Cover-Bild Gerd Müller
(1)
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

22,95
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Sport und Freizeit
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 10.12.2019
  • ISBN: 9783406741517
Hans Woller

Gerd Müller

oder Wie das große Geld in den Fußball kam
Sie nannten ihn das "achte Fußball-Weltwunder" - und meinten damit Gerd Müller, der als Torjäger noch heute alle Rekorde hält. Wer war dieser Mann, der vom Provinzkicker aus ärmlichsten Verhältnissen zum Weltstar aufstieg, reich wurde und dann nach einem Ausflug in das Fußballentwicklungsland Amerika alkoholsüchtig in der Gosse landete?

Der Historiker Hans Woller schildert die Etappen dieser ungewöhnlichen Karriere - aus kritischer Distanz und zugleich voller Empathie. Die Geschichte des FC Bayern München ist dabei stets präsent. Müllers Verein etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren an der Spitze des europäischen Fußballs, bewegte sich aber immer am Rande des finanziellen Ruins. Wie die Insolvenz abgewendet werden konnte, welche zwielichtige Rolle dabei die bayerische Staatsregierung und die CSU spielten und in welchem Maße Superstars wie Müller oder Beckenbauer von diesen Machenschaften profitierten, ist bisher noch nie so eindringlich dargestellt worden. Fußballgeschichte wird hier zur Zeitgeschichte, die damit eine neue wissenschaftliche Dimension gewinnt.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei Venatrix in einem Regal.
  • Venatrix hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2019

NIcht nur eine Biografie sondern ein Stück Zeitgeschichte

0

Wer kennt ihn nicht, den Gerd Müller, den „Bomber der Nation“? Das legendäre Doppelpassspiel „Beckenbauer zu Müller, Müller zu Beckenbauer, zurück zu Müller, Toooooooooor“ ist uns wohl allen bekannt.
Wer, ...

Wer kennt ihn nicht, den Gerd Müller, den „Bomber der Nation“? Das legendäre Doppelpassspiel „Beckenbauer zu Müller, Müller zu Beckenbauer, zurück zu Müller, Toooooooooor“ ist uns wohl allen bekannt.
Wer, so wie ich schon ein wenig älter als 30 Jahre ist, kann sich an den stämmigen Fußballer, der, so hat es für die Zuschauer den Anschein, stets vor dem gegnerischen Tor herumlungerte und in einem unbeobachteten Moment den Ball in eben diesem Tor versenkte, erinnern.

Historiker Hans Wollner hat einen etwas anderen Blick auf das runde Leder und nimmt neben Gerd Müller auch das Umfeld in Augenschein. Er beschreibt nicht nur den Fußballer sondern auch den Menschen, der hinter ihm steht. Woller nähert sich ihm behutsam, taktvoll und dennoch offen an. Der Autor recherchiert und recherchiert, führt Interviews und ist erstaunt, dass manche Interviewpartner nicht öffentlich zitiert werden wollen. Genauso wenig öffnet der FC Bayern seine Archive. Die Vermutung, dass das alles mit der Verstrickung des Fußballs mit den diversen Geldflüssen und Steuervermeidungsstrategien, die von der Politik Bayern geduldet, wenn nicht sogar gefördert wurde, zusammenhängt, liegt nahe. Der Finanzskandal rund um den Fußballklub hat ja einst hohe Wellen geschlagen. Nicht, dass der FC Bayern der einzige Verein wäre, der solche Tricks auf Lager hat(te). Doch es scheint, als wäre er die Spitze des Eisbergs, was eine getürkte Einnahmen/Ausgaben-Rechung und Steuervermeidung mit Politikbeteiligung betrifft.

Der Fokus dieses Buches liegt streckenweise eher auf den Malversationen des FC Bayern München und die Verstrickung von Politik, Managern und den Umgang mit der Presse denn auf dem Fußballstar. Obwohl, Star, so scheint es, wollte Gerd Müller keiner sein. Natürlich haben er und seine Frau Uschi die Annehmlichkeiten des Ruhmes genossen, die Schattenseiten der Popularität sind dann umso härter ausgefallen. Müller wird hier als ein schüchterner Mensch beschrieben, der das Rampenlicht lieber Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß überlassen hat. Doch ausgerechnet die sind es dann, als Gerd Müller nahezu pleite und alkoholkrank aus Amerika zurückkehrt, die ihn auffangen und ihm Halt geben. Aus schlechtem Gewissen oder doch Nächstenliebe? Gerd Müller erhält einen Trainerjob im Stab der zweiten Mannschaft der Bayern, den er von 1992 bis 2014 inne hat. 2015 gibt der FC Bayern bekannt, dass ihr einstiger Topstar an Demenz erkrankt ist, und in einer entsprechenden Einrichtung betreut werden muss. Uschi Müller besucht ihn jeden Tag.
Das Buch gibt überraschende und weniger überraschende Einblicke in den Alltag des Fußballs und speziell dem des FC Bayern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Für mich neu war, dass die Fußballer ununterbrochen Freundschaftsspiele absolvierten, um Geld in die leeren Kassen der Vereine zu spie(ü)len. Der „Präse“ hat dies ohne Rücksicht auf die Spieler einfach angeordnet - Regenerationszeit gleich null. Das Fehlen von Ärzten, Masseuren und sonstigen, heute üblichen Helferleins hat mich auch ein wenig irritiert. Wenn man sich ansieht, über welchen Betreuerstab die einzelnen Mannschaften heute
verfügen, wundert es fast ein wenig, wie die Fußballer früher erfolgreich sein konnten.

Fazit:

Ein fundiert recherchiertes Sachbuch, das einen etwas anderen Blickwinkel auf Deutschlands liebste Sportart hat. Ich kann das Buch als Geschenk für Fußballfans empfehlen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere