff vor der Insel auf. Der einzige Passagier an Bord kann gerettet werden und wird von Kiona und ihrer Mutter gesund gepflegt. Der Schiffbrüchige, Erik Bergmann, kommt ursprünglich aus Schweden, war aber zuletzt als Banker in London tätig. Er ist auf der Flucht, vor wem oder was ist zunächst unklar.
Erik und Kiona verlieben sich ineinander und gründen eine Familie. Durch die Verkettung unglücklicher Umstände erscheint Eriks Name in der Inselzeitung, woraufhin seine Verfolger auf seinen Aufenthaltsort aufmerksam werden und ihn holen kommen. Erik bittet Kiona inständig, sich zu ihrem eigenen Schutz von ihm loszusagen, da sie und die gesamte Familie sonst ebenfalls in Gefahr geraten.
Doch Kiona will sich auf die Suche nach Erik machen. Sie lässt die Kinder in der Obhut der Familie zurück, verlässt ihr Inselparadies und fliegt zunächst nach Los Angeles. Naiv und weltfremd wie sie ist, wird sie gleich nach ihrer Ankunft ausgeraubt. Mittellos, verletzt und gestrandet in einer fremden Stadt, hat sie das Glück, auf Clay zu treffen, die sie gesund pflegt und bei sich wohnen lässt. Die Krankenschwester Clay hat noch andere Hilfsbedürftige unter ihre Fittiche genommen. Die Gruppe bildet eine wild zusammengewürfelte Wohngemeinschaft, die sich mit dem Verkauf von Zeitschriftenabos über Wasser hält. Doch auch dieses Arrangement ist nur von kurzer Dauer. Mit Clays Hilfe fliegt Kiona weiter nach London, um mehr über Eriks Bank und seinen momentanen Aufenthaltsort herauszufinden. Ihre abenteuerliche Reise führt sie weiter nach Schweden und Tansania...
Was als Südseemärchen beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Thriller um die Machenschaften korrupter Politiker und skrupelloser Banker. Für mich ist „Die Perlenfarm“ ein Lesehighlight dieses Sommers. Ganz anders als die frühen Annika Bengtzon Romane der Autorin, aber absolut lesenswert!

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 23.06.2020

Das Geheimnis in der Vergangenheit

Ein Wort, um dich zu retten
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Nathan Fawles hat drei Bestsellerromane geschrieben, vor er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht und fortan als Einsiedler auf der abgeschiedenen Insel Ile Beaumont lebt. Seine Fans weltweit wollen ...

Nathan Fawles hat drei Bestsellerromane geschrieben, vor er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht und fortan als Einsiedler auf der abgeschiedenen Insel Ile Beaumont lebt. Seine Fans weltweit wollen sich damit nicht zufrieden geben. Einer davon nimmt allein um der Chance willen, dem Schriftsteller eventuell doch zu begegnen, eine Stelle als Buchhändlergehilfe auf der Ile Beaumont an. Er schafft es tatsächlich, sich dem Schriftsteller zu nähern, auch wenn der Empfang alles andere als freundlich ist. Doch mit der Zeit entspannt sich die Lage und Fawles bittet den jungen Mann sogar um Hilfe. Etwa zur selben Zeit kommt die Journalistin Mathilde Monney auf die Insel. Ausgerechnet sie ist es, die den verschwundenen Hund von Nathan Fawles findet und ihn dem Schriftsteller zurückbringt. Fawles ist von der jungen Frau fasziniert, zumal sie ihm eine Geschichte erzählt, die ihn tief berührt. Dann geschieht auf der beschaulichen abgeschiedenen Insel ein grausamer Mord und die Insel wird von der Außenwelt abgeriegelt... Bis zu diesem Punkt habe ich das Hörbuch wirklich gern gehört, doch hier beginnt die Geschichte sehr absurd zu werden. Musso will uns glauben machen, dass praktisch jeder in der Lage ist, zum Folterer und Mörder zu werden, wenn sein Leben aus den Fugen gerät. Die Auflösung und Hintergründe der Mordfälle - es geht auch um einen 20 Jahre zurück liegenden Fall - sind dermaßen konstruiert und abstrus, dass einem die Haare zu Berge stehen. Für mich eine große Enttäuschung. Was allerdings positiv zu bewerten ist, ist die ruhige und angenehme Stimme des Hörbuchsprechers.

  • Cover
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Veröffentlicht am 19.06.2020

Kleinstadtpastor

Bleib bei mir
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Pastor Tyler Caskeys Leben schien perfekt: er hatte eine Stelle in einer amerikanischen Kleinstadt bekommen, in der ihn die Leute für seine passionierten Predigten und sein offenes Wesen schätzten, er ...

Pastor Tyler Caskeys Leben schien perfekt: er hatte eine Stelle in einer amerikanischen Kleinstadt bekommen, in der ihn die Leute für seine passionierten Predigten und sein offenes Wesen schätzten, er war verheiratet mit der bildhübschen Lauren, der Liebe seines Lebens, sie bekamen zwei Kinder, doch dann der Schock: Lauren wird krank und stirbt. Nichts ist mehr, wie es war. Das Haus ist zu groß, die rosa Wände, auf die Lauren bestanden hatte, erdrücken Tyler, und seine ältere Tochter Katherine hört auf zu sprechen und ist in der Schule auffällig.
Tyler, der immer für die Sorgen und Nöte anderer da war, weiß bald nicht mehr, wie es weitergehen soll. Zum Glück hat er eine Haushaltshilfe, die ihn im Alltag unterstützt, doch eines Tages verschwindet sie spurlos. Auch ihr Ehemann weiß nicht, was los ist. Dann beginnen Gerüchte in West Annett zu kursieren, Tyler habe eine Affaire mit seiner Haushälterin gehabt. Die Stimmung im Ort dreht sich gegen ihn und seine Verzweiflung wächst bis zu jenem verhängnisvollen Sonntag, an dem er nicht mehr weiter weiß.
Elizabeth Strout beschreibt, ähnlich wie Kent Haruf, die Menschen einer Kleinstadt mit all ihren Stärken und Schwächen. Sie beobachtet, aber wertet nicht. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, einzig die vielen Bibeltexte nahmen mir etwas zu viel Raum ein. Für Leser, die Kent Harufs Bücher schätzen.

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Veröffentlicht am 16.06.2020

Der neuroatypische Alemão

Schwarzer August
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Leander Lost ist mittlerweile ein geschätztes Mitglied der Polícia Judicária in Fuseta. Anstatt nach dem einen Jahr, für das er ursprünglich als Austauschpolizist an die Algarve geschickt wurde, nach ...

Leander Lost ist mittlerweile ein geschätztes Mitglied der Polícia Judicária in Fuseta. Anstatt nach dem einen Jahr, für das er ursprünglich als Austauschpolizist an die Algarve geschickt wurde, nach Deutschland zurückzukehren, wurde in Fuseta eine Planstelle für ihn geschaffen. Auch auf der persönlichen Ebene läuft alles gut für ihn, denn er ist glücklich verliebt in Soraia, die Schwester seiner Kollegin Graciana, die sich dazu entschließt, mit Leander Lost zusammenzuziehen.
Mitten in diese Idylle hinein geschieht ein Bombenanschlag auf eine kleine Bankfiliale im Hinterland von Fuseta. Menschen werden keine verletzt, doch die Schließfächer und das darin gelagerte Schwarzgeld fliegen in die Luft. Bald gehen weitere Bombendrohungen ein und Miguel Duarte, der einen Lehrgang zur Entschärfung von Bomben belegt hat, kann sein Können unter Beweis stellen, wobei nicht alles so läuft, wie er gern hätte. Leander Losts Asperger hilft auch in diesem Fall bei der Aufklärung des Falls, erkennt er doch als Einziger, dass eine vom Bombenleger hinterlassene Nachricht ein Palindrom ist, ein Satz, der von vorne und hinten gelesen gleich lautet. Besser als seine Kollegen schafft er es, sich in die Beweggründe des Bombenlegers hineinzuversetzen.
Wie schon die Vorgängerbände lebt auch „Schwarzer August“ von der Mischung aus sympathischen Charakteren, allen voran Leander Lost, dem es unmöglich ist zu lügen, was oft zu komischen Situationen führt, der Beschreibung der portugiesischen Landschaft und Lebensart und dem – allerdings nicht allzu spannenden – Kriminalfall. Lost kommt dabei manchmal ein wenig naiv daher. Würde ein Mensch mit Aspergersyndrom wirklich fragen, ob ein goldenes Visum aus Blattgold besteht? Ich bezweifle es. Aber es tut der Unterhaltung keinen Abbruch, im Gegenteil.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und es genossen, der angenehmen Stimme des Erzählers zu lauschen. Mit Leander Lost hat Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt einen außergewöhnlichen und sympathischen Ermittler geschaffen, der hoffentlich bald in einem fünften Fall an der Algarve ermittelt.

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Veröffentlicht am 16.06.2020

Mir ist die Lust auf Fleisch vergangen

Am zwölften Tag
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Denglers Sohn Jakob ist mit Freunden nach Barcelona gefahren. Denken zumindest die Eltern. Doch die Jugendlichen sind telefonisch nicht erreichbar und melden sich nur per SMS. Denglers Ex-Frau bittet ...

Denglers Sohn Jakob ist mit Freunden nach Barcelona gefahren. Denken zumindest die Eltern. Doch die Jugendlichen sind telefonisch nicht erreichbar und melden sich nur per SMS. Denglers Ex-Frau bittet ihn, der Sache auf die Spur zu gehen. Er hält sie zunächst für überbesorgt und gibt zu bedenken, dass Jakob inzwischen volljährig ist und sich nicht mehr täglich melden muss, doch dann merkt auch er, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.

In Wirklichkeit wollten die Jugendlichen keineswegs nach Barcelona fahren, sondern Missstände in der deutschen Fleischindustrie dokumentieren, doch sie fliegen auf und werden von einer kriminellen Bande gefangen gehalten. Gleichzeitig erfährt der Leser, um welche Missstände es geht. Diese Passagen sind dermaßen ekelerregend, dass ich nicht weiß, ob ich jemals wieder Putenfleisch essen kann. Es ist schwer, sich mit diesen Beschreibungen auseinanderzusetzen. Nicht nur die Tiere werden gequält, auch die billigen Arbeiter aus dem Osten leben ein menschenunwürdiges Leben und werden ausgebeutet.

Alles in allem ist "Am zwölften Tag" ein durchaus spannender und sicherlich gut recherchierter Krimi, der jedoch teilweise auch sehr klischeehaft daherkommt. Eine vergewaltigende und prügelnde Rockergang aus Berlin, ein skrupelloser Fleischproduzent, der über Leichen geht... Eines hat das Buch auf jeden Fall bewirkt: mir ist der Appetit auf Fleisch gründlich vergangen.

  • Cover
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