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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2026

Zwischen Lavendelfeldern und Klischees

Au revoir und tschüss
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Die Mittvierzigerin Caro ist an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sie sich fragt, ob sie tatsächlich für den Rest ihres Lebens so weiterleben will. Die Söhne sind aus dem Haus, der Job ist öde ...

Die Mittvierzigerin Caro ist an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem sie sich fragt, ob sie tatsächlich für den Rest ihres Lebens so weiterleben will. Die Söhne sind aus dem Haus, der Job ist öde und ihr Mann Holger nimmt sie für selbstverständlich hin, sie kocht, putzt und soll, wenn es Holger spontan einfällt, ein Abendessen für dessen Chef mit Gattin aus dem Ärmel schütteln. Das besagte ungeplante Abendessen bringt das Fass zum Überlaufen: Caro beschließt, sich einen langgehegten Plan zu erfüllen und allein vier Wochen Sprachurlaub in Frankreich zu machen. Ihr Ziel ist eine kleine Sprachschule in Uzès in Südfrankreich, wo sie auf eine nette Gruppe Gleichgesinnter trifft. Vor allem der charmante junge Sprachlehrer Armand hat es Caro angetan und trotz des Altersunterschieds scheint er sich von ihr ebenso angezogen zu fühlen.
Bei der Auswahl des Buchs habe ich nicht darauf geachtet, dass es sich um ein Buch aus dem Vani Verlag handelt, der wohl ausschließlich sogenannte Wohlfühlbücher verlegt. Mir war zwar bewusst, dass es sich bei „Au revoir und tschüss“ um leichte Sommerlektüre handelt, aber manchmal war mir das Buch dann doch zu seicht und klischeebehaftet. Beispielsweise öffnet Caro nach der Ankunft in ihrer Ferienwohnung das Fenster und riecht frisches Baguette und Lavendel, im Hintergrund erklingt leise Akkordeonmusik. Man stelle sich die Szene vor, in der ein Tourist aus dem Ausland das Fenster seiner deutschen Ferienwohnung öffnet und Bratwurst und Bier riecht, während in der Ferne ein Blasorchester spielt!
Die Handlung ist sehr vorhersehbar. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass Caro den jungen Mann, der sich in Paris als Retter in der Not erweist, wiedertrifft. Trotz der vielen Klischees habe ich das Buch nicht ungern gelesen, die atmosphärischen Schilderungen von Land und Leuten sind sehr gelungen und erzeugen ein Urlaubsgefühl. Und eines muss man dem Vani Verlag lassen: die Gestaltung ihrer Bücher ist unschlagbar schön und geschmackvoll. Der hellblaue Farbschnitt passt perfekt zu dem wunderschön gestalteten Cover, und in der Mitte des Buchs befindet sich ein Schmuckblatt mit der Abbildung eines französischen Marktplatzes samt Brunnen und Platanen. Wer leichte Sommerlektüre mit Frankreichflair sucht, ist hier genau richtig!

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Was soll der Hype?

Yesteryear
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Wenn man, wie ich, viel liest, kommt man dieser Tage an dem Buch „Yesteryear“ kaum vorbei, denn es wird gerade unglaublich gehpyt. Ich frage mich allerdings, warum. Das Thema ist aktuell, aber nicht neu. ...

