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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2019

Verwirrspiel

Wer ist Michael Swann?
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Die Leseprobe weckt hohe Erwartungen. In der New Yorker Penn Station wurde ein Bombenanschlag verübt und alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Täter um Michael Swann, einen bisher unbescholtenen ...

Die Leseprobe weckt hohe Erwartungen. In der New Yorker Penn Station wurde ein Bombenanschlag verübt und alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Täter um Michael Swann, einen bisher unbescholtenen Bürger, handelt. Beweise gibt es zunächst keine außer einem verschwommenen Überwachungsvideo, trotzdem wird Michael über Rundfunk und Fernsehen gesucht. Seine Frau Julia ist panisch. Welche Motive sollte Michael gehabt haben, so etwas zu tun?
Laut Klappentext schickt Michael Julia eine SMS – eine völlig irreführende Information, denn eine solche SMS wird nie verschickt. Zu allem Überfluss verrät der kurze Klappentext viel zu viel vom Geschehen. Nach über 200 Seiten Lektüre weiß man immer noch nicht viel mehr als das, was der Klappentext bereits verraten hat.
Das Buch beginnt ausgesprochen spannend. Man fiebert mit Julia mit, die versucht, ihren Mann zu finden, doch da beginnen dann bereits die Ungereimtheiten. Obwohl nach dem Anschlag totales Chaos herrscht, bekommt Julia, die von ihrem Vorort im Auto unterwegs in die City ist, Geleit durch einen (gesperrten) Tunnel. Später, als sie zuhause Besuch von Beamten der Homeland Security bekommt, versucht sie zu fliehen und es gelingt ihr, obwohl den Beamten ihr Fluchtversuch keineswegs verborgen bleibt. Die Auflösung erhält man dann ganz zum Schluss, und diese ist so absurd, dass ich mich richtig geärgert habe, so viel Zeit auf dieses Buch verschwendet zu haben. Ein weiterer Minuspunkt ist die teilweise sehr holprige Übersetzung, die möglicherweise der Tatsache geschuldet ist, dass es sich bei dem von mir gelesenen Manuskript um eine unkorrigierte Version gehandelt haben mag. Alles in allem möchte ich dieses Buch trotz einiger spannender Kapitel niemandem empfehlen, der Wert auf eine einigermaßen realistische Story legt.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Schein oder Nicht-Schein, das ist die Frage

The Wife Between Us
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Zunächst beginnt die Story ganz spannend. Vanessa, verlassene Ehefrau von Richard, verkraftet die Trennung nicht. Sie, die mit Richard ein Luxusleben führte, muss nun als Verkäuferin in einem Laden für ...

Zunächst beginnt die Story ganz spannend. Vanessa, verlassene Ehefrau von Richard, verkraftet die Trennung nicht. Sie, die mit Richard ein Luxusleben führte, muss nun als Verkäuferin in einem Laden für Nobelklamotten arbeiten und bei einer Tante wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten kann. Als sie bei der Arbeit eine Frau aus ihrem früheren Bekanntenkreis aus der Zeit während ihrer Ehe mit Richard trifft und diese ihr erzählt, dass Richard seine neue Freundin heiraten will, bricht sie zusammen. Sie beginnt, der neuen Freundin nachzustellen und will die Hochzeit um jeden Preis verhindern.

Nellie kann ihr Glück kaum fassen. Der attraktive, reiche und charmante Richard will ausgerechnet sie zur Frau! Die Erzieherin, die in einer WG lebt und nicht gerade im Geld schwimmt, wird von heute auf morgen in einer Villa im Grünen wohnen und sich alles leisten können. Die Bemerkung ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Sam, Richard sei zu gut um wahr zu sein, ignoriert sie ebenso wie die warnende Stimme in ihrem Inneren. Dass Richard Entscheidungen über ihren Kopf hinweg trifft und über jeden ihrer Schritte Bescheid zu wissen scheint, zum Beispiel. Sie fühlt sich beobachtet und erhält anonyme Telefonanrufe. Steckt womöglich ihre Vorgängerin dahinter, über die Richard nicht reden will? Überhaupt weiß sie herzlich wenig über ihren Verlobten und dessen Vergangenheit, doch es scheint sie nicht zu stören.