Wenn man, wie ich, viel liest, kommt man dieser Tage an dem Buch „Yesteryear“ kaum vorbei, denn es wird gerade unglaublich gehpyt. Ich frage mich allerdings, warum. Das Thema ist aktuell, aber nicht neu. Es geht um Social Media und eine ausgesprochen erfolgreiche Influencerin, Natalie Heller-Mills, die zusammen mit ihrer großen Familie auf der Farm Yesteryear in Idaho lebt. Angeblich leben sie dort wie die Siedler vor langer Zeit. Natalies Content zeigt sie zum Beispiel als Trdwife beim Brotbacken und Eier sammeln mit ihren Töchtern, alles in idyllischer Landschaft, die reinste amerikanische Bilderbuchfamilie. Ihr Mann Caleb wird als All-American-Cowboy mit Kühen und Pferden präsentiert. Dass im Hintergrund jede Menge mexikanische Farmarbeiter schuften und die Kindererziehung ihren beiden Nannys überlassen wird, zeigen die Beiträge natürlich nicht. Die von Natalie angepriesenen Produkte wie Schneidebretter aus Vollholz sind keineswegs lokale Bioprodukte, sondern in Wirklichkeit made in China.
Natalie ist die unsympathischste Protagonistin, die man sich vorstellen kann. Es gibt nichts und niemanden, den sie gut findet, außer sich selbst. Ihren Mann bezeichnet sie als Schlappschwanz, die Kinder, vor allem ihre Erstgeborene Clementine, sind ihr unheimlich und lästig. Ich hatte so einen Widerwillen, dieser selbstgerechten, arroganten Zicke, die im Hörbuch als Ich-Erzählerin auftritt, zu lauschen, dass ich mehr als einmal erwogen habe, abzubrechen. Hätte ich es nur getan!
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, einmal in der Jetztzeit, in der Natalie eine über die Grenzen hinaus bekannte Influencerin mit Millionen Followern ist, die von den einen geliebt und bewundert, von den anderen, den von ihr als „wütende Weiber“ bezeichneten Followerinnen gehasst wird, zum anderen in einer nicht näher bezeichneten Vergangenheit, in der Natalie und ihre Familie tatsächlich wie die alten Siedler ohne jegliche Annehmlichkeiten der Neuzeit, von der Außenwelt abgeschieden spartanisch auf einer Ranch leben. Auf dieser zweiten Zeitebene ist Natalie davon überzeugt, entführt worden zu sein, sie hält das Ganze für eine inszenierte Reality-Show, dessen Opfer sie selbst ist. Am Anfang fand ich die Story noch interessant, die Personen entwickeln sich, es passiert etwas. Der Mittelteil ist dann ausgesprochen zäh und lebt von Wiederholungen. Gegen Ende nimmt die Geschichte dann wieder an Fahrt auf und man erfährt endlich, kurz bevor man selbst den Verstand verliert, was das Ganze eigentlich soll, doch erscheint mir die Auflösung doch sehr konstruiert. Für mich war „Yesteryear“ ein Buch mit großem Potential, das jedoch nicht ausgeschöpft, wurde.

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Veröffentlicht am 09.06.2026

Kaputte Familie

Weil sie lügt
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„Weil sie lügt“ ist der Titel dieses Thrillers und man fragt sich von Anfang an, wer ist mit „sie“ gemeint, wer lügt hier? Ist es Anna, deren Schwester Juli vor eineinhalb Jahren spurlos verschwunden ist, ...

„Weil sie lügt“ ist der Titel dieses Thrillers und man fragt sich von Anfang an, wer ist mit „sie“ gemeint, wer lügt hier? Ist es Anna, deren Schwester Juli vor eineinhalb Jahren spurlos verschwunden ist, oder womöglich Annas Mutter, die seit dem Verschwinden der Tochter ein psychisches Wrack ist? Oder ist eine Person gemeint, die erst später eingeführt wird?
Die Geschichte wird aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Zunächst einmal lernen wir Anna kennen, die seit dem rätselhaften Verschwinden von Juli ständig am Rande eines Zusammenbruchs lebt. Die depressive Mutter mit ihren extremen Stimmungsschwankungen kümmert sich um nichts, am allerwenigsten um den 7jährigen Leon, bei dem Anna nun die Mutterrolle übernehmen und ihn vor den Wutausbrüchen der Mutter schützen muss. Der Familienvater ist im Gefängnis, weil die Polizei überzeugt ist, dass er seine Tochter auf dem Gewissen hat.
Die andere Person, aus deren Perspektive die Ereignisse geschildert werden, ist die Polizistin Katharina, Ermittlungsleiterin im Fall Juli. Sie scheint eine äußerst motivierte Polizistin zu sein, die alles daransetzt, den Fall endlich aufzuklären. Dabei muss sie sich im Kollegenkreis mit Eifersüchteleien und Konkurrenzdenken herumschlagen, ihr Kollege Faber, der ursprünglich als Ermittlungsleiter für den Fall zuständig war, macht ihr das Leben schwer.
Anna hat seit der Festnahme des Vaters den Glauben an die Arbeit der Polizei verloren und ermittelt auf eigene Faust. Ihre Hinweise auf mögliche Verdächtige werden von der Polizei als Spinnereien abgetan.
Die kurzen Kapitel, die oft mit einem Cliffhanger enden, lesen sich gut. Die Geschichte fängt spannend an, man kann sich gut in die beiden Erzählerinnen hineindenken. Sprachlich finde ich das Buch nicht so gelungen, wenn Anna beispielsweise Angst hat, vor lauter Ermüdung einen Unfall zu bauen, nennt sie das „die Bäume küssen“. Das Lektorat lässt im Übrigen sehr zu wünschen übrig. Auf S. 93 „schlürft“ Annas Mutter zur Tür, auf S. 355 „malt“ Anna ein Bonbon zu Zuckerstaub. Als dann noch „dass“ und „das“ verwechselt wird, habe ich mich erst einmal vergewissert, ob ich nicht ein unkorrigiertes Leseexemplar in den Händen halte, was aber nicht der Fall war.
Vieles in der Geschichte ist zwar spannend zu lesen, aber nicht gerade logisch. Woher wusste Anna beispielsweise, wo sie nach Julis verschwundenem Ring suchen muss? Es gibt noch viele weitere Beispiele, die ich aber nicht nennen kann, ohne zu spoilern. Das Ende dieses Psychothrillers kommt überraschend, aber leider total konstruiert daher. Andere Sachverhalte, zum Beispiel wer Katharina im Laufe ihrer Ermittlungen angegriffen hat, werden nicht abschließend aufgeklärt. Insgesamt hinterlässt der Krimi ein Gefühl der Enttäuschung bei mir.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Venez - Kommen Sie

The Artist
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1920: Der junge Journalist Joseph Adelaide will seinem tristen Leben in London entrinnen und bittet den seit Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen französischen Maler Tartuffe schriftlich um ein ...

1920: Der junge Journalist Joseph Adelaide will seinem tristen Leben in London entrinnen und bittet den seit Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen französischen Maler Tartuffe schriftlich um ein Interview. Er kann sein Glück kaum fassen, als er die knappe Antwort erhält: Venez – Kommen Sie! Was ihn in der Provence erwartet, hätte er sich anders vorgestellt. Tartuffe, ein wortkarger, griesgrämiger und ganz und gar egozentrischer Mann, lebt in einem heruntergekommenen Bauernhaus außerhalb eines kleinen Dörfchens. Versorgt wird er von seiner Nichte Ettie, die für ihn kocht und putzt und dafür sorgt, dass seine Malutensilien parat liegen. Ettie erscheint wie ein Schatten, hält sich still im Hintergrund. Auch Joseph, den Tartuffe als Modell für sein neuestes Werk auserkoren hat, muss stundenlang in unbequemer Stellung stillsitzen. Er beobachtet den Maler genau, schließlich ist der Hauptzweck seines Aufenthalts, über den großen Meister und seine Herangehensweise an die Kunst zu schreiben.
Lucy Steeds versteht es in ihrem Debütroman hervorragend, die Atmosphäre in dem staubigen und heruntergekommen Künstlerdomizil und die drückend schwüle Hitze der Provence heraufzubeschwören. Vieles ist unausgesprochen, beispielsweise, was den Künstler dazu bewogen hat, Paris zu verlassen und ein Einsiedlerleben in der Provence zu führen. Auch die Rolle von Ettie wirft Fragen auf. Sie unterwirft ihre eigenen Bedürfnisse komplett denen des Onkels, der sie denkbar schlecht behandelt. Joseph fühlt sich schnell von der rätselhaften Ettie angezogen und spürt, dass auch sie vieles vor ihm verbirgt.
Ich fand den Roman von Anfang an faszinierend. Im Prolog erfahren wir, dass Tartuffes Werke mit einer Ausnahme in einem Brand zerstört wurden, danach beginnt erst die eigentliche Geschichte um Tartuffe, Ettie und Joseph. Der Mittelteil zieht sich ein wenig in die Länge, die bleierne Hitze und die unausgesprochenen Konflikte drückten auf meine Stimmung, und doch musste ich fast zwanghaft weiterlesen, um zu erfahren, was genau Ettie dazu bringt, diesem Gefängnis nicht so schnell wie möglich zu entfliehen. Der Schluss ist teilweise nicht wirklich überraschend, ein Detail setzt allerdings einen fulminanten Schlusspunkt.
Ein sprachlich versierter, atmosphärisch dichter Roman. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Gefällt mir sehr