Obwohl die Zutaten zu diesem Krimi stimmen, empfand ich das Buch bis etwa zur Mitte als ziemlich zäh. Dann bekommt die Geschichte allerdings eine unerwartete Wendung und endet mit einer Überraschung.

Für mich war es ein eher mittelmäßiges Buch. Gestört haben mich neben den langatmigen Beschreibungen auch inhaltliche Unstimmigkeiten. So kauft Nellie eines Tages rosa, weiße und gelbe Geranien – gibt es gelbe Geranien? – und in einem Aquarium schwimmen Clownfische und Neonsalmler nebeneinander, also Salz- und Süßwasserfische.
Bei der Szene, in der Nellie die ihr bis dahin völlig unbekannte Schwester Richards umarmt und ihr im ersten Satz mitteilt, sie habe das Gefühl, sie werden wie Schwestern sein, konnte ich nur den Kopf schütteln. Vorsicht, Schleimspur!
Und dass Richard seiner Ex aus heiterem Himmel einen Blankoscheck überreicht, obwohl sie seine geplante Ehe mit allen Mitteln torpediert, fand ich auch nicht sehr glaubhaft. Weshalb sollte er das tun? Es ergibt absolut keinen Sinn.
Das überraschende Ende hat mich ein bisschen mit dem Rest versöhnt, aber den vielen sehr guten Bewertungen kann ich mich nicht anschließen.

Veröffentlicht am 08.09.2017

Die Schatten der Vergangenheit

Kreuzschnitt
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Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken ...

Der norwegische Kommissar Bogart Bull verliert bei einem Autounfall Frau und Tochter. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, schafft es jedoch, mit Hilfe seines Vaters und seiner Vorgesetzten wieder trocken zu werden.
Um ihn aus der gewohnten Umgebung zu holen und den brillanten Ermittler wieder zum Vorschein zu bringen, der er einmal war, schlägt seine Chefin ihn als Sonderermittler von Europol vor, der in Fällen ermitteln soll, in denen norwegische Staatsbürger im Ausland ums Leben kommen.
Bulls erster Fall führt ihn nach Südfrankreich, wo ein reicher Norweger ermordet und seine Leiche geschändet wird. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Da der oder die Täter dem Anschein nach keine Spuren hinterließen, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen...
Ein weiterer Handlungsstrang spielt in Frankreich während des zweiten Weltkriegs, als die Nazis Frankreich besetzt hielten. Der Leser wird Zeuge eines äußerst brutalen Racheakts einer deutschen Eliteeinheit an Résistancekämpfern. Nichts für schwache Nerven!
Eine weitere Handlung findet Anfang des 20. Jahrhunderts statt und beschreibt eine Gemeinschaft von Künstlern um Matisse, Munch und andere.
All diese Handlungsstränge werden kunstvoll miteinander verwoben.
Der Autor versteht es, den Leser mit seinem äußerst kurzweiligen Erzählstil und einer spannenden Handlung bis zuletzt zu fesseln. Ich hoffe sehr, bald mehr von ihm lesen zu können.

Veröffentlicht am 18.04.2017

Faszinierend und lesenswert

Die Geschichte der Bienen
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Von einer Autorin namens Maja erwartet man natürlich fundiertes Wissen zum Thema Bienen . Aber Spaß beiseite: das Buch hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es ist nicht nur spannend und informativ geschrieben, ...

Von einer Autorin namens Maja erwartet man natürlich fundiertes Wissen zum Thema Bienen . Aber Spaß beiseite: das Buch hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es ist nicht nur spannend und informativ geschrieben, sondern auch mit viel Humor (Swammerpie!).
Maja Lunde beschreibt in diesem Buch die Geschichte dreier Familien. William lebt mit seiner Familie im 19. Jahrhundert in England, die Geschichte des Imkers George spielt in den USA im Jahr 2007 und Tao lebt mit Mann und Sohn im China des Jahres 2098.
Was diese Geschichten miteinander verbindet, ist, dass sie allesamt mit Bienen zu tun haben. Außerdem lebt in jeder Familie ein Sohn, an den bestimmte Erwartungen gestellt werden.
Taos Geschichte fand ich besonders faszinierend. Sie spielt in der Zeit nach dem Kollaps, einer fernen Dystopie, in der jeder sich selbst der Nächste ist. Aufgrund von Misswirtschaft und Ausbeutung der Natur gibt es fast nichts mehr zu essen. Bienen sind ausgestorben, weshalb ganze Heerscharen von Arbeitern nichts anderes zu tun haben, als von Hand die Blüten von Obstbäumen zu bestäuben.
Es ist ein durch und durch lesenswertes Buch über die Zusammenhänge in der Natur und die Verantwortung des Menschen der Natur gegenüber, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Die Schatten der Vergangenheit

Schatten der Toten
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Da ich die ersten beiden Bücher der Reihe nicht gelesen habe und der vorliegende Band auf den beiden anderen aufbaut, hatte ich anfangs ziemliche Probleme damit, der Handlung zu folgen. Es wird zwar auf ...

Da ich die ersten beiden Bücher der Reihe nicht gelesen habe und der vorliegende Band auf den beiden anderen aufbaut, hatte ich anfangs ziemliche Probleme damit, der Handlung zu folgen. Es wird zwar auf die Vorkommnisse dieser Vorgängerbände Bezug genommen, aber es ist so eine Fülle an Informationen in zusammengefasster Form, dass es nicht unbedingt ratsam ist, so wie ich, mit dem 3. Band zu beginnen.
Zunächst handelt die Story von der Tatortreinigerin Judith Kepler, die in einem Reinigungsunternehmen in Berlin beschäftigt ist. Ihr Chef, Dombrowski, scheint große Stücke auf sie zu halten, denn als er notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert wird, übergibt er ihr die Schlüssel zum Unternehmen und bittet sie, die Geschäfte für ihn weiterzuleiten.
Judith Kepler ist die Tochter eines Doppelagenten aus der Zeit des kalten Kriegs, der unter dem Namen Bastide Larcan inzwischen als Waffenhändler tätig ist. Er hat sie bereits zweimal verraten, einmal, als er mit ihr und ihrer Mutter aus der DDR ausreiste und Judiths Mutter dabei ums Leben kam und ein zweites Mal bei der sogenannten Operation Saßnitz, die wohl Gegenstand des letzten Bands der Reihe war. Die Protagonisten dieser Operation tauchen in „Schatten der Toten“ wieder auf, was für Leser, die mit der Reihe vertraut sind, sicher interessant ist, für mich jedoch äußerst verwirrend war. Da gibt es beispielsweise zwei Männer namens Kaiserley, Vater und Sohn, doch mir war nicht immer klar, von wem gerade die Rede ist.
Eine frühere Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes, Isa Kellermann, deren Mutter Bastide Larcan (damals noch unter seinem eigentlichen Namen Lindner) als sogenannter Romeo verführte, um an geheime Informationen zu kommen, schwört sich nach dem Tod der Mutter, Rache an Larcan zu nehmen und ist bereit, dafür auch über Leichen zu gehen. Bei einer Operation in Odessa, bei der sämtliche Hauptbeteiligten wieder zusammenkommen, kommt es zu einem Showdown, bei dem allerdings nicht alles so läuft wie geplant.
Mir hat „Schatten der Toten“ ganz gut gefallen, auch wenn ich es streckenweise doch sehr verwirrend fand. Elisabeth Hermanns Stärke liegt in ihren Beschreibungen. Der Markt der tausend Wunder in Odessa, bei dem man von Wachstuchtischdecken bis zu Waffen alles kaufen kann, was das Herz begehrt, war so detailliert und gut beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, vor Ort zu sein. Auch die Katakomben von Odessa und die Beschreibung der Stadt an sich haben mich sehr beeindruckt. Mit der Zeit kam ich auch gut in die Geschichte rein. Für Fans von Frederick Forsyth ist dieser Spionagekrimi sehr zu empfehlen, allerdings mit den eingangs erwähnten Einschränkungen.