HELENE FISCHER: Das große Vorlesebuch für die ganze Familie mit Geschichten und Liedern
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„Das große Vorlesebuch für die ganze Familie“ ist ein sehr hochwertig gestaltetes Buch, das sofort ins Auge fällt. Als erstes möchte ich den stabilen Einband hervorheben. Ich finde es immer sehr positiv, ...

„Das große Vorlesebuch für die ganze Familie“ ist ein sehr hochwertig gestaltetes Buch, das sofort ins Auge fällt. Als erstes möchte ich den stabilen Einband hervorheben. Ich finde es immer sehr positiv, wenn ein Kinderbuch auch nach vielem Benutzen noch nicht entsprechend aussieht. Um beim Einband zu bleiben: er zeigt eine Frau mit ihren Kindern, das kleinste davon auf dem Schoß, die alle auf dem Sofa sitzen und in einem Buch lesen. Sie sehen sehr glücklich aus, auch die Tiere im Bild scheinen zu lächeln. Bei den Tieren handelt es sich um Esel, Schildkröte, Fuchs, Igel und Hase, die man alle in den Geschichten kennenlernt. Schon allein wegen dieses ansprechenden Covers mit Golddruck hätte ich das Buch sofort in die Hand genommen!
Es enthält über 30 Geschichten mit liebevoll gemalten Illustrationen. Die Länge dieser Geschichten ist ideal, nicht länger als vier Seiten, also perfekt als Gutenachtgeschichten. Sie handeln von Situationen, in denen sich die Kinder wiederfinden. So liebt ein Mädchen Pferde, hat aber Angst vor dem Reiten, ein anderes traut sich nicht, bei einer Geburtstagsparty zu tanzen, weil es befürchtet, ausgelacht zu werden. Immer finden sie dann doch den Mut, etwas Neues zu wagen. Ein großes Thema des Buchs ist Freundschaft und Gemeinschaft. Manche Geschichten sind Fantasiereisen, wenn beispielsweise der kleine Junge, der nicht einschlafen kann, auf seinem besonderen Kissen durch die Nacht fliegt. Alle Geschichten haben gemeinsam, dass sie positiv enden.
Zwischen den einzelnen Geschichten sind Liedseiten, sowie Seiten mit Basteltipps und Rezepten. Als Bonusmaterial kann man sich Seiten zum Ausmalen ausdrucken oder ein von Helene Fischer gesungenes Lied anhören.
Ich kann „Das große Vorlesebuch für die ganze Familie“ voll und ganz empfehlen. Mein Enkel und ich werden noch viele schöne Stunden damit verbringen.

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